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Full text of "Schwarze Faden - Zeitschrift Nummer 0-77"

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CHWARZER 


























HERAUSGEBER: SF-Redaktion/Trotzdcm- 
V erlag 

V.i.S.d.P: Herby Sachs, Moosweg 165, 5090 
Leverkusen; namentlich gezeichnete Beiträge 
stehen unter der Verantwortlichkeit der Ver¬ 
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Herausgeber oder gar des prcsscrcchtlich 
Verantwortlichen wieder. 

Mitarbeit: Der SF versucht eine Mischung 
aus aktuellen politischen Ereignissen, anarchi¬ 
stischer Diskussion, Aktualisierung libertärer 
Theorie, Aufarbeitung freiheitlicher Ge¬ 
schichte und Beiträgen, die sich mit Kultur¬ 
kritik oder einer Kultur von unten befassen. 
Eingesandte Artikel sind er wünscht, speziell 
solche von Augenzeuginnen aktueller Ereig¬ 
nisse, die eine analytische Aufarbeitung ver¬ 
suchen. Leute, die regelmäßig bestimmte 
fremd sprachige Zeitschriften lesen, sollen uns 
dies mitlcilcn und uns Artikel zur Übersetzung 
Vorschlägen. Allgemein bevorzugen wir 
namentlich oder von Gruppen gekennzeich¬ 
nete Beiträge. Telefonische Vorabsprachc von 
Beiträgen ist sinnvoll; Photos, Grafiken etc. 
sind erwünscht. Pseudonyme sind möglich, 
wenn der Redaktion die Urheberinnen be¬ 
kanntsind, 

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Endredaktion: Über einen Abdruck entschei¬ 
den Mitarbeiterinnen der Redaktion; ein An¬ 
spruch auf Veröffentlichung besteht nicht. 
Honorare bleiben auch unsere Wunschvor- 
stcllung. Ausnahmen können wir machen, in 
dem wir gegen Vorabsprache z.B. die Un¬ 
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Nachdrucke: sind gegen Quellenangabe und 
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sprache mit der Redaktion erwünscht. 

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tum des Verlags, bis sieden Gefangenen aus¬ 
gehändigt sind. Eine “Zur-Habe-Nah me” ist 
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Auflage: 3000 Exemplare; Verlag, Satz und 
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zcichnete Photos aus dem SF-Archiv. 
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mern Bezahlung im voraus. Mil der letzten 
bezahlten Nummern erhalten Abo-nennten eine 
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wer nicht verlängern will, schicke uns eine 
kurze Nachricht. DDR-ABOs: nach wie voi 
gilt, daß wir auch Bücher im Gegenwert zu 
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Einzelnummer: 6.-DM 
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Redaktions-und ABOanschri ft: Schwarzer 
Faden, Postfach 1159, 7043 Grafcnau-1, 
Tel.: 07033/44273; ISSN: 0722-8988. 
Lokaler Redaktionskontakt: 

Herby Sachs, Moosweg 165, 5090 
Leverkusen 

Redaktionsschluß für Nr. 38 (2/91): 
2023.91 

Anzeigenschluß Nr237: 1.4..91 


Inhalt SF-Nr.37 


Editorial 2 

Impressum 3 

Zinovjev: Kapitalismus-Kritik 4 

Reden auf dem Kongreß 7 

"Keine Stimme für Deutschland" 9 

Geschichte und Sit. der Kurden 12 

Kein Soldatcnlebcn für öl 23 

GATT 24 

500 J. Kolonialismus 27 

Intcrv. m. Finkielkraut: Rassismus 30 
Rassismus von Vichy 32 

Bjorneboe: Rassismus der Nazis 36 

AIDS - medizinischer Irrtum? 44 

Auberg: Gegenöffentlichkeit 48 

<8>-Szene 55 

Kurznachrichten/Neue Bücher 56 

Krivitsky-Stalins Agent 59 

Operacion Principe 60 

Nationalismus-Diskussion 61 

Leserbriefe 65 

Free the Murrays 67 

Rudolf Michaelis | 68 

Mittwochs frei 70 

AltcSF-Nummcrn _ 71 


Bücher statt Zinsen 

Der Trotzdem ★Verlag sucht Menschen, 
die -1000.-DM oder 2000.-DM für eine 
Weile entbehren können und dieses Geld 
für mindestens ein Jahr als Kredit zur 
Verfügung stellen können. Diese Beträge 
helfen uns, die geplanten Bücher zu 
verwirklichen. Wir schicken allen Interes¬ 
sierten einen diesbezüglichen Vertrag zu. 
Die Krcditgeberlnnen erhalten alle Bücher 
und Broschüren, die im Zei träum der Kre- 
dilgewährung, erscheinen gratis und wer¬ 
den über Rundbriefe über Verlagsvor¬ 
haben etc. informiert. Die Kredite können 
nach Ablauf eines Jahres verlängert oder 
zurückgefordcrt werden und werden von 
uns dann in 5 Monatsraten zurückbezahlt. 
Kontakt: Trotzdem^rVerlag, PF 1159, 
7043 Grafenau-1. 



SF 1/91 = SF 4/90 

An alle Ungeduldigen, alle Sehnsuchtsvollen 
alle Archivare, eben an alle. Die jetzt vorlie¬ 
gende Nummer 37 des SF ist zur Nummer 1 
des neuen Jahres mutiert. Der Grund lag ein¬ 
fach darin, daß viele der abgesprochenen Arti¬ 
kel nicht bis zum Redaktionsschluß Vorlagen 
ja selbst bis zu den Weihnachtsfeiertagen noch 
nicht. Wir haben uns deshalb entschlossen 
den Erscheinungstermin zweimal zu verschie¬ 
ben, weil wie Euch auch keine Ausgabe vor¬ 
legen wollten, mit der wir selbst unzufrieden 
gewesen wären. Wir hoffen, daß diese Mittei¬ 
lung alle Wartenden aufklärt und bitten dafür 
um Verstandnis, daß wir nicht alle diesbezüg¬ 
lichen brieflichen Anfragen beantworten konn¬ 
ten. 












„Ich will Euch 
vom Westen 
erzählen“ 


von Alexander Zinovjew 

Vorbemerkung: Vor 12 Jahren wurde der 
Philosoph Alexander Zinovjew wegen 
„sowjetfeindlicher Betätigung“ aus der 
UdSSR ausgewiesen. Von 1970-1978 war 
er Professor anderUniversität in Moskau . 
ln seinem Heimatland galt er als heraus¬ 
ragender Regime kr itiker. Nach 12 Jahren 
in der Bundesrepublik richtet er jetzt 
ebenso bittere Kritik gegen den Westen, in 
dem Geld alles bedeutet, aber die meisten 
keines haben. 

Als ich gebeten wurde für Komsomol- 
skaja Pravda zu schreiben, war ich ver¬ 
wirrt. Und cs gab Gründe dafür. Zum 
ersten Mal in meinem Leben richtete sich 
eine sowjetische Zeitung mit einer sol¬ 
chen Bitte an mich. Und über was sollte 
ich schreiben? 

In Rußland sind jetzt jene hochgeach¬ 
tet, die alles „Sowjetische“ verspotten, 
einschließlich das sowjetische (kommu¬ 
nistische) soziale System und die sowje¬ 
tische Geschichte. Das geschieht heute 


nicht nur ungestraft, sondern cs wird dazu 
aufgefordert und direkt von oben stimu¬ 
liert. Für solche „mutigen Männer“ habe 
ich nur Verachtung übrig und auf sie will 
ich nicht hören. 

Dann denke ich daran, daß ich 12 
Jahre im Westen gelebt habe, unfreiwillig 
einen näheren Einblick erhalten habe, wie 
Menschen hier leben, daß ich selbst die 
Verdienste und Schwächen der westlichen 
Lebensweise erfahren habe, daß ich aus 
diesem Blickwinkel die Ereignisse in 
Rußland beobachtet und mehr als einmal 
über die Möglichkeiten Rußlands nach- 
gcdacht habe, den westlichen Weg cin- 
zuschlagcn. 

Mir scheint, daß in Rußland eine die 
Massen erfassende Geistesverwirrung 
eingetreten ist. Jene, welche dazu die 
Initiative ergriffen haben und an dieser 
Verwirrung mitwirken, stellen sic als ein 
Erwachen aus der dunklen Epoche des 
Stalinismus und Brczjncvismus dar. Aber 
ich sehe darin überhaupt keinen intellek¬ 
tuellen und moralischen Fortschritt. Im 
Gegenteil, ich sehe es als Rückschritt für 
die Sowjctgcscllschaft. 

Eine der Hauptäußerungen derzeit ist 
die Idealisierung des Westens. Die alte 
ideologische Lüge vom Westen als einer 
Konzentration von bösen Dingen ist ab- 
gclöst worden durch die neue ideologische 
Lüge, nach der der Westen nun als eine 


Konzentration von guten Dingen darge- 
stcllt wird, als ein Vorbild, dem es nach- 
zucifem gilt. 

Aber ist der Westen das Paradies auf 
Erden? Ich muß zugeben, daß ich etwas 
verlegen bin, überdieses Themazu schrei¬ 
ben. Nicht weil ich fürchte als konservativ 
und reaktionär angesehen zu werden. Das 
erschreckt mich nicht. Ich bin verlegen, 
über den wirklichen Westen zu schreiben, 
weil darüber schon tausende von Büchern 
geschrieben wurden und ich kann kaum 
etwas Neues hinzu fügen. 

Die Sowjetbürger, die in den Westen 
kommen, sind am meisten vom Waren¬ 
überfluß in den Geschäften überrascht. 
Der erste Eindruck ist faktisch der, daß 
man hier das vollständige kommunistische 
Prinzip verwirklicht hat: »Jedem nach 
seinem Bedarf«. Doch dieser Eindruck 
verflüchtigtsich rasch, wcnn’sans Bezah¬ 
len geht. All diese sichtbaren Nützlich¬ 
keiten sind nicht gratis. Sic kosten Geld. 

Geld muß erarbeitet werden. Und dies 
ist ein Lebensprozess , dessen wirklichen 
Inhalt man im Westen nicht zur Schau 
stellt. Der wird verschwiegen, versteckt, 
maskiert und schöngefärbt, weil gerade 
auf ihm das Wesen der westlichen Le¬ 
bensweise beruht, und nicht in den über- 
flicßcndcn Schaufenstern der Geschäfte. 

Die Erfolgreichen sind eine unbedeu¬ 
tende Minderheit. Die Anzahl Glücklicher, 




















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Photo: Klaus Malomy 


die Millionen verdienen, ist nicht beson¬ 
ders groß. Aber jene, die keine Möglich¬ 
keit haben überhaupt etwas zu verdienen, 
sind sehr viele. 

EsistcincSache,ctwasdurch Bücher, 
Zeitungen und andere Berichte zu wissen, 
es „theoretisch“ zu kennen. Eine ganz 
andere Sache ist cs, dies an der eigenen 
Haut zu fühlen. Es ist z.B. eine Sache 
„theoretisch“ um Arbeitslosigkeit und 
Arbcitsloscnunterstützungzu wissen, eine 
ganz andere Sache ist cs, selbst arbeitslos 
zu sein, Jahr ein, Jahr aus und dafür zu 
kämpfen (ja, kämpfen), daß die Unter¬ 
stützung bezahlt wird. Westliche Politi¬ 
ker und Ideologen schreien heraus, daß 
die Arbeitslosenunterstützung in ihren 
Ländern höher sei, als die Löhne in den 
, kommunistischen Ländern. Das ist eine 
zynische Lüge. 

Die Segnungen des Westens haben 
cineSchattcnscitc,dienicht von der Licht¬ 
seite zu trennen ist. Nachdem du sehr viel 


mische S ummen, die ständig wachsen und 
manchmal die Hälfte des Einkommens 
übersteigen. Wohnungen werden in der 
Regel vom Lohn auf viele Jahre gekauft, 
mitunter mehr als 30 Jahre. Man muß eine 
Summe dafür bezahlen, die mindestens 
doppelt so hoch ist, wie die, welche man 
geliehen hat. Und versuch mal, nicht zu 
bezahlen! Die Bank ist keine Sowjetmacht, 
sie kennt keine Nachsicht und kann nicht 
kritisiert werden. Außerdem werden 
Wohnungen keineswegs an alle verkauft: 
es sind Garantien erforderlich, die sichcr- 
stellen, daß die Schulden an die Bank 
bezahlt werden können. 

So sieht es auch mit allen anderen 
Aspekten des Lebens aus. Das hohe Le¬ 
bensniveau im Westen ist überhaupt kei¬ 
ne freiwillige Angelegenheit. Es beruht 
auf Zwang! Und es hat verschiedene 
Qualität für die unterschiedlichen Bevöl¬ 
kerungsgruppen: Überfluß für dieoberste 
Schicht, teure Zeit für die Mittelschicht 


von außen betrachtet, versteckt die Ar¬ 
mut, die geistige Leere und den morali¬ 
schen Verfall. 

DieS owjetbürger, die es gewohnt s ind, 
von Lohn zu Lohn zu leben und für ihre 

Gästeallesaufzutischcn, was cs im Hause 
gibt, werden vom Geiz im Westen frap¬ 
piert sein; -besonders bei besser Betuch¬ 
ten. Die Westgesellschaft ist zum größten 
Teil eine Gesellschaft der Geizhälse. Geiz 
(»Sparsamkeit« heißt es allzu edel) ist 
eine der Quellen des westlichen Wohl¬ 
stands. Reiche Menschen, die ihre Eltern 
ins Altersheim verweisen und ihnen nicht 
einen Pfennig über die Pension hinaus 
gönnen, sind an der Tagesordnung. Ein 
normales Verhalten - aus Sparsamkeit. 

In Moskau lächelte man einst über 
folgenden Scherz: »Der Kapitalismus 
verfault, aber er riecht gut«. 

In Wirklichkeit verfault der Kapita¬ 
lismus nicht, aber seine Gesundheit stinkt 
ganz übel. 


Zeit geopfert hast, eine Wohnung zu fin¬ 
den und dann einem Makler eine Menge 
Geld bezahlt hast, kannst du eine Woh¬ 
nung oder 3ogar ein Haus beziehen. Du 
kannst cs auch kaufen. Aber was kostet 
cs? Fürs Wohnen bezahlst du astrono¬ 


und die Möglichkeit - auf Kosten der 
Gesellschaft - an der Armutsgrenze zu 
leben für die unterste Schicht. Weitaus 
nicht alles, was beim ersten Blick so aus¬ 
sieht, bewahrheitet sich bei näherem 
Hinsehen. Die Lebenswesie der Jugend 


Staatsführem - sind in Gedanken und 
Gesprächen mit Geld beschäftigt. Wo man 
auch geht und wohin man sich wendet 
springt dieser Abgott der westlichen 
Lebensweise - das Geld - in die Augen 









und in die Seele. Mit den Verführungen 
und der Ideologie, ist dieses Bewußtsein 
dabei, unseren ganzen Planeten anzu- 
stcckcn, einschließlich der Menschen in 
den kommunistischen Ländern. 

Ich habe hier einer der widerlichsten 
Operationen der Geschichte beigewohnt 
- wie man zynisch und berechnend das 
ganze Volk der DDR demoralisierte mit 
Gcldvcrsprcchcn und Almosen aus der 
BRD. Die Ostdeutschen verloren ihre 
Urteilsfähigkeit und strömten zu Millio¬ 
nen wegen einigen Gralis-Hunderünark 
(»Bcgrüßungsgcld«) hinüber in die BRD. 

Auch hier kommt ideologische Ver¬ 
dummung vor. Obwohl es keine einheit¬ 
liche Staatsideologie gibt und auch kei¬ 
nen Zwang, ideologische Texte zu stu¬ 
dieren; dafür werden hier die Menschen 
auf eine bedeutend effektivere Weise 
verdummt als in der Sowjetunion. Dies 
geschieht durch unzählige Kanäle, die ins 
tägliche Leben eingebaut sind - durch 
TV, Literatur, Kirche, Film, Zeitungen, 
Mode, Zeitvertreib für die J ugend und al le 
möglichcnZusammcnschlüssc. Die west¬ 
liche Masscnkultur ist zuallererst Werk¬ 
zeug für die ideologische Verdummung. 

Der Begriff »private Initiative« zum 
Beispiel ist unbestimmt und vieldeutig, 
wie alle anderen Begriffe, die im Westen 
gelten. Ich glaube, hier geht eine absicht¬ 
liche Zerstörung des Begriffsapparates 
vor sich, mit dem Ziel, die Bevölkerung 
zu verwirren. Man kann dies für alle 
wichtigen Begriffe nachwciscn, mit dem 
Begriff Markt, dem Begriff Geld, dem 
Begriff Demokratie und dem Begriff 
Partei. Eine Familie z.B., die ein kleines 
Geschäft aufmacht, ist Privatunternehmer. 
Ein gigantisches Auto-, Flugzeug- oder 
Data-Untcmehmcn, mit Kapital von 
mehreren Milliarden, ist auch ein privates 
Unternehmen. Eine Bank, die tausende 
von großen und Millionen von kleinen 
Privatuntenehmen kontrolliert, ist pri¬ 
vat. Die westliche Gesellschaft von heute 
ist nicht die Summe von Privatbesitzern, 
sondern eine hierarchische Struktur mit 
Zugchörigkcits- und Untcrordnungsstruk- 
turen. Die Untemehmcnslust der Kleinen 
wird von Bankkrediten beherrscht. Sic 
wird jährlich genau vom Steuersystem 
überwacht und grundsätzlich von einer 
pedantischen Gesetzgebung. Ihre Wirk¬ 
samkeit wird von vielen Bedingungen 
eingeschränkt, einschließlich von der 
Bedingungen anderer Privatunternehmer. 

Ein »freies Spiel der Preise« kommt 
absolut nicht vor. Die hohe Produktivität 
in der westlichen Ökonomie beruht nur zu 
einem geringen Grad auf der privaten 
Untemehmcnslust. Sie beruht auf der all¬ 
gemeinen Struktur der privaten Unter- 
nchmcnslust, die einer totalitären Struk¬ 
tur bedeutend näherkommt, als die dis¬ 


kriminierte kommunistische Ökonomie 
der Sowjetunion. Die Ökonomie des 
Westens ist eine Ökonomie der Banken, 
der Bankcnzusammenschlüssc und der 
Diktatur der Banken Übereinkünfte. Eine 
Diktatur, die nicht weniger schonungslos 
ist, als die Diktatur kommunistischer 
Staaten. 

Weiterhin ist sie eine Diktatur der 
gigantischen Unternehmen, der Untcr- 
nchmcnszusammcnschlüsse und Untcr- 
nchmcnsübercinkünftc. Sie enthält eine 
pedantische staatliche Gesetzgebung und 
ein System von nicht gewählten Macht¬ 
organen, welche die Ordnung in diesem 
Gcscllschaftsmcchanismus und die Inte¬ 
ressen ihrer Herren beschützen. Sic ent¬ 
hält eine Aufteilung und Umverteilung 
der Welt in Einflußsphären. Sie enthält 
die Regelung von ökonomischen Proble¬ 
men zwischen Regierungen und durch 
Übereinkommen zwischen Ländern. Sie 
enthält eine auf Ökonomie basierende 
Politik und eine auf der Politik basierende 
Ökonomie. Und erst ganz am Schluß, 
nachgeordnet ist sie eine Konkurrenz 
zwischen einer Art „freiem" Privatunter¬ 
nehmer auf einer Art „freiem“ Markt. 
Eine Konkurrenz, die eine unbedeutende 
Rolle spielt, aber aufgeblasen wird, um 
die Massen ideologisch zu verdummen. 

Eines der Elemente westlicher Ideo¬ 
logie liegt darin, daßdie westliche Gesell- 

schaftals sozusagen klasscnübcrgrcifcnde 
Demokratie und der Kapitalismus als eine 
Art „technische Organisation“ für das 
Erwerbsleben des Landes dargcslcllt 
werden. Doch die Wcstgcscllschaft ist 
kapitalistisch mit allen dazugehörigen 
Attributen, darunter die Aufteilung in 
Klassen und das Aussaugen von Men¬ 
schen. 


-umui uvi vjl: 

Schaft spricht man im Westen hö< 
ungern und wenn, dann mit ironisc! 
Untcrton gegen einen „veralteten“ \ 
xismus. Aber die Späße über den Mar 
mus können die Aufteilung der Mcnsc 
in arme und reiche nicht verdecken, n 
die niederen und höheren Schichten 
verschiedenen Lebensniveaus. Hier 
cs auch einen neuen Typ von Sklai 
Millionen ausländischer Arbeiter, 
elendig bezahlt werden und unter clci 
gen Verhältnissen leben. In vcrschk 
non Teilen der Well gibt es äußere 
Millionen von Menschen, welche v 
Kapitalismus als billige Arbcitskr. 
ausgesaugt werden. 

Lassen wir das alles kurz beiseite 
konstatieren: Es kann sein, daß der \ 
slcn ein nachstrebcnswcrtcs Ideal i 
stellt. Dann ist die Frage: kann Rußl 
dieses Ideal erreichen oder nicht? 

Schon Gogol schrieb, daß cs Rußl 
nicht an Vcrändcrungsprojcktcn man 


te, aber wenn sie wirklich durchgeführt 
werden sollten, haben sie sich in Nichts 
aufgelöst. 

Rußland hat schon sein historisches 
Schicksal bestimmt. Wie wir uns auch 
zum Komunismus stellen, zu Lenin, zu 
Stalin, zur KP, zum KGB, zu Brezjnev 
und zu den übrigen Figuren in unserer 
Geschichte und in unserem Leben, es wird 
uns nicht gelingen, die bittere und scho¬ 
nungslose Einsicht zu verdrängen, daß 
Rußlands Geschichte so stark mit der 
Geschichte des Kommunismus zusam¬ 
mengewachsen ist, daß ein Versuch, den 
Kommunismus aufzugeben undden Weg 
einer Verwestlichung einzuschlagen, 
gleichbedeutend ist, mit dem historischen 
Untergang Rußlands. 


übersetzt aus Dagens Nyheter von 
Jürgen Wierzoch 




Kampf 
gegen 
die Arbeit! 


® Ökologie - 

Klasse und "Umwelt 1 ' 

® Golfkrise 

® Romas in Deutschland 

• Drogen 

• Kämpfe von 
Teilzeitarbeiterinnen 

• Streiks: 

Eisenbahner: Ostberlin/ 
Hamburg 
Flastikarbeiter: 
Frankreich 


„ ^Hung. H Dietrich, 

cstgiro Berim, Sr 31502-109 
‘öRUVt Sriir.4, PF 360527, 1000 Berlin 










& < ÄiO? 






Der schleichende 
Verlust der Utopie - 

Reflexionen über die Krise 
der Linken oder Aufruf 
zur Rettung unserer 
Träume 


von Susanne Schröter! 
Anarchistisches Forum 
Wiesbaden 

Bilanz nach 20 Jahren außerparlamenta¬ 
rischer Linker: gesiegt haben wir nicht! 
Die Revolution ist noch immer in weiter 
Feme und wir haben uns längst auf die 
Revolte als Handlungspcrspcktive hcrun- 
tcrgcschraubt.Doch auch die schlägt sich, 
als papiergewordener Tag träum, eher in 
Prognosen, Einschätzungen und Analy¬ 
sen nieder, als im wirklichen Leben. Und 
so bleiben uns: eine Nacht Putz im Ghet¬ 
to, eine militante Demo: Highlights im 
trüben Politalltag, auf wenige Stunden 
begrenzte Zwerginnenaufstände statt der 
Randale unterprivilegierter Massen. 

Die LinkcinderBRD: eher Exoten im 
Goldfischglas als Fische im Wasser. Die 
viclbcschworcne Massenbasis läßt auch 
nach 20 Jahren zu wünschen übrig. Sozia¬ 
le Bewegungen, gern als unsere Auswei¬ 
tung begriffen, schrumpften meist so 
schnell, wie sic sich konstituierten. Die 
Linke und »das Volk«: schon fast ein 
antagonistisches Verhältnis, geprägt von 
Argwohn und Abgrenzung. Wir haben 
nicht „den Fuß in der Tür“, weder in den 
Betrieben, noch beim „unteren Drittel“, 
bei den Emigrantinnen oder sonst wo. 
Unsere Positionen sind marginal wie der 
soziale Status der von uns ausgemachten 
revolutionären Subjekte. 

Bilanzzichcn öffnet den Blick nach 
hinten: warum haben wir nicht gesiegt, 


trotz langjähriger aufopferungsvoller 
Tätigkeiten verdientcrGenossInncn? Die 
Klärung der Ursachen geht uns in der 
Regel leicht von den Lippen, avanciert 
gern zur Schuldfrage. 

Schuldig sind: 1. die Verhältnisse, 
konkret der staatliche Repressionsappa¬ 
rat, 2. Verräterinnen, die uns an Parla¬ 
mente und Institutionen verkauften, 3. die 
korrumpierten Massen, die vom Zweit¬ 
wagen und der Einbauküche träumen, statt 
von der Revolution, 4. jetzt, neu dazu 
gekommen: der Zusammenbruch der 
Länder Osteuropas und die damit verbun¬ 
dene Diskreditierung sozialistischer Ideen. 

Die Welt ist voller Widrigkeiten und 
wir waschen unsere Hände in Unschuld. 

Selten fragen wir uns, warum die 
„revolutionären Subjekte“ denn so wenig 
Begeisterung verspüren, mit uns den 
Schultcrschluß gegen Kapital und Staat 
zu sachließcn. Unsere scharfsinnigen 
Analysen der Klassenverhältnisse und 
unsere theoretische insicht in die Notwen¬ 
digkeit gcsel lschaftl icherVeränderungen 
haben die Massen bis dato nicht befähigt, 
ihr Schicksal im Sinn unserer Utopien in 
die Hand zu nehmen und die soziale 
Revolution durchzuführen. Offensichtlich 
waren wir wenig mitreißend für das Volk, 
als dessen Anwältlnnen wir uns oft genug 
verstanden. Und das trotz unserer viel 


Photo: Herby Sachs 


bekundeten eigenen Begeisterung für 
unseren Weg: „ Wo wir kämpfen, da tobt 
das Üben " -Parolen aus unserem Lebens¬ 
gefühl heraus? Wenn wir genauer hin- 
sehen, stellen wir fest, daß das, was da 
lobt, oft nicht mehr ist, als der Spaltpilz 
und eventuell noch der Staatsapparat. 

Das Leben ist der Alltags-Polit-Rou¬ 
tine gewichen, statt Lebensgefühl ist das 
Vermögen gefragt, die Zeit mit endlosen 
sich wiederholenden, oft beklemmend 
unwesentlichen Mammutdiskussionen zu 
verbringen oder sich in tagelangen Ver¬ 
schiebungen von Halbsätzcn auf Flug¬ 
blättern zu ergehen. 

Ob wir sie selber glauben, unsere 
Parolen und Theorien, ob wir uns wahr¬ 
haft als „neue Menschen“ fühlen und 
unsere Strukturen für ein Stück gelebte 
Utopie halten? 

Viele Fakten sprechen eine deutliche 
Sprache dagegen: 

- wir erfüllen auch unter uns - entge¬ 
gen vielen Beteuerungen - die Leistungs¬ 
normen dieser GescI lschafi: nur wer opti 
mal funktioniert, allezeit bereit ist zu 
Höchstleistungen und universell belast¬ 
bar, kann mit Anerkennung in den eige- 
nen Reihen rechnen. 

-wir sind, auch nach 20 Jahren dem 

Stadium der Jugendbewegung nicht ent¬ 
wachsen. In unseren Reihen gibt es kei- 







ncn Platz für Alte, für Kinder, für Mütter, 
für Leute anderer Generationen, Lebens¬ 
situationen und Kulturen. 

- das Klima unter uns ist so rauh und 
entfremdet, daß sich die meisten Genoss¬ 
innen nach einigen Jahren ausgebrannt 
und enttäuscht in die Privatheil zurück- 
ziehen. 

Kurz wir reproduzieren oft unreflek¬ 
tiert die Strukturen, gegen die wir vorge¬ 
ben anzugehen und sind dabei, aller Mili- 
tanz und verbalen Radikalität zum Trotze, 
eher ein Rädchen, als Sand im Getriebe 
der Macht. Doch genug gejammert! 


Dem realen Scheitern im grauen poli¬ 
tischen Alltag stehen die Ideen entgegen, 
die uns selbst motiviert haben, zu käm¬ 
pfen, unsere Träume, die wir weiterspin¬ 
nen in Zeiten, in denen die Ereignisse 
weniger turbulent sind - den sogenannten 
Flauten - und auch einige zarte Ansätze, 
die leider allzuoft niedergetrampclt wer¬ 
den, der vielbeschworenen Notwendig¬ 
keit, sich zu allem und jedem zu verhal¬ 
ten, geopfert werden. 

Entgegen derzeit im Trend liegender 
Postulate für die „verrottete Gegenwart“ 
(Christa Thürmer-Rohr: Vagabundinnen, 
Berlin 1987), plädiere ich immer noch für 
unsere Utopien, für unsere Spinnereien 
vom Paradies auf Erden. 

In aller Maßlosigkeit plädiere ich sogar 
dafür, diese unsere Träume als Parameter 
zu nehmen, an denen wir unsere Struk¬ 
turen messen. Nicht, um uns in flagelan- 
tischer Absicht täglich unser Scheitern 
vor Augen zu führen, sondern, um uns 
nicht vergessen zu lassen, wohin wir ei¬ 
gentlich wollen, um unser eigenes Anlie¬ 
gen inmitten aktueller Turbulenzen prä¬ 
sent zu halten. Manche „Sachzwänge“, 
die wir uns selber unermüdl ich konstrui e- 
ren, würden im angesicht der Utopie von 
übermächtigen Hindernissen zu bedeu¬ 
tungslosen Zwergen schrumpfen. Den 
Kopf frei kriegen, für das, was wirklich 
Sache ist, dabei kann die Utopie eine 
wertvolle Helferin sein. 

Das bedeutet konkret, unsere Struk¬ 
turen zum Mittelpunkt unseres Handelns 
zu machen. Weniger der Tagespolitik 
hinterherzuhccheln und in ewig gleichen 
Ritualen unseren Protest und unsere 
Opposition auszudrücken und uns dabei 
letztendlich als unendlich Ohnmächtige 
zu erfahren, als dort anzusetzen, wo wir 
verantwortlich eingreifen können. Damit 
istnicht der Rückzug aufs Land gemeint., 
wie Skeptikerlnnen auf dem Kongreß 
argwöhnten, sbndcm, im Gegenteil die 
reale Intervention, anstelle des symboli¬ 
schen Widerstands, bei dem wir uns ge¬ 
genseitig immer wieder gleichzeitig un¬ 
sere Unzulänglichkeit und unserer Auf¬ 
richtigkeit versichern. Ich plädiere hier¬ 
mit gegen das masochistische Ritual des 
„ein Häuflein Aufrechter gegen den Rest 
der Welt“, gegen das muffige Selbstmit¬ 
leid der ewig Zukurzgekommcnen. 



Das muß auch bedeuten, die Lust 
zurückzuholcn in unsere Zusammenhänge 
und die pflichtgetreue politische Märty- 
rcrsecle auf den Müllhaufcn der Ge¬ 
schichte zu werfen. Erst, wenn wir auf¬ 
hören, uns in der Rolle des ewigen Opfers 


Verzicht und Askese geboren, sondern 
aus der Gewißheit, auf die Vehikel gän¬ 
giger Glücksproduktion verzichten zu 
können und die eigene Lebenslust selbst 
befriedigen zu können. Eine Absage, nicht 
nur an die Spiele einer spätkapital isU- 


zu gefallen, werden wir fähig sein, an 
einer neuen Gesellschaft zu bauen. 

Wenn wir Platz schaffen für Men¬ 
schen aller Generationen, für Menschen 
mit unterschiedlichen Stärken und Schwä¬ 
chen und in ganz verschiedenen Lebens¬ 
phasen, werden wir auch Platz haben für 
unsere eigene Entwicklung. Wenn wir die 
Befriedigung unserer Bedürfnisse ins 
Zentrum unserer Politik stellen, wenn wir 
Leben und Politik nicht länger trennen, 
werden wir fähig sein, wahrzunchmcn, 
woran die westliche mctropolitanc Ge¬ 
sellschaft wirklich krankt. 

Nicht Lohnkürzungen und soziale 
Verelendung allein motivieren die Men¬ 
schen hier zu Widerstand oder gar Ent¬ 
wicklung sozialistischer Alternativen, 
auch Umwcltsaucreien und Naturzerstö¬ 
rung haben sich nicht als Hebel erwiesen, 
alte Muster zu verlassen. 

Das Leiden der Menschen in der 
Metropole läßt sich nur zu einem gerin¬ 
gen Teil in ökonomischen Kategorien 
fassen. Übcrstülpungen von Analysen, 
die an Hand der Verhältnisse im Trikont 
cntwickclt werden, müssen zwangsläufig 
hinken. Lebensqualität findet hier ihre 
Grenzen in tristen Bezichungsstrukturcn, 
Gewalt gegen Frauen und Kinder, alltäg¬ 
lichem Stumpfsinn der Arbeit, Lange¬ 
weile und Sinnentleerung der sogenann¬ 
ten Freizeit. Die Entfremdung der Men¬ 
schen von sich selbst und ihrem Nächsten, 

die psychische und soziale Verelendung 
hat in den Metropolen die Wirkung, die 
das ökonomische Elend für die Bevöl¬ 
kerung der anderen Kontinente hat: sie 
hält die Menschen nieder. 

Die Strukturen zu knacken, dem bür¬ 
gerlichen Glück genauso eine Absage zu 
erteilen wie politischem Strebertum und 
revolutionärem Mackergehabe, bedeutet 
auch, der Perspektive der Sinnfindung 
die diese Gesellschaft für uns wie für 
andere bcrei thäl t, eine Absage zu erteilen / 
Lme Absage nicht aus dem Geist von 


sehen Metropole, sondern auch an die 
Nekrophilie des Patriarchats, an 3000 
Jahre Herrschaft des Menschen über den 
Menschen und des Mannes über die Frau. 

Wir können nicht stehen bleiben bei 
der Überwindung kapitalistischer Aus- 
bculungs- und Aneignungsverhältnissc, 
die Wurzeln unserer Misere liegen tiefer. 
Die verhängnisvolle Dynamik der Ver- 
nutzung von Menschen und Natur, die 
Entfremdung und Entseelung von Täter 
und Opfer ist so alt wie die Herrschaft des 
Mannes über die Frau, die Modell stand 
für alle Herrschaftsverhältnisse seitdem. 
Wenn wir an den Grundlagen der Maclu 
rütteln wollen, werden wir nicht umhin 
können, auch das Patriarchat zu stürzen - 
vor allem in uns. 

Wenn wir in der Tat die Idee einer 
neuen Gesellschaft auf unsere Fahnen 
geschrieben haben, und nicht nur den 
Neuaufguß der alten Ordnung, wird das 
Verhältnis der Geschlechter im Zentrum 
der Überlegungen stehen müssen. Patriar¬ 
chale Gewalt und patriarchale Deforma¬ 
tionen der Männer und der Frauen werden 
dabei die größten Hindernisse sein. Von 
daher wird der Kampf in erster Linie ein 
antipatriarchalcr sein - in der gesamten 
Dimension seiner Bedeutung: der Gewalt' 

* Andgnungs- und AusbcutungsvcrhaU' 

nissc und der psycho-sozialen Zurichtung 
der Menschen. Der Kampf richtet s^ 1 
gegen die HERRschaft an sich. Die Ut°' 

piehingegen kann n ich tstehcnbleiben bei 

der Verneinung des Bestehenden, bein 1 
antipatriarchalen, gegen die HERRs chafl 
gerichteten. 

Die neue Gesellschaft wird eine femj 
nistische und eine anarchistische Gesel 
Schaft sein müssen - denn, schließt 1 
geht es uns doch um nichts Geringeres, a * 
das Paradies auf Erden. 

(Erweiterte Fassung einer 

auf dem Hamburger fc° n 8 r t\ 



VYvovcv. 'YYvco Y\e\wvawv\ 




1 / v • 


Keine Slimme für Deutschland* - diese 
Parole droht zur klingelnden Worthülse 
zu verkommen - sol 1 te es nicht gel ingen - 
sic mit konkreten Inhalten zu füllen, und 
sic von der Ebene der Theorie (oder des 
Podiums) auf eine erfahrbare nachvoll¬ 
ziehbare heruntcrzuholcn. Das ncuc/altc 
fast omnipotent erscheinende Großdcul- 
schland hat ganz offensichtlich mit sei¬ 
nem dynamischen Prozeß der Expansion 
auf allen Ebenen selbst Teile der Linken 
miterfaßt. Die devote Übernahme von 
Herrschaftsdenken und Strukturen des 
Siegers durch den Besiegten ist als ge¬ 
schichtliches Erfahrungsmoment - bei¬ 
leibe nicht neu. Wie schnell jedoch PDS 
und GRÜNE bereit waren dem großdeuL- 
schcn Modell ihre Zustimmung zu ertei¬ 
len Ja sogar gestalterische Vorschläge für 
eine neue deutsche Rolle (Wcltfricdcns- 
macht, UNO etc.) zu machen, ist nur 
dadurch verständlich, daß cs beiden Par¬ 
teien, und dies unterKenntnis ihrcruntcr- 
schicdlichcn Geschichte, nichtdarum geht 
HERRschaftszustände in Frage zu stel¬ 
len. Im besten Fall geht es wohl darum, 
reformistisch am Modell Deutschland 
hcrumzupopcln. 

Diese Tendenz spiegelt sich auch 
deutlich in dem PDS-SIogan ”Das andere 
Deutschland“ wider, der anders als die 
Parole ”Nic wieder Deutschland“ keine 
Ablehnung transportiert, sondern einen 
neuen Dcutschlandbegriff zu kreieren 
versucht. Sehr passend für eine Organi¬ 
sation, die es geschafft hat aus Fragmen¬ 
ten einer klassisch autoritären staatssozia- 
listischcn Kemorganisation binnen Mo¬ 
naten (in einer Art politischem seitlich 
cingesprungenen doppelten Ritterberger) 
eine Partei zu kreieren - die sich als Trä¬ 
ger einer neuen politischen Kultur ver¬ 
kauft. Möglicherweise stellt sich die PDS 


für viele Menschen aus der DDR als 
Hoffnungsträger dar. Fakt ist jedoch, daß 
fernab dieses emotionalen Pragmatismus 
(„wir dürfen diese Menschen nicht ent¬ 
täuschen“) ein zentral istischer Gründungs¬ 
prozeß, eine hierarchische Struktur und 
eine heftigst begonnene Anpassung an 
das hiesige Machtsystem offen zutage 
treten. 

Mit anderen Worten - keine glaub¬ 
würdige Veränderung, sondern nur ein 
Wandel, der Rolle als Herrschafts träger. 
Kein Schritt in Richtung emanzipativer 
Prozesse, die für uns als Libertäre Voraus¬ 
setzung autentischer Strukturen sind. 

Um auf eine Passage des Aufrufs 
„Keine Stimme für Deutschland“ cinzu- 
gehen: Nicht nur weil cs diese Wahlen 
sind, boykottieren wir, sondern weil es 
parlamentarische Wahlen sind. 

In den letzten 10 Jahren hatten wir das 
zweifelhafte Vergnügen einem Prozeß 
beizuwohnen, der von den beherrschen¬ 
den Medien als die Politikfähigkeit der 
GRÜNEN bezeichnet wurde. 

Hervorgegangen aus Teilen sozialer 
Bewegungen, insbesondere der Ökobe¬ 
wegung, entpuppte sich der heftig propa¬ 
gierte Anspruch parlamentarisches Stand¬ 
bein des außerparlamentarischen Wider¬ 
stands zu sein, als Schlag ins Gesicht all 
derer, die Eigeninitiative und direkten 
Widerstand als Basis jeden emanzipativen 
Prozesses betrachten. Das Einsteigen von 
„Genossinnen“ in die Mühlen des parla¬ 
mentarischen Systems ist zwangsläufig 
verbunden mit dem Bekenntnis zur StclI- 
vcrtretcrlnnenpolitik. Diesem Prinzip des 
Parlamentarismus liegt ein wichtiger 
Mechanismus zugrunde (der gleichzeitig 
als Faktor für die momentane Schwäche 
der außerparlamentarischen Bewegung zu 
werten ist), ein direktes Austragen sozia- 


Photo: Theo Heimann 

ler Konflikte zu vermeiden, somit die 
Entscheidungsebene von den Menschen 
zu entfernen, und damit auf eine ihnen 
fremde, unter anderem Einfuß und Kon¬ 
trolle stehende Ebene zu verlegen. 

Die Fähigkeit des parlamentarischen 
Systems hochflcxibcl einen gesellschaft¬ 
lichen Kräfteausglcich mit Integration zu 
verbinden, ist bezüglich der momentanen 
Schwäche linker Strukturen, kaum zu 
unterschätzen. 

Parlamentarische Eigendynamik und 
die Bemühung diceigcne Politikfähigkcit 
unter Beweis zu stellen, führten unter Rot/ 

Grün in Hessen zu Startbahn West Zeiten, 
zur Mitfinanzierung von Wasserwerfern 
und dem Knastneubau in Darmstadt- 
Weiterstadt. Die lange Zeit der Duldung 
von Häuserräumungen in Berlin (bis kurz 
vor Wahlkampf-Torschluß) ist aktuell¬ 
stes Beispiel für grüne Opferbereitschaft 
auf dem Altar Rot/Grüner Machtpolitik. 

Radikal-Grüne Koriphäen des Fundi- 
Flügels spielen immernoch die Rolle des 
radikalen Feigenblatts und sind in dieser 
Funktion nach wie vor Bindeglied zwi¬ 
schen realer Funktion und z.B. den Teilen 
sozialer Bewegungen, die sich noch der 
Illusion grüner Radikalität hingeben.Wer 
jedoch glaubt, erst mit der Beteiligung an 
Regierungen verlören die Parteien ihre 
„politische Unschuld“, der/die im. Zwei - 
fellos erfährt das obskure Verlangen, auf 
parlamentarischer Ebene Macht auszu¬ 
üben, seine höheren Weihen erst mit der 
Regierungsbildung. (Grüne radikale Po¬ 
litik quasi fleischgeworden im Minister¬ 
arsch eines Joschka Fischer.) Letztend¬ 
lich beginnt die Koketterie mit der Macht 
schon mit der Grundsteinlegung einer 
Partei, die schon durch Anerkennung des 
Gesamtmodus zur Stabilisierung des 
Staatsapparats beiträgt. Die Magistrate- 


Was bedeutet 
anarchistisches 
Politikverständnis? 


Ein Versuch 
angesichts „linker 
Katerstimmung 


von Michael Wilk 











gic des Staates "Teile und Herrsche“, die 
für Unbeugsame den gesamten Repres- 
sionsapparat bereithält und gegebenen¬ 
falls auch benutzt, ist gerne bereit den 
kooperativen Teil gesellschaftlich Un¬ 
ruhiger in sich aufzunehmen (ja sogar 
inhaltliche Zugeständnisse zu machen) 
gehl cs doch um die Stabilisierung der 
gesellschaftlichen Realtität. 

Der Einstieg in die Pari amentsebene 
ist (in diesem Sinne), egal ob als Regie¬ 
rung oder Opposition, gleichbedeutend 
mit der Aufnahme in eine oligarchischc 
Runde von Parteien, die, mit unterschied¬ 
licher Funktion im Machtgctriebc ver¬ 
zahnt sind. Aufgrund seiner größeren 
Potenz, aber auch aufgrund seiner grö¬ 
ßeren Flexibilität erweist sich das kapita¬ 
listische (parlamentarische) Prinzip in der 
Auseinandersetzung mit starren diktato¬ 
rischen Mechanismen staatssozial istischer 
Prägung als das Überlegenere. 

Mit anderen Worten: im Rennen um 
die große Machtkontinuität ist ein Sy¬ 
stem, das den sogenannten „Massen“ die 
Macht plumb verweigert und das auto¬ 
matische Dogma „Die Partei hat immer 
recht“ durchdrückte,einem System unter¬ 
legen, dessen wesentlicher Wirkmecha¬ 
nismus darin besteht, die Teilnahme an 
der Macht anzubieten. 

Macht, die damit nicht nur plumb auf 
den Menschen cinwirkt, sondern ihn 
gleichsam durchdringt (und damit Inhalte 
und Ideen verändert) zeigt Entmündigung 
nicht durch Unterdrückung, sondern durch 
Teilnahme (Panizipierung). 

Entscheidend an der Fragestellung der 
linken Perspektiven ist die Feststellung, 
daß cs den entscheidenden Knackpunkt, 
an dem das System aus den Angeln zu 
heben wäre, nicht gibt. Wer hier auf 
schnelle Antwort hofft, kann sich nur 
enttäuscht sehen. Ein System, basierend 
auf der Herrschaft des Menschen über den 
Menschen, funktioniert auf diesem ge¬ 
meinsamen Nenner in tausenden von 
Variationen und Widersprüchen. Leider 
ist keiner dieser Widersprüche für sich 
alleine geeignet das System als Ganzes zu 
gefährden. Das „Prinzip Staat“ als orga¬ 
nisierte HERRschaft reproduziert sich 
hochflcxibel selbst in Bereichen, in denen 
wir ansatzwcisc Veränderungen bewirki 
haben. Die Ökologiebewegung steht 
exemplarisch für einen solchen Prozeß, 
der sich an einem „Teil widerspruch“ ent¬ 
wickelte und eine breite Palette an Altcr- 
nativ-Idecn und Widers landsformen ent¬ 
wickelte. Die Bewegung wurde (neben 
der vorhin beschriebenen Parlamentari- 
sicrung) im Wechselspiel zwischen Kri¬ 
minalisierung und juristischem Teilerfolg 
zersplittert, zwischen Frust und Massen¬ 
gefühl zerschlissen, um zu allerletzt, was 
ihre Ideen betrifft, ökonomisch verwertet 
zu werden. 

(Grüne Parlamentarier als politisches 
Pendant zur Bioecke im Supermarkt oder 
den Abgasnomnen für den Geräuscharmen 


Biopanzer.) Kämpfe sozialer Ein-Punkt- 
Bewegungen verkümem teilweise zu 
Reformen, die nicht nur verkraftet, son¬ 
dern als Bereicherung sogar gewünscht 
werden. Diese Gefahr der Sozialdcmo- 
kratisicrung macht vor keinem Altcmativ- 
ansatz halt, vcrlorcngcgangcnc radikale 
Identität stellt oft genug am Ende eigen- 
dynamischer Anpassung. Besetzte Häu¬ 
ser mit stinknormalen Mietverträgen, 

Entlastung der Arbcitsloscnstatistik durch 

sclbstvcrwaltete Betriebe, sowie staatlich 
geförderte Frauenprojekte zur kompen- 
salivcn Sclbslfindung der Frau. DieGrat- 
wanderung zwischen autonomer Orga¬ 
nisierung des Lebens und staatlicher 
Verfügbarkeit stellt sich täglich neu, und 
oft genug werden radikale Projekte, wenn 


„Konsolidierung des Kapitalismus“ eher 
verharmlosend beschrieben wird, die 
Gefahr besteht, daß die Linke wie das 
Kaninchen die Schlange, nur den großen 
Machtausbau vor Augen hat. Der Ausver¬ 
kauf der DDR, die kapitalistische Er¬ 
schließung des Ostblocks usw. dürfen uns 
nicht den Blick auf die Strukturen ver¬ 
bauen, die solides Fundament derartiger 
Veränderungen sind. Gerade in einer Phase 
des sich überblühenden Kapitalismus mit 
all seinen Folgen, sind neben das System 
stabilisierende Faktoren auch vor allem 
destabilisierende Faktoren zu erwarten- 
Um jedoch Löhne, Preise, Mieten zum 
Gegenstand der Aktivitäten machen zu 
können, ist die Auseinandersetzung mit 
dem sogcnannien „Mikrokosmos der 


\ • -,r i ’fM 

i \ . 11 



schon nicht durch innere Probleme, so 
doch durch den sie umgebenen „sozial¬ 
politischen Imperativ“ weichgekaut, um 
anschließend geschluckt zu werden. - 
Weiterer wichtiger Bestandteil dieses 
staathch/gcscllschafilichcn Verdauunes'- 
pro/.csscs ist, um im organischen Ver¬ 
gleich zu bleiben, die Eliminierung unver¬ 
daulicher Elemente, gegebenenfalls mit- 
icls Knast und Psychiatric. Wir müssen 
cststcllcn, daß in einer Phase, die mit 


■1 

M 


Macht notwendige Voraussetzung. ' n ' 
Sinne einer radikalen Perspektive. £> cr 
Mangel an einer solchen Auseinander 
Setzung inder Vergangenheit, ist mit vcr 
antwortlich für das Schcilcm der üblich^ 
„Politikansätze“, wei 1 cs ohne die Berück 
Steinigung dieser den Alltag bestimm 01 ’' 
dcnMomcnteschlcchtcrdingsunmög l _ 
ist, eine revolutionäre Praxis zu cl11 ' 
wickeln, die über die Postul icrung 
selbst hinausgeht. Am Beispiel des P c 



griffs Arbeiterklasse wird deutlich wie 
notwendig es ist, einen neuen analytischen 
Ansatz zu finden. Alte, nur ökonomisch 
orientierte, rastcrartig defi liierende Zu ord- 
nungsmustcr, die die Zugehörigkeit zum 
oder den Wandel des Klassenstandpunk¬ 
tes betreffen, reichen nicht aus, um z.B. zu 
erklären, warum Menschen im marxschcn 
Sinne zur unterdrückten Klasse gehören, 
sich aber oft genug völlig anders verhal¬ 
ten. 

Eine Analyse, die bei Ökonomie oder 
dem Repressionsapparat stchcnblcibt, 
greift zu kurz. Vielmehr zeigt sich ein 
staatliches Machtsystem, dessen Wirk¬ 
samkeit nur im Ausnahmcfall von offener 
d ircktcr Gewal tausübung geprägl ist (auch 
wenn uns gerade dies gut bekannt ist) als 


vielmehr von der Durchdringung aller 
gesellschaftlichen Bereiche, aller Grup¬ 
pen, bis in die Köpfe der einzelnen Men¬ 
schen, mit weitaus subtileren Mechanis¬ 
men. Dieser Raub der Autentizilüt voll¬ 
zieht sich schleichend, ist Ursache und 
Wirkung zugleich, ein forcierter Werte- 
wandcl, dessen Endpunkt bis zur Identifi¬ 
zierung mit dem System reicht. Es ist in 
diesem Sinne müßig (um nochmal auf die 
Klassen frage ein zugehen) sich zwar analy¬ 


tisch der Klassengesellschaft zu nähern, 
von z.B. Marginalisierung zu reden, ohne 
gleichzeitig die Vorgänge bei den einzel¬ 
nen Menschen zu begreifen, die das Aus- 
einandcrklaffcn von objektiver Klassen¬ 
zugehörigkeit und subjektiver Anpassung 
begründen. So greift auch hier das Ange¬ 
bot zur Teilnahme an der Macht : Funk¬ 
tionsträger In unter Funktionsträgerinnen 
zu sein, verklärt den Blick auf die eigene 
Entmündigung. Mechanismen wie die 
Einbindung eines Großteils natürlich nach 
wie vor Lohnabhängiger, in Entschci- 
dungsebenen der unteren Kategorie, sowie 
die gleichzeitige Entrechtung anderer 
„nicht im größeren Maße Besitzender“ 
tragen zur Soli dar isicrungsfahigkcit bei. 

Eine verschärfte Auseinandersetzung 
und ein sensibel werden für GcscIIschafls- 
prozcssc, die neben den ökonomischen 
Veränderungen und dem klassischen 
Unterdrückungsapparat, vor allem die 
„Unterwerfungs- und Anpassungs¬ 
mechanismen“ der Menschen zum Inhalt 
haben, ist Voraussetzung zur Entwick¬ 
lung eigener Ansätze, zu eigener sozialer 
Kultur, die in der Lage ist, dem täglichen 
Horror Paroli zu bieten. 

In Zeiten eines Zusammenbruchs 
h i crarch i scher marx isti sch/1 cn in i st i scher 
Organisationsmodclle und der täglichen 
Erfahrung offener sowie subtiler kapita¬ 
listischer HERRschaftsmcchanismcn ist 
die libertäre Utopie, einer Gesellschaft 
ohne Staat, aktueller denn je. Dem sich 
selbst permanent reproduzierenden Ge¬ 
flecht der Macht und der Unterwerfung 
ein ebenso Filigranes Geflecht libertärer 
Ideen und Ansätze entgegenzusetzen, ist 
die Basis für ein soziales Gcgenmodcll. 
Im Zentrum der libertär/anarchistischcn 
Ideen steht der einzelne Mensch mit ei¬ 
nem Bedürfnis nach Freiheit, das in Ver¬ 
bindung mit selbstkritischem eigenver¬ 
antwortlichen Handeln, jedem Zwangs¬ 
system konträr entgegenstehl. 

Organisationsmodcllcdicauf Verein¬ 
heitlichung, Zentralismus und Kader¬ 
struktur basieren, werden von uns abge- 
lchnt. Wir hingegen setzen auf freie Asso¬ 
ziation von Kollektiven, Gruppen und 
Organisationen in deren Zentrum der 
einzelne Mensch steht und nicht etwa das 
Kollektiv über dcn/dic einzelne verfügt. 
Die konkrete Praxis ist vielfältig. Unter¬ 
schiedliche Voraussetzungen (Ort und 
Person) bedingen unterschiedliche An¬ 
sätze, die jedoch und das ist das Ent¬ 
scheidende, immer auf der Grundlage 
eines gemeinsamen libertär-philoso¬ 
phischen Hintergrundes überprüfbar sein 
müssen. Ob der konkrete Ansatz in der 
Arbeit der FAU als bundesweit vernetzter 
anarchosyndikalistischcr Organisation 
besteht, oder in dem Einbringen in soziale 
Bewegungen, Männcrgruppcn/Fraucn- 
gruppen oder im Schaffen von möglichst 
vielen libertären Zentren und Projekten, 
die Vielfalt der Ansätze hat für uns etwas 
mit der Lust am Widerstand und mit dem 


u 



sol idarischcn Umgang der verschiedenen 
Ansätze untereinander z.u tun. Rezepte 
mit festen Regeln z.um Anrühren einer 
autentischen/antistaatlichen Suppe kann 
cs nicht geben. Es gleicht der Frage „Huhn 
oder Ei“, klären zu wollen, welcher Fak¬ 
tor das „Prinzip Staat“ als „Funktionsgc- 
flcchl der Macht“ primär stützt, hervor¬ 
bringt oder reproduziert, - der ökono¬ 
mische, der bürokratisch organisierte oder 
offen repressive auf der einen Seite, oder 
der patriarchalen Denk- und Handlungs- 
mustcr zwischenmenschlicher Bezie¬ 
hungen und Moral auf der anderen Seite. 

Libertäre Theorie und Praxis hat 
diesem Funktionsgcflccht in einer Form 
Rechnung zu tragen, die cs sowohl dem 
einzelnen Menschen ermöglicht sich auf 
der Ebene unkonformistischen Denkens 
und Handelns der Utopie der Freiheit 
anzunähern, als auch eine breite 
Organisierung gegen die großen Systeme 
der Herrschaft voranz.utrcibcn. 

* Bei dem vorliegenden Text handelt es 
sich um eine erweiterte Fassung des 
Redebeitrags, den Michael Wille auf dem 
Hamburger Kongreß „Keine Stimme für 
Deutschland“ hielt, der im Rahmen des 
Wahlboykotts von Mitgliedern der 
Radikalen Linken und der KB- 
Minderheilsfraklion organisiert worden 
war. 


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□dt 


Organisation polnischer Frauen, soziale und rechliche Situa¬ 
tion von Polinnen in Berlin, Genosscnschaftseniwicklung, Auf¬ 
bau einer anarchistischen Druckerei in Krakow... 
EE33SHE323 Bericht über die erste gesamtdeutsche 
Tagung der Bundesvereinigung soziokultureller Zentren in 
Berlin... Wirtscha ftsreformdlskussion in 

der m}R "-ESSIEE^ Neu: 

Solarstrom-Netzeinspeisegerät EMCTTCIITT71 . TimHirh au f 
4 h Seiten: der aktuelle Branchenführer durch die Selbstverwal¬ 
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PKK Camp/Libanon; 

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efreiung 



Die in den letzten Nummern des Schwar¬ 
zen Fadens geführte Diskussion über den 
Nationalismus im Zeichen des Anschlus¬ 
ses der DDR macht ein in unterschied¬ 
lichen Dimensionen vorhandenes Problem 
der Linken deutlich: Nationalismus in den 
Metropolen ist Herrschaftsinstrument, 
steht für imperiale Machtansprüche, Ras¬ 
senhaß und Völkermord. Alle Versuche, 
dieses Thema von links aufzugreifen.sind 
zum Scheitern verurteilt oder werden, wie 
im Fall des “Anarchonationalismus” von 
HJ. Degen etc. (SF 1/90), fast rundweg 
abgclchnt. Auf der anderen Seite wird der 
Nationalismus von Befreiungsbewe¬ 
gungen oder neuen unabhängigen Staaten 
aufgrund ihrer Konfrontation mit dem 
Imperialismus positiv cingcschälzt und 
solidarisch unterstützt, den hier ist die 
Erlangung nationaler Souveränität oft 
gleichbedeutend milder Beendigung der 
kolonialen und postkolonialcn Herr- 
schafls- und Ausbeutungsverhältnisse. 
Daß zwischen dem nach innen und außen 
agressiven Nationalismus der Metropo¬ 
len unddem der gegen Kolonialismus und 
Imperialismus kämpfenden Befreiungs¬ 
bewegungen und der unabhängigen Staa¬ 
ten in den drei Kontinenten, zwischen 
Nationalismus der Unterdrücker und der 
Unterdrückten grundsätzliche Unterschie¬ 
de bestehen, soll hier nicht in Frage ge¬ 
stellt werden. 

Aber gibt es wirklich “fortschrittlichen” 
und “reaktionären” Nationalismus? Ha¬ 
ben sie nicht vielmehr sehr viel gemein¬ 
sam? Die Erfahrungen der erfolgreichen 
Befreiungsbewegungen oder der schon 
vor dem Sieg zum Staat verknöcherten 
Bcfrciungs- und Unabhängigkeitsbewe¬ 
gungen haben in vielen Fällen gezeigt, 
daß nationale Unabhängigkeit eben keine 
Befreiung bedeutete, daß oftmals neue 
Eliten die Macht im Staate eroberten und 
sich bei der Sicherung ihrer Macht der 
ganzen Gewalt der Repressionsorganc 
bedienten. Besonders nationale oder eth¬ 
nische Minderheiten, die durch das Aus¬ 
einanderreißen von Volksgruppen durch 
künstl iche Staatsgrenzen mileinem neuen 
Staat konfrontiert waren, der auch eine 
einheitliche Nation schaffen wollte, wur¬ 
den Opfer vielfältiger Formen der Diskri¬ 
minierung, kulturellen und politischen 
Unterdrückung und wurden, auf diese 
Weise ausgegrenzt, oft auch zu Haupt- 
trägem von Widerstand und Opposition. 
Die Flüchtlingsströme in und aus den 
Ländern der drei Kontinente sind viel¬ 
mals durch diese Form der Unterdrückung 
und durch daraus entstehende Kriege zu 

crklären(womitdaswellwciteFlüchtlings- 

problcm nicht auf sogenannte “ethnische 







Konflikte” reduziert werden soll, aber 
Struktur und historische Entwicklung, aber 
auch vom Kolonialismus cingeführte 
Formen der indirekten Herrschaft durch 
bestimmte ethno- religiöse Gruppen las¬ 
sen viel soziale oder ökonomische Kon¬ 
flikte als ethnische Konflikte erscheinen). 
Die Linken haben, konfrontiert mit dem 
Nationalismus, verschiedene Positionen 
entwickelt, (scheinbare) Erfolge errungen 
und Niederlagen erlebt. Die Positionen 
gehen von der kategorischen Ablehnung 
jeden Nationalismus (der Proletarier kennt 
kein Vaterland) über vorsichtige Instru¬ 
mentalisierung oder ernstgemeinte Lö¬ 
sungsansätze vor allem in den europä¬ 
ischen Vielvölkerstaaten (Selbstbestim¬ 
mungsrecht der Völker) bis zur Volkstü¬ 
melei (Bakunin’s “Aufruf an die Slawen”). 
Die Gegner des Nationalismus sehen im 
Nationalitätsprinzip, in der Forderung 
nach nationalen Rechten nur ein Hinder¬ 
nis auf dem Weg zur allgemeinen Eman¬ 
zipation des Menschen, künstliche Bar¬ 
rieren, die zwischen den Menschen auf¬ 
gebaut werden. Historisch beanspruchte 
Gebiete überlappen sich, gemischt be¬ 
wohnte Gebiete werden zu Schauplätzen 
von Pogromen und Exzessen, um “Ge¬ 
rechtigkeit” zu erreichen, müssen Bevöl¬ 
kerungen ausgetauscht und abstruse staat¬ 
liche Gebilde geschaffen werden. Denn 
selbst die großen Nationen, deren Exi¬ 
stenz und deren Nationalismus die Natio¬ 
nalisten anderer Völker inspiriert haben, 
sind relativ willkürlich entstanden,geeint 
durch ein großes historisch Ereignis wie 
die französische Revolution oder einfach 
durch Zwang einer dominanten Gruppe, 
wie der Preußen in Deutschland. Regio¬ 
nen und Völker, Idiome und Kulturen 
wurden assimiliert oder haben sich der 
Assimilicrung erfolgreich widersetzt und 
leben, durch Widersprüche zwischen 
Zentrum und Peripherie oder durch “inter¬ 
nen Kolonialismus”hcrvorgerufcn, heute 

sogar in den Metropolen wieder auf. 

Weit entfernt davon, eine Klärung der 
Triebkräfte und Ursachen des Nationa¬ 
lismus, für die Empfänglichkeit von 
Menschen, vor allem in Krisensituationen, 
für nationalistische Ideen zu sein, ist ein 
Ansatz möglich, der zumindest den 
Umgang mit diesen Fragen erleichtert. Er 
bedeutet, Nationalisten (im Falle der 
Kurden die dominanten Nationen, aber 
auch die kurdische Nationalbcwegung 
selber) kritisch auf den Umgang mit 
Mindcrhcitcn*zu überprüfen, die Wah¬ 
rung von unveräußerlichen sozialen und 
Frei hei tsrcchtcn als Maßstab anzulegcn 
und dabei keine wie auch immer gearteten 
Rechtfcrtigungsmechanismcn gelten zu 
lassen. Auch die Zielvorstellung einer 
nationalistischen Bewegung kann da¬ 
rüber Auskunft geben, wie pluralistisch 


• ««i uue 


uic angestrebte Gesellschaft wird, in 
der kurdischen Bewegung ist hier in letz- 

Cr ,^! 1 ™ chr vom Selbstbcsümmungs- 
recht der Nation (irakische Kurdcnbcwc- 
gung) und föderativen Modellen (PKK} 
die Rede, die der Realität der ethnischen 
Zusammensetzung der Region mehr ent 

Nadonalstaat ^ "' 1C * Calc ”’ zcntr alistischc 

Die Linke in den Staaten mit 

kurdischen Minderheiten und 
die Nationale Frage 

ääsäst* 

kommunistischer Agitation i„ dc " “ d 
bischen Ländern. So riefein 
Träumer” i m Februar 1894 
Arbeiter in Kairo auf: “Denkt 1 8 C ™ c 
ist der Jahrestag der lW ^ >dics 

‘aßtunsdeshairbSd^r^’ 

Zusammenschlüßen und ^ CgCnhc ‘ l 

unsere Stimme erheben ..m g nsam 
Tod den raubgierigen A u 3USZUrufc ": 
lebe die Soziahsüschc Re i UlCrn! Lan § 

IcbcdieAnarehie^DSr ^" 8 

stischen Zirkel und Cr CC slen s °ziali- 

heuen gegründet worden d M ' ndcr ' 
einer revolutionären UmwIS ^ V ° n 

Aufhebung diskriminierender M jnd^ £* 

tenstatute versprachen , n , crM mdcrhci- 

einer gcrS*"<Sl dC : &taf - 

Aussetzung für , dnun 2 die Vor- 

ZusammenlcbenaHcr£ hbCrCChÜ8lCs 

ker sahen. Sie gabendeT kIT? 01 ' 
eindeutig Vorrang vor der fragc 
Frage. Die arabischen Nat ? l '° nalcn 
nach dem Zusammcnbr P nallstCn - die 
nischcn Rciche^d tm c " 0 ^ a ‘ 
Vcrsuchc, einen gesamt. ? hcilCrn der 
zu gründen, für die ü^'^" Staal 
künstlichen Grenzen zLioT 1 " 00 " 8 dcr 
gegründeten arabischen ? C " dCn ncu ’ 

ten,machieno,,r.:L„ _ 8taalc n kämnr. 



Geschichtsschreibung 

vermuten läßt ho ^ ?] 

80er Jahre. Mit ! md 
richtungdcrKn Cr Unbc< 

nnd dem Iran ( wi 7k C " 

ZtJSX&t 

F, «”"^.«dc nvc “"^ 



jistischcn Bewegungen ständig- $ cl 
in der Sowjetunion vom “nichtk#P ^ 
fischen Entwicklungsweg”, v ° n 
fortschrittlichen nationalen Bourg 10 \ 

spricht, w ; arcn die arabischen Nä ^ 

Jj slcn a * s Bündnispartner wiHk orT1 « cn 
Schon vorher hatte die Sowjetunion ^ 
Sieg der türkischen Nationalisten „ 
un d diese als “antiimperialistisch! rt U ß 

Wc gung gefeiert, was erheblichen ] ^ 

au ^ die von eben jenen Kcmalis^ 
°^glcn Kommunisten ausüble. J a 

lelang wurde die kemaÜstischc L \ 
lrou ihrerantidemokratischen Pf ^! ^ 

der blutigen Niederschlagung ^ uf ^ 

Aufstände als fortschritüich an S c ^ gjji- 

^ c gncr der “unteilbaren Nation# c 
als Reaktionäre gebrandm#* 












Die Kurden im Nahen Osten 
und der Beginn des kurdischen 
Nationalismus 

^ dreien leben heute auf vier Staaten ver- 
p. 1 ^ * n Syrien, Irak, Iran und der Türkei. 
T ln an ß r cnzcndes Siedlungsgebiet liegt 
‘ n den kaukasischen Republiken der 
l owjetunion. Ihre Zahl wird auf 20 Mio 
kcschätzi, wobei cs allerdings sehr untcr- 
sc iedliche Angaben je nach Standpunkt 
Un( ^ ntcr cssc gibt. Sic sind in ihrer Mchr- 
^ sunnitische Muslime, cs giblabcr vor 
a cm in der Türkei einen großen Anteil 
l° n Aleviten, einer häretischen, von der 
c ua beeinflußten Richtung im Islam. 
Ic ^czidcn, eine auf die ZoroasLricr 
'urückgchendc Glaubensgemeinschaft, 


sind - je nach Standpunkt- als jezidische 
Kurden oder als Minderheit in Kurdistan 
anzusehen. Daneben gibt es in den zen¬ 
tralen kurdischen Regionen in der Türkei 
Christi iche Minderheiten, die Assyrer und 
Aramäer. 

Einen kurdischen Staat hat es in der 
Geschichte nie gegeben, wenn auch kur¬ 
dischen Dynastien in der islamischen 
Geschichte zeitweise eine Rolle spielten 
und cs einige kurdische Fürstentümer als 
Vasallen des Osmanischen Reichs gab. 
Seit dem 16. Jahrhundert waren die kur¬ 
dischen Gebiete zwischen dem Osma¬ 
nischen Reich und dem Safawidenrcich 
im Iran geteilt. 

Ihrer (relativen) Autonomie beraubt, 
leisteten kurdische Fürsten und Stammes¬ 
führer im 19. Jahrhundert Widerstand 

m 


Kurdische Flüchtlingc/Iran; 

R. Maro, Umbruch Bildarchiv/Bcrlin 

gegen die Zcntralisicrungsbcsircbungcn 
im Osmanischen Reich, ohne daß man 
allerdings von kurdisch- nationalen 
Motiven sprechen kann. Die kurdische 
Gesellschaft bestand aus einer Vielzahl 
von Segmenten, in denen Stammesführer 
(Aghas) und religiöse Autoritäten 
(Shcikhs) das Sagen hatten und unter denen 
ein ständiges Ringen um Macht und 
Einnuß stallfand. Die Abwesenheit von 
Zcntralinstanzen in derkurdischcn Gesell¬ 
schaft und die Suche nach Unterstützung 
durch die großen Staaten bei der Aus¬ 
tragung interner Konniktc charakteri¬ 
sierten die Politik innerhalb der kurd ischcn 

Gesellschaft und haben, bcdingtdurch die 
geographisch-politi sehe Eingekreistheit 
ihre Parallelen indcrmodcmenkurdischcn 

Nationalbewegung. Traditionell sind die 






ne 


VI •' 


Kurden seßhafte Bauern und nomadische 
oder halbnomadische Viehzüchter. Durch 
Umsiedlungen und Deportationen und die 
Mechanisierung der Landwirtschaft ge¬ 
langten in der zweiten Hälfte dieses Jahr¬ 
hunderts Hunderttausende von Kurden in 
dicProvinz und Großstädte und emigrier¬ 
ten nach Westeuropa. 

Beim Zusammenbruch des Osmanischen 
Reiches nach dem ersten Weltkrieg be¬ 
standen zwar einige kurdisch- nationali¬ 
stische Zeitschriften und Vereinigungen 
der mit westlichem Gedankengut in Be¬ 
rührung gekommenen kurdischen Ange¬ 
hörigen des osmanischen Militär- und 
Verwaltungskastc, aber die Mehrheit der 


vorsah. Im Vertrag von 
Lausanne war von den Kurden nicht mehr 
die Rede. 

Die osmamschc Provinz Mossul, die 
den Großteil des kurdischen Sied¬ 
lungsgebietes im heutigen Irak ausmacht 
war aufgrund ihres Ölreichtums Streit¬ 
punkt zwischen der kemalisiischcn Tür- 
kei und Großbritannien, der Mandats 
machtdes Irak, die sich dabei durchsetzen 

konnte; Bei der Fcsllc gung der syrisch- 
türkischen Grenze fielen Syrien, damals 

noch französisches Mandatsgebiet, drei 
kurdische Gebiete zu. 


Brutalität niedergeschlagen. Vor den 
sogenannten Unabhängigkeitsgerichten 
wurden Hunderte im Schnellverfahren 
zum Tode verurteilt, mit einer Fülle von 
Ausnahmegesetzen wurde die Zwangs- 
umsicdlung von Hunderttauscnden ange¬ 
ordnet. 1936 erhoben sich die K urden von 
Dersim, dem heutigen Tunccli. Mit der 
Niederschlagung des Dersim- Aufstan¬ 
des war der militärische Widerstand der 
kurdischen Bewegung gebrochen. Die 
kurdischen Gebiete blieben bis 1965 un¬ 
ter Sondergesetzgebung und waren für 
Fremde gesperrt. Die staatliche Assimi- 
lierungspolitik wurde mit “wissenschaft¬ 
lichen Theorien untermauert, daß die 


Kurden war, wie man wohl annchmen 
darf, eher einer Fortsetzung der osma- 
nisch- islamischen Herrschaft zugeneigt 
als einem säkularen Nationalismus. Mi 
islamischer Verbrämung und Versprechen 
türkisch- kurdischer Gleichberechtigung 
gelang es den türkischen Nationalisten 
unter der Führung des Generals Mustafa 
Kcmal, dem späteren Atatürk, kurdische 
Notable für den Befreiungskampf um das 
von fremden Truppen besetzte Anatolien 
zu gewinnen. 

Nach dem Sieg der Kcmalistcn fiel der 
Vertrag von Lausanne (1923) zwischen 
der Türkei und den westlichen Mächten 
für die Türkei wesentlich günstiger aus 
als der drei Jahre zuvor abgeschlossene 
Vertrag von Sevres, der neben einem 
armenischen Staat auch autonome kur- 


Dle kema nstische Türkei 


Schon bald nach ihrem Si* u 

die Kcmalistcn, dieRerhi f 8 Rannen 
Schneiden. l924 ^ , CrKurdc nz.u 
in kurdischer Sprache um| C J UntCrricht 
von'Ve r ei nigun ge n die “die ? ildu ' ng 
kurdischen Staates untermin ^ 1 dcs 
b°ten. Mit den AtatürksThl T"”’ VCr ' 
" urdc dj e Trennung VO n , Rcformc " 
Staat vollzogen, Schrift , ln ^! gl0n und 
nnng reformiert und c\J d Klcid erord- 
Modemisierung betrieh WCSt0ricn ticrie 
Nationalisten f Urdiscb ‘ 

giosen Autoritäten unH J * Cb r cli- 

mchreren großen Aufsl C d rh0ben sich in 
i erl 925derSheikhSaT A n ’? rCngrö ß- 

Dlc Erhebungen wurden -u Ufstand War - 
»'»■Misch gcbM^f^lionu,. 


1 mit aller 


Kurden von türkischen Stämmen ab 
stammten und daß ihre Sprache ein ver- 
r emdcter türkischer Dialekt sei. 

Die Republik von Mahabad 

Im Iran fanden ebenfalls in den zwanziß cr 
mnren Aufstände gegen die Zentralrc- 
g'crung stau. In den kurdischen Stddt cfl 
wurde 1942 eine politische Vereinig ung 

(Komaiah JiyaniKurdistan=Die Wied cr ' 

elcbung Kurdistans) gegründet, ausd cr 
dlc Demokratische Partei Kurdista nS 
ervorging. Die Präsenz der allü crlcn 
ru Ppcn im Iran, im Falle von Kurdin 111 
un d Ascrbcidschan der sowjetischen TmP' 
P cn , entzog diese Gebiete der Kontm IIC 
iq!i ^ cntj alregierung und ermöglich’^ 
d46 dieGründung der Kurdischen Rcp u " 









blik Mahabad. Ihr Präsident war Qazi 
Mohammed, der Vorsitzende der Demo¬ 
kratischen Partei und religiöser Richter. 
Die Sowjetunion, die sich mit der ira¬ 
nischen Regierung über die Förderung 
von Erdöl im Nordiran geeinigt hatte, gab 
die unter ihren Fittichen gegründeten 
Republiken auf und zog im Mai 1946 ihre 
Truppen aus dem Iran ab. Die Truppen 
des Shah Reza Pahlcvi nahmen 1947 
Mahabad ein und hängten die Führer der 
Republik. 

Nicht nur die äußeren Bedingungen 
haben zum Schci tem dieses ersten Staates 
in der kurdischen Geschichte geführt, son¬ 
dern auch die Konflikte und Widersprüche 


ten Gruppen kurdischer Nationalisten 
und Zellen der irakischen Kommu¬ 
nistischen Partei. Diskussionen über die 
Standpunkte der inzwischen auch im Irak 
gegründeten Demokratischen Partei Kur- 
distans und Volkes und der KP zur kur¬ 
dischen Frage erfaßten Intellektuelle und 
die Jugend. 1956 verabschiedete ein 
Parteitag der KP eine richtungsweisende 
Resolution, die “das kurdische Volk im 
Irak als einen untrennbaren Bestandteil 
der kurdischen Nation” anerkannte. (2) 
Die Barzani- Kurden, die sich nach der 
Niederschlagung ihres Aufstands im Jahr 
1945 in den Irak zurückziehen mußten, 
machten das Rückrat der Armee der 


seristisch- arabisch- nationalistischen 
Widersacher unter den Offizieren auch 
auf die KP und die Kurden gestützt hatte, 
versucht nach 1959 Barzanis Position zu 
schwächen, indem er traditionell mit den 
Barzanis verfeindete Stämme unterstützt 
und kurdische Presse verbietet. Nach einer 
Reihe von Feindseligkeiten bricht 1961 
der Krieg zwischen den Barzani- Anhän¬ 
gern und den Regierungstruppen aus. 
Kurze Zeit später schließt sich die Demo¬ 
kratische Partei an. Diese kurdische 
Bewegung im Irak hatzwei Schwerpunkte: 
die städtischen Intellektuellen der Demo¬ 
kratischen Partei und die Stammesführer, 
die das Rückrat des militärischen Kam- 



unter den kurdischen Stämmen, die sich 
zum Teil auf die Scitedcr Zen tralrcgicrung 
gestellt hatten. 


Die kurdische Bewegung im 
Irak 


Auch im Irak waren Anfang der Zwan¬ 
ziger Jahre kurdische Aufstände unter der 
Führung von Sheikh Mahmoud, die auf 
die Errichtung eines Kurdenstaates in dem 
Gebiet der osmanischcn Provinz Mossul 
abzicl ten, mit Unterstützung der britischen 
Luftwaffe niedergeschlagen worden. 
Während sich einzelne kurdische Stäm¬ 
me immer wieder gegen die Zentralre- 
gicrungerhoben, entstanden in den Städ- 


kurdischcn Republik Mahabad aus und 
zogen nach der Niederschlagung der 
Republik in die Sowjetunion weiter. 

Am 14. Juli 1958 stürzten die freien 
Offiziere unter AbdulKerim Qassem die 
irakische Monarchie und riefen die Repu¬ 
blik aus. Die Kommunistische Partei 
wurde zur stärksten Kraft im Irak, und 
auch dickurdischen Nationalisten durften 
legal arbeiten und hatten Zulauf. Im neu¬ 
en Entwurf für eine irakische Verfassung 
ist von gleichen Rechten für Kurden und 
Arabern die Rede. Mollah Mustafa Bar¬ 
zani und den Angehörigen seines Stam¬ 
mes dürfen aus dem sowjetischen Exil 
zurückkehren. PräsidentQassem,der sich 
anfangs bei der Bekämpfung seiner nas- 


pfes darstellen. Zwischen beiden Sekto¬ 
ren gibt es Meinungsverschiedenheiten 
über Inhalte, wie z.B. Landreform oder 
Volkskomitees zur Organisierung der 
Dörfer, und einen Machtkampf um die 
Vorherrschaft in der Bewegung. 1964 setzt 
sich Barzani gegen die Führer der Demo¬ 
kratischen Partei, Ibrahim Ahmad und 
Jelal Talabani, durch und putscht sie aus 
dem Politbüro der Partei. 

Im Februar 1963 putscht die Baath- 
Partei gemeinsam mit arabisch¬ 
nationalistischen Offizieren und nicht 
ohne Hilfe westlicher Geheimdienste 
(ein vorbereitendes Treffen fand in 

München statt) gegen Qassem, der beim 

Sturm auf das Verteidigungsminislerium 















ermordet wird. Die baathistischcn 
Parteimilizen richten in Bagdad ein 
Blutbad unter den Kommunisten an. In 
Arbeitervierteln der irakischen Hauptstadt 
stoßen sic auf erbitterten Widerstand. 
Unter der Herrschaft der Baath- Partei 
eskaliert der Krieg in Kurdistan. Aus 
Syrien, wo ebenfalls die Baath- Partei 
durch einen Putsch an die Macht 
gekommen ist, wird ein Expeditionskorps 
entsandt, um den Widerstand in Kurdistan 
zu brechen. Nach 9 Monaten wird die 
Herrschaft der in Fraktionskämpfc 
verwickelten Baath- Partei durch einen 
erneuten Putsch beendet; nasscristischc 
und konservativ- nationalistische Offiziere 
übernehmen die Macht.. In den darauf¬ 
folgenden Jahren dauert der Krieg in 
Kurdistan, unterbrochen von Verhand¬ 
lungen, an. 

1968 übernimmt die Baath- Partei mit 
einem unblutigen Staatsstreich erneut die 
Macht. Die “Partei der arabische Wieder¬ 
geburt” kämpft mit einer nationalistisch- 
autoritären Ideologie für die arabische 
Einheit und einen völkisch- diffusen 
Sozialismus in klarer Abgrenzung von 
den Kommunisten. Zur Konsolidierung 
ihrer ungesicherten Herrschaft versucht 
die Baath Partei ihre Gegner gegeneinan¬ 
der auszuspiclcn und durch Zugeständ¬ 
nisse zu neutralisieren, während sie den 
Staats- und Sicherheitsapparat systema¬ 
tisch milBaath- Kadern und Angehörigen 
des aus den berüchtigten Parteimilizen 

hcrvorgcgangcncn Parteigeheimdienstes 

“Apparatder Sehnsucht” (Jihazal-Hanin) 

durchsetzt. Inder Kurdenfrageuntemimmt 

die Partei, die bisher Minderheiten im 
“arabischen Vaterland” allenfalls in Aus¬ 
sicht gestellt hat sich zu assimilieren oder 
vertrieben zu werden, einen historischen 
Schwenk und erkennt in dem 1970 mit der 
Führung der kurdischen Bewegung ge¬ 
schlossenen Abkommen vom 11. März 
wesentliche kurdische Forderungen an; 
eine Autonomie für die kurdischen Ge¬ 
biete, deren Umfang mittels einer Volks¬ 
zählung ermittelt werden soll; eine Betei¬ 
ligung der Kurden an der Zentralregic- 
rung, eine Amnestie und das Recht auf 
Rückkehr für Flüchtlinge und Vertrie¬ 
bene in ihre angestammten Gebiete. 

Die Kommunistische Partei hatte sich 
Mitte der 60er Jahre in einen radikalen 
Flügel, der den bewaffneten Kampf ge¬ 
gen das Regime propagierte, und einen 
moderaten, prosowjetischen Flügel ge¬ 
spalten. Währcitd die Baathislen den 
Widerstand der erstcrcn mit Waffenge- 
waltbrachen, warben sie um die letzteren 
mit der Schaffung einer “Nationalen 
Front” aller fortschrittlichen Kräfte - un¬ 
ter Führung der Baath- Partei. Nach dem 
Abschluß eines Frcundschaftsvcrtragcs 
zwischen der UdSSR und dem Irak wil¬ 


ligte die KP 1973 ein und trat als Block¬ 
parte, der nach realsozialisüschem Vor¬ 
bild konstruierten “Patrioüschcn Promos 

^vcnFront”bei.DieDemok ra tisch e Pane; 

Kurdiskuis warzu einem Beitritt zurFront 
•cht bereit denn es war noch zu keiner 
Einigung über ein Autonorniestatm für 

_ ' mim" _ _. _ _ 


Kurdistan gekommen. Die 

war nicht bereit das Jh-m • h ' p anei 

v on Kerkuk in die amon C1Chc Gc bict 

zubeziehen und die Kiirri° meRc P on cin - 

Machtorgan, dem r»^ Wlr klichcn 
Kommandorat zu beteir ° U ‘ ionärcn 
handlungcnwu'rdenkunr^r! 1 Trolz Ver- 

Ml btär überfallen und Ku r S D ° rfCrVOm 
d “ Baalh ' "•“ * 


gung auf, das einseitig von der Regierung 
erlassene Gesetz über eine Autonome 
egion Kurdistan zu akzeptieren Die 
Demokratische Partei und ihre Partisanen 
übten faktisch die Kontrolle in den kur¬ 
dischen Gebieten aus. Doch der Konflikt 
attc längst eine internationale Dirnen- 


Si0n erhalten. Die Sowjetunion war durch 

^nen Freundschaftsvertrag mit demjr^ 

t r un den und hatte ihre noch in den 60c 
Uhren praktizierte Solidarität mit dcf 

irdischen Bewegung im Irak endgültig 

R UrgC ? cbcn - Di e USA rechneten die 

uathisten schon zum sozialistische 0 
uger und bemühten sich, das vermeid 
1C sozialistische Regime im Erdölen 
/ . zu destabilisieren. Über das 
umschc Bollwerk im Nahen Osten, dcrl 










Iran, der die kurdische Bewegung im Irak 
schon länger unterstützte, unterstützten 
sic die ethnische Gruppe”, wie die Kur¬ 
den in den entsprechenden amerikani¬ 
schen Unterlagen bezeichnet wurden. 
Diese fatalen Allianzen führten zum 
Fiasko: Nach dem Ausbruch des bisher 


kurdische Bewegung brach innerhalb von 
Stunden zusammen, Zehntausende von 
Kurden flohen in den Iran. Die Baath- 
Partcikonntenun ungehindert darangehen, 
ihre Vorstellungen von kurdischer Auto¬ 
nomie zu praktizieren: Hunderltausende 
von Kurden wurden aus den Grenzgebie- 



heftigsten Krieges in Kurdistan - die ira¬ 
kische Armee verfügte über neue sowje¬ 
tische Waffen - im März 1974, einigten 
sich der Schah und Saddam Hussein, 
damals noch irakischer Vizepräsident, auf 
der OPEC-Konfcrcnz im März 1976 in 
Algier auf ein Abkommen, mit dem der 
Irak alle iranischen Forderungen bezüg¬ 
lich des Grcnzvcrlaufs im Schaual-Arab 
akzeptierte und der Iran dafür seine Unter¬ 
stützung für die Kurden cinstellte. Die 


ten in der “Autonomen Region” in den 
irakischen Süden umgesiedelt. In kurdi¬ 
schen Gebieten wurden planmäßig Ara¬ 
ber angesiedelt. ln einem Klima der 
Gleichschaltung und verschärften Repres¬ 
sion entledigte sich die Baath- Partei 1978 
ihres lästig gewordenen Bündnispartners, 
der Kommunistischen Partei, die sich den 
neu entstandenen Widerstandsgruppen in 
Kurdistan anschloß. 

Diese neuen Widerstandsgruppen wa- 


9 


ren in bewußter Absetzung und mitschar- 
fer Kritik an der Allianz Barzanis mit der 
USA entstanden. Der Versuch, eine an¬ 
dere Praxis zu entwickeln, mißlang je¬ 
doch. Die neuen Parteien fanden sich bald 
in den Spuren der alten Auseinander¬ 
setzungen zwischen den Polen der kur¬ 
dischen Bewegung um die Vormachtstel¬ 
lung und bei den alten Formen des poli¬ 
tischen und militärischen Kampfes wie¬ 
der. 


Die iranische Revolution 

Die iranischen Kurden haben sich an den 
Dcmonstationcn und Kämpfen der irani¬ 
schen Revolution beteiligt. Mit dem Sturz 
des Schah bestand die Hoffnung, daß nun 
der Frühling der Freiheit gekommen sei: 
für die entwurzelte und in die Städte ge¬ 
wanderte Landebevölkerung, für die Ar¬ 
beiter der Montagcindustrie und der Erdöl¬ 
raffinerien ebenso wie fürdic vielen Völ¬ 
ker Irans. 1979 veranstalteten die Volks- 
feday in den ersten und einzigen “Kongreß 
der Völker Irans” an dem Vertreter der 
Ascrbcidschaner, Kurden, der Araber 

Khuzistans und der Belutschen tcilnahmcn 

und die Wahrung ihrer Rechte im Rahmen 
eines föderativen und demokratischen Iran 
einforderten. Doch diese Hoffnungen er¬ 
füllten sich nicht. Nach der Revolution 
begann ein erbitterter Kampf um die 
Macht, bei dem sich der schiitischc Klerus 
durch Spaltung und Vereinnahmung der 
Opposition einerseits und ihre brutale 
Bekämpfung andererseits durchzusetzen 
vermochte. 

In Kurdistan erklärte sich die Demo¬ 
kratische Partei Kurdistan/Iran (DPK/I) 
nach 32 Jahren für legal und mobilisierte 
für ihre programmatische Forderung nach 
Autonomie für Kurdistan, Demokratie für 
den Irak. Die marxistisch- leninistische 

Organisation der Werktätigen Kurdistans 

(Komaiah) stellt radikalere gesellschaft¬ 
liche Forderungen als die Demokratische 
Partei, organisiert Landbesetzungen und 
versucht das Proletariat in den Städten zu 
organisieren. Die von einer kurdischen 
Delegation bei Khomeini in Ghom vor¬ 
gelegten Forderungen nach einer Auto¬ 
nomie finden keine Zustimmung bei der 
schiitischen Geistlichkeit, die mit der 
Gleichheit aller Muslime argumentiert 
der Sonderrechte für bestimmte Gruppen 
widersprächen. Im August 1979 erfolgt 

die erste Offensivegegen die größtenteils 

von kurdischen Partisancnvcrbändcn 
kontrollierten kurdischen Gebiete. Nach 
einem Verhandlungsintcrmczzo in einer 
für das Regime schwierigen Situation 
folgen weitere Offensiven und schwere 
Bombardements. Die Schwächung und 
Spaltung der Opposition gegen das Kho- 



mcini- Regime und die zunehmenden 
Widersprüche zwischen den beiden kur¬ 
dischen Organisationen im Iran und der 
Golfkrieg erleichtern cs der iranischen 
Armee und den Rcvolutionswächtcm 
(Pasdaran), die kurdische Widerstands¬ 
bewegung in die entlegensten Winkel der 
Berge im iranisch- irakischen Grenzge¬ 
biet zurückzudrängen. 

Die iranische Revolution hatte das 
Kräfteverhältnis in der Region völlig 
durchcinandcrgcbracht. Die USA hatten 
ihren Statthalter am Golf verloren und 
befürchteten, ebenso wie die konserva¬ 
tiven Golfmonarchien, den Export der 
islamischen Revolution. Die Türkei wur¬ 
de durch den Wegfall des Schah- Re¬ 
gimes aufgewertet und gewann an Be¬ 
deutung für wcsüichcn Krisenpoker im 
Nahen Osten. Im Irak haue Saddam Hus¬ 
sein mit einer blutigen Säuberung in den 
Reihen der Staates- und Partei führung die 
alleinige Macht erobert. Sein Regime, 
selber mit einer schiitischcn Opposition 
konfrontiert, sah in der islamischen Re¬ 
volution eine Gefahr, aber vor allem die 
Chance, neben einem durch Rcvol utions- 
wirren geschwächten und international 
isolierten Iran selber zur Regionalmacht 
am Golf aufzusteigen. Ausdem geplanten 
Blitzkrieg wurde ein achtjähriges Massen¬ 
morden, an dem West und Ost durch 
Waffenlieferungen verdienten. 

Die kurdischen Parteien in beiden Län¬ 
dern profitierten von der Schwäche ihrer 
Zcntralrcgicrungcn, wurden aber durch 
Bündnisse und Widersprüche mit den 
jeweils gegnerischen Regimes in blutige 
Auseinandersetzungen verwickelt. Schon 
vor Beginn des Golfkrieges kam cs zu 
blutigen Auseinandersetzungen zwischen 
den Partisanen der Patriotischen Union 
Kurdistans (PUK), einem Bündnis ver¬ 
schiedener Kräfte um den einstigen Bar- 

zani-Widersacher JclalTalabani.unddcn 

Kämpfern der Demokratischen Partei der 
Barzani- Söhne Idris und Masoud, als 
PUK- Partisanen versuchten, im traditio¬ 
nellen Einflußgebict der Barzanis eine 
neue Guerilla aufzubaucn. Während die 
Barzani-Söhnemitdem neuen iranischen 
Regi me zusammenarbei toten, unterstützte 
die PUK die iranischen Kurdenorganisa¬ 
tionen im Kampf gegen eben jenes Re¬ 
gime. Barzanis Partisanen kämpften an 
der Seite der iranischen Pasdaran gegen 
iranische Kurden, und die PUK rettete 
sich vor cincrp, drohenden Dreifronten¬ 
krieg gegen Iran, die Barzanis und ihre 
Verbündeten und die irakische Zentralrc- 
gicrung, indem er den Pakt m it dem Teu¬ 
fel einging und mit Saddam Hussein ver¬ 
handelte. Just in dieser Zeit richteten 
PUK- Partisanen ein Massaker an den mit 
den Barzanis verbündeten irakischen 
Kommunisten an. Nach dem Scheitern 


,, . -“"svii um Saddam 

Hussen schlossen sich alle irakisch . 

kurdischen Oppositionsgruppen zusam¬ 
men und gingen eine Allianz mit dem Iran 

™ir zicuaswi ^^^ 

Im Irak eskalierte der Krieg des Re¬ 
gimes gegen die kurdische Zivilbevöl¬ 
kerung. seit 1987 wurden kurdische 
Dörfer mit -aus bundesdeutschen Anlagen 
produziertem - Giftgas bombardier. Im 
ruhjahr 1988 bombardierten irakische 
Flugzeuge die Täler südlich des rJ 

Sommer wurden das Germivan X 
md die Region Karadagh mgegriX' 
Nach dem Ende des Warfcnsiiii!, ' ? 
im iranisch- irakischen Krieg im A S 
1988 griffen irakische 
len noch von Kurden konbo^en Ge' 

biete imßahdinan-Gebiet an der Pr. 

zur Türkei an. Mehr als u f Grcnzc 

Menschen i'Onntcn'sich vor diesen 
griffen in die Nachbarländer Türkei uni 
Iran retten, 20.000 Mensch™ r , d 

Giftgas zum Opfer. Mit den Gin " dCm 
griffen vollzog das irakische Re/ 83S3n ' 
ne Pläne zur endgültigen Zersi« 8 ' mC SCl ' 
Avisierung Kurdistans HunX T 
sende von Kurden wurden im m dc ltau ‘ 
Fonschrins aus *m V^rZ^ 
erklärten 30km breiten Gürtel X "' 
Grenze zu Türkei undTn a ndan §dcr 
in große Mammutsiedlungcnind^” ^ 
tär.sch überwachten Ebenen in Au“a'!" 
nomen Region Kurdistan” „ k A t0 ' 
Tausende von Dörfern, ja sogSsSj 1 ' 

wurden zerstört, Felder w«ih Stadlc 

Zungen abgebrannt midUBrunn ^ PPan 
toniert oder vergiftet um, " Zubc ‘ 

Eine neue kurdische Bewegung 
in der Türkei S 

™ctdte P Srf P ä ,Ktoi "fe 

der Geschichte der türkk . nttcn ^ al in 
Ein wesentlicher GrundS d" RC p PUbHk - 
dcrMilitärswar,wi c r c hl C , nEln e rif f 

Chef und spätere StaatspräsTdc! 

Evrcn m seinen kürzlich verfirr , Kcnan 
Erinnerungen schreibt der ^ n ' Chtcn 
Separatismus”. ’ C kurd 'schc 

Nach dem ersten Eineriff a » 

1960haUcdicTürkeieinclfb [ Mi ' itärs 

sung bekommen, die den n n Vcrfas ' 
Autonomie und vielen eescit *,y crsiU5tc n 
Gruppen das Recht auf n SCharüichcn 
zugestand. Mit den tief ® rganis| erung 
len Veränderungen^ 2^°^^ 
tisicrung einher. Linke p^ raschcp oli- 
tuicrtcn sich legal dic^R C ? k ° nsli ' 
Jugend” - kurz Dev Gene* Ul '° narc 
Keimzelle der radikalen n ~ WUrdc ZUr 

Auch in den kurdischen pj^ Linkcn - 
rr °VinZCn 


sich Aktivitäten. 1969 fanden in mehre- 
rcn kurdischen Städten Kundgebungen 
für eine gerechte Verteilung des Bodens 
stau, an der sich zigtausende von Bauern 
beteiligten. Die Revolutionären Kultur- 
vercine des Ostens wurden ins Leben 
gerufen. Viele kurdische Jugendliche 



organisierten sich in den neu entstand 0 ' 
ucn linlcen Gruppierungen. Mit dem 
griff der Militärs am 12. März 1971 w’U 
den Hunderte von Linken und kurdischen 

a tionalistcn ins Gefängnis geworfen n rl 

gefoltert, drei Mitglieder einer ü nk< ^ 
uerillagruppc wurden hingcrichtci* 
dcn “Ost (Kurden)- Prozessen verteidig' 
len die Angeklagten offensivdic Exis' c "' 
des ku rdischen Volkes, seiner Sprad 1 
un d seiner Kultur. 

Nach der Rückkehr zur Demokrat 0 
kamen viele Militante der Dev Gene u n ° 
anderer linker Gruppen aus den ° c ' 







_ ; 


_ | 


' 




und ethnisch gemischten Gebieten kam cs 
zu Massakern an Aleviten, oftmals Kur¬ 
den, durch aufgebrachte sunnitisch- tür¬ 
kische Massen, die gegen die “gottlosen 
Kommunisten” mobilisiert worden wa¬ 
ren. Die radikale Linke kämpfte gegen 
den faschistischen Terror, war aber gleich- 


langnissen. Die sozioökonomischc Ent¬ 
wicklung der Türkei, die verheerende 
Inflation durch den Anstieg der Ölpreise 
und die Korruption des politischen Sy¬ 
stems ließen die gesellschaftlichen und 
politischen Auseinandersetzungen eska¬ 
lieren. Die Arbeiterbewegung entwickel- 


Auscinandcrsetzung mit “kleinbürger¬ 
lichen kollaborierenden kurdischen Grup¬ 
pe 0 ” propagierte. Sie warauscincm Kreis 
von kurdischen und türkischen Studcnicn 
in Ankara entstanden, die eine Synthese 
aus den bei der türkischen Linken disku¬ 
tierten Konzepten des bewaffneten Kara¬ 


te sich sprunghaft, aus Kreisen der Schü¬ 
ler und Studenten entw ickcltc sich Wider¬ 
stand gegen den Terror der faschistischen 
Grauen Wölfe, die mit ihrer pantürkisch- 
rassistischcn und zum Teil religiös gefärb¬ 
ten antikommunistischen Propaganda 
Anhänger um sich scharen konnten. Das 
"Amt fiir spezielle Kriegsführung' beim 
türkischen Gencralstab, die türkische 
Variante von Gladio , spielte eine Schlüs¬ 
selrolle bei der Durchsetzung der Repres¬ 
sionsorgane mit Faschisten und bei der 
Planung von Attentaten auf fortschritt¬ 
liche Persönlichkeiten. In konfessionell 


zeitig in vehemente Auseinandersetzun¬ 
gen untereinander verwickelt. Auch die 
kurdische Bewegung entwickelte sich 
sprunghaft. Um Zeitschriften wicRizgari 
(Befreiung) und ÖzgürlükYolu(Wegzur 
Freiheit) entstanden neue Organisationen, 
die weniger an der kurdischen Bewegung 
im Irak als an der linken Diskussion in der 
Türkei, neue Theorien entwarfen und 
Befreiungskonzepte entwickelten. Die 
Organisaüon mit dem vehementesten 
Programm war die Arbeitciparlci Kurdi¬ 
stans (PKK), die den bewaffneten Kampf 
zur Befreiung von ganz Kurdistan und die 


pfes und einem radikalen Nationalismus 

auf marxistisch-leninistischer Grundlage 

entwickelten. Sie fand viel Zulauf von 
Landarbeitern und marginalisierten 
Schichten und verwickelte sich in blutige 
Auseinandersetzungen mit anderen kur¬ 
dischen Gruppierungen. 

Die vielen Gruppen der türkischen 
Linken hatten unterschiedliche Vorstel¬ 
lungen zur Lösung der kurdischen Frage 
entwickelt. Durchaus unter dem Einfluß 
der herrschenden kemalisüschen Ideolo¬ 
gie, die die Existenz der Kurden schlicht- 
weg verneint, vertraten die türkische KP, 





















aber auch Gruppen der Neuen Linken, 
daß die kurdische Frage mil der soziali¬ 
stischen Revolution gelöst sei. Andere 
Organisationen wie Kurtulus (Befreiung) 
vertraten das Selbstbcstimmungsechtdes 
kurdischen Volkes und sein Recht auf 
eigene Organisierung. Für viele Kurden 
in den Reihen der Organisationen der tür¬ 
kischen Linken war allerdings die Frage 
der sozialen Befreiung wirklich vordring- 
licher als eine “nationale Revolution”. 

Nach der Verhängung des Kriegsrechts 
in Kurdistan 1979 und dem Militärputsch 
1980 nimmt die Repression furchtbare 
Formen an. Eine ganze Generativin wan¬ 
dert durch die Knäste und Folterkam¬ 
mern. Kurdische Dörfer werden vom 
Militär überfallen, Tausende von kur¬ 
dischen Jugendlichen werden unter Se¬ 
paratismusvorwurf verhaftet und gefol¬ 
tert. Mit ihrem Kampf gegen den Terror 
im Militärgefängnis von Diyarbckir bis 
hin zur Selbstverbrennung und ihrer 
Verteidigung vor dem gleichnamigem 
Militärgericht begründeten die Gefan¬ 
genen der PKK eine Widcrslandslradi- 
tion, die im Selbstverständnis der PKK 
eine große Rolle spielt. Die Führung der 
PKK war schon 1979 ins Ausland abge¬ 
taucht und begann mit den Vorbereitungen 
für die Aufnahme des Bewaffneten 
Kampfes. Im August 1984 führten die 
Partisanen der PKK ihre erste m ilitärische 
Aktion gegen türkische Militärposten 
durch. Von ständigen “hit- and- run”- 
Angriffen entwickelte sich der Konflikt 
zu einer großen militärischen Auseinan¬ 
dersetzung. Die Präsenz des türkischen 
Militärs in Kurdistan wurde gewaltig 
ausgebaut. Die kurdischen Provinzen 
wurden unter einem Sondergouvcmorat 
zusammengefaßt und einem besonderen 
Ausnahmerccht unterstellt. 

Erst in der zweiten Hälfte der 80er Jahre 
entstand in der Türkei mit zaghaften 
Schritten wieder eine kritische Presse, die 
sich mehr und mehr des Tabuthemas 
Kurdistan annahm. Trotz massiver Stra¬ 
fen für Herausgeber und Journalisten von 
linken Zeitschriften wurden Berichte über 
die Menschenrechtsverletzungen der 
Militärs, über massive Umsiedlungspläne 
der türkischen Regierung veröffentlicht. 
Das Wort Kurde, früher tabu,hieltEinzug 
in die Spalten der bekannten türkischen 
Kolumnisten. Neben den Erfolgen der 
Guerilla spielten die im August 1988 in 
die Türkei gekommenen kurdischen 
Flüchüinge aus dem Irak eine wichüge 
Rolle beim Aufschwung kurdischen 
Sclbstbcwußtseins in der Türkei. Für 
gefallene kurdische Partisanen wurden 
öffentliche Begräbnisse veranstaltet, die 
zu Sympathiekundgebungen umfunk¬ 
tioniert wurden. 

Im Frühjahr 1990 entwickelte sich in 


den kurdischen Städten der Türkei ein 
Volksaufstand. Von der Stadt Nüseybin, 
wo auf einen Begräbniszug für einen 
gefallenen Parüsanen geschossen wurde 
und sich daraufhin die ganze Stadt erhob, 
sprang der Funke des Aufstands auf an¬ 
dere Städte über. Die Händler ließen die 
Rolladen ihrer Geschäfte geschlossen, 
Schüler streikten und Massendemonstra¬ 
tionen fanden statt. Die Bevölkerung der 
strukturschwachen kurdischen Städte war 
in den letzten Jahre durch die Vertreibung 
und Flucht von Kurden aus dem Kricgs- 
gcbict auf das Doppelte angewachsen 
Die Arbeitslosigkeit von ca 50 % und das 
Elend trugen zur Verschärfung der Situa¬ 
tion bei. Die türkische Regierung rea¬ 
gierte mit einer Verschärfung des Aus¬ 
nahmezustands, neuen Vollmachten für 
den Sondcrgouvcmcur und einem “Zen¬ 
sur- und Verbannungserlaß”, der die 
Veröffentlichung von Artikeln über die 
Situation in Kurdistan der direkten Kon¬ 
trolle des Sondcrgouvcmcurs unterwarf 

Mehrere Zeitungen, daruntcr2000’edogru 

(Dem Jahr2000 entgegen), das wichtigste 
linke Magazin in der Türkei, wurden 
bereits unter Berufung auf diesen Erlaß 
verboten. Die Demonstrationen, Ladcn- 
strciks und Boykottaktionen gingen indes 
m geringerem Umfang weiter. 


Kuwaitkrise 

Mildem Beginn derGollkrisc hat sich die 
_ituaiion in Kurdistan zugespitzt. In der 
Türke, hatto Krieg bereits angefangen 
M.tBegmndcrGolkrise suspendiertet c 

Türkei im Bewußtsein ihrer großen 

dcutungalsmihtärischerBrückenknnfH 

Wcs.cn, mcMc„ Ktar X* P k t 

dischcn Provinzen 40 OOO ^ •• i. 

So. r „w„ rtain JS~ 

Irak verlegt. Gleichzeitig bei ? 

P^tecncnaangderiiS^“ 4 * 

cne bisher nicht gekannte Wm? “ 
Dorfzerstörungen und Zwt ° VOn 

langen. Wie zwei Jah r, 8SUmsicd - 

wurden Felder und Baumr,i ZU !° r ‘ m . lrak 

gebrannt und Vieh ersrh^ anla ^ Cnn ^cr- 

w^cn vc 

Lebensgrundlage ?n ^ aucr ^ jeder 
Dorfbetohne ^e l.^ 3 “^' Ga Scn 

für den Staat ziuragen v/'Ü 0 " 1 ^ a ^ Cn 

barerTerrorausgeS in rdCmfurchl - 

mchr als 10.000 veririrtI' SChCnlcbcn 
wohner in Nomaden, 1 ^ Dorf be- 
Hauptstraßen in d cr r ^ dcr 
türkische Menschenrec^^ 0 "' Dcr 

fcnÜichtczahlrcicheErklän^^ 1 " VCröf ‘ 

die massiven Menschenre " 8Cn ’ ln denen 

gengegendicBewohncrri n tSVCrlctZun - 

Prangert wurden un^ ic rT Cgi ° n an gc- 

anßcrt, daß die türk^schen^r "^ 11 ' 18 8C ‘ 

Vem.chtungsfeldzue „! Mlllüirs einen 

g P gcn dlc se kur¬ 


dischen Regionen vorbereiten, bei dem 
wie im Irak chemische Waffen eingesetzt 
werden. 

Für den Fall eines Krieges sind die 
Kurden in der Türkei und im Irak die 
ersten Opfer. Das irakische Regime hat 
schon jetzt damit begonnen, Kurden ans 
den Umsicdl ungslagem für die Invasions 

armee im Irak zwangszurekruticrcn. D 1C 
in der Kurdisianfroni zusammcngeschlos 

senen kurdischen Parteien im Irak haben 
seit Beginn der Kuweit- Krise ihre militä¬ 
rischen Aktivitäten gegen den Irak cing c 
stellt und ihre Aktivitäten gegen den \lt 
auf die diplomatische Ebene bcschrän t« 
Die PKK als stärkste Kraft in Kurdisum - 
Türkei hat die Invasion Kuweits verurtci 
und ruft, wie viele andere Organist 10 

nen, zu einer Antikriegsbewegung g c 8 CI | 

den drohenden Kriegseintrilt der Tür 
auf. Schon jetzt hat der Konfliktdas 
gionale Kräfteverhältnis verändert. ^ 
Annäherung zwischen Iran und Irak ka n ^ 
gemeinsame Aktivitäten gegen die ' ü 
dischc Bewegungen in beiden Län c 
zur Folge haben. Die Türkei hat * f 
historischen” Anspruch auf das Ce 
v on Mossul und Kerkuk erhoben u 
fordert, bei Entscheidungen über 
Zukunft eines Nachkriegsirak mit 
Tisch zu sitzen. j n 

Die kurdische Bewegung hat 
den einzelnen Teilen Kurdistans 
Widersprüche weitgehend überwun 
die in den vergangenen Konflikt a ^ 
Folgen hatten, doch zeichnet 
unterschiedliche Einschätzungen und ö ^ 

tegien in der gegenwärtigen GolfK nsC ^ 

neuemögliche Konniküiniezwischc 

traditionellen irakisch-kurdischen 

gung und der PKK ab. 


Verwendete Literatur: . an dtl^ 

HannaBatatu,The01dSocialCla5S^ ^ 

Revolutionär)* Movcments 
Princcton 1978 . , |nd Sm aI ' 

Martin von Bruinessen, AghaShcikn 

Berlin 1989 

GcrardChaliand(Hg.) Kurdistan un« 
den, Göttingen 1984 .ion» |t,c 

Ferhad Ibrahim, Die kurdische N a 
wegung im Irak, Berlin 1983 

Anmerkungen nldS 0 ^ 3 ' 

1 zitiert nach H annah Batatu, 'Pb^^cn 15 

Classesandthe Revolutionär M 

°f Iraq, Princcton 1978, S. 36 . 

2 IsmctShcrifVanly.Kurdistanin dd ic 

Gerard Chaliand (Hg.), Kurd »L S- ^ 
Kurden, Band 1, Göuingen 19 






Erklärung von U.S. Marine- 
Corporal Erik Larsen 



„Es wird damit gerechnet, daß die Ver¬ 
einigten Staaten innerhalb der ersten zwei 
Wochen des Krieges im Mittleren Osten 
mit 50.000 Toten und Verwundeten kon¬ 
frontiert sein werden. Die High-Tech- 
Gasmasken und Schutzanzüge, für die 
das amerikanische Volk schon seit vielen 
Jahren zahlt, werden im Fall eines che¬ 
mischen oder biologischen Angriffs kei¬ 
nen Schutzbieten. Die Maschinengewehre 
und Artilleriegeschütze, die man für die 
besten der Weil hält, werden aufgrund der 
rauhen Wüsten-Umegbung oft versagen. 
Ein Krieg im Mittleren Osten wird ein 
Blutbad werden. 

Die einzigen Gewinner eines Krieges 
werden die Öl-Magnaten und die Wall- 
Street-Fahnenschwenker sein, die von 
unserer Öl-Abhängigkeitprofitieren. Kein 
Pfennig Profit oder Tropfen Öl ist den 
Tod eines einzigen amerikanischen Sol¬ 
daten wert. GTs sind die Opfer des Krie¬ 
ges. Wir sind die Bauern im Schachspiel 
der Regierung, die weltweitdic Kontrolle 
über die Versorgung mit natürlichen 
Energiequellen besitzt. Wir werden die¬ 
jenigen sein, die in Leichensäcke gestopft 
werden. Wir werden die nächste Genera¬ 
tion von Rollstuhl-Veteranen sein. Wir 
werden die neuen Heimatlosen sein, die 
durch die Straßen wandern, fallerigelas- 
sen von den Veteranen der Verwaltung. 

Ehe es zu spät ist, ehe du nach Saudi- 
Arabien geschickt wirst, ehe du deine M- 
16 benutzt, denk darüber, was du tust. 
Frage dein Gewissen. Die Protestierer hier 
und heute sind nicht hier, um deinen 
Glauben oder dein Bekenntnis zuer Ver¬ 
fassung der Vereinigten StaaLen anzugrei¬ 
fen. Sie sind hier, um dich davor zu be¬ 
wahren, in einem ungerechten Krieg zu 
sterben. Hör ihnen zu. Ist es dir wert, für 
niedrige Ölpreise zu sterben? Ist diese 
Krise im Mittleren Osten nur ein Versuch 
unserer Regierung, eine militärische 
Wirtschaft zu rechtfertigen? Schützt die 
U.S.A. wirklich die Demokratie im Mitt¬ 
leren Osten? Lies die Literatur, die dir 
gegeben wird. Kläre die Fakten für dich 
selbst und laß dein Gewissen entschei¬ 
den.« 

Erik Larsen quittierte inzwischen den 
Militärdienst. Er ist einer der Wortführer 
der Anti-Kriegsbewegung in den USA. 
Vietnam-Veteranen gegen den imperia¬ 
listischen Krieg, verschiedene anarchi¬ 
stische und autonome Gruppierungen, 
Kriegsgegnerinnen überhaupt, rufen seit 
der Mobilmachung in der Golfkrise zur 
Descrtation und Verweigerung des Ein¬ 
satzes in der Golfregion auf. 

Der Widerstand inner- und außerhalb 
der US-Armee wird von dem Geschrei 
der Kriegshetzer, der Propaganda der 
Bush-Regierung und der Medien lauthals 
übertönt. Es scheint so, als gäbe es keinen 
massiven Protest gegen die Vorbereitung 



des Golfkriegcs in den USA. Doch es gibt 
eine Reihe von Demonstrationen, Vcran- 
stalLungen, Boykoltmärschcn etc. in San 
Francisco, New York und anderen Städ¬ 
ten. Und das seit Beginn des Konflikts. 

Hier berichten die Medien in der üb¬ 
lichen Weise von der politischen Stim¬ 
mung der Bevölkerung in den USA. Sic 
verweisen auf angeblich repräsentative 
Umfragen, um mit Zahlen für die Unter¬ 
stützung des Kriges ihr statistisches Kal¬ 
kül zu betreiben. Doch von öffentlichem 
Protest, einer stärker werdenden Anti- 
Kriegsbewegung ist keine Rede. 

Der Sog des Untergangs von Freiheit 
und Dcmocracy, die Sicherung der Res¬ 
sourcen und die Freiheit des Ölmarktes 
zieht eine Vielzahl von Menschen auf die 
Seite der Kriegsbefürwortcr. 

Die USA, als mit großem Abstand 
höchst verschuldete Land der Welt, mit 
ihrem unaufhaltsamen Abstieg der Öko¬ 
nomie und voller anstehender sozialer 
Konflikte, braucht einen starken Kricgs- 
dollar, um zumindest ihre militärische 
Rolle als Supermacht und Weltpolizei 
aufrecht zu erhalten. 

Dagegen wenden sich viele opposi¬ 
tionelle Gruppen. f 

Herby Sachs 















M 





■ 


GATT 
- Gattastrophe 
Gaga’s Trophy 


von Andi Ries 


Der Sieg der Marktwirtschaft wird zu 
jeder Zeit und an jedem Ort proklamiert 
und jedem Kritikerwird das Scheitern der 
Planwirtschaft vor Augen gehalten. Die 
Kalten Krieger jubilieren, die Techno¬ 
kraten stöhnen, bricht doch in diesem 
Augenblick die Wcllwirtschaftsordnung 
zusammen. 


Geschichte des GATT 


Nach dem zweiten Weltkrieg sollten völ¬ 
kerrechtlich verbindliche Regeln die Welt¬ 
wirtschaft regulieren. In Havanna tagte 
von November 1947 bis Mai 1948 die 
UN-Konferenz für Handel und Be¬ 
schäftigung, die die Grundlagen einer 
Internationalen Handelsorganisation 
(International Trade Organisation, ITO) 


ausarbeiteten. Inhalt der soceninn.» 
Havanna-Charta waren neben dem “Allßc" 
menen Zoll- und Handclsabkom 
men (kurz GATT), das zuvor 1947 in Genf 
ausgchandclt worden war, Bestimmungen 

über die Förderung der wirtschaftlichen 

Entwicklung, die Sicherung der Beschäf- 

Rnh^rrM 0 CinCm inlcrn ationalc,i 
Rohstoffabkommen, in dem die Situation 
der ärmeren Länder besondere Berück¬ 
sichtigung fand und die Preise für Roh¬ 
stoffe nicht dem freien Markt ausgcscLzt 
werden sollten. Ratifiziert wurde dieses 
Abkommen von 54 Staaten mit Außnahmc 
der Vereinigten Staaten,deren Kongreß 
die Ratifizierung ablchnte und damit die 
Havanna-Charta scheitern ließ. Anstelle 
der International Trade Organisation trat 
nun das GATT in Kraft, das schon allein 
durch seine Grundprinzipien, seine enge 
Anlehnung an die US-amerikanische 
Außenhandelspolitik erkennen läßt. Die 
einzelnen Bestimmungen in dem Ver¬ 
tragswerk sollen an den Prinzipien der 
Liberalisierung,der Meistbegünstigung 
und der Reziprozität orientiert sein, d.h. 
daß die nationalstaatlichen Hemmnisse, 
dieden internationalen Handel behindern,’ 
beseitigt werden (Liberalisierung), kein 


vo ,u„rr gcgen£ *bcr anderen bc- 
günstiiMin C . rbcnacflt ciligtwird(McisLbc- 
Vertraoe 8 ° dcr ein Land einem 

Vertragspartner handelspolitische Ver- 

partricr ur^g”j^^ U ' | n ^ a “ ch der Vertrags 

■cistungcnerhHn 8 C,ChwcrtigcGcgcn 
Die ersten b v/t" 5011 (Rezi P rozität ) ( 1 
G ATT in den so fhandlun gsrundcn de: 

fast ausschließi; ~ Gutcr >dicntcnsomi 
dcrlndustrienar h dCm Warc naustauscl 
durch de„ Z u " UOnCn «"ander. Ers, 

fcrcnccon Trade and ti AE ^ (Un,lcd Con ‘ 
in Santiago de Chl ?" 1 '" 01964 
Interessen der vom/- Wurden auc h die 

rorUcrcndc™ 

Während der S 0 Jl bcrucks >chtigt. 

Rundc(1964-i9ß?r ÜT" Kcnned y - 

(1973- 1 979 ) npi Und der Tokio Runde 
;. IJ/ v) gelang es ihnen, Modifiki 
üonen am GATT-Vertragswerk S-' 

zusetzen die die sogenannten-wen ger 

entwickelten) Vertragspartner” aus der 
Reziprozitätspfhcht befreiten und ihnen 
gestattete, bestimmte Wirtschaftszweige 
durch Zölle zu schützen. 






Die Uruquay - Round 


An fang Dezember 1990 sorgte die GATT 

- Verhandlungsrunde für mediales Auf¬ 
sehen, sie scheiterte vorerst. Vier Jahre 
vorher begann diese Runde in Punta dcl 
Este (Uruquay) und die Vorhand) ungsde- 
lcgationcn von fast 100 Staaten einigten 
sich auf vier Verhandlungsschwerpunk- 
tc: 

- die Liberalisierung des Warcnhandcls 
und 

- des Dicnsücistungsbcreichs, 

- die Intcmationalisicrung des Patent¬ 
rechtes und 

~ d *c Verbesserung des GATT- Systems 
(Kooperation mit IWF, UNCTAD, 
etc.) 

Zu den einzelnen Vcrhandlungspunktcn 
nur einige kurze Erläuterungen, da die 
Verhandlungen zu umfangreich sind und 
detaillierte Darstellungen nicht möglich 
sind. 

Liberalisierung des 
Dienstleistungsbereichs 

Ebenso wie Industrieprodukte sollen 
zukünftig auch ‘‘Dienste” international 
Angeboten werden können, ohne daß na¬ 
tionale Unternehmen Privilegien genie¬ 
ßen. Bereiche, die ins Auge gefaßt wur¬ 
den, sind die Fernmeldetechnik, Post, 
Tourismus, die Unterhallungsindustrie 
und die Banken und Versicherungen. Die 
Auswirkungen dicscrLibcralisierung sind 
immens. Der Unterhaltungsinduslric 
werden neue Möglichkeiten gegeben ihre 
Produkte-vor allem die minderer Qualität 
~ a bzusctzcn ( siehe u.a. II. Sachs, Ent¬ 
eignung der Öffentlichkeit, SF 29/30). 
Staatliche Monopole wiebspw. die Deut¬ 
sche Bundespost, gehören nach diesen 
Plänen der Vergangenheit an und können 
höchstens als privatwirtschaftliche Unter¬ 
nehmen weiter existieren. Wenn die Kräfte 
des Marktes in diesen Bereichen wirken, 
heißt die Zukunft: Northern Telecom, 
Siemens, NBC, Ncckermann etc. So 
gesehen ist es unverständlich, daß nur 
Bauern in Brüssel gegen diese Verhand¬ 
lungen demonstriert haben. 

Internationalisierung des 
Patentrechtes 

Scheinbarer Hintergrund dieses Verhand- 
1 ungsschwerpunkt sind die “Verluste” von 
westlichen (odernördlichen) Konzernen, 
die durch Fälschungen von Markenpro¬ 
dukten, wie Rolcx, Lacoste, Boss 
etc.,entstehen. Eine ganze Palette von 
Produkten (Video und Musikcassettcn, 
Nachbauten von Computerprogrammen, 
u.a.) versüßen den Aufenthalt nördlicher 


Touristen in südlichen Regionen. Auch 
ehern, und pharmazeutische Produkte 
werden ohne Lizenzgebühren oder ent¬ 
sprechende Patente produziert. Die us- 
amerikanische Pharmaindustrie gibt den 
Verlust mit 60 Milliarden Dollar an und 
damit scheint auch der Hauptinteressent 
an der Iniemationalisierung des Patent¬ 
rechtes ausgemacht zu sein, zumal nicht 
nur die us-amerikanische Chemiein¬ 
dustrie, sondern auch die deutsche auf 
einen erfolgreichen Abschluß der Ver¬ 
handlungen drängt. Wirtschaftlich am 
dringlichsten scheint ihnen die interna¬ 
tionale Patentierbarkeit von Lebewesen 
zu sein, die gerade den Chemiemultis 
neue Expansionsmöglichkeiten eröffnen 
wird. Pflanzen wären nach dem Patent¬ 
recht dann Eigentum der Patentinhaber. 
Das patentierte Saatgut würde zu vertrag¬ 
lich fcstgelegten Bedingungen überlas¬ 
sen und anschließend aufgekauft werden 
oder cs würde eine Lizenzgebühr erhoben 
werden. Für einen Ökonom ischen Einsatz 
der Gcntechnologie ist die Intemationali- 
sicrung des Patentrechtes Voraussetzung. 


Liberalisierung des 
Agrarhandels 

Schon weil im Vorfeld der Uruquay Round 
bestimmten die Auseinandersetzungen 
zwischen den Handelsmächtcn USA und 
der EG den weltweiten Agrarhandcl. Auch 
während der GATT-Vcrhandlungsrunde 
blieben diese Differenzen bestehen. 

Kritikpunkie der US A waren neben den 
S ubventionen, die Kontigcntierung (2) und 
andere nicht-tarifären Handeishemnissc 
(3) der EG. Unterstützt wurden die us- 
amcrikanischcn Forderungen von der 
CAIRNS-Gruppc(4), ein Zusammen¬ 
schluß der großen Agrarexporteure. 

Diese Auseinandersetzung bekam ihre 
Schärfe aufgrund zweier gleichzeitig ab- 
laufendcrProzesse: währenddie USA ihr 
Außenhandelsdefizit durch verstärkte 
Agrarexportc und einer weiteren Ab¬ 
schottung ihres Marktes ausgleichen 
wollte,versucht die EG, die im Zuge der 
Install icrung des Binnenmarktes notwen¬ 
dige Umstrukturierung ihrer Agrarwirt¬ 
schaft sozial abzufedem, in dem sie den 
Bauern feste Preise garanücrcn und den 
Export landwirtschaftlicher Güter sub¬ 
ventionieren. Begleitet wird dieser Vor¬ 
gang ebenso wie in den USA durch eine 
Reihe protektionistischer Maßnahmen (5). 

Leidtragende dieses Handelstreites sind 
die großen Agrarexporteure,die auf die 
Märkte der USA und der EG angewiesen 
sind. Am Beispiel Argentiniens werden 
die Auswirkungen plastisch: 



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Anarchy statt Germoney 











Die Exporte Argentiniens stützen sich 
vor allem auf Weizen, Soja, Mais und 

Rindfleisch, Die Flcischexportcindic EG 

sind auf ein Viertel von vor 30 Jahren ge¬ 
schrumpft und nicht nur, daß das sub¬ 
ventionierte europäische Rindfleisch das 

argentinischcaufDriu-Märktc verdrängt, 

mittlerweile ist selbst in Argentinien euro¬ 
päisches Rindfleisch unter dem Welt¬ 
marktpreis zu haben. Dcrsubvcntionicrtc 
Weizenexport der USA und der EG führt 
in Argentinien dazu, daß der Verkaufser¬ 
lös unter den Produktionskosten liegt. 
"Wir haben umgerechnet 15 S Kosten je 
500 Kilo Weizen, nehmen aber nur 7 $ ein 
, so ein Funktionär der argentinischen 
Baucrngcwcrkschaft FAA (6). So wird 
der meiste Weizen von Rinderherden 
gefressen. Insgesamt seien innerhalb von 
zwei Jahren ein Verlust von sieben Mil¬ 
liarden S an Dcviscncrlöscn entstanden, 
crrcchncte Holgcr Baum von der Wclt- 
hungcrhilfc. Generell sind die Auswir¬ 
kungen der protektionistischen Handels¬ 
politik gerade in den Ländern am stärk¬ 
sten, in denen die “grüne Revolution” (7) 
am erfolgreichsten war. (siehe auchBlätter 
des Iz3W NR.160,170). 



GApuTT 

Die Idee, daß ein freier Markt die Versor¬ 
gung der Menschen am besten sichern 
wurde, ist spätestens seit Anfang dieses 
Jahrhunderts eben durch ihre Praxfs wider 
legt worden und dies selbst im “Und der 
unbegrenzten Möglichkeiten”. Am Ende 
dieses Jahrhunderts zeichnet sich das Ende 

der freien Marktwirtschaft auf global 

Ebene ab, auf der Ebene, die den Aus 
Striffl V erschiedener Nationalökonomien 

(t| D K as . ( 1 ATT ' dc sscn Ziel eben dieser 
globale Frei handcl ist/war - bewirkte zwar 
c*ne S teigerung des globalen War Cnau ^ 
tauschs und einen Abbau von natinr“ 
staatlichen Handelshemmnisscn der ver 

sprochene Wohlstand jedoch blieb fürdie 

2:hTdTv Gan l im GcgCnlcil vcr ur- 

sachtc das Fortschrittskonzcpt (Sporne 

vom Entwicklungsland zur Indus™, c 
nation) der internationalen Wirtschafts 
Organisationen erst den Mangel a„ 
existentiell notwendigen Gütcmln den 
meisten Staaten der südlichen Hemi¬ 
sphäre. Statt dem erhofften Wohlstand 
aben diese Staaten heute Schuldcnbcrgc 
die Technologie steigerte nicht die Kon’ 
kurrcnzfahigkcit zu den Indusuicnaüo- 
nen, sondern die Abhängigkeit von ihnen- 
sie sind nun auf die technologischen Pro¬ 
dukte wirtschaftlich angewiesen. Der Igel 

hatte keine Chance mehr, als er an fing den 
Hasen zu imitieren. 

Die aktuelle Krise des GATT resultiert 
nicht allein aus dem steigenden Nord - 
Sud Gefälle, sic ist ebenso Ausdruck der 
Veränderung des Machtgefüges innerhalb 
der Handclsmächte EG, Japan und der 
USA. Die Politik des Freihandels wurde 
von allen dreien verlassen, um durch 

protektionistische Maßnahmen ihre Posi¬ 
tionen zu stärken, das GATT-Vertrags¬ 
werk war für den einen wie für den ande¬ 
ren unbedeutend, wurde ausschließlich 
zur moralischen Anklage benutzt. Ist das 
GATT als verbindlicher Rahmen aller de 
facto aufgelöst, zielt das Verhalten der 
EG scheinbar auf das formale Ende dieser 
Institution. Die aktivsten Länder bei der 
Installierung des europäischen Binnen¬ 
marktes praktizierten eine arbeitsteilige 
Blockadcpolitik; Frankreich lehnte eine 
Kürzung von Agrarexportsubventionen 
ab, der deutsche Landwirtschaftsministcr 
stellt im Falle einer Kürzung von Agrar- 
subvcnlioncn nationalstaatliche Kompen¬ 
sation in Aussicht. Dieses Verhalten hat 
System. Die bisherigen Konzessionen der 
USA an die EG und Japan an der Ordnung 
der Weltwirtschaft tcilzuhabcn, genügen 
den Franzosen und den Deutschen nicht 
mehr, sie sind auf den Weg zur Welt¬ 
macht, wirtschaftlich und politisch. Der 
Vorschlag zur Installierung einer Inter¬ 
nationalen Handelsorganisation fügt sich 


in dieses Bild ein, es ist der Hut unter dem 
jeder sein eigenes Süppchen kochen kann. 


Anmerkungen 

1 Es sind die Grundpfeiler der freien Markt¬ 

wirtschaft, die zu allererst den kapitalistisch 
am weitesten entwickelten Konzernen Vor¬ 
teile schaffen. 

2 von Konti gern, bedeutet, daß Importe einen 
festgesetzten Anteil der einheimischen 
Produktion nicht übersteigen darf. 

Dazu zählen verschiedenste Normen, wie 

der Arbeitssicherheit, Verpackungsnormen. 

Dcklarierung von Waren, Kontigenticrung, 
aber gesundheitspoli üsche Vorschri ficn,. • • 

CAIRNs -Gruppe: Argentinien, Australien, 

rasilien, Chile, Indonesien, Kanada, 
Kolumbien, Malaysia, Neuseeland. 
Philippinen,Thailand, Ungarn, Umquay;- 
zusammen haben sie einen Anteil von 25 % 
am weltweiten Agrarhandel. 

otektionismus, Abschottung des Marktes 
Von Importen 

FAA, Fedcracion Agraria Argentina; /J 1 - 
aus FR 1.12.90 

Entwicklungsprogramm für die Agrar- 
Ortschaft in den 60er/ 70er Jahren. 


’ 9 1 

l i s r h „ _ 11 

I .. Wen 



»Frauender Anarchie« 


Das Thema für das Jahr 1991 ist 
mit Fra ^ en der Anarchie, 

Wir steLn ? Say von Cornelia Regin. 
aus zwei un ^ ekannte Anarchistinnen 

^hrhu nd in Bild. Kurzbiographie 

Dpr d m,t e,nem Zifat vor. 

au nelptV!! drei,arbi 9 die Bilder sind so 
aufgearbeitet, das sie gerahmt werden können. 

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Vorwort 

Mit diesem zweiten Artikel zu den Feier¬ 
lichkeiten der „Entdeckung Amerikas“, 
1492-1992, wollen wir an den Versuch 
im SF-35 anknüpfen, über den „Quinto 
Ccntenario“, seine Ursachen und Aus¬ 
wirkungen, zu berichten. 

Das Spektrum der Kritikerinnen hat sich 
inzwischen erweitert. Neben der interna¬ 
tionalen Initiative „ Emanzipation und 
lateinamerikanische Identität “ mit Sitz in 
Mexiko-Stadt entickelt sich ein wachsen¬ 
der Protest endlich auch in Spanien. Von 
lateinamerikanischen Solidaritatsgruppen 
und Landarbei Lcrlnnengc wcrkschaften bis 
zu katholischen Basisinitiativen und Pro¬ 
vinzregierungen rührt sich etwas. Selbst 
in Deutschland entstehen Aktionsgrup- 
pcn. 

Im Zuge sich verstärkender nationa¬ 
listischer Strömungen, der Arroganz euro- 
zcntristischcr, weißer und patriarchaler 
Kultur wollen wir in den nächsten Aus¬ 
gaben verstärkt über oppositionelle Strö¬ 
mungen im internationalistischen Kon¬ 
text informieren. Stauden Diskursu.a. im 
internationalen Zusammenhang zu su¬ 
chen, ist die Linke auch hier eher national 
gesinnt. Mit Sicherheit hat die Wicdcr- 
vcrcinigungsdiskussion einen Teil dazu 
beigetragen. Doch schlägt den Opposi¬ 
tion- und Befreiungsbewegungen in der 
»3.Well“ zunehmend von allen Seiten 
kälterer Wind entgegen. 

Mit der Konzentration auf ein neues 
scheinbar „anderes Europa“ verschwin¬ 
det hier allmählich eine internationali¬ 
stische Utopie. Frantz Fanon warnte „die 
Verdammten dieser Erde schon 1961: 
»Verlassen wir dieses Europa , das nicht 
aufhört , vom Menschen zu reden , und ihn 
dabei nieder metzelt, wo es ihn trifft , an 
allen Ecken seiner eigenen Straßen, an 
allen Ecken der Welt.« 1 


500 Jahre 
Kolonisation - 
Feiern bis zum 
Umfallen! 


von Herby Sachs 


Sic werden wieder hoch gehängt: Die 
Bilder der Cortez und Pizarros, die Por- 
u-aits der Eroberer, Inquisitoren und Ko¬ 
lonialherren. Unschuldig lächeln sie ihre 

lebenden Gegenüber an,dieBushs, Kohls 

und Gonzales. Versammclt in der Ahnen- 
galcrie klatschen sie ihren modernen 
Nachfolgern begeisterten Beifall. 

Gemeinsam rühmen sich die Leben¬ 
den und die Toten der fünfhundertjähri- 
gen Landung in Amerika. Gemeinsam 

befriedigen sie ihre Gier nach Geld, Macht 

und Prestige. Ihre Feierlichkeiten sind 
kein Ringelpietz mit Anfassen in derncucn 

Festung Europa, nein, sie tanzen im gol¬ 
denen Schloßhof den Tanz der Vampire. 
Gut geschützt von den Folterinstrumcn- 

ten und Masscnvcmichtungswaffen, die 

zu jedem Einsatz bereit von den al ten wie 
neuen Kriegsherren und Sklavenhändlern 
in den unterirdischen Gewölben gelagert 

werden. , 

Und auf dem Meer, nein, in den Hafen 

der iberischen Halbisel liegen sie vor 
Anker die Nachbauten der Caravellen und 
Santa Marias des Kolumbus, fertig zum 
Start nach Lateinamerika, auf zur erneu¬ 
ten Eroberung mitScharen flotter Tourist¬ 
innen an Bord, und sei cs nur die Sight- 
sccing-Tour in die Exotik. Ein wenig 
betrübt allerdings werden die stolzen 
Nachbauer der Original Santa Maria sein. 
Ihr Schifflcin brannte im Juni 1990 im 
Hafen von Barcelona. Von Bösewichtem 

einfach abgcfackelt! 

1992 soll für alle Europäer ein Jubel¬ 
jahr werden. So versammeln sie sich zu 
Lande und auf dem Meer, um den ge¬ 
meinsamen europäischen Binnenmarkt 
(der Osten wird gleich mitkassiert) zu 
bejubeln und schon mal im Freudentau¬ 
mel feiern sie eine weitere Heldentat 

curopäischerGeschichte“ gleich mit: Die 
Entdeckung Amerikas vor genau 500 
Jahren. 


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oftzieUeJÜhsr: 
Geden&yä^ 

‘^QQjahivABSQM- 1 

ZiungMStiS&l 

ErstousgabepISi^ 


siunahme Sudameri 














Königshauses zelebrieren die Europäer 
der W [fi' l e re . S ^ *j lre Überlegcnhci/mit 

der „historischen Leistung“ der Koloni¬ 
sierung Lateinamerikas. 

Nichts zu feiern gibt es für die Opfer. 
-Die Stimmen der Getöteten jedoch der 
spateren Opfer der Kolonisation und all 
der anderen, die von der Unabhängigkeit 
bis heute unter der Herrschaft des moder¬ 
nen Imperialismus gelitten haben, sind 
bisher kaum gehört worden ." (aus dem 
Vorwort zu dem Buch: Die Neuenw 

deckung Amerikas, hrsg.v. Heinz. Dicte- 

C n amuv ' Vcrla §-Göttingcn 1990) 

500 Pro 0fr ‘ ziellc Prcgramm 500 Jahre _ 

500 Programme vereinigt Eurozenirismus 
und altes Kolonialgchabe des spanischen 
Staates. Für die Indigcnas Amerikas ist 
„ihre Entdeckung“ der Anfang von Vor 
folgung und Zerstörung ihrer Kultur bL 
zum heutigen Tage. Mit dem historisch 
verfälschenden Namen p.,,,,, 

^weier Kulturen“ werden drdstunS 
bewußt die Täter als Freunde einer Zu- 
allsbegcgnung gefeiert und nicht als 

kolonial,stischcErobcmngs-undAubcü 
tungsstrategen gebrandmarkt. 

braUCht dcn % 1 *os der jEm- 

=CSS7."c 

amerikanischen Eliten und Machthah 

-dcnSchcindcrSOOjährigenzS, m 

aufrecht. Mehrais 300 MifliardcnPe " 
stehen ihnen z.ur Verfügung D 0 TT 

geforderte Untcrstützungcinc^’ 1,7 h ° 

Kongresses aus dem spS n loT 
wurde wegen fehlender Mittel! Jfu dS 
Ein Hohn in Anbetracht der z.i B 8 2? 1 - 
nen, die in die verschiedenen Proe^’ '°' 
gepumpt werden. °grammc 

Es regt sich was 

Die spanische Gegenkarn pagn e 

Doch inzwischen rührt sich„ 
men Unzufriedenheit Pro, h m Spa ' 
ver Widerstand F t o^° l T Undakli - 

erstes Treffen der Gegcnim,— ^ C ' n 
P^t. Das Madrider Komilee'CoT" 8C ' 

zusammen und rufi glcicwv 0r,p P c » 

Pomp ...und einer Wirtschaft“ ^ 
‘ion für nationale undt ^ 
Konzerne ... geRen d - . [^nationale 

Militärs über Studienreh der 

—, gegen die vZZl Und Se *‘- 
Kolonisierung rechtfei “ ’ die 



kreuzigtenMoral ." (aus: IZ3W, 500 Jah¬ 
re Kolonisation „Kein Grund zum Fei- 
cm «> S.36, Aug. 90) 

Die tragenden Gruppen der Gcgcnbc- 
wegung in Spanien setzen sich aus klei¬ 
nen Parteien, außerparlamentarischen 
Initiativen und Organisationen zusammen, 
die unter anderem aus der Solidarität mit 
Fatcinamcrikanerlnnen entstanden sind. 

Im Vordergrund der Arbeit der kata¬ 
lanischen „CCCCC“ in Barcelona sicht 
die Thematisicrung spanischer Zivilisa- 
tionslcistungen. Sie versuchen gegen den 

spansichen Zentralismus anzugehen, der 

tm Rahmen offizieller Veranstaltungen 

die Eroberungstradition und den Fort¬ 
schritt für Lateinamerika glorifiziert. 

Sic stellen z.B. mit der Lehrergewerk - 
schaft USTEC Unterrichtsmaterialien 

zusammen, um die kulturelle Überlegen- 
heit der Europäer und ihrer zivilisatori¬ 
schen Leistungen durch Kirche und Staat 
m Frage zu stellen. Oder sic fordern die 
Umbenennung der Straßen und Plätze der 
Konquistadoren. 

Bei der feierlichen Einweihung der 
°Pcr „Cristobal Colon“ störten sie den 
Glanz der Welturaufführung mit spekta¬ 
kulären Aktionen. Doch diese Kritik laßt 
sich der spanische Staat nicht so leicht 
gefallen. Dem Komitee in Barcelona 
Wurdcn in den letzten beiden Jahren die 

Demonstrationen gegen das ,,Qainto 
Ccntcnario“ verboten. Und im Mai dieses 

Jahrcs rissen sie ein multikulturclles 
Zentrum am Rande der Olympia-Stadt 

Barcelona ab. Das Gebäude war von ei¬ 
nem breiten Spektrum der Gegnerinnen 
der Feierlichkeiten besetzt worden un 
w urdc als Versammlungs- und Voran 

staliungszentrum genutzt. Dort lebten 

neben einer Spanierin Menschen aus vcr 
schicdcncn lateinamerikanischen 1111 

afrikanischen Ländern. 

In den meisten bask ischen Stad ten g 
cs Vcr treterlnncn des Kollektivs „Amai- 
urko Quetzal“ gegen die 500 Jahr-Fcicr- 
hehkeiten. Der Name ist eine Verbindung 
aus kubischer und Mayasprachc (Euska 

rau ndTzotzil). 

Teils bedingt durch eine vielfältig 
an gelcgte politische Infrastruktur bas 
ischcr Autonomicbcstrebungcn, tcI s 

Scheinen frühen Zusammenschluß J 01 

100 Kulturschaffenden gelang dem Ko' 
ckl,v di ° Zusammenführung eines 
lcn haskischcn Bündnisses. Ihre Akt 10 ' 
nen und Diskussionen unterscheiden sic i 
a lerdings kaum von denen der Kata 

ncn ’ finden jedoch eine größere R° s °' 
nanz. 

Mittlerweile gibt es auc h in viel 011 
anderen Städten Spaniens Oppo s ’ doIlS 

gruppen. Der Widerstand gegen denatt 0 ^ 

astil ischen Zentral Staat basiert ja eb°° 
a IIs auf fünfhundertjähriger Frcm 
Stimmung. Die Hcrrschaftsallüren & 
OE-Regierung unterscheiden sic 11 
lcscr Hinsicht nicht großartig von ^ crl 







ihrer zentralstaatlichen Vorgänger. 

Viele Intellektuelle werfen der spa¬ 
nischen Regierung und den Organisato¬ 
ren der offiziellen Programme, Heuchelei 
und technokratisches, menschenverach¬ 
tendes Verhalten vor. Die etablierten 
Medien setzen sich kaum mit den gesell- 
schaftskritischen Gegnerinnen auseinan¬ 
der. Sie stützen vielmehr die gewaltige 
Nabel schau des Bündnisses Spanien — 
„Europa. Einheitlicher Tonfall in den 
Veröffentlichungen ist die Ideologie des 
Fortschritts“, auf dem Weg in ein geeintes 
Europa: Der Weg von der Seefahrt im 
15 Jahrhundert bis zur Landung auf dem 
Mond fußt auf den überragenden Lei¬ 
stungen der „Alten Welt“. Zum Beispiel 
soll mit dem 1992 in Betrieb gehenden 
Hochtechnologie-Satelliten ,Hispasat‘ die 
Telekommunikation zwischen beiden 
Kontinenten ausgebaut werden. Doch 
Hispasai wird weder die Armut in Latcin- 
amerika noch die Kommunikation unter 
den lateinamerikanischen Völkern ändern. 
Nutznießer dieses Satcllitcn-Projckts sind 
das spanische Fernsehen RTVE mit sei¬ 
nen Femschserien zu den 500-Jahr-Fcicr- 
lichkcitcn und andere beteiligte europäi¬ 
sche EIcktronikkonzcmc. Angesichts der 
vielen Analphabeten, der hohen Ver¬ 
schuldung und der sozialen Katastrophen 
istdiesc Investi tion der blanke Zynismus. 
Insbesondere da der Satellit zum Großteil 
militärischen Zwecken und wirtschaft¬ 
lichen Vernetzungen zur Verfügung ste¬ 
hen soll. Beteiligt an der Entwicklung und 
Ausführung ist ein europäisches Team 
unter Leitung des französischen Konzerns 
Matra. Um die 50 Millionen Mark kostet 
dieser zivilisatorische Fortschritt. 

Den oppositionellen Gruppen und 
Initiativen wird im Kontext des radikalen 
gesellschaftlichen und technologischen 
Umdenkens keinerlei Aufmerksamkeit 
geschenkt. Ihr Versuch die Fortschritts¬ 
gläubigkeit europäisch-spanischer Ge¬ 
schichte einer Öffentlichkeit zu präsen¬ 
tieren, wird quittiert mit einer notwen¬ 
digen Umstrukturierung und Modcmisie- 
^mg Spaniens im Hinblick auf den Bin¬ 
nenmarkt 1992. 

Die Abhängigkeit der Medien von der 
Regierung, in einer durch und durch 
konservativen Medienlandschaft, trägt 
dazu bei, das spanische Prestige im Sinne 
internationaler und ökonomischer Pol i tik 
aufzuwerten. 

Doch gibt cs sic - die Menschen und 
Initiativen, die sich mit den Ursachen und 
Auswirkungen der Kolonisation Ameri¬ 
kas und ihren modernistischen Projekten 
auscinandersetzen. Die aktiven Komitees 
wollen mit einem Zusammenschluß spä¬ 
testens 1992 ihren öffentlichen Einfluß 
verbreitern. Einige gemeinsame, groß 
angelegte, und spektakuläre Aktionen 
8 c gcn den Patriotismus, die Verherr¬ 
lichung und Rechtfertigung der Erobe¬ 


rungskriege und gegen die Neokolonisa¬ 
tion solllen die Öffentlichkeit mit den 
Opfern der Europäisierung konfrontie 


rvrktn nh enUfcAtt 

EoS 

^•SanttMana^inß 



Verena Picgf 




zum Zusammenhang 

Sexismus .•;:>; £ 
xa^MiSitxnstnu^: , 


Verena Fiegl hat sich an eines der größten 
Tabus der modernen Zivilisation gewagt: den 
Krieg gegen die Frauen. Die ihr Buch lesen, 
sehen, daß damit noch mehr gemeint ist. als die 
den Frauen angetane Gewalt bloßzustellen. 
Denn che Autorin macht klar, daß diese Gewalt 
kem Merkmal der Gesellschaft ist, die wir 
kennen, kein “Phänomen”, kein “Relikt” 
keine Abweichung von der Norm, sondern das' 
Wesen dieser Gesellschaft ausmacht. 

Schon erschienen: 

Sabine Marx: “Thesen zu einem femini- 
süschen Pohtikverständnis” 





— 


Am Zwinger 16, 4800 Bielefeld 1 


FEMINISMUS 
ÖKOLOGIE 
DRITTE WELT 









Wenn die 
Geburt ein 


Interview mit Alain Finkielkraut 


»8 Millionen Immigranten aus der 3. Welt 
(ohne die Klandestinen) werden für Euro¬ 
pa erwartet, sie werden nicht nur soziale, 
sondern auch kulturelle Ordnungspro¬ 
bleme schaffen. Bislang sind die meist- 
betroffenen Länder Deutschland, Frank¬ 
reich und England, in denen die Zahl der 
Immigranten höher ist als sonstwo. Aber 
wenn von 1993 ausgegangen wird, wenn 
diefreie Zirkulation von Menschen inner¬ 
halb der EG erlaubt ist, werden die Prob¬ 
leme komplexer und ernsterßr alle Län¬ 
der. 

Der fränzösische Philosoph Alain 
Finkielkraut hat zu diesem Thema einen 
Essay geschrieben „Die Niederlage des 
Denkens Wir wollen einige Fragen an 
ihn richten.« (La Repubblica-Red.) 


R: Heute ist die Unhaltbarkeit eines wis¬ 
senschaftlichen, rassischen Krite 

riums, welches die Ungleichheit von 
Bevölkerungen undlndividuen recht- 

fertigen wollte, erwiesen. Und in der 

Tat bezeichnet sich kaum jemand als 

Rassist. Sie behaupten, daß sich ein 
zweideutiger „Antirassismus“ eta¬ 
bliert, der sich des Kulturbegriffs 
bedient und dem Rassismus von 
gestern sehr ähnlich ist. Können Sic 
diese Behauptung erklären? 

F ' : “ ge - man hat dc " Rassismus¬ 
begriff eliminieren wollen, eben weil 
er wissenschaftlich nicht haltbarTs 
um ihn mit dem Kulturbegriff zu er ’ 
setzen. Darum wird gesagt- es ex ' 

stieren nicht verschiedene Rassen ’s 

existieren verschiedene ethnische 
Kategorien, die zu verschiedenen 
Kulturen gehören. In der Snh,? 

SS "“ *?* <* 1.£*£2 

angene des Kulturbegriffsgewor- 
den, wie sie es zuvor des Pnco* 
Begriffs waren. B A , “* u> 
muß ein Mensch-Sein erlauben*;^ 5 

scits von Kategorisierungen Niem 

darf alleine auf Gnwd dter gerinmfi 

auseiner determinierten GeSS! 
identifiziert zu werden Ch3ft 

vorragende Rolle gespieh-T ^ 
haben einige seiner TH 

■"«'.ä ,hn a,s 


F.: Ja, Levi-S trauss hat eine wichtigeR 0 ^ 
gespielt: durch ihn haben wir es uns 
abgewöhnt in Begriffen von Rasse zn 
sprechen und uns daran gewöhnt in 
Kulturbegriffen zu reden. Er hat seht 
viel dazu beigetragen, die Begeiste 
ning für ein Europa zu reduzieren» 
welches dazu neigte, sich für die ein 
zige Zivilisation zu halten, die 
Recht hat, diese dem Rest des Pl ane 
ten aufzuzwingen. Durch das Aufzei 
gen, daß die europäische Zivilist 011 
nur eine unter vielen ist, durch das 
Aufzeigen der Risiken einer planet 
rischen kulturellen Niveauanglc 1 
chung des europäischen Modells, h3 
Levi-S trauss eine entscheidende R° 
le gespielt in der Entwicklung de 
gegenwärtigen Antirassismus. 

Aber im Namen derselben P^ 
zipien, auf deren Grundlage er 1 
Rechte der anderen Kulturen vertcj 

digte,haterdieeuropäische,kulta re 

le Identität verteidigt, wenn dies > 
ihrerseits, Objekt fremden fei ndhene^ 

Reaktionen wurde. Das hat ihn in & 

AugenderLinken verdächtigg cmaC ’ 
der Linken, die in den 50er 
seinen Thesen begeistert zugestin 1 
hatte. 

R-‘Sie haben den Aufklärungsphilosoph^ 

nls Verteidigern der individue 
Rechte den Prozess gemacht. Wie ^ 
sich dieser Akt der Anklage in F 1 ' 

klang bringen mitderHochschätzun 

der Werte der Aufklärung? 

F - : Es ist wieder L6vi-Strauss, der daz^ 
beigetragen hat, diesen Prozess vorz ^ 
bereiten - gerechtfertigt bis zu em c ^ 
bestimmten Punkt, in dem Grade, 
welchem die Philosophie der Au r 
nmg die Vernunft vergöttert hat: ■ 
wo der Westen im Namen der 
nunft geglaubt hat, die Welt ^ 
nicren zu können, da zeigt c 
Strauss, daß die Vernunft nicht 
gesamte menschliche Denken re P r 
sentiert: es existieren andere, g tlS ^ 
Reichtümer, welche über die G rcn ^ c 
ihrer Sphäre hinausgehen. Alse, eI 

teils legitime Knh * 





Das Jahrhundert der Aufklärung 
hat dadurch die Individuen emanzi¬ 
pieren wollen -und das ist sein außer¬ 
ordentlicher Verdienst - indem es 
jedem/r die Möglichkeit öffnete, sich 
nicht alleine auf der Basis der Zuge¬ 
hörigkeit zu einer ursprünglichen 
Gesellschaft zu definieren, sondern 
sich radikal von der eigenen Gesell¬ 
schaft zu entfernen, aus der eigenen 
Kultur eine Abstraktion zu machen, 
und sie hat den Menschen Mittel 
gegeben, mit deren Hilfe sie dies auch 
machen können, die Einrichtung der 
öffentlichen Erziehung. 

Die Feiern zum Aufklärungs¬ 
jahrhundert müssten uns also dazu 
bringen, über die beinahe subversive 
Dreistigkeit einer Definition des 
Menschen zu meditieren, der von 
seiner Zugehörigkeit zu einer ur¬ 
sprünglichen Gesellschaft absieht. 
Aber die Feiern, denen wir beiwoh¬ 
nen (Gemeint sind: Französische 
Revolutionsfeiem in Frankreich, SF), 
zeigen etwas anderes. Z.B. hat man 
einem Reklameagenten, Jean-Paul 
Goude, anvertraut, die spektakulären 
Feierlichkeiten in Szene zu setzen, er 
wählte den Titel „Die planetarisachen 
(Volks-)Stämme“. Ein unglaubliches 
Paradox: man wollte die (Volks- 
)Stämme feiern, während die fran¬ 
zösische Revolution eben den Clans 
und Korporationen den Krieg erklärt 
hatte! 

R-.Kommen wir zur Gegenwart zurück, 
d-h. zu einem Schlüsselproblem, die 
Perspektive einer Abschaffung der 
inner-europäischen Grenzen. Müssen 
wir versuchen die Fremden, zu ande¬ 
ren Kulturen gehörenden, in der Kul¬ 
tur des Abendlandes zu integrieren; 
sie so zu einem Prozess der Assimi¬ 
lation ermuntern (eine bevorzugte 
Lösung von antirassistischen Bewe¬ 
gungen, wiez.B. „SOS-Rassismus“)? 
Oder müssen wir, ausgehend von der 
Voraussetzung der Gleichheit der 
Rechte aller Kulturen, die Geburteiner 
Pi Ural-ethnischen Kultur bevorzugen? 

F- Ich muß vorausschicken, daß Europa 
sich durch die Tatsache auszeichnet, 
e ine Kultur versucht zu haben, die 
n icht auf ethnischer Basis gründet. 
Dem anthropologischen Diskurs läßt 
Sl ch vorwerfen, diese original euro¬ 
päische Charakteristik nicht beachtet 
h a ben. Die Alternative stellt sich 
Cutc in diesen Begriffen: wird Euro- 
P a ^stände sein, seine eigene (hu¬ 
manistische, übernationale) Kultur 
un i versal zu verteidigen und dank ihrer 
Stärke es erreichen, die immigrierten 



Bevölkerungen 
zu assimilieren oder 
wird Europa zur Ghetti 
von verschiedenen Kui 
folkloristischen Typs, c 
gewebe allein vom Fern 
elektronischen Musik ko 
wird. 


R.: Aber kann in diesei 
loristischen Kultur 
Kultur eigene Wei 


F.:Nein, in einem allgemeinen Mosaik ist 
kein Platz mehr für authentische 
humanistische Werteder europäischen 
Kultur: einer Kultur, die sich definiert 
als von universalen Werken und Gei¬ 
stern ausgehend. 

R.:Wie soll das Problem der Koexistenz 
von verschiedenen ethnischen Gesell¬ 
schaften auf dem speziellen Gebiet 
des Unterrichts gelöst werden? Auf 
EG-Niveau ist noch keine gemein¬ 
same Doktrin definiert worden. In 
Frankreich dagegen hat das College 
de France eine Serie von „Vorschlä¬ 
gen für eine zukünftige Erziehung“ 
formuliert. Welches sind die Linien 
dieser Direktiven? 

F.:Das College de France hat faktisch 
einen Vorschlag ausgearbeitet, der 
dann einer dafür bestimmten Kom¬ 
mission des nationalen Erziehungs¬ 
ministerium übergeben wurde. Die¬ 
ser Vorschlag privilegiert den wissen¬ 
schaftlichen Unterricht und relativiert 
die humanistischen Disziplinen, aus¬ 
gehend vom Postulat, daß die Wis¬ 
senschaft das Universale unterrichtet, 


während die l 

71ir Spnrihililfif für Hip Vprcr*liipH/»n 

UVIIOIUlllUlL L U.1 Ult * tldL’lUCuCIl , ‘ 

heit der Kulturen beitragen. Auf der 
einen Seite wird der Vorrang der 
Wissenschaft als Hilfsmittel absolu¬ 
ter Werte (unabhängig von der Um¬ 
gebung, in der sie ausgearbeitet wird) 
postuliert, auf der anderen Seite die 
Anerkennung der Vielheit von Kul¬ 
turen, die sich in verschiedenen Wei¬ 
sen ausdrücken. 

Und dennoch existieren sehr 
reiche Kulturen, die keine wissen¬ 
schaftliche Basis haben: darum er¬ 
scheint mir dieser Relativismus zer¬ 
störerisch. Man tendiert dazu, eine 
technologische Wissenschaft zu fa¬ 
vorisieren zum Schaden der wahren 
Kultur. Wer sorgt sich heute noch um 
Dante, Goethe oder Montaigne? Und 
wenn diese uns Europäer nicht mehr 
interessieren, warum sollten wir uns 
darum kümmern, dieses Erbe an die 
Kinder von afrikanischen oder tür¬ 
kischen Immigranten zu vermitteln? 
Wenn wir es nicht schaffen, diesen 
Prozess zu unterbrechen, fürchte ich 
ums Überleben dessen, was, nach 
meiner Ansicht, die authentische 
Kultur ist. 


aus La Repubblica übersetzt von Jürgen Wie noch 





Der Faschismus 
von Vichy ans 


von Maria Antonietta Macciocchi 

Das furchtbare Jahr 1940 hat ein exaktes 
Unglücksdatum: es ist der 10.Juli, als die 
extreme Rechte die Macht in Frankreich 
an sich riß. Man ist noch heute schockiert, 
wenn man sich daran erinnert: Als »gött¬ 
liche Überraschung« (so der faschistische 
Theoretiker der französischen Aktion 
Maurras), zeichnete sich am dunklen 
Horizont der Herausforderung von 1940, 
der »gute Mensch« Pctain ab, ein Mar¬ 
schall von 84 (!) Jahren, der zur Diktatur 
bereit war. 

Die extreme Rechte war minderjäh¬ 
rig. Eine verbrecherische Sekte, Pro Hit¬ 
ler und rassistisch eingcstellt,-auch wenn 
sic damals einflußreicher war als heute Le 
Pen sein soll. Ihr stand die Volksfront 
gegenüber, geleitet von Ldon Blum, ei¬ 
nem , Juden“. Sic war krank vor Fremden¬ 
haß, revanchistisch, fletschte die Zähne in 
einer Haßsprache. 

Sic nahm den Faschismus an, sog die 
zitternde Zcntrumsrcchte auf, die keine 
Kraft hatte. Was die sozialistische und 
radikale Linke betrifft, so ließ sie sich in 
den Strukturen der Republik treiben. 

Die französische gesetzgebende Ver¬ 
sammlung beging an einem Nachmittag, 
am 10.Juli 1940 in Vichy Harakiri. Schau¬ 
platz war der Saal des Theaters Gran 
Casino, wohin Marschall Pdtain die De¬ 
putiertenkammer und den Senat gerufen 
hatte. 

Die Szcncistoperettenhaft, wenn auch 
tragisch. Im Theatersaal, der eine dicht 
neben dem anderen, wählten 672 Parla¬ 
mentarier stumpfsinnig, resigniert und 
korrupt die »nationale Revolution« des 
84-jährigen Marschalls, des „großen Sie¬ 
gers“ von Verdun (im ersten Weltkrieg). 
Auf der Bühne, die für die Ballettänze¬ 
rinnen des Can-Can bestimmt war, wurde 
die Präsidentschaft eingesetzt. 

Ldon Blum beschreibt diese Parla¬ 
mentarier als einen menschlichen Sumpf, 
wo man jeglichen Mut schwinden sah. 
»Sic weinen vor Angst, Angst vor den fa¬ 
schistischen Banden von Doriot, vor den 
Deutschen, aus Angst vor sich selbst.« 

So wählten an diesem lauen Nach¬ 
mittag des 10.Juli hunderte Parlamenta¬ 
rier bei 20 Enthaltungen und 80 Gegen¬ 
stimmen das von Pierre Laval vorberei¬ 
tete »Konstitutionsgesetz«, das einen 
einzigen Artikel enthielt: 

»DieNationalversammlungübcrträgt 
alle Macht an die Regierung der Republik 


Das Terrorjahr 1940 

Wie der französische Staat vom 
Juli 1940 bis zum November 
faschistisch geprägt wurde: 

17 Juli: Gesetz zur Säuberung der Admi¬ 
nistration, laut dem jede Person 
von einem ausländischen Vater 
geboren, keinen Zugang zu öffent¬ 
lichen Beschäftigungen hat und 
von vorhandenen Funktionen ent- 
bunden wird. 

30. Juli: Einrichtung eines Höchsten 
Gerichts, um die Exministcr der 
Republik zu richten. 

2. August: Todesurteil für General De 
Gaulle. 

27. August: Abschaffung der antirassi- 
stischcn Gesetze von 1939 

29. August: Die Ausübung des medizi¬ 

nischen Berufs wird den Juden 
verboten. n 

4. Oktober: Gesetz., das der Ent- 
schcidungsgewalt des Präfekten 
erlaubt, »diefremden Emigranten 

jüdischer Rasse« in Speziallagcm 

zu intcr niercn oder um cr 
verschärften Hausarrest zu stellend 

‘“sjr'ss'K 

vollständige Kollaboration. ^ 

30. Oktober: Gesetz x, 

Zwangs der Juden zu'v"« 

Sc 

srartSÄ 

nichtjüdischen £ 

v »"j»dc wird, wenn “" 5 

Partner Jude ist. dcr 

"* 

undArbcitnehmcrorganisanoncn" 


unter der Autorität und Signatur des 
Marschalls Pdtain.« 

Und der erste »konstitutionelle« Akt 
begann mit der etwas wirren, königlichen 
Bestätigung: 

»Wir, Phillipe Pdtain, Marschall von 
Frankreich, sammeln die Funktionen als 
Oberhaupt des französischen Staates.« 

Die Republik war tot. Die pdtaini- 
stische Diktatur war geboren. 



Alles war im Geheimen vorbereitet 
worden. Am 18.Juni 1940 vertraute Hitler 
Mussolini an, daß er in Frankreich auf 
eine Waffcnstillstandsregicrung zählte, die 
es ihm erlauben würde, das ganze miHtü 
rische Gewicht gegen England zu werfen- 
Bereits am 3 .November 1939 sagte der 
italienische Botschafter in Frankreie » 
Raffaclc Guaraldi, daß Pdtain der Mann 
des Schicksals sei und vermittelte in ein cr 
Depesche, daß man in der Zukunft auf ■ b n 
setzen müsse. Am 3 Juni 2 940 vermittelte 
der deutsche Botschafter in Madrid, 
Pctain Botschafter gewesen war, in einer 
anderen Depesche, daß Pdtain für seine 
Polle als Präsident der Republik berci 
sei. Alles passierte nach diesem vorg c 
fertigten Manuskript. Aus den Dokumc n 
ten, die ich zitiere und die zur Zeit cS 
Prozesses gegen Pdtain unbekannt’ 
ist nach und nach zu ersehen, wie 1 
Aktion des Marschalls 1940 nur d afü 
inszeniert war, mit seiner Hilfe ein total 1 ' 
tares Regime einzurichten. Der Marse a 
von Verdun hatte keine andere Lösung j ^ 
Kopf als vor Hitler zu kapitulieren, ^ 
ihm zufolgcmitdem Interesse des Lan 
und mit dem der »nationalen RcvolutiO 

übcreinstimmtc. c 

In 5 Monaten haue die extreme R cC 1 
von Vichy, die von der moderaten R c0 
ten und der pazifistischen Linken un 
schätzt wurde (wie heute Le Pen tU 1 ^ 
schätzt wird) die Macht an sich g cn ° 
men und das Startsignal dafür geg e 
die Legislative zu schänden. Danach o 
ten die wahren und eigentlichen Vcf 

che n, gesteuert vom Triumvirat der K° 

borateure Pctain - Laval - Daria* ° 
Deportation der Juden, das große Mas ‘ 
ker an den kleinen Franzosen. Gczeie 
Wle Ticrc wurden z.B. zwischen 1942 

1944 zweitausend Kinder unter 6 ^ 
und sechstausend unter 13 Jahren 
Frankreich nach Auschwitz transpo rl f 
Dics geschah unter den Dispositionen 












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Am 26. August kamen Rachel und 
Nclly in Auschwitz an. Sie kamen nicht 
zurück. 

Der Generalsekretär der Praefcktur der 
Gironde war Maurice Papon, dessen Fall 
heute die Seiten der französischen Zei¬ 
tungen füllt. ... Derselbe Papon, der am 
9.Juli 1958 (demselben Jahr als das Aben¬ 
teuer De Gaulle begann) seine Anerken¬ 
nung als kämpfender Partisan erreicht 
hatte, und ab da als ein hochdekoriertes 
Mitglied der Resistance galt. 

Ob Frankreich heute aus seinem 
dumpfen Schweigen erwacht, das ihm 
aufgezwungen wurde? Ob es das Feigen¬ 
blatt von seiner Vergangenheit und seiner 
Komplizenschaftmitdem Nationalsozia¬ 
lismus ablegcn wird? Wir müssen es uns 
wünschen. Gerade nach dem großen Trau¬ 
ma von Carpentras (Schändung jüdischer 
Gräber, 1990) hat Mitterand die Verant¬ 
wortung zu übernehmen, das historische 
Gedächtnis des eigenen Landes neu zu 
beleben. 

Jetzt kommen Beweise an die Öffent¬ 
lichkeit, daß der Genocid nicht nur eine 
deutsche, sondern auch eine französische 
Sache war. Im Augenblick der Entwei¬ 
hung des Friedhofs von Carpentras, habe 
ich dieses fürchterliche Problem in einem 
Artikel aufgeworfen, der im Corrierc dclla 
Sera (13.5.90) abgedruckt war. Danach 
hat ihn auch El Pais gedruckt. Der Artikel 
rief eine Salve von Kränkungen durch den 
Mittclalterforschcr Jacques Le Goff her¬ 
vor (Corriere della Sera, 21.5.). Der Pro¬ 
fessor verfuhr nicht subtil, er widerlegte 
nichts, sondern klagte mich wegen wahn- 
sinni ger Absichten an, bezeichnctc meine 
Art zu schreiben, als die Art einer Ver¬ 
liebten, einer Wütenden, die gegen die 
tapferen französischen Intellektuellen 
Injurie um Injurie ancinanderreiht. 

Was soll ich ihm antworten? Das 
Stürmische meines Artikels war mir ganz 
unbewußt. Ich bezog mich auf meine 
jahrelange Erfahrung, daß Frankreich den 
eigentlichen Rassismus ignoriert, den 
eigentlichen Antisemitismus; - u.a. weil 
in den Schulen jahrzehntelang gelehrt 
wurde, daß es während der Resistance nur 
Helden gegeben hatte, nur unbesiegte 
Partisanen, beschützt vom großen Schat¬ 
ten des antifaschistischen Generals Char¬ 
les De Gaulle. Aber heute scheint alles 
herauszukommen. Es ist diesselbc fran¬ 
zösische Presse - und ich achte sie dafür 
- welche in die Offensive geht. Ich habe 
vom „Nouvel Observateur“ gesprochen, 
doch über diese begrabene und verges¬ 
sene Geschichte hatten schon einige an¬ 
dere Periodika berichtet - darunter 
L’Exprcss und L’Evenement du jeudi, 
Passages und andere. Glcichzeitg gingen 
historische Bücher in Druck: Die Propa¬ 
ganda unter Vichy (1940-1944) des 
Museums für Zeitgeschichte, Die fran¬ 
zösische Öffentlichkeit unter Vichy von 
Pierre Laboric (Edizioni dcl Scuil) und 


1940, das fürchterliche Jahr (derselbe 
Verlag), hrsg. von Jean Pierre Azemq; ein 
Buch über die Niederlage, den Appell 
vom 18.Juni, den Waffenstillstand, das 
Ende der 3.Republik usw. Dann wurde in 
den Invalides über die Vichy-Propaganda 
eine überraschende Ausstellung eröffnet: 
darunter findet sich das groteske Plakat 
mit dem störrischen Kopf von Pdtain, der 
überdekorierten Marschallsmützc und 
dem Text: »Seid ihr französischer als er?«. 
Oder ein anderes Plakat von dem Maler 
Villenet, ein Tryptikon »Arbeit, Familie, 
Vaterland«, das heute ja keineswegs ver¬ 
schwunden ist, sondern im Gegenteil 
berühmt wurde als Rcklamcplakat. In der 
Ausstellung wird die Postkontrolle unter 
dem Vichy-Regime illustriert, und auch 
der frenetische Rundtanz der Dcnunzie- 
rungsbriefe von patriotischen, tapferen, 
französischen Bürgern gegen andere 
Bürger, die verdächtig seien, Juden zu 
sein. Die fieberhafte Zensur erreichte ihren 
Höhepunkt, als 70.000 Briefe wöchent¬ 
lich geöffnet wurden. 

Aufgereiht finden sich die petaini- 
stischen Kultobjekte: Aschenbecher, 
Vasen, Medaillen, Lampenschirme, 
Stickereien, Armbände, die alle auf den 
Strohmatten des Hotels du Parc in Vichy 
deponiert wurden, wo der Marschall-Vater 
wohnte .Wir sind heute noch Zeugen für 
die naive Treue des durchschnittlichen 
Franzosen, der sehr gut gelernt hatte, sein 
Hosianna auf den Opa-Erlöser zu singen. 


Pdtain wird auch noch immer die große 
ökologische Legende zugeschrieben: die 
Rückkehr zur Natur, die Reinheit des 
Landlebens, das gesunde Trinken (Milch) 
und die Aversion gegen Tabak. 

Das Vichy-Frankreich erscheint uns 
autistisch und schizophren. Die wirkliche 
Welt wird propagandistisch überhaupt 
nicht anerkannt, während gleichzeitig das 
Regime in seiner Kollaboration mit dem 
Hitlerregime immer weiter geht. 

Auf dem legendären Boden der 
Champs Elysees, gegenüber dem 
Triumphbogen, wurde ein riesiges Radio 
rekonstruiert, das Radio London nachge- 
bildct worden ist, von dem aus De Gaulle 
den Appell vom 18.Juni sendete. Man 
hört ihn mit leidenschaftlich bewegter 
Stimme aus dem Londoner Mikrophon, 
weil sich die Franzosen gegen die okku¬ 
pierenden Nationalsozialisten und das 
faschistische Regime von Pdtain erhoben 
haben. 

Zum ersten Mal haben wir die andere 
Seite von Vichy sehen können. Das abso¬ 
lute Unbekannte, die historische Wen¬ 
dung . Frankreich zieht die versteckten 
Leiden aus der eigenen Schublade hervor 
und scheint die Verantwortung für die 
Zeit der Kolaboration annehmen zu wol¬ 
len, um deren Grausamkeit, die Verbre¬ 
chen und die Gemeinheit auszusprechen. 
Damit kehrt auch - nach 50 Jahren - die 
fürchterliche Verantwortung der dama- 


KALENDER 1991 


Kurzdarstel¬ 

lungen 

verschiedener 

gewaltfreier 

und 

libertärer 

Organisationen. 

Adressteil, 

Telephon¬ 

register, 

Jahresübersicht, 
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kalender, 
Postgebühren, 
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Fadenheftunq. 
ca. 288 S., 
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DIN A6. 

In gewohnter 
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Kritische 
Rückblicke 
! auf 
j fünf 
Jahrzfehnte 
libertäre 
; und 
soziale 
Bewegungen 


Wieder¬ 
verkäufer¬ 
innen 
gesucht. 
Ab 5 Ex.: 
8.-DM 
ab 25 Ex.: 
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Bestell¬ 
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Maren 
Witthoeft 
Friedel- 
str. 35 
1000 
Berl 


1940 

1950 

1960 

1970 


Mn 


44 


1990 

2000 





J jgcn Intellektuellen zurück, die—als talen¬ 
tierte Männer - dem Faschismus zutrie- 
b c n. Hs sind ungeheuer Viele und Ge¬ 
feierte. Es reicht, das Buch von Leon 
Poliakov »Geschichte des Antisemitis¬ 
mus« zu lesen. 

Ich beschränke mich hier auf ein Zitat 
VOn Francois Mauriac, der schrieb: »Die 
Wörter des Marschalls waren quasi nicht 
w cltlich... er war kein Mann der sprach, 
sondern es war der Appell der großen, 
untertänigen Nation.« Der große Dichter 
Pa »l Claudel komponierte zu Weihnach¬ 
ten 1940 eine »Ode zu Ehren des Mar¬ 
schalls«: „Frankreich hör auf den alten 
Mann, der zu dir spricht wie ein Vater.“ 

Die verleiteten Intellektuellen, Ras¬ 
sisten und Nationalisten gaben die Jagd 
frei auf ein Anti-Frankreich, lebten den 
Antisemitismus des Staates wie im De¬ 
lirium aus und waren sehr damit be¬ 
schäftigt nützliche Elemente zur Festi- 
8 un g dieser schmerzlichen Verfassung 
v °n Vichy beizutragen. Einige dieser 
Juristen“ sind bis heule unter uns, sehr 

ScachLet... 

Ob sich Frankreich von seinen Dämo¬ 
nen befreien will? Von dem immer und 
nieder inkamierenden Fremdenhaß und 
Antisemitismus? (Heute Le Penismus?) 

. Mich würde es freuen, umso mehr als 
p* 1 scl bst in der Vergangenheit bittere 
riahrungen gemacht habe: Es war un¬ 
möglich, total verboten, an einer Univer- 
Sl ^it über die Geschichte des französi- 
sc icn Faschismus zu reden. Das war eine 
^nüberschreitbarc Barriere. Ein Tabu, 
rankreich durfte nur ein glorreiche Re- 
p 1St ancc haben. So die Kommunistische 
ar |ci, die sich selbst als Partei »der Hin¬ 
gerichteten« definiert, als die »heroische 
arlci eines heroischen Volkes«. 

Es reichte damals, als ich in meinem 
eminar einige Seiten dieser unbekann¬ 
ten Geschichte aufschlagen wollte, näm- 
lc * die Dossiers des Ministeriums über 
j 1C -irische Frage von Vichy, daß der 
nnenminister persönlich, damals Pierre 
arcelin, mich mit Verdächtigungen 
erzog, um mit der Drohung zu schlie- 
en, meinen Kurs zu verbieten. (Ein Akt 
Segen den sich die Professoren vom Col- 
y gc dc France auflehnten, - in einer 
ersammlung, die ich nicht vergesse.) 

n Wirklichkeit redeten wir vom Fa- 
nsmus oder vom französischen Anti¬ 
semitismus und das reichte aus, um eine 
^emdin aus mir zu machen, eine Auf- 
mglcrin, eine Rebellin gegen die stabile 
denn sobald man sich mit die- 
n Zeiten beschäftigt, nähert man sich 
e m Thema der Verbrechen von Vichy. 
c » n beider gibt es noch immer mehr als 
j l ^ C dieser chauvinistischen Tendenzen. 
n ° Ee Goff nicht beleidigen und es 
p 1C u nur ihm zuschreiben, aber es ist eine 
^°rm von »Zeitungs-Rassismus«, was da 
^ an Zu sammenstieß. (Ich konnte mich 
erauszichen, mit der Hilfe einer solida¬ 


rischen Gruppe französischer Professoren. 

Von 1975 bis 1976, dem Jahr meines 
Seminars hatte ich wirklich mutige Leh¬ 
rer an meiner Seite). Einige Dokumente 
überden Pdtainismus, die ich in dem Kurs 
vorstcllte, sind heute publiziert. Ein jun¬ 
ger Professor, Gdrard Miller, schaffte es 
in die »Archive des Kommissariats für 
jüdische Fragen« (C.G.QJ.) von Vichy 
vorzudringen, die von de Pellepoix ver¬ 
waltet werden, dem fürchterlichen Mör¬ 
der von Dorquier. 



Wir hatten die ersten Kopien der grau¬ 
samen Befehle zu Judenrazzias und den 
Pflichten zur Behandlung der französi¬ 
schen jüdischen Bevölkerung, die den 
Vichy-Autoritäten von den Deutschen 
übertragen wurden. Das Kommissariat 
hatte alle Juden in Frankreich katalogi¬ 
siert: es antwortete positiv auf den Ver¬ 
trag mit den Nazis im Juni 1942. Tausend 
Juden zwischen 16 und 40 Jahren mußten 
auf gefunden und ausgeliefert werden. Für 
die sehr gut ausgeführte Arbei t erhielt das 
Kommissariat die Gratulation von Himm¬ 
ler. (Eine höhnische Ironie). 

Dieser Universitätskurs wurde dann 
gedruckt und übersetzt (ins spanische, 
portugiesische, deutsche und türkische): 
Analyseelemente des Faschismus , hrsg. 
von Christian Bourgois, 1976. Ich glaube, 
daß die zwei Bände ein einigermaßen 
klares Bild boten von dem, was in den 
schwarzen Mägen Frankreichs knurrte, 
schon vor dem Le Penismus. Man hat 
gegen mich und meine Profcssorcnfrcundc 
eine Gruppe von stalinistischen Intellek¬ 
tuellen (unter Foudre) organisiert, mildern 
Auftrag jeden Kurs abzubrechen; es gab 
phantastisch übertriebene, aggressive und 
gewalttätige Plakate. 

Pier Paolo Pasolini wurde auch deren 
Opfer. Er war mit Nico Naldini gekom¬ 
men, um an der Universität den Film 
»Fascista« zu zeigen. Die These von 
Foudre war, daß der Faschismus wie der 
Nationalsozialismus nie als Masscn-Phä- 
nomen existiert haben, daß das Volk nicht 
berührt worden sei; daß die wahren Fein¬ 
de oder die wahren Faschisten jene seien, 
die daraus Geschichte machten, weil in 
uns die Absicht wohne, Frankreich zu 
demütigen und sein Volk zu teilen. Dies 
war schon der originäre Virus der Posi¬ 
tion, die sich später anrcicherten, von der 
extremen Rechten aufgegriffen wurden 
und bei Professor Faurisson anlangten, 
der die Existenz der Gasöfen bestreitet. 

Alles passierte 10 Jahre vor dem »Le 
Penismus«, der die Phantasmen des Krebs - 
geschwulstcs Antisemitismus und Ras¬ 
sismus in Frankreich wieder aufleben ließ. 
Bis dahin existierte in Frankreich nur ein 
starkes Buch, nämlich »Vichys Frank¬ 
reich« von dem Amerikaner Robert Pax- 
ton, der in deutschen Archiven gearbeitet 
hatte und dessen Werk (auch von der 
Linken) als Buch eines Provokateurs, eines 

»amerikanischen Kriegshetzers« bezeich¬ 
net wurde. 

Ich glaube, daß es wichtig ist, alle 
Bücher von denen ich gesprochen habe, 
neu zu publizieren. 

Sie haben es einmal gemacht, sie 
können es wieder tun. 

Übersetzt von Jürgen Wierzoch 

aus dem Italienischen, aus: 
Epoca,25.7.1990 





Das 
Unglaubliche 

von Jens Bj0rneboe 


Wenn ein Mensch nahe daran war zu 
ertrinken, d.h. wenn er einmal den Er¬ 
trinkungstod als eine Möglichkeit ent¬ 
deckt hat, können zwei Sachen eintreten. 
Entweder sicht er, so gut er es vermag, 
davon ab, was er erlebt hat; er verdrängt 
die Angst und meidet das Wasser, das er 
jetzt verabscheut, mehr als zuvor, bis er 
eines Tages wieder hineinplumbst, - und 
diesmal vielleicht um wirklich zu ertrin¬ 
ken. 

Bei der anderen Möglichkeit denkt er: 
Nun ja, es ist also möglich zu ertrinken. 
Das ist nicht nur etwas, worüber die Zei¬ 
tungen schreiben. Das geht auch mich an! 
Und um es zu vermeiden, lernt er schwim¬ 
men. - D.h. er hat die Todesangst, die er 
im Wasser erlebt hat in eine Erfahrung 
vcrwandcl t und er überwindet seine Anti¬ 
pathie gegen das Element, das drohte ihn 
umzubringen, indem er sich sachlich und 
ohne Emotionen dami L bcschäfügt. Er muß 
ins Wasser gehen, sich ganz mit ihm ver¬ 
binden, bis Angst und Haß weg sind, bis 
er lernt sich so zu verhalten, daß die Kräf¬ 
te, die in ihm wohnen, der Auftrieb, 
bewirken können - und dann kommt der 
Tag, an dem er schwimmen kann. Wenn 
er wieder mal ins Wasser fällt, schwimmt 
er an Land. 

Vorausgesetzt, daß keine Krankheit 
irgendeiner Art vorliegt, so will ein 
Mensch, der nahe daran war zu ertrinken, 
beinahe eine freie Wahl zwischen diesen 
beiden Möglichkeiten haben: entweder 
von dem Erlebnis und der Wirklichkeit 
abschcn—oder sic in Erfahrung umsetzen. 

Ohne daß der Vergleich überstrapa¬ 
ziert wird, läßt sich sagen, daß unsere 
Stellung, jetzt nach dem Krieg, in sehr 
vielem an die Situation erinnert, in der 
sich ein Mensch befindet, der vor dem 
Ertrinken gerettet wurde. Wir haben die 
Vernichtung als eine Möglichkeit erlebt 
und die Angst sitzt noch in uns. Wir füh¬ 
len, daß wir vor einer Wahl stehen. Und 
soviel Gesundheit ist noch übrig, daß cs 
eine Wahl ist, wir sind Erwachsene. Trotz 
allem. 

Entscheiden wir uns nun aus Gleich¬ 
gültigkeit oder Angst Vergangenheit 
Vergangenheit sein zu lassen, so machen 
wir es wie er, der vermeidet daran zu 
denken, daß Wasser ein Teil der Welt ist, 
in der er leben muß, wie er, der nicht lernt 



zu schwimmen. Aber wollen wir es lieber 
machen wie der, der vom Schock, dem er 

ausgesetzt war, lernt, so müssen wir uns 

auf die gleiche Weise wie er mit dem 
Element vertraut machen, in welchem wir 
beinahe umgekommen wären 

Wir müssen den Nationalsozialis- 
mns und seine Bestandteile auf eine 

S Arthlt l Und Wen ' ger em otionelle 
rt betrachten, als wir es gewohnt sind 

Wm müssen ihn zur Erfahrung ma-‘ 

Die erste Forderung, die wir uns stel¬ 
len müssen, ist, zu versuchen alle Gc- 
wohnhcitsvorstellungcn und Vorurteile 

über das, dem wir uns nähern wollen 

abzulcgcn und danach alles zu tun was 

wir können, um uns darüber klar zu wer 
den, was im Wort „Nationalsozialismus“ 
oder „Hitlerismus“ enthalten ist; also 
we che Zustände bezeichnet werden und 
welche seelischen Eigenschaften bciTe 
nen Menschen vorhanden sein müssen 
die cs verwirklichen können, - und zuletzt 
müssen wir ganz aufrichtig und willig 
vielleicht ganz neue Kombinationen ak¬ 
zeptierend, untersuchen, welche geistes- 
gcschichthchcn und praktischen Voraus 
Setzungen nötig waren. 

, w d ‘ CS “ Bclrac hlungcn werden wir 
der Methode folgen, daß wir- so weites 
geht - Meinungen und Standpunkte aus 
dem Spiel lassen und versuchen, die Tat 
Sachen selbst sprechen zu lassen, sie her" 

vonreten zu lassen, so daß wir sie wdrt 

lieh sehen können. Und gleichzeitig wer 

den wir cs unterlassen, die Fäden zu ver- 

olgen, die sich in ihren subtilsten Ur¬ 
sprüngen befinden müßten, nicht versu¬ 
chen auf Herz und Nieren zu prüfen 
sondern uns an handfeste Erfahrungen z,,’ 

halten. Wir wollen uns an ein Gcbift Sa“ 

ten in dem vorurteilsfreie Beobachtung 
und intellektuelle Redlichkeit noch voll 
ständig verläßliche Leitsterne seinen 
ncn. Und wenn wir uns am Ende eine 
Mcmung über tos bilden. wa s wir am * 
sucht haben, so wissen wir, daß es eine 

Erfahmngist,geholtausdcrWirklichkcit 

und nicht aus Spekulationen. 

Fangen wir jetzt mit dem ersten Teil 

unserer Aufgabe an, diejenige, Gewohn¬ 
heitsgedanken, Vorurteile und bevorzug 
te Vorstellungen aufzugeben, das wird es 


erleichtern, wenn wir uns klar machen, 
daß es nicht derNationalsozialismus, nicht 
eine politische Partei und nicht eine be¬ 
stimmte Nation war, die uns bedrohte, 
sondern daß eine bestimmte Nation in 
einem bestimmten Augenblick die Schleu¬ 
sen für die Abgrundskräfte im Menschen - 
sinn Öffnete—und daß es diese waren, die 
ans hätten ersäufen können. Für uns ist es 
also kein technisch-politisches Problem, 
das wir betrachten werden und unsere 
Meinungen müssen in dem Grad Wegfäl¬ 
len, in welchem sie ausschließlich poli¬ 
tischer Art sind. Dies ist ein wichtiger 
f*unkt, der uns ein Stück weiterbringt und 
e mige unserer vorausgebildeten Ansich¬ 
ten werden wir hoffentlich loswerden, 
wenn wir uns nach und nach mit dem 
zweiten Teil unserer Aufgabe beschäftig 
gen, jener, klar zu machen, was uns ei- 
gentlich das Recht und die Grundlage 
gibt, mit Nationalsozialismus“ und 
»Hitlerismus“ etwas zu definieren. 

Wahrscheinlich führt es uns näher an 
die Wirklichkeit, wenn wir versuchen, 
^stelle einer abstrakten Begriffsdefini- 
tion dieser Wörter zu geben, für eine Weile 
den Blick auf das zu richten, wohin sie es 
faktisch brachten. Wir werden darum 
versuchen, Produkte aufzufinden, die so 
extrem sind, daß man sie als Höhepunkt 
bezeichnen kann und die gleichzeitig so 
eigenartig sind, daß sie charakteristisch 
für eben das sind, was sich im Dritten 
Reich ausleben wollte. 

Die Funktion der KZ’s 

^as eigentümlichste und speziellste 
ymptom dessen, was in Gang war, glau- 
ich, können wir in dem typischen 
omplex von Konzentrationslagern fin¬ 
den, wie sie sich in Deutschland unter 
em Hitler-Rehgime ausbreiteten. Was 
so einzigartig und spezifisch für diese ist, 
ist as System von dem sie durchdrungen 
sind , den Absichten, denen dieser prak- 
tische und psychologische Apparat diente 
und die medizinwissenschaftlichen Ex¬ 
perimente, die in großem Umfang in ih¬ 
rem Rahmen betrieben wurden. Wünscht 
man eingehend zu wissen, was sich in 
l o* n ^ en fahren zwischen 1933 und 
zugetragen hat, reichen allgemeine 
Vorstellungen nicht aus. Die Wirklich¬ 
en ist hier von einer so phantastischen 
rt, daß man mit beinahne wissenschaft- 
1Chcr Gründlichkeit sich mit ihr befassen 
J^uß um von ihr ein wahres Bild zu erhal¬ 
ten Eine gute Hilfe haben wir mit zwei 
uehern, die nach dem Krieg in Deut- 
sc and herausgegeben wurden. Das eine 
ISl Eu S en Kogon »Der SS-Staat. Das 
ystem der deutschen Konzentrationslä- 
(Verlag Karl A Iber, München 1946) 
an das andere eine Dokumentensarnm- 
ung des Arzteprozesses in Nürnberg, der 

301 afrikanischen Militärgericht gegen 

einen Teil dcrSS-Ärzte und Wissenschaft- 







Icr geführt wurde. Die Dokumente wur¬ 
den in Buchform veröffentlicht unter dem 
Titel »Das Diktat der Menschenverach- 
lung« (Verlag Lambert Schneider, Hei¬ 
delberg, 1947) und redigiert von Alexan¬ 
der Mitscherlich und Fred Mielke. Zuerst 
wenden wir uns Kogons Buch zu: 

»Der SS-Staat« enthält zuallererst eine 
umfassende Übersicht über System, Ge¬ 
schichte, Aufbau, Administration der 
Konzentrationslager, das Verhältnis am 
Anfang zu SA und später zu SS, die prak¬ 
tische Ausformung von ideolgisehen 
Gesichtspunkten, den täglichen Stil und 
seine genau beabsichtigen Wirkungen, die 
Einteilung von Gefangenen in Gruppen 
Un d Kategorien, ihre Behandlung, ihre 
A r bcit, die landesumfassende organisa¬ 
torische Ganzheit der Lager und dessen 
Funktionen und Absichten. Wir können 
nicr den Eindruck erhalten von einer 
durchdachten und präzise arbeitenden 
Maschine in ihrer Gewöhnlichkeit und 
ihrer intellektuellen und technischen 
Vollkommenheit. Und wir sehen, daß sie 
perfekt funktionierte, ausgehend von den 
großen, allgemeinen Richtlinien zur 
Behandlung der 10 Millionen Menschen, 
die sie im Laufe der Jahre schluckte und 
bis hinunter zu Details wie Postvertci- 
luug, Konfiskation von Wertsachen und 
Geld, Mißhandlung, Tortur und Krcmic- 
^ng. Der entrüstendste Augenblick, den 
wir beim Lesen dieses Buches erleben, ist 
der, wenn cs uns aufgeht, daß die innerste 
Absicht der Maschine nicht politischer 
^ ist, daß sic nicht zuallererst Terrorin¬ 
strument und schon gar nicht in erster 


Linie eine Straf- oder Verbesserungsein¬ 
richtung für politische Gegner ist, son- 
dem daß ihr Ziel ökonomischer Art ist! 

DieKonzentrationslagerinDeutsch- 

land waren die ökonomische Basis der 
SS. Dies ist das unheimlichste Bild eines 
entgleisten ökonomischenLebens, das die 

Geschichtebisherhervorgebrachthatund 

cs ist von größter Bedeutung für unsere 
weitere Betrachtung, daß wir darauf stark 
genug Gewicht legen. Ein illustrierendes 
Detail ist, daß die wirtschaftliche Aus¬ 
nutzung der Lager so weit getreiben wurde, 
daß die Asche der Krematorien zeitweise 
als Kunstdünger verkauft wurde. Das 
wurde allgemein bekannt, als Bauern 
Zähne und Knochenreste im „Dünger 

Doch die wesentliche wirtschaftliche 
Bedeutung der Lager lag in der totalen 
und unbarmherzigen Ausnutzung der 
Arbeitskraft der Gefangenen. 

Gehen wir jetzt weiter, so werden wir 
sehen, daß die Lager noch eine weniger 
bekannte Funktion hatten, die doch eine 
beinahe ebenso große Bedeutung wie die 
ökonomische hatte. Sie erfüllte die Auf¬ 
gabe psychologisches Ausbildungslager 
für die Elitetruppen der SS zu sein, für die 
Totcnkopfstandarten. Hier konnte der 
vollkommene Henker gehärtet und trai- 




niert werden; die Konzentrationslager 
boten das Milieu und das Menschenma- 
terial, das notwendig war, nicht nur der im 
Menschen wohnenden Bestialität freien 
Lauf zu lassen, sondern sie wirklich zu 
kultivieren und sie einzuüben. In diesen 
Trainingsreservaten wurde das völlig 
enthumanisierte Wesen geschaffen, der 
absolute Machtmensch, der gebraucht 
wurde, die SS zu einem fehlerfreien In¬ 
strument zu machen, ein ganz gehorsa¬ 
mes und konsequentes Terrorwerkzeug, 
das vor keiner Handlung zurückschreckte 
und sich von keiner Hemmung stoppen 
ließ. In den SS-Totenkopfstandarten ent¬ 
stand der neue Mensch, der Mensch, der 
nicht an Sentimentalität oder irrationale 
Mitleidspropaganda gebunden ist und der 
in seinem eigenen und im Namen der 
Rasse, sich das Recht des Stärksten nimmt. 
Nachdem dies klar ist, können wir ein 
wenig auf die politische Funktion sehen, 
welche die Lager hatten, das Ziel jeden 
wirklichen oder eingebildeten Feind des 
Nationalsozialismus auszurotten, - und 
gleichzeitig Angstund Mutlosigkeit unter 
den vielen Unzufriedenen zu verbreiten, 
die mögliche aktive Gegner werden konn¬ 
ten. Dies ist die andere Seite der psycho¬ 
logischen Mission der Lager. Sie wurde 
mit wissenschaftlicher Präzision und 
Raffinement durchgeführt. Ihre einzigar¬ 
tige terroristische Wirkung beruhte nicht 
ausschließlich darauf, daß die Lager wirk¬ 
liche Höllen waren, sondern ebensoviel 
auf der An, wie sie ins Bewußtsein der 
Bevölkerung gebracht wurden. Offiziell 
wurde alles geheim gehalten und dieFurcht 
sickerte nur in Form von Gerüchten durch 
und man unternahm nichts, diese zu stop¬ 
pen, sondern unterstützte sie geradezu. 
Wir erinnern uns dieser Methode aus den 
Kriegsjahren. In den 30er Jahren verbrei¬ 
tete sich in Deutschland eine lähmende 
Angstwelle vor Namen wie Dachau, 
Oranienburg, Natzweiler usw. und über¬ 
all wo die Braun- und Schwarzunifor¬ 
mierten herrschten, war ihre Macht so 
uneingeschränkt und ihre speziell ausge¬ 
bildete Bestialität so offenbar, daß nur der 
Gedanke ihnen in die Hände zu fallen, 
Furcht weckte. 

Die medizinischen Versuche 

Bleibt noch eine Eigentümlichkeit der 
Funktionen des Systems übrig - und das 


k Arbeiterkampf 324 
(erschienen am 

Ein Schwerpunktthema ist der Auf¬ 
marsch der NATO am Golf gegen den 
Irak. Wir berichten über die Entwick¬ 
lung in den arabischen Staaten, über 
den Zusammenhang von „Ölkrise“ und 
Rezession, über Proteste in den USA ge¬ 
gen einen Kriegseinsatz und über die Be¬ 
deutung der Türkei als Stützpunkt von 
NATO und Bundeswehr. 

Wir berichten ausführlich über die PDS 
und ihre Bedeutung für eine Neugrup¬ 
pierung der Linken. Der „Finanzskan- 
dal“ hat die Partei in eine schwere Krise 
gestürzt. Erneuerer und Konservative 
ringen um das richtige Parteiverständ¬ 
nis. Muß mit weiteren unangenehmen 
„Enthüllungen“ gerechnet werden? 
Wer ist die Kommunistische Plattform 
in der PDS und was will sie? 

Außerdem im neuen AK: 

• Das BVG-Urteil gegen das Auslän¬ 
derwahlrecht. 

• Die Schüsse von Leipzig und die 
Nazi-Szene in der DDR. 

© Hafenstraße — eine Chronologie 
seit dem Vertragsabschluß. 

• Oder-Neisse-Grenze, deutsche Min¬ 
derheit in Polen, deutsch-polnische 
Beziehungen. 

• Wie löst man einen Geheimdienst 
auf? Interview mit Hans Schwenke 
vom Komitee zur Aflösung der Stasi. 

• Die SPD und der U-Boot-Skandal. 

• Interview mit Tomäs Borge, FSLN 
Nicaragua 

© Jugoslawien bricht auseinander. 

© Aktuelle Ereignisse in der Ukraine 
und eine historische Übersicht. 

• Ein Jahr Rekapitalisierung in Ost¬ 
europa. 

j Der ARBEITERKAMPF erscheint vierwöchent¬ 
lich als Zeitschrift des KOMMUNISTISCHEN 
BUNDES mit 40 Seiten im Zeitungsformat zu ei¬ 
nem Preis von DM 5 pro Ausgabe. Er ist zu er¬ 
halten in allen linken Buchläden sowie in gut sor¬ 
tierten Zeitungsläden oder direkt bei der 

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isl von unserem Gesichtspunkt aus viel¬ 
leicht die wichtigste. Das ist die medizi¬ 
nisch-experimentelle Arbeit, die dort 
betrieben wurde. Einiges davon ist in 
Kogons Buch besprochen und angcdcu- 
tet, aber um das gründlicher zu sehen, 
müssen wir uns an die Dokumente des 
Ärztcprozesees wenden. Die Versuche, 
die alle von Ärzten und Wissenschaftlern 
gemacht wurden, fallen von sich aus in 5 
natürliche Gruppen. Wir werden sie Punkt 
für Punkt durchgehen. 

Die Gruppen sind: 

1. (für dieLuftwaffe): Luftdruckver¬ 
suche - Abkühlungsvcrsuchc - 
Versuche mit derTrinkbarkeit von 
Salzwasser 

2. Malaria - und Fleckficbcrfor- 
schung (Experimente mit Krank¬ 
heitserregern, Medikamenten u.a. 
- Hepatitis epicemicavirus-For- 
schung (ansteckende Gelbsucht). 

3. (chirurgisch): Sulfonamidversuche 
-Versuche mit Knochen transplan- 
tationen - Phlegmonevcrsuchc - 
Behandlung und Untersuchung 
von Wunden hervorgerufen von 
chemischen Kriegswaffen 

4. Vorbereitunen zur Errichtung ei¬ 
ner jüdischen Skclettsammlung für 
das anatomische Institut der Uni¬ 
versität Straßburg. 

5. Das Euthanasieprogramm für nicht 
heilbare Kranke - Spczialbchand- 
lung zur Ausrottung von uner¬ 
wünschtem Menschenmaterial - 
Experimentelle Vorarbeit zur 
Massensterilisation. 

Die Versuche in der ersten Gruppe 
geschahen in Dachau und sollten die 
Grundlage bilden für eine effektivere 
Behandlung von Luftdruck- und Frost¬ 
schäden, entstanden in großen Höhen oder 
bei Havarien. Für die Luftdruckexperi¬ 
mente baute man einen hermetischen 
Sjrczialwagen in dem ein Luftdruck er¬ 
reicht werden konnte, der niedriger lag als 
der einer entsprechenden Höhe von 21.000 
m überden Meer. Die Versuchspersonen 
(»VP«) wurden aus gesunden und starken 
Gefangenen rekrutiert, deren physische 
Kondition mit der von Piloten vergleich¬ 
bar war. Waren solche nicht da, wurden 
gewöhnliche Gefangene eine gewisse Zeit 
lang verpflegt wie die von der Luftwaffe 
und dann benutzt. 

Die Versuchspersonen wurden, nach¬ 
dem die Experimente mit allen Messungen 
wie Zeit, Höhe, Zeitpunkt der Bewußtlo- 
sigkeit, Herzschlag, Atem usw. vorge¬ 
nommen waren, entweder wieder zu Leben 
erweckt durch experimentelle Behänd- 
lung - oder sofort seziert. Manchmal 
wurde seziert, während der Betroffene 
noch lebte und von einem Fall wissen wir, 
wo der Schädel eines Gefangenen geöff¬ 
net wurde, der bei vollem Bewußtsein 
war. 

Der 2.Teil, die Experimente mit Kälte 



- und Frostschäden, geschah entweder 
bei Wasser - oder Luftabkühlung und 
immer bis zur vollständigen Kältenar¬ 
kose! Im ersten Fall wurden die Ver¬ 
suchspersonen mit oder ohne Schutzan¬ 
zug der Luftwaffe in Eiswasser gelegt bis 
eine ausreichende Untertemperatur er¬ 
reicht war. Die wurde oft erst nach eini¬ 
gen Stunden erreicht. Bei Luftabkühlung 
wurde der Gefangene ohne Kleider an 
eine Bahre gebunden und der Außentem¬ 
peratur ausgesetzt. Es kam hierbei vor, 
daß die Versuchspersonen während des 
Experiments chloroformiert wurden, weil 
sic so schrien, daß sie die Ärzte störten. 
Das wichtigste an den Kälteversuchen 
war dicexpcrimentelle Nachbehandlung, 
die zeigte, daß die effektivste Wiederer¬ 
wärmungsmethode in einem warmen Bad 
bestand. 

Im letzten Teil der ersten Gruppe, den 
Versuchen mit Salzwasser, wurde den 
Versuchspersonen jegliches Essen vor- 
cnlhaltcn und sie wurden in Gruppen 
geteilt, diccinc bekam eine unbedeutende 
Menge Salzwasser täglich, die andere die 
gleiche Menge Salzwasser mit einem 
beigemischten Präparat und die dritte die 
gleiche Menge destilliertes Salzwasser. 
Diese Versuche wurden an Zigeunern 
durchgeführt und dauerten periodisch 
jeweils 14 Tage. 

Die Versuche der ersten Gruppe wur¬ 
den an mehr als 500 Menschen ausgeübt 
und führten zu einer großen Anzahl von 
Toten. 


Die nächste Versuchsgruppc, Nr.2, zu 
Flcckfiebcr und Virusfcrschung, operier¬ 
te in Buchenwald und Natzweiler, am 
Anfang, um die Wirkung von pharma¬ 


zeutischen Präparaten zu untersuchen - 
besonders Acridingranulat und Rutenoh 
führte dann zu Experimenten mit Krank¬ 
heitserregern u.a. Die künstliche Infek¬ 
tion geschah durch Injektionen und rief 


Hepatitis epedemivirus wurde auf blC 
gleiche Weise erforscht. Bcondcre £ r 
wähnung verdient, daß sogenannte r ‘ 
sagepersonen dazu benutzt wurden, 
lebenden Ansteckungsstoff zur Han 
haben; bei ihnen konnte man zu jcd° r ^ 
Blut für neue Injektionen boIcn ’yp« 
Untersuchungen wurden an 500 >? 


ausgeführt, von denen 200 si^ bcn * . , 
Dic3 .Versuchsgruppe war wesen 

chirurgischer Art. Wo Injektionen ^ 
unzureichend angesehen wurden.» 
man operativ Muskeln und infizierte 
Staphylokoken, Tetanus u.a. Die 
tionen wurden an starken, ju n gcn P° 
sehen Frauen ausgeführt. Alle ^ 
benden wurden Krüppel. In Verbin ^ 
damit wurden chirurgische Experim c 
mit Muskel-, Nerven- undKnochentrn 
plantationen durchgeführt. Auch eine, cfI1 
Pflanzung von amputierten Gh 


wurde versucht. rasen 

Die Experimente mit ätzenden ^ 

und anderen chemischen Kricgsw 



u ncn zu besonders hohen Todesquoten 
j^d wurden in den Gasräumen oder den 

^aiikheitsabtcilungcn betrieben. Die 

Cr suchspcrsoncn hatten zuvor eine 
f C * * ssc Zeit lang SS-Verpflegung crhal- 
Q 11 ' ^ ac bdcm sie den Wirkungen des 
ascs au sgesetzt wurden, photographicr- 
d C c man sic jeden Tag, um die Entwicklung 
^ Cr erbrennungen zu beobachten. Die 
czicrungcn zeigten, daß die Eingeweide 

der^ anZ ZCrscLzt warcn - _ Diese Versuche 
^ ^-Gruppe fanden in einer Reihe ver- 
g . lcdcn cr Lager statt. Die Arbeit an der 
Richtung einer spczicllcnjüdisch-bol- 
I^ Cwisl i sc b cn Skeiettsammlung kam auf 
1 lai * y c eines Universitätsprofessors 
^Stande. Seine Idee war, daß Vorstel¬ 
ligen und Gedanken physisch bedingt 
cn > so daß man den bolschewistischen 
sch * n jüdisch-bolschewisli- 

Die^ ^ C ^^ mcn f i n dcn können müsse. 
^ orarbeit wurde unmittelbar cingc- 
Ct Unc * 120 Juden in der Gaskammer 
Nv ° n Elzweiler getötet. Die Leichen 
j^ Ur Cn konserviert und bis kurz vor der 
eseuung durch dic Alliierten nicht an- 
Huhrt. Dann wurden alle kremiert. 

Euthanasie (- Sterbehilfe?) 

^«Uircnd die bisher besprochenen Ver- 
v c c ^iLHimmlers speziellem Interesse 
s ^ Un dcn waren und unter seinem Schulz 
q cn> War das Euthanasieprogramm in 
rc^f^ 0 ^ ^^ crs olgene Idee. Und wäh- 
sch f ^ immlcr von Ärzten und Wissen- 
l C i^ a ^ Crn Inspiriert war, wurde die Ein- 
C l Un S zu den Euthanasieaktionen von 
nem Vater verursacht, der in einem Brief 
zi* i CrUm Erlaubnis für die Barmher- 
_ S citstötung seines mißgebildeten und 
isicsschwachcn Kindes bat. Nach einer 
Ki j SUc hung wurde die Bille erfüllt, das 
gew un( i die generelle Frage auf- 

q Wor fcn. Ein nationalsozialistisches 
tod< Cl7 a ^ cr ^odcshilfe« oder »Gnaden- 
a k CS sc * ,on > doch bis zum Kriegs- 
nß S 1939 hatte man cs nur in scltc- 
c J 1 allen benutzt. Doch meinte man, daß 

'vtird C * Cn ^ cflaltcn des Krieges fallen 
Last C Un< ^ m ' 1 ^ cm Krieg und seinen 
c n folgte die stärkere Forderung nach 
Pta "t, Notwendigkeit einer 
Krn°L. 0nomisc hen Betrachtung von 
rriU ß [ cn ~ Un d Pflegeanstalten..." Man 
v Cr k mc * lr rationalisieren und an 
w urd' IC ^ CnCn ^ lc " cn ’ n Deutschland 
L>ie a t ^ ut * lanas ' c ansialten eingerichtet, 
anh t li ° n ’ ^' c ^ ür gedacht war, alle 
Qcn?.' * 3a ^ cn und arbeitsunfähigen 
wie Ulslc ‘ cicn dcn zu erfassen, ließ sich, 
hali c VOraUS7 ' USchc . n war ’ uieLt geheim 
Gem- Und waren die Gerüchte und 

Sewo U fi SSt ' rnrnUn ® Cn so beunruhigend 
^tußte ry s ‘ c c ' n 8 cslcllt werden 
auf« c Luthanasicanstaltcn wurden 
0( j Cr C 0slun ddicGaskammcm abgerissen 
fortg VCrlcgt - Das, was in Deutschland 
M wurde, geschah in kleinerem 

ab - mii Kleinkindern. Unter der 


Bezeichnung »Spezialbehandlung« setzte 
man dagegen die Ausrottung von 
unerwünschtem und »minderwertigem« 
Mcnschcnmatcrial u.a. an tuberkulösen 
und daher ansteckungsfähigcn und 
arbeitsuntüchtigen Polen und Juden unter 
Himmlers Kommando fort. Auch schwan¬ 
gere Jüdinnen und Zigeunerinnen wurden 

getötet. Auch die experimentelle Vorar¬ 
beit zur Massenstcrilisation von Arbcits- 
tüchtigen dieser Rassen oder Nationen 
stand unter Himmlers Leitung. Man woll¬ 
te die Arbeitskraft behalten, doch verhin¬ 
dern, daß sie sich vermehrte und man 
wünschte dazu eine »nicht auffallende, 
doch rasche und bi 11 ige Methode zur S tcri- 
lisation von großen Menschenmengen«. 
Von drei Möglichkeiten, medikamentöse 
Sterilisation, durch Röntgenbestrahlung 
und Sterilisation durch iritative, mtraze- 
rinc Einspritzungen, zeigte steh die letz¬ 
tere als zweckmäßigste und die Anpas¬ 
sung an einen großen Maßstab sollte m 
Ravensbrück eingeleitet werden, als die 
Kriegssituation dies nicht mehr zulicß. 

In diesen drei Phänomenen, daß die 
Lager die SS finanzierten, daß sie Brut¬ 
kasten zum Ausbrüten des neuen Henker- 
mcnschcn und daß sic als Expenmenticr- 
fcidcr zur Vivisektion von Menschen 
benutzt wurden und als Basen zur Aus¬ 
rottung von überflüssigem und unnutz- 
lichem Leben - haben wir die Tatsachen 
die wir ohne Zweifel als voll gültige und 
bezeichnende Symptome beirachtcnkon- 
nen für diese Form von Herrschaft, der 
sich in unserem heutigen Europa gezeigt 
hat. Ein bezeichnender Zug ist der kalt¬ 
blütige und planende Geist, der das ganze 

8CP Wir können jetzt schwerlich die Frage 
umgehen: Was waren das für Menschen, 
2 dies durchführten? Diese leitenden 
Nationalsozialisten, SS-Führer. Wissen¬ 
schaftler und SS-Ärzte? Handelte cs sich 
hier überhaupt um normale Menschen. 
Kurz’ Wer waren sie? 

Um eine Antwort auf diese Frage zu 

gemeine bckannteFaktenhaltcn Von den 

Verhandlungen, die gegen viele Natio¬ 
nalsozialisten nach dem Krieg geführt 
wurden, wissen wir, daß es sich nur in 

relativ seltenen Fällen um Kriminalpatien 

cn handelte. In den Prozessen gegen die 

großen Kriegsverbrecher wurde nur Hess 
für geisteskrank befunden. (Wir müs¬ 
sen hier natürlich voraussetzen, daß die 
Psychiater, welche die Untersuchungen 

ausführten, ganzgewissenhaftvorgingen). 

Andere dagegen hatten ganz ungewohn¬ 
te geistige Fähigkeiten. 

Über Emst Kaltenbrunner, den Chef 
des Sicherheitsdienstes, finden wir fol¬ 
genden Abschnitt beim Referenten für 

das britische Radio, Karl Anders: 

»Er bestritt jede Zeugenaussage, die 
ihn belastete. Ich betrachtete ihn von 
meiner Zelle aus, 5 Schritte entfernt. Das 



magere Gesicht mit der Adlernase und 
den tiefen Narben, verriet weder Nervo¬ 
sität noch Unsicherheit. Ein Gesicht, das 
unheimlich wirkte, schon durch seine 
maskenartige Steifheit. Kein Regisseur 
könnte sich einen besseren Darsteller in 
der Rolle als Chef der Gestapo, SD und 
Konzentrationslager wünschen. Mit den 
Händen zwischen den Knien wartete er 
auf die Fragen des Anklägers, wie auf der 
Lauer liegend. Er beantwortete sie ohne 
Zögern. Man legte ihm Dokumente vor, 
beeidete Aussagen, die er niemals gese¬ 
hen haben konnte. Und der Ankläger sagte: 
„Ich erlaube mir jetzt dem Zeugen Be¬ 
weisstück Nr. 1234 vorzulegen.“ Ein Sol¬ 
dat überreichte ihm ein Schriftstück. 
Während das geschah, erklärte der An¬ 
kläger: „Ich will die 2 Sätze auf Seite 3, 
Abschnitt 2, vorlesen, diejenigen, welche 
rot unterstrichen sind. Zeuge, haben sie 
verstanden?“ Kaltenbrunner antwortete 
, Ja“ und warf einen raschen Blick auf das 
5 oder 6 Seiten lange Dokument, während 
der Ankläger die Sätze las und dann 
fragte: „Zeuge, was haben sic dazu zu 
sagen?“ Wie aus der Pistole geschossen 
kamen die Antworten. Er gab ein halbes 
Dutzend Ursachen dafür an, daß die vor¬ 
gelesenen Beschuldigungen nicht wahr 
sein können und operierte mit Tatsachen, 
die auf der ersten, dritten und fünften 
Seite des Dokuments standen. Im Laufe 
von Sekunden hatte er nicht nur diese 


Fakten und eventuellen Widersprüche 
entdeckt, er hatte sie bearbeitet, sie syste¬ 
matisiert und einen Plan gemacht, der mit 
überraschender Systematik seinen Ver¬ 
neinungen den höchsten Grad von Wahr¬ 
scheinlichkeit gab. Das war eine verblüf¬ 
fende intellektuelle Leistung, die an Zau¬ 
berei grenzte. - Als er die Zeugenbank 
verließ, grinste Göring ihm zu und zeich¬ 
nete einen Zirkel, einen Heldenglorie um 
den Kopf.« 

Und Himmler, der SS-Chef, besaß die 
gleiche dialektische Fähigkeit wie Kal- 
tenbrunner. In den inneren Parteikreisen 
trug er den Namen »Der schwarze Jesuit«. 
Göbbcls schnellfüssige und hervorragen¬ 
de stilistische Fertigkeit ist allgemein 
bekannt, ebenso Görings unbestreitbare 
Intelligenz und sclbstironischer Zynismus. 
Von sämtlichen Angeklagten, hervorra¬ 
genden Nationalsozialisten, war nicht 
einer, der sich schuldig in irgendetwas 
erklärte. 

Die SS-Offiziere fühlten sich auch 
unschuldig. Auch keiner der SS-Ärzte 
meinte etwas verbrochen zu haben. Die 
implizierten Wissenschaftler bildeten 
keine Ausnahme. Selbst wenn wir anneh¬ 
men, daß alle klar darüber waren, was sic 
wirklich gemacht hatten, haben wir damit 
unter allen Umständen Grund anzuneh¬ 
men, daß Schuldgefühle bei keinem von 
ihnen speziell stark gewesen sein können. 
Von den Ärzten wissen wir, was wir über 


alle Ärzte und Wissenschaftler wissen, 
nämlich, daß keiner von ihnen schwach¬ 
sinnig gewesen sein kann. Sie waren in¬ 
tellektuell normal ausgerüstete Menschen, 
die einige Jahre hindurch mit umfassen¬ 
den Studien geschult wurden. In allen 
Listen über die Angeklagten wimmelt cs 
von Doktorgraden in den verschiedensten 
Fachgebieten. Die meisten höheren SS- 
Stellungen waren von verhältnismäßig 
jungen Menschen besetzt, was darauf 
deutet, daß die Besetzung der Posten nach 
Qualifikationen vorgenommen wurde und 
nicht nach Dienstalter. 

Keiner dieser im großen und ganzen 
begabten und wohlaus gebildeten Men¬ 
schen war im Besitz irgendeines zudring¬ 
lichen Schuldgefühls . 

Wir müssen also sagen, daß das intel¬ 
lektuelle Niveau, das wir vorfanden, ohne 
gefühlsmäßige Entsprechung zu sein 
scheint. Dennoch wagen wir zu hoffen, 
daß Menschen ohne normales Gefühls¬ 
leben von einem alliierten Gerichtspsy¬ 
chiater nicht als für ihre Handlungen 
Verantwortliche angesehen worden wa¬ 
ren. Um uns nicht in Spekulationen zu 
verlieren, wollen wir einen Blick auf den 
Ausschnitt eines Briefes an Himmler 
werfen. Er stammt von einem der ange- 
klagten SS-Ärzte: 



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»Hochgeehrter Herr Reichsführer! 
ch danke auf das ergebendste für ihre 
crzllchcn Grüße und die Blumen zur 
c urt meines zweiten Sohnes. Es ist 
dieses Mal ein kräftiger Junge, 
wohl er 3 Wochen zu früh kam. Bei 
c c gcnhei t bekomme ich sicher die Erl au- 
ms ’ ^ ncn kleines Bild meiner Kinder 
^schicken... und so möchte ich die 
^ stc Frage Vorbringen: ob 2 oder 3 
cr ufsverbrccher zur Disposition für die 
xperimente zur Verfügung gesteh wer- 
nc n önncn * Als Versuchsmatcrial kön- 
n auch Geistesschwache in Betracht 
K °nimcn...« 

G f ^ ic w ^ r sehen, haue der Arzt ein 
Und U 1 da ^ ür ’ da ^ d ‘ c F r agc ernst war. 

> mci^ War auch n ' lc ^ ohnc Gefühle für 
daß mC ^ ndcfU - Aber wir müssen sagen, 
2 w ?* n ^ c Fühlslcbcn war, das von 
^ dienlichem beherrscht wurde. 
gi c °^ Cn w ^ r jetzt mehr von der Encr- 
Mc r ^ c * ts ^ ra ^ und Ausdauer dieser 
lic} ^ cn wissen, so liegt die ausführ- 
j n p C ntw ort vor und warLct auf uns u.a. 
kre ° rrn ^ Cr Autobahnen, die das Land 
jetzt ^ U R d qucrdurch schncidcn. Wir haben 
uiit s* ^ Cnsc ^ aftcn gesammelt, die wir 
kön 1C ^ Cr ^ c ^ dcn Männern zuschrcibcn 
?Ur S? Wclc ^ c dcn Nationalsozialismus 
solch machten, und die eine 

t Cn eltoUe in der Weltgeschichte spiel- 
Wol ^ ■" wür ^ c man einem Marsbc- 
des p, Crcinc Charakteristik der Bewohner 
ailS f.. anclc n Erde geben -man ziemlich 
Bcty U r ^ Cl1 Geschichte dieser 

schaff Un ^* CrZahlcn rnü ^ tc - ^ Eigen- 
rüst et ] s * nd: gut intellektuell ausge- 
h es p ,e * n Gefühlsleben beherrscht von 

Tatkraft ten Vorste,Iun 8 en und dazu 

Ickni 1 ^ ^ ^^ r ^hchkcit ist es der Intel- 
er h CF dic Hauptrolle im Drama spielt; 
stim 0rn ^ n ^ Crt ^ as Gefühlsleben und bc- 
son Q 1 ’ Wo sic h die Tatkraft auslcbcn 
s Cn ‘ lc Ursachen der Katastrophe müs- 
v 0n , lra ^ so »n den Vorstellungen suchen, 
j^. Cncn dieser Intellekt geprägt war. 
warenk" . nat * ona lsozialistischcn Leiter 
i n C | c mcl cr ihrer Zeit und in dem Grad, 
von m S ^ C * ntcl Aktuelle waren, waren sic 
lonan * 111 dCn VorstclIu ngen, welche das 
Euro ^ C ^ Cndc intellektuelle Milieu in 
bche ^ Ünd Amc . rika dcr letzten 50 jalire 
l Cr v ^ rSc ^ Uc “ Ärzte und Wissenschaft¬ 
en geprägt von den offiziellen 
u ed ^^^Hsehäftlichcn Gedankengängen 
°dcr rf andcrcn » weniger akademischen 
g ls?a plinierten Geister, die an der 

rc j c ^ C ^ un S und Ausformung des Hitlcr- 
I(j c Cs lcilnc hmen, hatten eher populäre 
Was r’- a ^ Cr ^ es ßieiehen Ursprungs. Und 
^ Ur Ideen waren das? 

siUit aS * WaS ^ Cn tauscndcn von Univcr- 
|^ an - Cn ’ dic im europäischen und ameri- 
^ufpm Cn ^ onl i n ent verstreut liegen, am 
teilt ' 1 ? StCn * sl - “ s i° sind alle zweige- 
AbtcT ^ nC ral * ona ^ c und eine irrationale 
1 Un g> in dicnaturwissenschaftlichcn 


Fakultäten auf der einen Seite und in die 

theologisch/humanistisch/philosophi- 

schcn auf der anderen. Die Naturwissen¬ 
schaft hat Abstand genommen vom Reli¬ 
giösen, dem Ethischen und dem Philoso¬ 
phischen, sie fühlt sich mit dieser Seite 

der Welt nicht länger verbunden. Von d 
Philosophie, die in ihrer Erkenntnistheo¬ 
rie ein Fragezeichen am Wert der empiri¬ 
schen Wissenschaft setzte war es nicht 
leicht abzusehen, abcresgelang. Auch sie 
war ja letzten Endes eine Glaubensange- 

IC8C NachdemdieNationalsozialistcnnicht 

so stark mit humanistischen - oder Glau- 
bensfragen beschäftigt waren, können wi 
hier von den humanistischen Fakultäten 
abschcn. Die Naturwissenschaft (und die 
materialistische Geschichtsbetrachtung) 

spielte eine Rolle für sie. 

Was lehrt sie und mit welchem An¬ 
spruch? Was jeder weiß, reicht als Ant¬ 
wort. Die Essenz der Naturwissenschaft 
ist alles was die anständige empirische 
Forschung, was die Anstrengung von 
Generationen in Laborator.cn und an 
MWskopnn.wach.Nächtcnn rastlose 
Tage hindurch, ins Rcmc g cbracht hat “ 
deutet darauf, daß der Mensch cm höheres 
Säugetier ist. Was wir ethisch nennen, 

kann seine Begründung nur.n sorgen 

Zwcckmäßigkeiisgründen findcn „ 

. n» fast einen jeden Studenten, Kandi¬ 
daten oder Professor darüber befragen 
und er wirdes bestätigen, sofern er keinen 
Hintergedanken in der ^ ra 2 c "' 

Und die Wissenschaft setzt diese 
Behauptung unpersönlich, objekiv und 
scheinbar ohne Pretcnlion. Sie will nicht 
überzeugen, sie will geglaubt werden, sic 
ist einfach Wissenschaft; allerdings als 
solche in aller Bescheidenheit die fetzte 
Appcllinstanz für den menschhchen 

C ' CC Dic Wahrheitsliebe, Selbstlosigkeit, 
Gcdankcnklarheit und Herzcnsrcinhat, 
auf die sie in ihren Prinzipien und bc. 

einigen ihrer Repräsentanten verweisen 

kann machen eine so schwerwiegende 
Autorität aus, daß wir trotzdem unmittel¬ 
bar fühüm, daß sie nicht das Übelste ist, 
woran wir glauben können. Deswegen 

werden wissenschaftliche Hypothesen oft 

ZI a n derHingabeund Ehrfurcht umfaßt, 
l . h . frühere Generationen ihren Glau¬ 
bensbekenntnissen widmeten. Wir wis¬ 
sen ja auch so unendlich gut, daß die 
Universitäten in aller Welt jedes Jahr 
tausende von durchschnittlichen, unselb¬ 
ständigen Doktoranden entlassen, die kein 

Sm^t Zweifel in ihren Herzen darüber 
Ritzen, daß alles, alles darauf hmdeutet, 
der Mensch ist ein höheres Saugetier. 

Angenommen, daß wir in eine Situa¬ 
tion kommen, in der es offenbarkeiner 
Nützlichkeitsabsicht dient, moralisch zu 
2 Angenommen., z.B. daß es einer 
Nation zum Vorteil dient, einen festen 
Sklavcnbestand von ein paar Millionen 
Menschen zu halten öderes von Vorteil 


Archiv für Sozial- und 
Kulturgeschichte 


Erster Band: 

Paul Eltzbacher 
DER ANARCHISMUS 
Eine ideengeschichtliche 
Darstellung seiner klassischen 
Strömungen 

Reprint / XII, 308 Seilen, 1 Fallt. / Hardcover 
(d. h. Fadenheftung und fester Einband) / 
DM 39,80 - BesfNr. 501 / Vorzugsausgabe: 
1-99 numeriert, Lesebändchen, im Schuber, 
Ladenpreis DM 48,00 - BestNr. 500 

»Die beste und in der Tat einzige Dar¬ 
stellung des Anarchismus, die mit einer 
umfassenden Kenntnis der anarchisti¬ 
schen Literatur geschrieben wurde ...« 

PjotrA. Kropotkin 

! NEUERSCHEINUNGEN 1990 
Zweiter Band: 

Franz Oppenheimer 
DER STAAT 
Eine soziologische Studie 

Neudruck / 160 Seiten / Hardcover / Auslie¬ 
ferung an den Buchhandel: Mitte Oktober 
1990. Subskriptionspreis bis 31. Dezember 
1990: DM 20,00 - BestNr. 502/S; ab Januar 
1991 regulärer Ladenpreis: DM 28,00 - Best¬ 
Nr. 502/R 

»Die Tendenz der Entwicklung des 
Staates führt dazu, ihn seinem Wesen 
nach aufzuheben: er wird aufhören, das 
"entfaltete politische Mittel" zu sein, und 
wird "Freibürgerschaft" werden.... 

Der "Staat" der Zukunft wird die durch 
Selbstverwaltung geleitete "Gesellschaft" 
sein.« Franz Oppenheimer 

Dritter Band: 

Gerhard Senft 
WEDER KAPITALISMUS 
NOCH KOMMUNISMUS 
Silvio Gesell und das libertäre 
Modell der Freiwirtschaft 

Originalausgabe (Diss. an der Wirtschafls- 
univ. Wien 1989); 272 Seiten, zahlr. Abbil¬ 
dungen / Hardcover / Auslieferung an den 
Buchhandel: Ende November 1990. Sub¬ 
skriptionspreis bis 28. Februar 1991: DM 
30,00 - BestNr. 503/S; ab März 1991 regu¬ 
lärer Ladenpreis: DM 38,00 - BestNr. 503/R 

»Durch die Vielfalt der Blickwinkel, in 
die die Freiwirtschaft gerückt wird, ist 
sie wie kaum eine andere Arbeit geeig¬ 
net, der Gegenwart Zugänge zur Gedan¬ 
kenwelt Silvio Gesells zu öffnen.« 
Zeitschrift fiir Sozialökonomie, Juli 1989 

Erschienen im und erhältlich über: 

LIBERTAD VERLAG BERLIN 
Jochen Schmück 
Postfach 440 349 - 1000 Berlin 44 

Zu den beiden Neuerscheinungen ist ein Son¬ 
derprospekt erschienen, der ebenso wie unser 
aktuelles Verlagsgesamtverzeichnis kosten¬ 
los über den Verlag erhältlich ist. 







für eine Gesellschaft wäre, unnützes Leben 
auszurotten, daß man Nutzen davon hätte, 
gewisse Experimente vorzunehmen oder 
Vivisektionen an Verbrechern zu betrei¬ 
ben. Und angenommen, daß keine tradi¬ 
tionellen Gesetzesparagraphenjemanden 

hinderten, es zu tun. (Es war für die SS- 
Ärzte in den Lagern von größter Bedeu¬ 
tung, daß die SS-Juristen in Berlin die 

jurisüscheGrundlage in Ordnung gebracht 

hatten). 



| Aus dem Inhalt 

| ★ »Entsorgungs«poker: 

| Gorleben, Konrad, Mors- 
1 leben, Wismut 

| ★ Standorte: 

§; Mühlheim-Kärlich, Euregio, 

1 Würgassen, THTR, Lingen 

i ★ High Noon am Golf: 

1 Bundeswehr übt Ernstfall 

1 Ölinteressen des Westens 

1 Aufruf zur Desertation 

| ★ Alternative Parteien: 

1 PDS für Linke wähl- 

I bar(er als die Grünen)? 

I ★ Zur Diskussion: 

§1 Ökohorror, Tauschwerte, 

I Langeweile 

| Weitere Themen auf den 68 
| starken Seiten: Atommüll- 
| transporte, Kriminalisierung, 
;§ Herbstkonferenz... 

atom erscheint jeden zwei- 
| ten Monat. Preis: DM 5- 
| Abo (5 Ausgaben): 30 DM 

f Bestelladresse: 

| atom, Postfach 1109 

§ 2120 Lüneburg 


Wer kann dann eigentlich etwas'einzu- 
wenden haben, daß höhere Säugetiere 
miteinander experimentieren? Angenom¬ 
men dann, daß man sich wirklich moder¬ 
ner Möglichkeiten bediente, um irratio¬ 
nale Hemmungen und bürgerliche Vorur- 
teile abzuschaffen und daß eines Tages 
Persönlichkeiten auftreten, welche den 
Mut und die Kraft hätten, alle diese Ge¬ 
danken zu Ende zu denken und sie in 
Praxis umzusetzen. Es ist nicht einmal 
notwendig zu fragen, wem oder was wir 
dann gegenüber ständen. 

Weder der Gedanke der Euthanasie 
noch jener der Vivisektion von Verbre¬ 
chern hat seinen Ursprung oder seine 
einzigen Verteidiger unter Nationalsozia¬ 
listen. Es wird immer der Verdienst des 
Nationalsozialismus sein, daß er direkt 
vor unseren Augen die Konsequenzen aus 
unserer Lebensanschauung zog. Er hat 
für uns eine Erkenntnis erobert. 

Sind wir allzu radikal, wenn wir sa¬ 
gen, daß wir in einer Dankbarkeitsschuld 
zu ihm stehen - jetzt, wo dies geschehen 
ist? 

Ziehen wir jetzt einen Extrakt aus 
diesen Betrachtungen, erhalten wir fol¬ 
gendes: Die Konzentrationslager in 
Deutschland dienten der durchgeführien 
biologischen Nützlichkeitsabsicht in je¬ 
der Hinsicht eine bestimmte Rasse öko¬ 
nomisch, politisch und hygienisch zu 
stärken. Wir müssen uns mit der Tatsache 
versöhnen, daß sie nie denkbar gewesen 
waren ohne die Vorstellung der neueren 
Naturwissenschaft vom Menschen als Art 
- als Wesen. Und wir brauchen uns eigent¬ 
lich nicht darüber zu wundem, daß, pflanzt 
man bestimmte Gedanken den Menschen 
ein, sic früher oder später Konsequenzen 
daraus ziehen werden. 

Doch nun fehlt uns ein Glied in der 
Kette. Wir müssen wissen, wie es zuging, 
daß eine relativ kleine Gruppe von Men¬ 
schen die Möglichkeit erhielt, ihre Auf¬ 
fassung zu verwirklichen, sie sich aus¬ 
wirken zu lassen — in ihrer vollen Konse¬ 
quenz. Ging das so geheim vor sich, daß 
niemand davon wußte? Erhielten die 

Nationalsozialisten auf eine legale Weise 

die Macht in Deutschland? Gab es irgend¬ 
einen Grund für andere, sic als eine ge¬ 
setzmäßige Regierung anzuerkennen? 
Wußte keine der großen Nachbardemo¬ 
kratien von der unendlichen Reihe haar¬ 
sträubender Verbrechen, die den Weg für 
eine blutige, braune Revolution bahnten? 
Meinten die Siegerherren des vorigen 
Krieges, daß sie kein Rechthatten, sich in 
deutsche Verhältnisse einzumischen? 
Standen die leichtbewaffneten National¬ 
sozialisten in ihrem ersten Jahr nach der 
Machtübernahme schon so stark da, daß 
es große Opfer mit sich gebracht hätte, sie 
aus dem Spiel zu werfen? War es vor der 
Welt und den Staatsmännern der Welt 
verborgen geblieben, daß Hitler mit einer 
Aufrüstung begann, die alles frühere auf 
dem Gebiet in den Schatten stellte? War 


es unmöglich, etwas über die Absichten 
zu wissen? Meinte man, daß alles was in 
Deutschland vor sich ging, ausschließlich 
Deutsche anging? 

Alle diese Fragen können mit einem 
großen »Nein« beantwortet werden. Wenn 
wir auf das Bild sehen, das hier vor uns 
liegt: der völlig durchzivilisierte Westteil 
Europas, durchdrungen von Telefon- und 
Telegraphenkabeln wie von einem feinen 
Haanohrsystem, bis an den Rand gefüllt 
mit wißbegierigen Journalisten, voll von 
Zeitungen und Radiosendem, die dank¬ 
bar alles veröffentlichten, was von Inte¬ 
resse sein kann, dieses Europa, in dem die 
Abstände im Verhältnis zu den Kom¬ 
munikationsmitteln so klein sind, daß man 
in einigen Stunden es kreuz und quer 
durchreisen kann, dieser völlig durchkul¬ 
tivierte Weltteil, dieses Europa der Bib¬ 
liotheken und Volksaufklärung, die Ah¬ 
nenstätte von Freiheit und Humanismus, 
Träger jahrhundertelanger christlicher und 
idealistischer Traditionen,-wenn wir auf 

dieses Bild sehen und dann daran denken, 
daß in der Mitte dieses Weltteils schon am 
Anfang der 30er Jahre systematisch und 
in gigantischem Maßstab die unbeschrei¬ 
blichsten Verbrechen ausgeübt wurden, 
die geheimzuhalten sich niemand auch 
nur ansirengte, von einer Gruppe Men¬ 
schen, die mit roher Gewalt die Macht 
erzwangen über ein Volk mit 80 Millio¬ 
nen Menschen, ja, da ist es wohl kaum 
denkbar, daß es unbekannt oder unver- 
pflichtend sein konnte für den Rest dieses 
Weltteils oder für die übrige zivilisierte 
Welt. 

Denken wir so zurück an die 30er 
Jahre und erinnern, was wir selbst erleb¬ 
ten, so finden wir, daß wir schon damals 
viel wußten. Tausende von deutschen 
Emigranten brachten Kenntnissevon dem, 
was sie gesehen hatten und wie mit ihren 
Gesinnungsgenossen in Deutschland 
umgegangen wurde. Zeitungen, Blätter, 
Klcinschriften und Bücher waren voll von 
Berichten. Eine Reihe weltberühmt 
Persönlichkeiten wurde sozusagen unt 
voller Öffentlichkeit in den Konzen^ 
tionslagem ermordet. Ihre Namen ging c ^ 
durch die Weltpresse. Die ungefähr 
Wahrheit über den Reichtagsbrand w 
überall bekannt. Alles das wußten t * 
wir alle, die in keiner Weise P°^ lisC ^ 
Spezialisten waren oder extra gut unic ^ 
richtet. Doch was wußten jene, die dam* 
Staatsmänner, professionelle PoUt * 
oder politische Experten waren - un 
teils heute noch sind? , cr 

Was wußten die Regierungen ^ 
verschiedenen Länder, jene, die für 

lionen von Menschenschicksalen ^ 

Verantwortung übernommen hatten • 
wußten die, welche Mitteilunger 1 cr e 
ten durch z.B. Secret Service oder ^ ^ 

der vorzüglichsten geheimenNachnc 

dienste der Welt? Wußten sie me 
wir, als der Mann auf der Straße 
Oder wußten sie weniger? Wir n 
schreiten kaum die Grenzen, die ^ 




Scsetzthaben, wenn wir davon ausgehen, 
daß sic besser als wir unterrichtet waren. 
Was hätten sie machen können? 

Wir wissen, daß der Versailler Ver- 
den Alliierten ausdrücklich das Recht 
v °rbehielt, in deutsche Verhältnisse ein- 
Zu greifen. Und wir wissen, daß Hitler 
^°ch bis 1935-36 militärisch so schwach 
astand, daß er und seine Mitarbeiter ohne 
chwierigkcit von einer französischen 
j^dcr englischen Polizeistärke hätten ent- 
Crnt un d in ein Gefängnis eingeliefert 
^ Cr dcn können, wohin sie nicht nur fak- 
ISc b, sondern infolge der Auffassung der 
ßanzen zivilisierten Welt gehörten. Kei- 
ncs ^ cr Länder Europas und natürlich 
auc h nicht die USA hatten Grund diese 
^ e S^ c ning anzuerkennen. Und kein Land 
Cr J^ elt konnte sich wohl im Irrtum da- 
^ber befinden, was die Nazis wollten. 
Aber was machten sie? 4 
Liese europäischen, amerikanischen 
russischen Staatsmänner akzeptier- 
en 1 ^^ ese Bandevon notorischen Mördern 
Gewaltverbrechern als Kollegen und 
s rj^^dge, sie gaben ihnen die Hand, 
ten mit ihnen am Tisch, sprachen mit 
1 en > duschten Gratulations- und Glück- 
Hschtelegramme mit ihnen aus, verhan- 
c te n mit ihnen, schlossen Abkommen 
SÜJ ihnen und bürgten sogar in einigen 
a e n der Öffentlichkeit gegenüber für 


die friedlichen und ehrlidien Absichten 

dLmeegebaekenenKolleBe». 

Dies ist es, was unglaublich ist. 
Kein kreuz für denOjdjg. 

diehcuteimmernwh, ^ ^ 

? SCn "der Eisenbahn, welche die Lu xus- 

CupeesderE, enbann, en( ^ fci . 


enseitiger tp Hartvaluta-Be- 

Uf Kosten der knappe über 

tände ’ ^dWinTmit breiten Typen der 

ümdJwenpressog«"»*”- 

ersammel diessclben sind, die 

ie n, daß sie zum Teil dies ^ rimcnihä[ _ 

lamals das ganz e in- 

»„stoppen kW«, 

r: 

"Ssssszs 

SS-SSS 


au f ^ teils in der Hoffnung, er 
^1° pierk gegen den Kom- 
! e ein bilden Also in ebenso kurz- 

'!Tf,L eSO istischenNützlichkeits- 


Sache. Wenn wir bedenken, daß die 
Regierungen der verschiedenen Länder 
zeitweise so weit gingen, daß sie jüdische 
und politische Flüchtlinge an die GE¬ 
ST APO zurücklieferten, dann müssen die 
Männer, um die es sich handelt, vollstän¬ 
dig von dem Gefühl moralischer Unver¬ 
bindlichkeit durchdrungen gewesen sein. 
Sollen wir, um es zu verstehen, gezwun¬ 
gen sein, anzunchmcn, daß diese Vorder¬ 
grundsfiguren der internationalen Arena, 
tief in ihren Herzen, bewußt oder unbe¬ 
wußt, die biologisch-ökonomische 
Lebensanschauung ihrer nationalsozia¬ 
listischen Kollegen teilten? 

Zu diesen Betrachtungen gehört ein 
Abschluß: sollten wir die Linie, die wir 
hier begonnen haben, fortsetzen, so mü߬ 
ten wir fragen, wer eigentlich diese mora¬ 
lisch unengagierten Politiker losgelassen 
hat? Wer hat auf ihre ewigen Appelle vom 
nationalen Egoismus gehört, um ihnen 
bei der nächsten Wahl die Stimme zu 
geben? 


(.Erstveröffentlicht in SPEKl'R UM, 
211949; wiederabgedruckt in 
ARKEN2I1984; übersetzt aus dem 
Norwegischen von Jürgen 
Wierzoch) 



RS HELL BETANKT APARTHEID“. So un¬ 
sere Anklage. Auf 25 000 verbreiteten 
Aufklebern, Zehntausenden von Flu 9* ,l . a ’ 
tern & Materialien, unterstützt von Akti¬ 
onskampagnen & Boykottinitiativen wu 
das Ermittlungsverfahren kritischer Ver¬ 
braucher gegen den Multi eröffnet. 

J etit schlägt der Konzern mit seinem 
9roßmächtigen Einfluß zurück. Zuerst 
durch warnende Briefe an medico. Dann 
durch persönliche Interventionen des v 
Standsvorsitzenden Hans-Georg POHL 
beim Entwicklungsminister WARN KE. Md 
klarem Hinweis darauf, daß medico BM2 
Gelder für einige (wenige) Entwicklungs¬ 
projekte erhalten hat. Die Kampagne Shell 
gegen medico wird weitergehen. Unsere 

gegen Shell auch. 

Wer gewinnt, entscheiden auch sie. 

Wir verbreiten weiter: 

- s hell betankt Südafrika 
— Shell entwickelt gentechnische Ma¬ 
nipulationen 

~~ Shell ist einer der größten Saatgut¬ 
multis, der den Hunger der Armen 
dieser Erde kontrolliert. 

Davon soll weiterhin die Rede sein. 

Dazu müssen wir Öffentlichkeit 

«erstellen. 

Deshalb bereiten wir neue ANZEIGEN, 
Kampagnen & Materialien vor. 

Geld kostet, das wir nicht unserer 
gemeinen Hilfstätigkeit entziehen wollen, 
ihr VETO GEGEN SHELL wäre eine ent¬ 
schlossene Spende auf unsere Konten. 
1800 Frankfurter Sparkasse 
SLZ 50050102 oder Postgirokonto Köln Nr. 69 
Stichwort: »Shell-Kampagne« 




Obermainanlage 7 ■ 6000 Frankfurt I 
Telefon: 069/4990041 


KONZERN SCHLAGT 




Lesen 


















Zufall? 

AIHq a k r *£ cn kmc der über 20 als 
"diagnostizierten Krankheiten neu, 
jjeu sind ledigliuch Grad und Häufigkeit 
r ^s Auftretens in bestimmten Gruppen. 
as ^ ns dtut für holistischc Blutdiag- 

aiui k n WillCn arbeitet seit ca. 20 Jahren 
A er Erforschung und Erkennung der 
I ssagefähigkeit des Blutes. Die von dem 
' aut durchgeführten Blutuntcrsuchun- 
ber ^ ^^'P° s itiven Patienten und den 
US-erkrankten Personen in den 
kc{ schicdlichstcn Stadien, erbrachten 

^;,? CriC3 Hinweise für das Vorhanden- 
Scin von Viren. 

tlcM C ' 1 '! a}lrcn erhoben sich im Rahmen 
nsutmsartHjU somit Zweifel an der 
krank dCr Diagnose einer Viruser- 
schc p 1 ^’ dercn Ursprung von der klini- 
and n 0rscJ iung von einer „Spezies“ zur 
i n 7 ^ rcn ^ csc k 0 bcn wurde und wird - und 
Xüc „ ISChcn 7 ' w ischcn Affen, Homose- 

h« r , Cn ’ ^ Xcm un d Afrikanern hin- und 
Erwandert. 

dan Ü ^ n ^ C3n ^ odc S c Duesbergs) weist 
Zelle * n ’ d * c Erkrankung der T-4- 
auch n C3n gewöhnliches Kennzeichen 
Wa j ai3dcrcr schwerer Krankheiten und 

durrh t ^ inllch durch Hormone (statt 
jjh Infektion) bedingt sei. 

r aum f inem Leserbrief der Zeitschrift 
die 2e ^ schreibt eine Heilpraktikerin, 
^ c hand°i^ rC ^ Ch ^ mmuns chwächeanfällc 
die /\b C 1 >> ^ C( ^ C Erektion regt zunächst 

i msia WCnn sic zu rca S icrcn 

körne 11 , C * St ’ Au ^keinen Fall ist ein Anti- 
W^ Cr Zu £l c * cb ein zukünftiger 
der Tj ■ rankcr - Wer seine Lektionen an 
kann ^ Wie auch ich ) g clcmt hat, der 

11 1 n lPrrw-,1.._ 


. »Ul, ~w. 

Cr nals von Ab wehr sch wache re- 



kann 

War» Anli körpcrbildung möglich 

? inis C h daS Gcfüh1 ’ daß dic mcdi " 
c hc zw u ^ sscns chaft, sofern sic als sol- 
Jahre Czcicbncn ist (wo sich alle paar 
än<j Crn ^ 1SScnsc hafdichc Erkennmisse 
schehc aSSCn ^’ das Abwchr-Immungc- 
stcht « n niCJlt in scincr Gesamtheit ver- 

Nicp^ CrSelbCn Aus S abc schreibt Dr.mcd. 

^ annovcr ’ »So werde das HIV- 
dcn } j n in aIJ cn AIDS-Kranken gefun- 
dem ]j| V Sondcre könne man jedoch mit 
cr* Cll "W r us bei Tieren kein AIDS 
die Mö^i* araUS cr &‘ bt s * ch im übrigen 
bilddad 1Chkcit ’ das AIDS-Krankheits- 
^ Cr Pes-\V C ^ ZU ^h^öcln, daß man And¬ 
rei tsein* lrksl0 ^ c » von denen man be- 
$o kon^ e kcnnt> zur Anwendung bringt. 
Unt Cruc ? len wir in einigen klinischen 
gen p a . C Un S cn an allerdings sehr weni- 
Cami v * nicn fcslstcll cn, daß sowohl das 
den Pf] 0 ^ ® xlr akt aus insektenfressen- 
v °n aucb die Kombination 

kun dar ■ ^ Cn Und Ascorbat, aus dem se- 
^kto r lm ein Anti-Herpes- 

si nd.« Cntslcb t, gegen AIDS wirksam 

3uf ^ic^ hUlmCdi7 ' in ’ dic sich sonsl immcr 
8cn au . Crsuc hc beruft, macht bei AIDS 
as Gegenteil. Warum? 


Dazu Prof. Duesberg: »Die These, daß 
das HI'V-'Virus AIDS erzeugt, widerspricht 
allem, was wir über Rciro-Viren wissen 
Genauso könnte man behaupten, Krebs 
werde von einem Rctro-Virus verursacht.« 
In einem anderen Interview sagt er. 
»Ein Kollege aus Los Angeles hat mic 

jüngst daraufhingewiesen, daß man diese 

Krankheiten vermutlich heute noch nicht 
erkennen würde, wenn sie sich nicht in 
den Großstädten konzentrieren wurde , 
sondern gleichmäßig über das Land ver¬ 
teilt wären. Dann wäre das nämlich^ 

eine PCP (Lungenentzündung), daci 

(Hautkrebs) und so weder, von AIDS 
würde dann niemand sprechen. Durch 
AZT werden mehr T-Zcllcn z ® rs ^ 

HIV das jemals tun könnte. Auf diese 
Weise können viele Medikamente aus¬ 
probiert und viele Karrieren begründe 

werden. Mir erscheint das als eine A 

Opportunismus, die durchaus derjenigen 

vider Mediziner im Dritten Rc.ch ver- 

^°Das Mcdilaroent AZT, welches heule 
• setzt wird, ist hochgiftig? 
^greift die Zelle an und schwächt das 
g ,nm Die Öffentlichkeit weiß 

cTnicht y daß dieses Präperat schon seit 
m pxistiert Es wurde ursprünglich 

Sc^ h>b " 

hier die Gefängnisse für die AIDS For 

“SSÄ. Meinem die 

rcHiUfl S^reß-Siwationen zu bewältigen. 

soLSpicgc P . menschlichen 

GCW erstör enund bis zum Todefüh- 

KOI Cortisol experimentell menschlichen 
rcn.Co Tiprversuch verüb- 

f h n ’.n c h Einzelheiten denjenigen ent- 

b ‘ S u Hie bei AIDS-Kranken gefun- 

sprcchcn. dic bc A on400mg 

den werden . ^neeuiz g ^^^ in mcnsch- 
Cort 1S c 0b Ä reduziert dicZahldcrT 

liehe Frei , 2 « au f 23 %.Esschcint,aIs 

4-Zcilcnvon52/paui 

■ rortisol der mysteriöse AIDS Co- 
Faktor (Stichwort AIDS-Phobie; = extre- 
F<lk aidS-A ngst, die als schwere psychi- 

Icidcn.^s a^vieleb anderen Krankheiten 

-zusammen. 

Nac h Ducsberg und Holub sind bc- 
• mte »AIDS-Medikamcnte« tödlich. 

Stir Tif die Frage, ob AIDS eine Leg.ü- 

• " A f d atedc für Mcnschcnvcrsuchc 

"fStTuasUJ|» v "S ldch “ m 



Dritten Reich gezogen. 

Ein weiterer Punkt, der genauer unter¬ 
sucht werden müßte, ist der Punkt Radio¬ 
aktivität und Immunschwächc. So stand 
im SPIEGEL 17/90 über Tschernobyl: 
Tn den radioaktiv verseuchten Gebieten 
wächst dic Zahl der Einwohner, dic an 
Leukämie und Schilddrüscnkrebs sowie 
einer Im munschwache erkranken, dic von 
den Ärzten als „Tschcmobyl-AIDS“ 
bezeichnet wird - ein Leiden, dem mit 
herkömmlichen Therapieformen kaum 
beizukommen ist/ 

So sind nach und nach alle Piloten, dic 
nach der Reaktorkatastrophe in Tscherno¬ 
byl Einsätze geflogen sind, gestorben. 
Die Symptome ihrer Krankheiten waren 
mit denen der sogenannten Krankheit 
AIDS identisch. Der Tod tritt dann meist 
durch eine Lungenentzündung ein. 


PSYCHOLOGIE & 
GESELLSCHAFTS 
KRITIK 53 



Jugendliilfe? 

INHALT 

THEMATISCHE BEITRÄGE 
Friedhelm Pelers 

Zur Kritik der 'halbierten Reform' der Heimerziehung 

Waltraud Freese, Martin Kisse 
Zur Indikationsfrage in der Jugendhilfe: 

Die psycho-soziale Diagnose 

Claus Fichter. Birgit Westermann 
Heimweh. 

Bilanz einer beruflichen Tätigkeit im Jugendhilfebereich 
Barbara von Morgen 

Von der Teamsupervision zu gemischten Supervisionsgruppen. 
Zur Supervision von Erziehern und Sozialpädagogen 
im Rahmen öffentlicher Erziehung 

EINZELBEITRÄGE 
Detlef Berentzen 

Die Angst des Journalisten vor dem Kinde 
Gerald Steinhardt 

Die heterodoxe Nutzung des Computers durch Jugendliche 
als Form der Widerstandigkeit 
gegen orthodoxe Bildungsversuche Erwachsener 

REZENSIONEN 

AKTUALITÄTEN/TERMINE 


Eine psychologiekritische Zeitschrift für Psychologen, Pädago¬ 
gen, Sozialwissenschaftler in Theorie und Praxis. Einzelheft 12,- 
DM. Doppelheft 1B.- DM, Jahresabonnement 40,- DM, Studen¬ 
ten/innen, Arbeitslose u.ä, 34.-DM. Jeweils zzgl. Porto. 

Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder direkt bei der Redak¬ 
tion der P&G, Bürgerbuschweg 47 - D-2900 Oldenburg - Telefon 
04 41-6 49 79 + 50 88 41. 







Rechtspolitisches 




Magazin fiirUni und 
soziale Bewegungen! 

Erscheint vierteljährlich 
Einzelheft: 

3 Mark + 1 Mark Porto 
ahres-Abo: 14,50 Mark 


. ■ ■ ■ 

Schwerpunkthefte: 

• 2/88: § 218 und 
Beratungsgesetz 

• 3/88: Ausliinderreclit 

• 1/89: Aussiedler/ 
Sidrerheitsstaat/ 
Anwälte 

• 2/89: 40 Jahre Grund- 
ßcsetz 

• 3/89: Zeitbombe 
Jf 129a 

• 4/89: Umweltrecht 

• 1/90: Juri st I nn e na us- 
biidung 

• 2/90: „Dcutsehropa“ 

• 3/90: Arbeitsrecht 

• 4/90: Schwerpunkt: 
Gen-Technologie 



So ist auch der HIV-Test heule mehr 
als umstritten. Dr. Wallcrstcin in einem 
Interview: »Es hat sich z.B. herausge- 
steilt, daß der am meisten gebrauchte HI V- 
Tcst bei ungefähr 30% der Rheumakran¬ 
ken positiv reagiert. Meiner Ansicht nach 
lehnen viele Fachleute die HIV-Thcorie 
ab. Aber der größte Teil schweigt. Im 
Hintergrund dieser Krankheiten steht 
keine fatale Schwächung des Immunsy- 
slcms, sondern in einem gewissen Sinne 
gerade das Gegenteil davon. 

Die Zeitschrift Natur und Heilen be¬ 
richtet von einer veröffentlichten Studie 
der AIDS-Kommission des bayerischen 
Landtags mit »teilweise dramatischen 
Fchlprognoscn«. So erwiesen sich bei¬ 
spielsweise von 529 Blutproben, die im 
l.Tcst positiv ausficlcn, bei der 2 Unter¬ 
suchung nur noch 359 als positiv, die 
anderen bestätigten den AIDS-Vcrdacht 
nicht. Unter anderem konnten sogar rheu- 

matischcErkrankungcn zur Verfälschung 

des l.Tcstcrgcbnisscs führen. 


- --- ^.ww.inu opektruin ]/ 
hervorhebt, irrten sich selten »so vi, 
Gelehrte in so kurzer Zeit so oft und 
gravierend« wie in der AIDS-Fragc. 

Am 21. und 22.April 1990 Tand 
Hamburg der erste Anti-AIDS-Koner 
statt. Ein Experte wies auf die Absurdi 
esjenigen Teils der Definition des All 
hin, der sich um den T4H-Zcllcn Spiet 
dreht: Unter 400 pro Mikrolitcr bcdcu 
danach AIDS, ab400aufwärts: kein A1C 
Er habe gesunde Patienten mit nur 40 u 
schwerkranke mit 1200 gekannt. 

Ein Teilnehmer aus der (damalige 
DDR erinnerte an die Formulierung »; 
AIDS sind alle vier Buchstaben falscl 
und forderte die Abschaffung dieser D 
gnosc aus christlichen, humanitären,< 
zialcn. psychologischen und medizi 
sehen Gründen. Er gab seiner Vcrwt 
derung Ausdruck, daß »hier bei Ihnen 
Westen« ein sogeringes soziales Bcwu 
sein existiert: Die AIDS-Erfindung . 
doch offensichtlich ein Ausdruck sozia 
Ressentiments und hätte doch wenig n 
Medizin zu tun! 


-O- - 

des Kongresses: »Aber Herr Sehne 
viele andere Krankheitsdefinitionen 
doch genauso blödsinnig.« Die Ärz 
seiner Klinik, und überhaupt in sei 
Bekanntenkreis, wüßten doch seit 
schon, daß AIDS ein Schwindel sei!, 
da »sei halt zurZeit der große Rcibac 
machen und die schnellste Karriere 
solange der Kahn halt noch nicht a 
soffen sei, würde man halt absahncr 
Deiwel komm raus! 


Immer deutlicher werden in Kritiker- 
kreisen auch Zusammenhänge zwischen 
AIDS-Aufklärung und Anti-Drogen- 
Kampagne gesehen. Diese sogenannte 
Krankheit scheint auch endgültig die 
Gcntechnologie zu legitimieren, die sich 
auf die Suche nach einem geeigneten 

Impfstoffbegibt. 

Bin Münchner Heilpraktiker, der sehr 
erfolgreich sogenannte AIDS-Palicntcn 
behandelte, bekam Besuch von der Poti' 
zci, die seine Praxis- und Privatriiumc 
durchsuchten, und die Patientenkartei 
beschlagnahmten. Drahtzieher dieser 
Aktion war der Leiter des Münchner 
Gesundheitsamtes. Dieser wurde schon 
einmal bekannt, als er eine alternative 
psychiatrische Klinik von 160 Polizisten 
im Morgengrauen stürmen ließ. Jetzt lie¬ 
gen beide im Rechtstsreit, obwohl nach 
einer internen Verständigung aller Bun¬ 
desländer aus dem Jahre 1988 Heilprak¬ 
tiker ,AIDS“-Diagnostifizierte behandeln 
dürfen. 

Warum gibt es dann aber diese 
Propaganda? 

Es gibt mehrere Interessengruppen bei 
dieser künsüich geschaffenen Krankheit. 
Die eine Gruppe sind die Wissenschaftler 
(zumindcstensdergrößteTeil von ihnen), 
und die Chemieindustrie. Die andere 
Gruppe, die dieses Thema dankbar auf 
nahm, sind die Moralisten, hauptsächlich 
der katholischen Kirche, sowie die Mäch¬ 
tigen, hauptsächlich der westlichen Welt. 
Diczwcite Gruppe benötigtzur Aufrecht¬ 
erhaltung ihrer Position und Funktion, 
ängstliche, unterdrückte und cntsolidari- 
sierte Menschen. 

Eine soziale, humane und freie Gcscl 1 - 
schaft ist aber mit einer freien Sexualität 
unweigerlich verbunden. Nach wie vor 
gilt die These: Wer seine eigenen Gefühle 
unterdrückt, unterdrückt irgendwann 
andere Menschen. Mit AIDS ist ein In¬ 
strumentarium geschaffen worden, mit 
cm man jedes halbwegs freie Land in 
eine Diktatur umwandcln könnte, ohne 
daß die Massen rebellieren. Welche ge¬ 
sellschaftlichen Auswirkungen gab cs 
bisher? AIDS hat gerade bei den zwischen¬ 
menschlichen Beziehungen verheerende 
Folgen angerichtet. Gefühle werden un¬ 
terdrückt, die Menschen haben Ang st 
voreinander, Verklemmtheit, Isolierung» 
Haß auf gefährdete Minderheiten, ang c ' 
paßtes Verhalten, Ordnung, Karriere, 
Macht und Geld zählen wieder. Es findet 
eine Flucht in Traumwelten statt, der 
Vidcomarkt machTs möglich. Konsum 
wird zur Ersatzbefriedigung und zljr 
Schcinfrcihcit. Schicke, schnelle Auto- s * 
schicke Klamotten und viel High Ted 1 
und damit das Verschwinden von echten 
Persönlichkeiten sind dann die äußerem 

geistige und seelische Verkümmerung d lC 








nn crcn Auswirkungen. 

2w n d * csem Zusammenhang muß man 
c j n 1 Wckcrc Entwicklungen sehen. Zum 

wicr] 1 CS SC ^ ca * erstmalig 

feinen Geburtenüberschuß, den uns 

schw die Zwanzigjährigen be- 

härt CrCn ’ d * C d * e Propaganda wohl am 
i st ^ S p Cn S ctr °ffcn hat. Parlnerwcchscl 
2u ^ U ^ run d der Angst, kaum ein Thema, 
picr andcrcn haben faschistische Grup- 
den £ crac * e dem Altersbcreich, 
^ ■ cn Zulauf. Es gibt ja auch schcin- 
ibre A kemativen: Leben gefährdet 

meist SUndhcit ‘ Das Thema AIDS wird 

s ct? ° ns vcr drängt, eine Auseinandcr- 
* n diesem Artikel, findet 
g an S!att * deshalb können auch diese 
sci n d* ^^hanismen im Unlcrbcwußt- 
di s? i , Cr ^ cn schen wirken. Viele Paare 
lig jy Ia ' Crc n sich doch heute gegensci- 
lc h e ,1C * nd ^ ckcn Seelen werden vergif- 
ct Wa T ?^ uttcr sagte: »Endlich hat man 
c hcnk ITllt man den lindem Angst ma- 
Produ ann ’ S ° nsl ^ örcn sie doch nicht.« So 
Selh 1Crt man ^klemmte Faschisten. 
a H es , St ^tische Menschen, die sonst 
mediz’ lntCrfragen ’ helcn an g st tich die 
in de r I u SCheun dP olUi scheObrigkcitan, 
hfipfstoff^ 111111 ®’ SiC ri R den bald einen 

AiDSk KriUkcrcntvvarfdcn Slogan: Gib 
Test; eine Ghance-gehe niemals zum 

auf i^ a ^ zcasc tirift raum & zeit schrieb 
Cr EmdcT Titolscilc in Nr.42: »Virologen 
be n « ^ ,,AID S“, um selbst zu überlc- 
^ Cr eits aZU Stand * n Die neue Ärztliche 
^‘^ezember 1985 in einem 
Geld >>A *E)S, Patente und viel 

Sc baftrr p S a ^ s großer Sieg der Wissen¬ 
in c inc C C * Crl werden müßte, könnte bald 
den. Di^ ^hmutzigen Grabenkrieg cn- 
stc UrRc C ^ a 8 c des Pariser Instituts Pa- 
übc r di ^ d * C amc rikanischc Regierung 
dcr H()h PalCntrcchtc an AIDS-Tests ist 
^ u brand CPUnkl c * ncs sc ^ mehr als einem 
der p rc aucrn dcn Disputs. Noch am Tage 
riu m ci SSCkonfcrc nz stellt das Ministc- 
Gall 0s T 11 ^ atcnL antrag für einen auf 
^bni^ anierikanischcr AIDS-Papst) 
Pate nt w^ aufbaucndcn AIDS-Test. Das 

Un d da s am *^85 genehmigt 

k i^c n z c Csun dbcitsministcrium vergibt 
bühr Cn . p 3n Finr »cn. Die Lizcnzge- 

^ 0c b sch Ünf ^ rozcnt vorn Reingewinn. 

PatCn tam° n Scit Dezember 1983 lag dem 
Situt p ln ^ as bi n gton ein Antrag vom 
^titschrv^ 01 ^ vor - Dazu stand in der 

1 ze it : 

^sMilliardcnloch HIV-Forschung 
znaie Hauser , in: Capital) cr- 
mö ßl * c ht inzwischen zchntausende 
2. ^ 0n wissenschaftlichen Karrieren. 

°n dem „AIDS-Tcst“-Big Busi- 
ncss und der „AIDS“-Aufklärung 



leben inzwischen ganze Induslrien 

und politische Richtungen. 

Die AIDS-Angst wird vielfach 

instrumentalisiert. 

AIDS“ hat religiöse bzw. ersatz- 
religiöse Aspekte, die, von der 
chemischen Industrie beratene 

Weltgesundheitsorganisation 

(WHO) spricht da eine deutliche 
Sprache: »Wir können und müssen 

diesen Weltkrieg gewinnen.« 

Hier noch ein paar Beispiele für das 

“Sn— SSM 

iischläge gemacht: »AIDS-Krankcsina 

m Schutz der Gesellschaft auf cinelnsc^ 

verbannen.« »Sie einfach zu kenn 
lehnen«, ihnen also etw a einen Stern 
.zutätowieren. [Der fatale Tatowic 
c.Verschlag wurde im übrigen ja auch 
^Vertretern der pseudolinken Splitter- 
Sten-Reichisten in Freiburg 
£ve* re iK*SM“U DcrMiinch- 
rProf Frösncr sagte: »Eine lebens vc 
rKr0 ; Th^ranie der Erkrankten konn- 

di^DS-Problom der Gosamtbo’OI- 
rung vergrößern.« 

r mr AIDS-Kritik: 

eitere Literatur. Z Verlag 

n Rappoport: Fehldiagnose AIDS, Verlag 
Bruno Martin A iDS-Dilemma, 

.. Wallerstem: Das mu 

Rombach-Verlag .. 

.RuthJensen: UmwellschadenAIDS,200 - 

7uwendung, Union-Verlag 
WAIDS' eine Krankheit, die es gar 

nicht gibt. Ehlers-Verlag 

im & seit, Ehlers Verlag, Daimlerslr.5,8029 
Sauerlac jgQ m ; rh 75 .-DM bei: 

VeUhausen, J .Treffin, Müllerstr.145,1000 

ter'fär Vorträge zum Thema: Kam 
^Schneider, A hornallee 17,1000Berlin-19 



Trotzdem*Verlag 

'k'k'k'k-kir-k'k'k'k'k'k 

Murray Bookchin, Luciano 
Lanza, E. Colombo u.a.: 

Selbstverwaltung - 
die Basis einer befreiten 
Gesellschaft 

mit einem Vorwort von Wolfgang 
Haug und Friederike Kamann und 
einem Interview mit Marianne 
Enckell von Uli Dillmann, übersetzt 
aus dem Italienischen von Gunnar 
Berndsen, Koproduktion m it Anares- 
Vertrieb, Gummersbach, 190 S., 14.- 
Enthältu.a.: Stephen Schecter: Vielfalt 
und Freiheit in einer sclbstvcrwaltclcn 
Gesellschaft; Gian P. Prandstraller: 
Bedürfnisse und Selbstverwaltung in 
Unternehmen; Antonio Porrello: 
Selbstverwaltung am Beispiel Algeri¬ 
ens; Eduardo Colombo: Ideologie der 
Selbstverwaltung; Franco Crespi: 
Macht und kulturelle Perspektiven; 
Roberto Guiducci: Arbeitsteilung und 
Selbstverwaltung; Murray Bookchin; 
Selbstverwaltung und neue Techno¬ 
logie; Luciano Lanza: Selbstverwal¬ 
tung und Ökonomie. 

Holger Jenrich: 
Anarchistische Presse 
in Deutschland 
von 1945 bis 1985 

Personenregister, Zeitschriften¬ 
register, Photos und Faksimiles.Reihe 
Libertäre Wissenschaft, 270 S., 34.- 
Bis Mitte der 80er Jahre wurden hier¬ 
zulande etwa 350 anarchistische oder 
anarchistisch beeinflußte Publikationen 
veröffentlicht - produktionstechnisch, 
finanziell, journalistisch der bürgerli¬ 
chen Presse weit unterlegen, aber allen 
Widrigkeiten zum Trotz (Zensur, 
Spaltungen, § 88a, § 129a etc.) mit 
zähem Überlcbcnswillcn ausgestattet. 
Die vorliegende Arbeit zeichnet den 
Weg der anarchistischen Presse durch 
die bundesdeutsche Geschichte nach, 
zeigt Höhen und Tiefen, Stärken und 
Schwächen ihrer Entwicklung und 
versucht einen bibliographischen Ge¬ 
samtüberblick. 

PF 1159 

7043 Grafenau-Döffingen 
Tel. 07033/44273 


fl 








Texte und Kadaver 

Von, Elend der Geg enOTenUichte . t 




Das Phantom Freiheit 

Neun Jahre bevor er seinen dystopis c ^ en 
Roman 1984 publizierte, proph czC1 * c 
George Orwell ein Zeitalter totalitär 
Diktaturen, ein Zeitalter, in dem d lß 
Gedankenfreiheit zunächst eine Todsün 

de und später eine bedeutungslose Ab 
straktion wäre, in dem das autonome 
Individuum nicht mehr existierte, ß 0 
den Autor anbetrijft, sitzt er auf ****? 
schmelzenden Eisberg " t meinte O rvVC ,' 

lSt le<il &ich ein Anachronismus, ein 

herbleibsei aus dem bürgerlichen Z er 
alter, sicher dem Untergang geweiht # ie 
af Flußpferd. Dieser düstere Pc^ 1 
^ 1Srnus nährte sich nicht zuletzt aus den 
ütcren Erfahrungen OrwelLs im SP a ' 
p sehen Bürgerkrieg, als mi t dem blutig* 1 
rsticken einer libertär-sozialistisch* 1 
temative zu ^en bestehenden Hetf' 
chaftssystemen auch jene Hoffnungen 
nh^r ^ wurdcn > die nahende Katastro' 
L cße sich noch abwenden. Die t*- 

nuf^ mCnde Angstl die Ietzle Ghanccnicht 

-A*“ ^nnen, drückte sich in exerfl' 
Fcrip C ^ ^ eise ^ einem Statement der 

welchp C1Ö o AnarquistaIb ^ ic n(FADans, 

nachdp lm , September I9 37-fünfMonate 
Schutt mld a Legion Condor Guemica in 

zurück in H Che gele ^ die Menschheit 

SchrerVp 16 t0ta * e Barbarei, in eine von 
Schlimm n m(1 TerrorerfüIIt c Welt, in der 

tärc Rn„,r„ 7 d,e „miemationalc liber- 
spanischen A*^ Wlssen ließ, wenn sie, die 

gL“^ ^" Anarchisten . besiegt würden, 
Europa^. mU K ih "cn nmer versänke 

Elends der Rcp NaCht dCr Sklavcrci ’ dcs 
len Foml Kcgression zu uncniwickcl- 

siröse Mac,-!,- 6 Arbcucr an die mon- 
scin tm^ h Ch,nCdcs finales gekettet, in 
werden. 2 lgeS Instrumem verwandelt 

das Ende?° re K e BürgCrkric S kündigte 

d as GrauenT h 'f onschcn Periode und 
atin- der komn >enden an: nicht 

Sir ldieN “' rla e'*" WC 8 ra 

E™ ™ d ale Verwandlun, 

. . . w ui ue zu einem toten Tpr- 

sich'rcgten kein< *fi in ärer Gedanke mehr 
sichi regte, zuetnem trostlosen Exhibitions- 

ge an e der auf Hochtouren laufenden 
ideologischen Apparate, welche mit ihren 
Schlagworten, Slogans, Parolen, Direk¬ 
tiven, Verdikten, Kommandos und Ver¬ 
dammungen den Einzelnen das nutzlose 
Denken abnehmen und sie im geistlosen. 




umpfcn Mitmachen drillen wollten, 
^ttels dieser rituell-autoritären Sprache 
^ neben die herrschenden Eliten fest, 
fa^ h CC ^ 1 Und Anrecht, was wa ^ r und 
^. Sc War > unterbanden Einspruch und 
ls sens, funktionierten die Rede zu einer 
na°h°p 0 ^ SC ^ Cn Kundgebung um, i n dcr 
n ? . rc iheitgeschrien wurde und Mani- 

P üI ation gemeint war. 

sch > alIcr Kritik an den Machcn- 
g a tcn ’ mil denen die Mächtigen die 
Q r ac lc und das Denken ruinierten, hielt 
bu^ ? unvcr b r üchlich an der libcral- 
fcst 8CrHchcn Tradition der Aufklärung 
, ’ ^ ,au ^c an die „Heilbarkeit“ der 
stiirj adcnicnU Sprache, pochte auf Vcr- 
tion und Kommunika- 

mit dcn »common pcoplc“. Aus der 
erfü Str ° phcdcs zw citcn Weltkrieges zog 
zem r SlCh alS Aulor kcincrlci Konscqucn- 
193^ SC ^ c k wea cr wie bisher, denn seit 

Publi 7 * S ° CS ^ m-sc ‘ cr * n sc * ncn 
li lar i 1ZlStiscJlcn Arteten gegen dcnTota- 

Sozi S ] mUS Und für dcn demokratischen 
lr etcn 1 ^ 1US ’. w * c cr ibn verstehe, cingc- 
sein 7 icviclc anti-stalinistischcLinke 
hielt Orwell nicht mit lästigen 
m U s rCnzicrun g cn auf, scherte Faschis- 
t 0laH |! nd Sta,i nismus über den gleichen 
s cine * ^ ^' amm und konnte sich ob 
sehen StC ^ cn Kampfes gegen die men- 
a U f Vcrac hlende Barbarei anerkennend 
nc gativ ^ Chullcr klopfen, während das 

^nd V }? Cnkcn ’ S in S cs um das c *ß cnc 
uicn 7 m Wc bgchcnd abhanden gekom- 
kü n(le| U H^ n Sc ^ cn * Nahezu stolz ver- 
dieQj, 0 , Crcn S^ sc hc Patriot Orwell, daß 
r al sei S h Isctlaf1, öderer lebe, nochlibc- 
auf f r ^j ^ man dort zw ar, um sein Recht 
kd nnen C ^ c * nun 8 s äußcrung ausüben zu 
sta rkc ökonomischen Druck und 

* u käm f^ tC dcr öffentlichen Meinung 
Geheiß Cn .ö a bc, jedoch nicht gegen eine 
Wenn aber eine vom 
ö c Mcin Carn dcr ^ csc ^ s chaft abwcichcn- 
^ nur noch unter großen Schwie- 
Wohl m' Vorzu b r ingcn war, konnte cs 
Sein, in? dCr Liberalität nicht weit her 
Encraj c Cm Cr ^ ast sc ' nc kri Li sehen 
^Lisch* 1 daS ^chrcckbild des stali- 
Or^eji i? n ^ stcms fokussierte, nahm 
Wenden aurn j cn c gefährlichen totalitären 
^baft^? 1 * nncr balb „seiner“ Gcscll- 
v/ir^ r > welche das Erscheinen einer 
üur C j nc ^ Opposition vereitelten. „Nicht 
Partcihe SOndere Rcgicrungsform oder 
Merkte"H ^ wirkt T otal itarismus“, 

ein be s ncrxin Marcuse, „sondern auch 
^gssv^ 01 * 08 Produktions- und Vcriei- 
^ Srri Us« SlCrn> das c i ncm »Plura- 

g1c iche n ?° n Partcicn » Zeitungen, »aus- 
lr %L “3 p Cn ^ ac blcn« etc. durchaus ver- 
Vcrse^o ^ au btc Orwell als scheinbar 
Öer TotalP 00 * 1 jubilieren zu können, 
^ r all . llarisrnus habe nicht gänzlich 
öie Tcch lürn phiert, so entging ihm, daß 
dar an po 111 ^ dcr ^ crrsc baft längst sich 
öahen, auch „seine“ Ge- 
111 it einer grauschwarzen Kruste 


aus Signalen, Zeichen, Bildern und Tö¬ 
nen zu überziehen. Hier bestand nicht 
mehr die Notwendigkeit, Kritik in archai¬ 
scher Weise zu unterdrücken: sie wurde 
in die Banalität desbloßen Meinens über¬ 
führt, wo sie keinerlei Gefahr für die 
Herrschaft darstellte. Jene Freiheit, wel¬ 
che in großartiger Eloquenz allenthalben 
beschworen wurde, war lediglich ein 
Phantom, das verloren durch die verfaulte 
Landschaft geisterte. 

Morsezeichen 

Stets aufs neue versetzt mich die ameisen- 
haftc Emsigkeit in Erstaunen, mH der 
bestimmte Menschen, getrieben von * - 
rem radikalen Impetus, der Produktion 
oppositioneller, kaum gelesener Zeit¬ 
schriften sich widmen, als könnte Kritik 
(mit welcher Verve sie auch vorgetragen 
sein mag) die herrschende Ordnung in 
ihren Grundfesten erschütterin, als ver¬ 
möchte ein einsamer und ohnmächtiger 
Gedanke (wenn er denn aus dem Dunkel 
sich hervorwagt) aus der öden PmP ™ 
ins stahlummantelte Zentrum e.nzudrin- 

; cn und dort die gewünschten Turbulem 

Jen auszulösen. Wohl hegen sie noch die 
gleichen vagen Hoffnungen wie jene hn- 
L Studenten in Paul Nizans Roman D e 
Verschwörung, die zu Beginn ihrer fc 
geschlagenen Revolte gegen die eigene 
bürgerliche Klasse cinemit einem sch war 
zen Maschinengewehr vcrz'crt 

schrift namens Bürgerkrieg in dcm Bc- 
wußtsein^ründen, daß sie „vielleicht zu 
den tausend kleinen Unternehmungen 

ST 8 M“^“»” Mc r d r 

schwatzens durchsc[7£n können, 

welche den größten Lärm zu veranstalten 

in AU«wSk»''”“” Tr0 “ f C _ 

A t „vo aber dennoch in der Tra- 
radika c 1 Großteil ihrer Energien 
ditionfort, e i k . e zu verwenden, 

denen m d A werden sie als Instru- 

bCSCh ‘£nffcn welche den Weg aus der 
mente ,; srad iicalcn Zirkel zu den 

Isolation de'' nannten öffentlichen 

Lokalitäten des g Brec hstan- 

gen, mit denen um hm . 

s ££»•.«*— 








A Ch fK dCr , ElndrUCk auf ’ als k ämen die 
Aufbrcchcndcn nicht recht von der Stelle 

als hielten anonyme Instanzen sie in ih¬ 
rem Bann gefangen, als liefen sie auf 
emerzwanghaften wie vergeblichen Suche 
ständig im Kreis und verteilten ihre gc- 
druckten Kollektivmonologe an s fch 
selbst, bis sic schließlich ausgelaugt 
ausgepreßt, leer, altund gelähmt auf ihren 
Zcllcnpmschen lägen, wo sic weiter die¬ 
ses seltsame, aus unerfindl ichcn Gründen 

au erlegte Schreibpensum zu erfüllen 
trachteten. 

Die Popularität der publizistischen 

Arbeit inncrhalnradikalcr Zirkel magsich 

daraus erklären, daß solche von kleinen 
Arbcitskollektiven hergestclltcn und in 
Umlauf gebrachten Produkte Zeugnis 
davon ablegcn, daß im Land noch Grup¬ 
pen existieren, welche von einer funda¬ 
mentalen Kritik des herrschenden Systems 
nicht abrücken wollen. So senden sie in 
bewunderungswürdiger Unentwegtheit 
ihre periodischen Morsczcichen hinaus in 
die Welt, verkünden trotzig, daß sie noch 
immer ungebrochen in ihrem erzwunge¬ 
nen Exil der Dinge harren, der morali¬ 
schen Korruption aufrecht widerstehen 
und keine niederträchtigen Kompromisse 

milder Hcrrschafteinzugehengewilltsind. 

Versprengt in Raum und Zeit hämmern 
sic in engagierter Inspiration auf die Tasten 
ihrer Schreibmaschinen, jagen all die 
vielen Nachrichten, Informationen, Kri ti- 
ken, Kommentare, Polemiken, Diskus- 
sionsbei träge und Strategiecnt würfe durch 
die ewig ratternden Druckmaschinen, 
falzen, legen, heften, schneiden an langen 
Samstagen, ohne jemals dafür entlohnt zu 
werden, und schnüren die Pakete, auf die 
nur die ohnehin schon von der Richtigkeit 
der Ideen überzeugten Zei tgenossen war¬ 
ten. Als pure Fiktion erweist sich die 
Vorstellung, draußen, irgendwo in den 
urbanen Katakomben, in der „sozialen 
Wildnis“, hungerten Menschen nach 
subversiven oder radikalen Ideen, wühl¬ 
ten in Haufen muffiger, von Meltau be¬ 
fallener Satzfetzen nach einem zum Funda¬ 
ment vorstoßenden Gedanken, verspür¬ 
ten einen unüberwindbaren Ekel vor den 
unablässig zirkulierenden kot-, blut- und 
schlcimverschmicrtcn Lcichenblättem 
und gerieten in schiere Verzückung, so¬ 
bald sie nur eine Zeitschrift oder eine 
Zeitung zu Gesicht bekämen, welche in 
unbeirrbarer Rücksichtlosigkeit all jenes 
ans Tagesl ich t zerrte, was andemfal I s unter 
dem Schleier des allgemeinen Schwei¬ 
gens verborgen und vergessen worden 
wäre. . 

Die Welt straft all diese aufopferungs- 
vollen Bemühungen um eine mensch¬ 
lichere Einrichtung der Gesellschaft mit 
barbarischer Indifferenz. Allenfalls fin¬ 
den noch einige exotischen Reiz versprü¬ 
hende Publikationen Asyl in einem der 
wenigen linken Buchläden, wo sie frei¬ 
lich auch nicht an exponierter Stelle feil- 


geboten werden. Eher versm.it 

beinahe schamhaft in einer dunH S ' C 

erant der undogmatischen Linken“ T 

SÄKfis 

t™““ > g rJ,ta„S 



zeiKchrff7 7 ’ uieana rcmstischeFach- 
zeitschnft für Lust & Freiheit* das nmt» 

Sten h 'da ketiSCheMaSSenblattder Trotz- 
erhältlite d I " e ! USprac . hi8en Ausgaben 

slch “<1 »• 
Sa 



in ihr»™ o- L aD 8 esc Mtten, diese 

in ihrem Sinne zu verändern. Angesichts 

dermachtvölien wie repressiven Appara 

verhaiTen all dies?lau¬ 
send kleinen Unternehmungen in ri P r 

nflfzt?" ? Chtig0n; ^ Worte Trinen 

nicht zu Funken werden, welche die Terri- 
tonen der Macht in Brand stecken. Aber 
dennoch schreiben sie weiter an ihremnic 
abzuschheßenden work in progress und 

*5- ™ to P ji7,o™. 

stellen, das Irvmg Howe, der Herausge¬ 
berder seit 1954 in New York erscheinen¬ 
den Zeitschrift Dissent. für eine seiner 
Essay-Sammlungen wählte: „Einst in 
Chelm, dem mythischen Dorf der osteuro¬ 
päischen Juden, wurde ein Mann be¬ 
stimmt, am Dorftor zu sitzen und auf die 
Ankunft des Messias zu warten Er be 
klagte sich bei den Dorfältesten, daß sein 
Lohn zu niedrig sei. Du hast recht, sagten 
sic zu ihm, der Lohn ist niedrig. Aber 

bedenke: Die Arbeit ist stetig .“ 5 

Gebrochene Versprechen 

„Ideen können nie über einen alten Wclt- 
zustand, sondern immernur über die Ideen 
des alten Weltzustandes hinausführen“, 
dozierte Doktor Marx im Jahre 1845. 
„Ideen können überhaupt nichts ausfüh- 
ren. Zum Ausführen der Ideen bedarf es 
der Menschen, welche eine praktische 
Gewalt aufbieten .“ 6 Zu Zeiten der außer¬ 
parlamentarischen Opposition in den 
sechziger Jahren zirkulierte in vielen 
op en derdissidierenden Studenten und 

Studcntmncnzwardieldee einer „Gegen- 


öffentlich 
sichtlich i 
tische Gev 
sich maiej 
Sympaü 
gerlicher 
tc,zentrid 
all ihre ■ 


jl‘\ doch mangelte es offen- 
Menschen, welche eine 
l| aufboten, damit die Idee 
sierte. Während sie sich der 
puis liberalen Flügels der bür- 
Öffentlichkeit gewiß sein konn- 
Jpie Protestbewegung nahezu 
«ui inre Kritik der herrschenden Medien 
auf den Springer-Konzern, der nach Auf¬ 
fassung der radikalen Opposition das 
Haupthindernis im Prozeß der „Rcdcmo- 

mtisicrung“ der bundesrepubl ikanischcn 

Gesellschaft und der Bildung bewußt 
urteilender und handelnder Individuen 
erstellte. „Springer ist der größte Vcr- 
eger des Kontinents geworden, weil er 
am entschlossensten die autoritäre Tradi¬ 
tion Deutschlands und das im Faschismus 
gelendete Bewußtsein als ideologische 
are verwertete und verkaufte“, hieß es 
m einer SDS-Broschüre, „weil er am ent¬ 
schlossensten daran ging, dem Wiedcr- 

J^i aU , dCS ^ a Pötalismus in Westdeut- 
’ dem Wiederaufbau des Widcr- 
dn w i! Z * ischen d ^r Entfaltung der Pro- 
Pmd IV tC Und der Verkrüppelung der 
dhS U 7 ur endie Geologie zu liefern, die 

und un 2 ,derSP . rUCh als einzi S mö g ,icllC 
nen t-m» „^^bcheWirklichkeiterschei- 

Nuti 5 ^SS iChtSpri ? CraIICi J 

j«— 0| |glfc s er Ideologie, sondern auch 
keit“ ,dcr ' , ' sc ben Öffenilicb- 

Woche' , 2 : ®SÄtt nesfaIls Woche für 
1 °senKri^^Ä Um der rücksichtS ‘ 
RechtzuvS^PÄ Stehenden zu lhrcm 

darum ^.#ÄI# lclrne brging es ihnen 

Brftßt™x I de L Informationswarc das 
2^fi?*chäfl zu machen. In¬ 
den skrupfSn r p mit d ? Fin8Cm 3Uf 
zeigten iSSp® F,nsterI 'ng Springer 
HearhM J - W nur von ihrer eigenen 

voller nie ?’? tdcr sie “ noch cm:kl - 

Ä^f iChCrK °'^- daS 

lOtawf r ^l®Ä^° genannlen 68cr vom 

gelesen J e ! blendungS7 -usammcnhang 

grifraüf ? W ° Uten SiC mit dcm “ An - 
* “'• aul Springer einen „gewissen vul- 

X, 

kaDiJ!?i^^ ZuSamn,enhang dcr 

Kapi tal ,s ü|gJ||nj|nstttutionen redete, um 

Keine konlaet; arigreifen zu müssen“ 

DiescrisoliertevÄngrifr* vermochte allcr- 

ings in keiner Weise die Machtstellung 
des Konzerns zu erschüttern, kündigte 
nicht den Aufbruch zu politischem Nc 
land an, sondern wies allenfalls den W 
in eine theorielose Praxis, welche - 






lieh :v,„ , — wK-ucMueiicnschl 

hch ihr proletophiles Coming-oui u 
entdeckten „den Arbeiter“ fürsich. In < 
BILD-Zeuung trat uns - wie verzerrt u 
exotisch auch immer - das Prolctar 
Segen , bekannten sie in ihrem Erl; 
rungsbencht. „Unsere sämtlichen The 







lic hunfidi Cr A I ? te8ration und Vcrbürgcr- 
als wir ^ h Arbciters stürzten zusammen, 
kcii Di Cn,da ^ nicht üieBcwußtlosig- 
schaft und Anpassungsbcreit- 

Vcr hältn° n Cmdieunver üccktcn Gewalt- 
Schaft d - 1S p dCr ka P itali stischcn Herr- 
tcr hinf/ C aiT * crc ^Üden, die den Arbei- 
ihn zöp^* dCn zu eröffnen und 

Student 111 Iäßt ’ Sich dcr R cbeIlion der 

gcnanzuschließcn.^ 

a us dcm°rf 1Cn Wurdc das Versprechen, 
lind neue dC ? A ^cn berauszutreten 
v ° n mar . Crritoricn zu erschließen; die 

aI,c nihalK 1StiSCh ' 1Cninistischcn Kadern 

amiautfxrir- 11 S c ** or derte „Liquidation der 

in länpsi SL Cn PhascU hattc d en Rückfall 
der Politik , ^Hden geglaubte Formen 
Blind übe ° Cn ^ anisa don zur Folge, 
aus dem v rlrugcn sic Lenins Parieimodell 

for techrT ndUSlTicllcn R u ß lari d auf die 
BRD Und !y° ne industricgcsell schaft der 
Slcll ung do ÜbCmahmcn ^gleich die Vor- 
r crs, nach d S1C ^ re t c ^ en Revolutionsfüh- 
,ut ”°nären tT das Zentralorgan der revo- 
8andi st a • artci ein kollektiver Propa- 
Rilfc cinef 11 k t0run d Organisator sei. Mit 
lc Lenin a SOlchcnMasscnz citung, führ- 
^ s ^ndipe S Vt CrdC Slcb auloma üsch eine 
Wc kheihr /^S^sation hcrausbilden, 
Politischen p il f Iic ^cr darin schulen, die 
Ver folg en . rc ignisse aufmerksam zu 
*ur die ° cren Bedeutung und Einfluß 
Sc hichte n . Cr ^ c L* c denen Bevölkerungs- 
^äßige Jvw zu bewerten und zweck- 
^chcdie ^H^crauszuarbciten, durch 
Erei 8nissc rCvolution äre Partei auf diese 
^üisch c p ClIlw üken könne. 8 Abseitige 
rak tenw nUlüllun S ca sollten die Cha- 
doc h erwi 0 ^ n auf ^ sc ber Tai ertappen, 
p Sc be M ct r Slcb e * ne siche kriminolo- 

C HSchaft °^ C ln der gegenwärtigen 
‘hinter d e aum no °b aJs adäquat. 
^l as kierten S^^^ennasken sind die 
hlniCr dc n P Gcsichtcr verschwunden, 
r° licr tc H^ Un t ti0närcn dic Personen“, 
i^oKonr/** ^ rgcn Rrahl» der thcorc- 
,D? c n Sran ^ uncrSD S, im Jahre 
^ !e al$ \y a cnun ziation der Dinge, wie 
^'°0entrit, n c ^ schc incn, und der Insti- 
^akterm/? ^ lc ^ c üer Entlarvung von 
A° n * nic grati S cn ‘Mildcrfongcschriue- 
r bciteri C ] a ° n dcr Massen, zumal der 
ak tcrHct C ’ dUrch Potenzierung ab- 
abstrt ^ lm ^y sle m expandic- 
^ bsira kti 0n ^ aktCr Arbc it hat auch der 
gilaii ont D gra<1 dcr Propaganda und 

Di e ? U8cn °mnien/* 

J Cn<< hieUp!?^ Un i sdsc L e n Masscnpar- 
K^krctcn w ° S Vilich lieber mit dem 
i J 1Sr 0us m Lcn dcm westlichen Impe- 
UiK dabsr ht^ ern * S0WjCllscJlcn »Sozial- 
1 0 ^rückeni T' 1 gnfri S cn Parolen zu 
dti Cbe U Alt n ! aucr len mit ihrem ideo- 
b Eriken £j P ^ Cr ” dcm Arbeiter“ vor 
r Ch ab or d 0n H Cf dcn Su Permärkten auf. 

Cr& ^^rheit _° r Zusatz der revolutionä- 
dcot f zu J C . m Cn ß cn Grenzen hielt, 
^Ud Crc ' ^ c,Ic n auch andere, Pächcn- 
^nahmen, um „den Pro¬ 


leten“ dazu zu bewegen, endlich den 
Kampf aufzunehmen. Sovertcilieim Jahre 
1970die KPD-Aufbauorganisation in den 
Westberliner Bezirken Kreuzberg und 
Wedding 500.000 Exemplare der Roten 
Fahne und versetzte mit dieser genialen 
Aktion der Bourgeoisie einen nieder¬ 
schmetternden Schlag: vierzehn Wage¬ 
mutige erklärten sich bereit, die Partei¬ 
zeitung zu abonnieren. (Noch heute kün¬ 
den Spuren von der unermüdlichen Agi¬ 
tationsarbeit der einstigen Avantgarde der 
revolutionären deutschen Arbeiterklasse. 
„Nieder mit der Agentur Breschnews , 
brüllt es von einer roten Backsteinmauer. 
„Vorwärts mit der KPD - Für ein unab¬ 
hängiges, vereintes, sozialistisches Deut¬ 
schland!“ Nur unwesentlich mußten dic 
ehemaligen selbsternannten Führer der 
proletarischen Heerscharen ihre Parolen 
ändern, um einträgliche Positionen in der 
Gesellschaft cinnehmen zu können.) 

Dic marxistisch-leninistischen Partei- 

blätter hatten zwar nichts mit den realen 
Erfahrungen der in den Fabriken arbei¬ 
tenden Menschen zu tun, aber dennoch 
kann nicht behauptet werden, sie hatten 
im Widerspruch zur gesellschaftlichen 
Wirklichkeit gestanden, nahmen sie dies 
doch gar nicht wahr. Lediglich waren sie 

die Programmankündigungen lautstarker 

und polternder Revolution truppen, die 
wie reinkamierte Mack-Sennett-Ensem- 
blcs ihre todernsten und grauslichen Polit- 
Burlesken im schlechtbesuchten hnks- 
radikalen Theater zum besten gaben. 

Scharen armseliger Dilettanten tadel¬ 
ten sich in zusammengesuchten Rcqui 
siten, wo großspurige Provinzchargen 
glücklos an den Klassikern sich abmuh¬ 
ten und mit ihren stets ins Pcl “^ 
rutschenden Auftritten das Pubhku 
vergraulten. Gaukler, Scharlatane und 

Schmicrcnkomödianten, welche gern m 

der .relativ einheitlichen Theorie und 

der dialektischen Bearbeitung von Wi- 

jcrspTttchcn“ schwafelten, erginge sich 
-olanee im ranzigen Possenreißen, b 

ucTder allerletzte Proletenlümmel die 

raschcnspiclcnricks durchschaut Mw, 

«“SS--- 

;an8 ‘ ü^antoeinLen Unverwüstlichen, 
Se Darbietungen wie anderen Kitsch 

uch schätz^ Xi; c dl S 

>UPPCn wurde in Stücke 

hgcraamtc H.mm icften dcr 

S—S“—s 

%Ä"n A sr;»: 

NC ^Exwrimem erlebe" durften, des- 

Ffs:"« 

uiy^another chanc^Keep on trucking. 



Photo: Anarchistische Fotozelle 









Just different 

Das Problem der Medien in einer tech¬ 
nologischen Industricgcsellschaft besiehe 
darin, daß alle Medienformen Vermitt¬ 
lungen seien, welche einer kleinen und 
relaLiv machtvollen Gruppe von Menschen 
cs erlaubten, zu einer weitaus größeren, 
aber relativ machtlosen und fragmentier¬ 
ten Masse zu sprechen, konstatierte Nor¬ 
man Fruchtcr, als er in einem brilliantcn 
Essay 10 die US-amerikanische „Undcr- 
ground“-Prcss einer radikalen Kritik un¬ 
terzog. Ein kleines Pr&duktionskollcktiv 
stelle eine Zeitung her und biete diese 
Ware einem potentiellen Publikum an, 
ohne jemals direkt mit diesem konfron¬ 
tiert zu sein, bemängelte er. Solch eine 
Zeitung sei kein Prozeß, in den Leser und 
Leserinnen involviert seien, sondern ein 
fcrtiggestclltcs Produkt, eine „kohärente 
und geschlossene Totalität.“ Diese ein¬ 
seitige Kommunikation werde auch nicht 
dadurch aufgehoben, daß ein Produktions- 
kollcktiv seinem Publikum eine Seile in 
seiner Zeitung zugestche, wo cs seine 
Meinung, seine Zustimmung oder seinen 
Unmut äußern könne, denn diese Form 
der „Partizipation“ rüttle nicht an der allei¬ 
nigen Vcrfügungsgcwal t des Produktions- 
kollckiivs, das ohne wirksamen Einspruch 
von außen über Inhalt, Form und Auf¬ 
machung bestimme. Die unveränderte 
Struktur der medialen Kommunikation, 
die Aufrcchterhaltung von Hierarchien, 
die bloße scheinhafte Negierung auto¬ 
ritärer Editionspolitik stellten für Fruch¬ 
tcr ein Dilemma dar, das von den Produ¬ 
zenten der sogenannten Altemativmedicn 


"ZUR KRITIK DER-1 

PARLAMENTARISCHEN 
DEMOKRATIE I 


tcrismuskritik 
nach dem Fall 
der Mauer 

■ •Das Gesetz 
der Oligarchie* 

■ Originaltexte 
gegen das 
Vertretungs- 
sy slem 

l 4lternativen zum 
Parlament 


3 «»EH 




»WER WÄHLT, HÄT VÄSSX». 


• DIE EIGENE 
STIMME BEREITS 
ABGEGEBEN! 


Rabatte: 
ab 5 Ex.: 30% 
ab 50 Ex.: 40V* 
ab 100 Ex.: 50% 


graswurzel 

revolution m " Mri 


freilich kaum begriffen wurde, waren sie 
doch der „Magie“ des Zeitungsmanns 
erlegen, welche der Reflexion und der 
Selbstbesinnung den Garaus machte. 

enn aber das „Alternative“nicht ledie- 
lieh cm Begriff für eine vage Andersartig¬ 
en, sondern tatsächlich eine Negation 
des Bestehenden sein sollte, mußte sich 
nach Auffassung Fruchtcrs eine Vorstel¬ 
lung entwickeln, wie die Medien in einer 
nachrcvolutionärcn Gesellschaft zu wün¬ 
schen wären, worin die „alternative“ 
Produktionsweise von der hctrschcndcn 
sich unterscheide. 

Auch die bundesrepublikanische 

Altcmativbcwcgung zeigte sich nicht 
imstande, befriedigende Antworten zu 
geben. Suchte sie an Hans Magnus Enzens- 

bergers Rcveric von einer Masscnzcitung 

welchen von ihren Usern geschrieben 
und verteilt werde, anzuknüpfen und den 
von der herrschenden Politik „Betroffe¬ 
nen“ das Wort zu erteilen, so scheiterte 
dieser Versuch, eine wirksame Gcgcn- 
offcntlichkcit hcrzustcllcn, an dem Un¬ 
vermögen, verbindliche Strukturen zu 
schaffen, ein Netzwerk von korrespon- 
dicrcndcn coniributors zu errichten 
welche das Überleben der Mcdicnpro- 
jckte sowohl durch finanzielle Zuwen- 
düngen als auch durch kontinuierliche 
Mitarbeit gewährleisteten. Begriffe wie 
..Basis“, „Betroffenheit“, „Autonomie“ 
„Spontaneität“ und „Unmittelbarkeit“ 
wurden zu Fetischen, und die Altcmativ- 
medten beschränkten sich darauf, bloße 
Reflektoren der „Bewegung“ zu sein: 
Raffte sich kein „Betroffener“ dazu auf 
über ein Ereignis zu berichten, so fiel es 
dem Schweigen anheim. Verrufen waren 
Spezialistentum und Professionalität- die 
„alternativen“ Medien sollten im Gegen¬ 
satz zu den bürgerlichen allen offen sein- 
niemandem sollte der Zugang verwehr! 
bleiben, doch wurde demokratische Ega 
lität mit populistischer Dumpfheit ver 
wechselt. „Der Widerspruch zwischen 
Gcstaltungsaufgabe und Zugangsrccht der 
Allgemeinheit war nicht ausgetragen“ 
konzedierte im Nachhinein ein Mitarbei¬ 
ter des Informationsdienstes für die Ver¬ 
breitung unterbliebener Nachrichten. 
„Offenheit wurde schließlich auch zum 
Synonym für die Geringschätzung profes- 
sioncllcrTugendcn vom prüfenden Lesen 
derTcxtcbis zum Verbessern der weniger 
geistreichen Druckfehler. Die Redaktion 
eines offenen Mediums schien ebenso¬ 
wenig einer Qualifikation zu bedürfen, 
wie die Berichtenden selber. Man miß! 
traute der Qualifikation, man sah in ihr 
das trojanische Pferd für Macht - und mit 
Macht wollte man nichts zu tun haben.“ 11 
Anstatt den Regressionstendenzen in 
der kapitalistischen Gesellschaft entge¬ 
genzuwirken, regredierte die Altemativ- 
bewegung selbst auf archaische Zustände 
vorindustricllcn Wesens, kapselte sich in 
nur scheinbar herrschaftsfreien Territo- 

MHSÜ 


rien von der häßlichen, schmutzig 011 
Realität der Außenwelt ab und badete 
verschworene Siammesgerneinschaft° n ’ 
welche mit besonderer Vorliebe dem 
Sammeln und Basteln sich hingaben. So 
bedeutete die Altemativpresse denn auch 
nicht einen Aufbruch zu neuen Gefilden* 

unternahm sie doch niemals den Versuch* 

zum Grund des Unbekannten vorzusto- 
ßcn; stattdessen produzierte der zum Pd n ' 
zip erhobene lumbe Dilettantismus fort' 
während Monotonie und Langcweiile. D lC 
c, gcnc geistige und sprachliche An¬ 
spruchslosigkeit pervertierte die Idee des 
offenen Mediums, welche an die Fähig' 
keit zu negativem Denken und kritischer 
Selbstbesinnung geknüpft ist: nicht sollte 
ein solches Medium sich an den Men¬ 
schen orientieren, wie sie sind, sondern 
wie sie sein könnten; jene, welche von der 
Herrschaft der Sprache enteignet worden 
sind, sollten in einem langwierigen Pro¬ 
zeß erneut zur Artikulation befähigt wer¬ 
den. Die Altemativpresse aber verriet die 
topie eines von Rezipienten und Produ¬ 
zenten kollektiv erarbeiteten und herge- 
stclltcn Kommunikationsmediums, indem 
sic sich als unfähig erwies, einen Rcflc- 
xionsprozcß über eine tatsächlich aller- 
native Produktionsweise zu initiieren, die 
x propriierten ins kalte Wasser stieß und 
nachdem diese den Eignungstest nicht 
Des landen hatten - in selbstgerechter Pose 
Cr — e 1 Erteilte, daß man sich von die¬ 
sem raum ein für allemal verabschieden 
müsse. 

Der Zeitgeist polterte in eine andere 
i. \ C un d nun waren Professiona- 
y U acht und profitträchiiger Qppor- 
unismus nicht mehr verpönt. Den Tüch- 
igen und Integration willigen blieben die 
Kcdakuonsposten in den bürgerlichen 
Medien nicht länger verwehrt, und wenn 
sie auf die alte Idee angesprochen wur¬ 
den, lächelten sie nostalgisch, als erinner¬ 
en sie sich an ein Märchen aus ihrer 
Kinderzeit, um sodann das gestanzte 
Argument der Veteranen des Langen 
Marsches hemnterzurattem, die Über¬ 
nahme der ehemals „alternativen“ The¬ 
men und Schreiber durch die Herrschen¬ 
den, nein, die Bürgerlichen, nein, die 
etablierten Medien sei letztendlich auch 
als Erfolg der Altemativpresse zu werten, 
denn schließlich sei ohne sie diese Ver¬ 
änderung der gesellschaftlichen Wahr- 
nchmung nicht denkbar. Und so bewies 

emeutdas alte Gesetz derKulturindustrie 

seine Gültigkeit, wonach nur überleben 
terf, was sich integriert. „Realitäisgcrechtc 

I^ng^^Warenmarketeet 

der dem Betrieb eine neue Idee zuzu- 
u ren hat , erkannten bereits vor Jahr- 
Qff nl< !r Z ^ ei schärfsinnige Kritiker. „Die 

„ , !. C ? ke,tder 8 e 8 cnw änigcn Gesell¬ 
schaft laßt es zu keiner vernehmbaren 
Anklage kommen, an deren Ton die Hell- 
origen nicht schon die Prominenz witter¬ 
ten, m deren Zeichen der Empörte sich 








mu ihnen aussöhnt.“ 12 
, s 'ch auf dem Markt behaupten zu 

onnen, glaubten die renommicrsüchli- 
Cn Unternehmen der Aliernativprcsse 
ß^ßsprccherisch dem Publikum sich 
II P rc ^scn und zwanghaft von den bürger- 
! C 1Cn bedien sich absetzen zu müssen. 
^dieStellcdcregalitärenUtopie trat die 
ücitkultur“, welche zwar weder etwas 
^ Streit noch mit Kultur zu tun hatte, 
a ^ cr mit einem bodenlosen Zynis- 
: IJ 5, die alternativen Radauniks um 
" m der Öffentlichkeit auffallen 

lCn ’ l °l cr iwtcn sie alles, wenn es nur 
sob U i 8Ballyh00 auszidöscn versprach, und 
ic n “ i? 5 CS dcnn auc B c ^ ncm »intclligen- 
2 C - ^Bisten nicht verwehrt, in einer 
cin USc hrift, welche in den 70er Jahren 
k a ] ma * a * s Organ Frankfurter Linksradi- 
ko Cr gründet worden war, zu Wort zu 
dic^ Cn ‘ .”^ cr -i cdc Utopie verwirft und 
win i dcr Vernunft mit der Über¬ 
soll dUrch dic BHndc Macht vcrwcch- 

v ön s" ^ al ^ C * nc ^ r ^ cr ^ en mc Br> Böcke 
pj c ^ a fcn zu trennen“, kommentierte 

Inh U l C ^ run ^ 10rsl - „Was gesagt wird, der 
ist c 1 ^ ^ CdC Wird Beliebig, im Prinzip 
kur S c ^> Welche Differenz jemand arti- 
Cßal^K^ au P lsachc eine Differenz. Es ist 
^ies' ^ CrCS n * c Bt egalitär “ n Doch mit 
S j c i^ 0r ;'»Kultivierung der Gegensätze“ ließ 
das an 8 cstr ebtc große Geschäft 
S ° da ^ das * n dcr Main-Mctro- 
s Pät A Ciniatctc „fröhlich-chaotische 
über Crnaliv P r °j ckl “ sc 111 ' 1001 * 0 * 1 dazu 
Ncv\f v^’ daS cr ^ ol S re iche Konzept einer 
Una 0rkcr Stadtzeitung zu kopieren, 
PRB‘’ C a ^^ cn Werbestrategcn aus dem 

Ur ° ^° rX ^ ^ urks schwadronierten 

schrY a ^ S Batten sie das Medium Zeit- 
^sS| lnCU crfundcn * „Gestatten: Dies ist 
ic n s - ; Jou mal der 90er Jahre“,plustcr- 
Sci b 1C sich im Frühjahr 1990 in einer 
tnil cdl^ U7C ^ C au ^' »»Intellektuell, aber 
sy Cn , Cm B<iy Out, politisch, aber nicht 

p odiu 0miCrt * Dic Großstadt ist scin 
cj Cr m > und Frankfurt ist eine Stadt, in 

Pfobj 10 ^Bcnsformen der Zukunft aus- 
w ir ' rl Wcr den. Zeitgeist ade - denn cs 
tc n m lt,daß der Geist wieder Zcitschrif- 
z ükun ac Bk; Intelcktucll, politisch und 
G cisi ^ Sor icntiert wollte dieser ominöse 
A mcr ^ doch vergaß das Gespenst aus 
lri C b^ t offensichtlich, die richtige Be- 

J 1 ca ung mitzubringen, denn trotz 
„S^. J arn arbasicrens überlebte dieses 
B Cr b 0Urn al der 90er Jahre“ nicht den 
<\*as darauf hoffen läßt, daß die 
tnit ; atlVcu ^ or mnis äer HOTSchafL nicht 

° Cr Fressefrechheit durchkommen. 

zum letzten Atemzug 


^ r age Wicder taucht die grüblerische 
Schrift ° b dcnn Zeitungen und Zeit- 
Vis Ueli ^S^ichts der Omnipräsenz 

hoff n Crund elektronischer Medien nicht 
aa §slos antiquiert, elitär und letzt- 









endlich wenig wirkungsvoll seien Der 
schon seinerzeit von Enzensberger erho¬ 
bene Vorwurf, die radikale Linke verhar¬ 
re in alten Kommunikationsformen und 
esoterischer Handwerkelei, vermag aber 
nicht von dem Fetisch des Erfolges und 
der gcschäftsmännischcn Logik sich zu 
losen, wonach nur gut sei, was auch reis¬ 
senden Absatz finde. Gelang es der Herr¬ 
schaft mit Hilfe der fortgeschrittenen 
Reproduktionstechniken, den Massen 
Augen und Ohren zu stopfen, so müsse es 
auch möglich sein, die elektronischen 
Medien „umzufunktionieren“ und in den 
Dienst der Emanzipation zu stellen, über¬ 
legt die spcktakularistische Linke, die in 

der spektakulären Warcngescllschaftauch 

einmal ein Bein auf den Boden bekom¬ 
men möchte. In diesem Sinne lobte vor 
einigen Jahren der US-amerikanische 
Historiker JcsseLcmischden Video-Clip 
Sun City in den höchsten Tönen, weil er 
erfolgreich Rockmusik mit politischem 
Engagement gegen den Rassismus in 
Südafrika verknüpft und ein breites Pub¬ 
likum erreicht habe, während die Linke 
mit ihren kleinen, altmodischen, der Ver- 
gangenhei t angehörenden Zci tschri ften in 
exclusiven Reservaten sich tummle.'" 

Da die kulturindustriellcn Strategien 
der Verachtung als erfolgreich sich er¬ 
weisen, legt der linkspopulistische Kriti¬ 
ker der scheinbar weltfremden, zeitabge- 
wandten, rückständigen Linken die Über¬ 
nahme dieser Strategien ans Herz, fordert 

sicauf, die „archaische Ästhetik“ dcr30cr 

Jahre über Bord zu werfen und sich in 
einer Sprache ans breite Publikum zu 
wenden, die der Gegenwart Tribut zolle. 

In solch einem Kopf erschöpft sich Wirk¬ 
samkeit darin, möglichst viele Konsu¬ 
menten zu erreichen; dort reduziert sich 
linke Politik auf eingängige Rcklamcpa- 
rolcn; und kein Gedanke wird darauf 
verwandt, daß Kritik -soll sic tatsächlich 
eine Wirkung zeigen - nicht unterhal tsam 
daherkommen kann, sondern der leichten 
Konsumierbarkeit sich widersetzen muß, 
um überhaupt den Prozeß einer Bewußt¬ 
seinsveränderung in Gang zu setzen zu 
können. Neu kostümiert sucht der Kada¬ 
ver der,,Dem Volke dicncn“-Fraktion im 
Postmodemenzei tal tcr sich einzurichtcn, 
hat sich aus der Volkskommunc in den 

MTV-Kanalgeflüchtet und zcigtsich noch 

immer unfähig zu erkennen, daß die von 
der irrationalen Rationalität produzierte 
Barbarei sich nicht mit der Anwendung 
barbarischer Mittel überwinden läßt. 
„Stand am Anfang der bürgerlichen Ära 
die Erfindung dcrDruckcrpressc“, schrieb 
Adorno 1944, „so wäre bald deren Wider¬ 
ruf durch Mimcographic fällig, das allein 
angemessene, das unauffällige Mittel der 
Verbreitung.“ 15 Die Insistcnz, einzig die 
massenhafte Verbreitung der radikalen 
Ideen könne ihnen Durchschlagskraft 
verleihen, verrät das Ziel der Emanzipa¬ 


tion, erkennt sie doch hin rv 

welchcdie Herrschaft gezogen hantaT’ 

andere Einrichtung der CesenLS 

achteten einzig dann auf die Seite Z, 
Umwälzung „eien werden wenn m, 

VOn v„ CrM s"? Chlnn8 " ichu “aaac 

0m Schreiben ist wie srhrm ■ r 
ton Zeiten „ich„ ic ,z W u '^;» 

ag es noch bewirken, da allenthalhc 

Apologet“ ™ 

Normalität gewordenen Katastrophe in 
dem permanenten Prozeß der Coüaeie 

Sn L RCCyC ! ingS Und dcr Rck °mbi- 

visuellen und auditiven Zeichen fn J! 
ständigen Inszenierung und Zurschaustel- 
ng, m der „Aufhebung“ der Distanziert¬ 
heit, in der Verwirrung und Broch 
bestehende, k»u Brel ,c, CMcf “ 7 

Respektlosigkeit gegenüber Autoriten' 

Grenzen und Ordnungen subversive Alte 

JmS konsumicrcn dcr Menschen zu 
entdecken glauben? Die Welt scheint 
durchschaut zu sein - wozu beS c 
noch ihrer Veränderung? Anything g 0C s 
autet die Parole, doch bleibt sie noch 
nicht industriell verpackte Freiheit wie 
scho" set je b loße Chimäre. * 

Schreiben nicht, die Freiheit zu realisie 
ren so fällt ihm zumindest die Aufgabe 

7 ;’SS rUng d2ran nicht vcrl bschen 
zu lassen. „Es war euch nicht vergönnt 

die Arbeit zu erledigen“, sagte ein Ra™bi 

vor neunzehnhundert Jahren, „und den¬ 
noch dürft ihr sie nicht aufgeben.“’ 6 1) r aut 
continucr. aui 

Anmerkungen 

1 ■ George Orwcll, Collectcd Essays; Lon- 

don: Sccker & Warburg, 1961, S. 157 
2. „The FAI Speaks, To ihc Intemalional 
I-ibcrtanan Movement“, Vauguard, New 
York, Nr.l (Nov.1937), S. 16-17 ’ 


3 - Herbert Marcusc, Der eindimensionale 

Mensch, Darmstadt: Luchterhand, 196?» 

S.23 

b Paul Nizan, Die Verschwörung, 

München: Rogner & Bernhard, 1975, 

S.20 

’• Irving Howe, Steady Work, Essays in 
die Politics of Democratic Radicalism, 
1953/1966, New York: Harcourt, ßracc 
and World, 1966 

Marx/Engels-Werke, Bd. 2 , Berlin/ 
DDR; Dietz 1974, S.126 
Alle Zitate stammen aus: SDS-Auto- 
renkoIlektiv/Springer-Arbcitskreis def 
Kritische Universität, Der Untergang 
der BILD-Zeitung, Berlin/W.: SDS, 

1968, passim. 

V I - Leni 'n, Werke, Bd.5, Bcrlin/DDR: 
Dietz, 1955, S.9-11 
Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und 
Klassenkampf, Frankfurt/M.: Verlag 
Neue Kritik, 1971, S. 156 

Norman Fruchter, „Games in Ihc Arena: 
Movement Propaganda and the Culturc 
of the Spectacle“, Liberation , New York, 
Nr.3, Mai 1973, S.4-I7 
Richard Herding, „Hörmir bloßauf mit 
der Betroffenheit, Rück- und Aussichten 
111 Projekt Alltag“, in: Verzeichnis 

orAlternativpresse, Bcrlin/Wcst: Drei- 
ex tm Basis-Verlag & Frankfurt/M.: ID. 
1986, S.26 

Max Horkheimer & Theodor W. Ador¬ 
no, Dialektik der Aufklärung (Frank¬ 
furt/M.: Fischer 1971. S.l 18 

laukeBrunkhorst, „Die Intellektuellen, 
-wischen ästhetischer Differenz und 
universellem Engagement“, Neue 
undschau, Frankfurt/M., Nr.l (März 
1989), S.9 

JesseLemisch, „I Dreamed I Saw MTV 
" ast ^S^t » The Nation, New York, 

18.Oktober 1986, S.374-376 
T-W. Adorno, Minima Moralia, Refle¬ 
xionen aus dem beschädigten Leben, 
Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1951, S.58 
Zitiert in Todd Gitlin,TheSixtics: Ycars 
°f Hope, Days of Rage, New York: 

Fan tam, 1987,S.438 




...dieselben Hunde 
nur mit anderen ' 
Halsbändern." 

Teil I Von Franco bis Gonzales 
. . . . . . ■ Foller im Baskenland 

» ••»<' bomi.HAsamicn vor. G.urtl« Civil lm ,J r (> | ici * , , 

7 ."“l* "‘ Ht ' KcfohcrUJi« soziaklemoktafische Jlo,.h:m„ r f 

i.» 

Fottoropfer und Angehörige der 600 'politischen Gebogenen berichtun 

Teil II Schmutziger Krieg und Terror 

gegen baskische Jugendliche .vSas 

“ SÄta*?* v °" .. — jsS 

A.n mit.» «int jow . 

TTTrr Cat cJ'öJ“ ^i|S! 

Vwteh nn dZ ,C " M ™ nechtsnnsyott Muntere über die < 

Vt nvichhmg dos Innenministeriums in die GALAt/öre wijo rc 

Musik: Delirium Tremens . 7' 65 m,n 

Köln 1990 




Venriob; Euskodi Inlotmalion. PosUach 73 33 . CII0O23 Zürich 
VtrU-.k. Irt-iltuf-u-r H.ilinmiTtsUU. XunraJslr. 70 ?H0<ll„. 1 i 

c/c, »„lila Clip. I.J„|| C.,e„ | 







J ah e 'ngestellt! »Schon Anfang des 

rcs . vor der zweiten Nummer, wurde 
Uns lnimcr klarer, daß wir so nicht mehr 
w cilcrmachen können. Wir waren zu 
Wc nigc; Kinder und Arbeit ließen und zu 
Wcn ig Zeit« zu gründlichen Diskussionen 
ClC ’ AFAZ als bundesweite Zeitung 

Un unter diesem Namen wird cs nicht 
!* c lr S c ben Offene Rechnungen sollen 
gezahlt werden (Thomas Schupp, Post¬ 
en Fran ^ Urt ’ Ktonr - 56 09 73 ’ 607 ’ BLZ 
Aha ^ danach richtet sich, ob 
gcldcr zurückgezahlt werden können. 
Kontakt: Tel. 069/296335. 


* A |ive gestartet! Aus Holland kommt 
I ln ntor national Anarchist Newsletter 
S q Cn ^^ sc ^cr Sprache, der sich zum Ziel 
ü CUt /Mr Vernetzung und zur gcgcnsci- 

^ Cn Information der anarchistischen 
^ CWc gungcn verschiedenster Länder 
c izutragen. Die erste, sehr informative 
urnmer enthält Vorstellungen der SAC, 
^ Cr ew Yorker Szene, der KAS, einen 
Cncht vom Berliner Treffen zur Com- 

unc| CrVCrnClZUn ^ VOn Anarcho P r °j cktcn 
^P^^sat-ionen, einen über die unga- 

Sc c Bewegung etc. Berichte, Adressen, 
™kcl oder ABOs an/von: 
jq^ c/c J 3. van Lennepkade 122, NL- 
Amsterdam, Tel . in Holland: 
02ö -203570 


^ ^udtteilladen in Frankfurt eröffnet! 

Herbst dieses Jahres besteht in der 
p^inmetropole c ^ n ncucs anarchistisches 
^^jckt. Der Stadtteil laden in Frankfurt- 

und 11110 * 111 S0 ^ ^ cn ^ ctc *^S lcn Gruppen 
Off Bmzcl Pcrsoncn eine effektivere 
U n s Cni ^ c ^ casar bcit ciT nögliehen. In den 
Hel J UT Vcrfü S ua g stehenden Räum¬ 
te 1 c * lcn Planen wir Kulturvcranstal- 
p rr 8cn ’ °ffcne Abende, FAU-Cafd, 
unT v Diskussionen zu aktuellen 

rim hlSlorischc n Themen, Filmvorfüh- 
bcr^ Cn ’ Scminar ^ Workshops, Rcchts- 
(Mietangclegcnhcitcn z.B.). 
die , cinschnu PPem haben wir jeweils 
tet nSla ^ s c * ncn offenen Abend cingerich- 


5 C Unscrc Miete monatlich 1300 .-DM 

(St ^ Unc ^ au ^ cr dcm noch Nebenkosten 
C j Cl | 0rn ^ cn tsiehcn, wirbt der Stadtieilla- 
au f arn spenden (oder monatl ichc Daucr- 
^1 Konto: Verein für Bildung und 
3 o n ar * frankfurter Sparkasse, Ktonr. 

Kon : BLZ5 °05 0 102 

(l m . Stadlteilladen, Sandweg 131 a 
tWerhof), 6000 FrankfurtIM . 


tniru 5 AnArcB i v (ehemals adz) - und 
• 1 *n sein Begründer Florst Stowasscr 

nach^ 8CZ ° 8cn ‘ >>Im Mai 1989 habcn Wir 

in * 8 fahren Wetzlar verlassen, um uns 

Cnlstc ^ cn de Projekt A cinzubrin- 
Stn e * ne m Intermezzo im Projekt- 

itntf 01 * 1 Alsfc ^ (Nordhessen) sind wir 
hc bruar 1990 endgültig im Standort 



Photo: Anarchistische Fotozelle 


eine “professionellcre” Arbeit und eine 
effektivere Hilfe für die Benutzerinnen 
gewährleisten soll. »Hierzu gehören die 
Vereinsgründung, der Aufbau eines Bei¬ 
rates und Förderkreises, die ED Verfas¬ 
sung und Klassifizierung der Dokumente 
ebenso wie die Betreuung der Intcrcsscnt- 
Inncn, Ausbau der Räumlichkeiten und 
Organisation der Finanzierung.« Zur 
Finanzierung ist auch der in dieser Aus¬ 
gabe des SF angczcigte Wandkalender 
»Frauen und Anarchie« gedacht; ein 
Grund diesen Kalender auch noch im 
Januar zu bestellen. 



^ Triebe die sich im Rahmen 

'S.« ** B " rich - 

S.. 

srss w -»» 

StoislniitUefWCitetoo.plcllin 

Fs soll künftig meinem breiter 
f/n Reimen besser als bisher artoc- 
f ” \ Rahmc n soll das »MaxNett- 
)iesen Rah dcsscn Gründung wir 

lishor wu.de die 
hotten die Be- 

S 8 tn 

Als erster “hauptamtlicher 
? cn - c , Fdt z Lyschik nach Neu- 

' bCItC p r c n Er wird sich um den Auf- 

g cz0g ' ^„fnrkehcn und finan- 


Die Zusendung der Zeitschriften und 
Materialien soll weitergeführt werden! 
Kontakte: Verein Wespe, 

Friedrichstr.36,6730Neusatdt/W . 
AnArchiv, IIauptstr.il 8, 6730 
Neustadl/W. 

7k Die CNT-Archive werden zurück¬ 
gegeben ! (Vgl. SF-Artikel aus Nr. 18) Alle 
46 Kisten gehen zurück nach Spanien; sic 
enthalten Dokumente, ca. 5000 Photos 
und einen nie vorgeführten Film; in 21 
Kisten befindet sich das Archiv der FAI. 
Damit ist ein langjähriger und unfrucht¬ 
barer SLreit zwischen der CNT und dem 
IISG Amsterdam beendet worden. 

* 150 Personen trafen sich vom 19.- 
21.5.90 in Kazanlak in Bulgarien zu einem 
ersten anarchistischen Kongreß. Es 
wurden Überlegungen zur Organisierung, 
zur Öffentlichkeitsarbeit und zur 
Einrichtung eines anarchistischen Verlags 
angestcllt. 

* Erich Mühsam Kongreß im April 
1991 

Für den im April 1991 in Berlin-Oranien¬ 
burg geplanten Erich Mühsam Kongreß 
sucht die Erich Mühsam-Gesellschaft 
Berlin noch eine/n Referenten/in, der/dic 
sich mit dem Thema „Erich Mühsam und 
seine Auseinandersetzung mit dem Patriar¬ 
chat“ beschäftigt. Interessierte wenden 
sich an: 

Erich Mühsam-Gesellschaft, Gebrüder 
Hart-Haus, FehrbellinerStr.7, Berlin, O- 
1054. 






Der 1982 gegründete Lesbenring e.V. 
versteht sich als Dachverband, dem so¬ 
wohl Einzelfrauen als auch gruppen bei- 
ueten können. Der Verein will ein Infor¬ 
mations- und Kommunikationsnclz für 
Lesben aufbaucn. Auf der diesjährigen 
Versammlung (13./14.Oktober) in Stutt¬ 
gart wurden Conny Marschall und Jutta 
Ocstcrlc-Sch werin (MdB, Die G RÜNEN) 
als Sprecherinnen gewählt. 

Kontakt: Lesbenring e.V., PF 40, 7242 
Dornhan 

Aus Anlaß der Wiedervereinigung (Frie¬ 
de, Freude...) wurde in Rendsburg/ 
Schleswig-Holstein am 3.10. ein Haus in 
der Kanzlcistr.7 (Sanicrungsgcbict Neu¬ 
werk) besetzt! Eine Räumung kam zu¬ 
nächst nicht in Frage, da der SPD-Bürger- 
mcistcr und alle Verantwortlichen der 
Stadtverwaltung in Rathenow (Ex-DDR) 
weilten, um die Wiedervereinigung zu 
fei... Mensch lese also Zeitung, um sich 
herschaftsfreic Räume in herrschaftsfreien 
Zeiten zu erobern! 

Aus dem Herbarium der CSU (entnom¬ 
men ihrer Zeitung Löwe & Raute. Ein 
bayerisches M ägazin): 

„Basilikum: Getrocknete Blätter zu Pul¬ 
ver zerreiben und schnupfen. Das hilfL 
gegen Kopfschmerzen beim Durchlcsen 
des Grüncn-Wahlprogramms. 

Borretsch: Der einjährige Borretsch wird 
30-60cm hoch. Mit dem gurkenähnl ichcn 
Aroma seiner Blätter läßt sich soziali¬ 


stischer Käse vorzüglich würzen. 
Eeldlhymian : Nach überliefertem baye¬ 
rischen Brauchtum spicltderFeldihymian, 
auch Quendel genannt, eine bedeutende 
Rolle als Schutz vor Teufel, Hexen und 
Autonomen. 

Zwiebel: Gegen Ohrensausen nach De¬ 
batten mit Gregor Gysi über Soziale 
Marktwirtschaft...“ 

Zeitungssterben. Oft wird im SF der 
„Zeitgeist“ kritisiert. Daß „er“ - genau¬ 
sowenig wie die gesponserte Abhängig¬ 
keit - immer „siegt“, beweisen die Ein¬ 
stellungen des gestylten „Pflastcrstrand“ 
Marke Horx und der Ghaddafi-gespon¬ 
serten Wiener „MOZ“. Erste erreichte 
nicht die Auflage, die für die „glänzen¬ 
den“ Macher kostendeckend gewesen 
wäre, letztere mußte die Segel streichen, 
nachdem der Geldhahn abgedreht wurde. 
Ein wenig Schadenfreude sei erlaubt. 

Bedauerlich wäre hingegen, wenn 
der ak (ehemals Arbeiterkampf) des KB 
über die anstehende Spaltung in PDS- 
Mehrheit und linksradikale Minderheit 
als Projekt verschwinden würde oder zu 
einer PDS-Hausposiille herabgewürdigt 
würde. Es gab seit dem Ende des ID (und 
phasenweise der taz) eigentlich keine 
Zeitschrift der Linksradikalen mit einem 
so hohen Informations wen wie dies der 
ak hinbekam. 


Das Modell Weißhausstraße für die 
Hafenstraße?? In Köln wurde die Weiß- 
haussiraße geräumt bevor ein juristischer 
Titel vorlag. Falls die Judikative (Ge¬ 
richt) der Exekutive (Polizei) in die Hän¬ 
de fallen sollte, so wäre dies ohne Folgen, 
da die Exekutive das Objekt vorsichtshal - 
ber gleich platt gemacht hat. 

Ermutigt durch dieses Incinandcrspicl 
der demokratischen Institutionen (Demo¬ 
kratie, das ist Gcwaltcntcilung wird ge¬ 
lehrt und geglaubt) hat nun Hamburgs 
Bürgermeister (SPD) die Räumung der 
Hafenstraße noch vor den Wahlen ange¬ 
kündigt. Danach wurde eine juristische 
Genehmigung für einen Teil der Häuser 
cingeholt. Und geräumt werden dann 
alle?!? Einmal mehr unterhöhlt die SPD 
den „Rechtsstaat“ und zeigt wie cs ge¬ 
macht werden kann. Hinterher - wcnn’s 
die Konservativen dann zur Daucrlösung 
(vgl. Berufsverbote, Rcgelanfragc) erhe¬ 
ben, tut’s ihnen (Brandt) leid. Doch dann 
sind sic nicht mehr in der Verantwortung, 
und mcr.sch muß sie erst wieder wählen, 
damit sie ... Selbst aus Mompers 
Niederlage wollen sie nichts lernen... 

Aber wehe mensch stellt Vergleiche 
an zum SPD-Verhalten gegen „Links“ 
1919 oder beim „Blutmai“ oder ... 

Ganz ohne Vergleich: eines bleibt 
konstant: ist Wahlkampf dann profiliert 
sich die SPD grundsälzlich gegen „Links“, 
buhlt um rechte Stimmen, die wirklich 
besser bei anderen aufgehoben sind. Ist 




sie an der Regierung: macht sic rechte 
Politik, um der Rechten den Wind aus den 
Segeln zu nehmen, solange bis sie die 
eigene Identität soweit verrückt hat, daß 
der schweigenden Mehrheit klar wird, 
daß es mehr Sinn macht, gleich das rechte 
Original zu wählen. Die Mentalität vor 
Wahlen nochmal medienwirksam Ein¬ 
druck zu schinden, muß jedenfalls von 
allen umkämpften Projekten in Zukunft 
verstärkt in Rechnung gestellt werden. 


TTai “ «en renovierten Keicnsiag. 
Rechts das erwartete Ergebnis, die in 
Klüngel gespaltenen REPs ohne Chance, 
andere marginal. D.h. deren Hang zum 
Strassenterror wird bleiben, da sie sonst 
aus dem Gespräch wären. Nachdem 
Kühnen und Co. jetzt Dresden zur „Haupt¬ 
stadt der Bewegung“ machen wollen, wäre 
dort eine verstärkte Antifa-Solidarität zu 
organisieren, auch mit überregionalen 
Kontakten. Rechts-Mitte das erwartete 
Ergebnis: in Zeiten, wo’s aufs Geld an¬ 
kommt und auf sonst gar nichts, eine 
vernünftige Wahl. Mitte das erwartete 
Ergebnis, die SPD wäre zu diesem histo¬ 
rischen Zeitpunkt viel lieber die CDU 
gewesen. Mitte-links-west das verdiente 
rgebnis. Wer jahrelang seine politische 
erkunft demontiert, seine Frechheit 
verliert und dadurch auch die Faszi nations- 
ra t auf die nachfolgende Generation, 
angt in der Luft, ganz realpolitisch. Da 
ruiltauchnichts -außer: Aufhören! Milte- 

rp Wird vermutlic h bald m i t Gruhl 

x ) und anderen eine neue wert- 
onservative Partei ins Leben rufen und 

iiho n° r . 5< ^~^ ürdc scheitern, weil 
t US ^‘. ^t'Links-Ost hat im Wes- 
7 1 r ^ u * rtun 8 ^r (demokratischen) 

lcmfäh ,1SmUS erhaIten » mal sehn, ob sic 
SS, Smd - ErStC B «*hlüs.s Ct z.B. 
S^ C8 r Cnk0nfcrcnzc n auch für 
S öffnen, deuten darauf 

(nämhch J' Cr T ht ,edi 8 lich aus der Not 

TueenM^'r"? Mit8,icdcrzu haben) eine 
8 auf Zeit gemacht wird Links- 

Jahro 7ii -c-rsteres kommt ein paar 

P , C zu u s P al un d «st deshalb auch kein 
Ruhmesblatt. Vor allem, weh keine 
Gegenstrukturen vorhanden sind 
AnarchosOst/West: Das Wiederaufleben 
anarchi stischcn Kuh- 
Wah boykott. Erstmals mobilisierte “in 
Wahlboykott mehr als die eigene Szene 
sogar überregionale Zusammenarbeit 
gab’s, wenn auch in bescheidenem Aus¬ 
maß. Aber wirklichen Wert gewinnt alles 
nur, wenn daraus Potential für lokale 
Gegenstrukturen gewonnen wird. Da das 
zu bezweifeln ist, bleibt immerhin der 
Spaß: in Köln gab’s z.B. Hauswurf-sen- 
dungen, in denen das neue Wahlrecht 
erklärt wurde: Sie haben diesmal 4 Stim¬ 
men! 




■ ■■ 

Neue Bücher, die dem SF 
2u gesandt wurden: 



! ft! - I!I li 11 

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.... . 







^Äi:Sl! 


* Ulrich Linse: Organisierter Anarchis¬ 
mus im Deutschen Kaiserreich. Dieses 
lange als vergriffen gchandclie Buch, das 
bei Dunckcr & Humblot 1969 in Berlin 
erschienen war und vor allem die Ent¬ 
stehung und die Geschichte der Anarchi¬ 
stischen Föderation Dculschands (AFD) 
beschreibt, konnten wir in der Rcstauf- 
lagc aufkaufen. Statt wie bislang 76, 60 
DM bieten wir die Exemplare für 60.-DM 
an. Solange der Vorrat reicht. 

Bezug: SF-Red., FF 1159, 7043 Grafe¬ 
nau-1. 

* Zwischen Rostock und Dresden. 2/3- 
Welt-Gruppen. Ein Handbuch. In Zu¬ 
sammenarbeit mit dem Büro »Informa¬ 
tion Koordination Tagungen« in (Osl- 
)Bcrlin hat das Informationszentrum Dritte 
Welt e.V. aus Freiburg ein Adreßbuch 
über die 3 .Welt-Gruppen der ehemaligen 
DDR herausgegeben. 110 S., 9,80DM. 
Bezug: Inkota Netzwerk, Georgenkirch- 
str.70, 0-1017 Berlin und!oder lz3W, 
Kronenstr.löa, 7800 Freiburg i. Brsg . 

* Ungewöhnliche Wetterlage in der 
Klimazone Dauerhochdruck und Wider¬ 
stand, Doku zum Knast Straubing, Teil 
1 Hintergründe. Zusammcngestellt vom 
Autonomen Knastprojekt Köln, 15.-DM 
für Leute draußen, gratis für die drinnen. 
Bezug: Haberfeld, cfo G1K, Postfach 
250401,5000 Köln-L 


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Lib cru^' d p Rooum: WildCat und Co. 
^Apju 0 rn ics, Als Themenheft der 
Wfi Chicncn » 66 S. 10.-DM. Be- 
^ cj ne j< Eduardsi r>40,4330Mülheim. 
^U: ,j( c 0st ^ ro ^ c » der Verlag teil Le uns 
^ttet.«]^ kostenfreier Nachdruck ge- 

l <i 5ll pen „ heimer : Der Staat. Eine 
a Sev 0n ^ e Studie. Reprint der Auf- 
^, c hen g ^ des 1907 erstmals crschie- 

m d C * CS ‘ ^ as 

^ats, nt * 0 ^schnitte: Entstehung des 
Slaai ’ PcuH Tllt * VCr ^ r °bcrungsstaat, See- 
mit a ! Staa1, Verfassungsstaat und 
k r £ c n H Clncm Nachwort von Hans- 
c 8 cn. 153 S., Hardcover, 28.- 

%n> 7 

/? <4q L C ^ iad Verlag t Jochen Schmück, 

--^jJOOO Berlin-44 . 




IlBillliilS 


. nil BIST MEIN 
* Peter £ MAüS . Vierfarbig 

FREUND UAE uch inderdicMaus 
illustriertes K ^ Frcun(]Ci den PUNK- 

\ 

S5S* ma *i 

Grafenau-Döffingen. 


* Faltblatt „Aufruf zur Verweigerung 
aller Dienste am Krieg“. Die Koordina¬ 
tionsstelle „Kollektiv gegen die Wehr¬ 
pflicht (KGW)“ verbreitet ein Faltblatt, 
das alle Berufs- und Zeitsoldaten auffor¬ 
dert, ihren Dienst aufzugeben; das alle 
Wehrpflichtigen auffordert, den Wehr¬ 
und Zivildienst zu verweigern und das 
alle zivilen Hilfsdienste, die der Kriegs¬ 
vorbereitung dienen bzw. einen Krieg 
führbar machen, zur Verweigerung auf¬ 
fordert. Das Faltblatt kann bestellt wer¬ 
den: 10 Ex. für 350 Ex für 11 .-, 100 Ex 
für 20.-DM. 

Bezug: KGW, cfo Axel Guhse, Trischen- 
ring 22a, 2212 Brunsbüttel, Tel 048521 
4961. 

* Elterninitiative »Die Hobbits«: 
Bittsteller. Doku über eine Initiative zur 
Einrichtung einer Krabbelstube in 6070 
Langen. Auseinandersetzung mit einer 
Stadtverwaltung. 128 S. 10.-DM. 
Kontakt: Landesarbeitsgemeinschaftfreie 
Kinderarbeit e.V., Rohrbachstr23,6000 
Frankfurt-60 


















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* DISS-Texte Nr. 12 : Siegfried Jäger/ 
Margret Jäger: Die Dcmokraticmaschinc 
ächzt und kracht - Zu den Ursachen des 
Rechtsextremismus in der BRD. 70 S., 
7,50DM. »Die Erfolge der Rechtscxtrc- 
men verdanken sich dem Zusammenwir¬ 
ken zweier Ebenen: Veränderungen bzw. 
Verschlechterungen der Lebenspraxis der 
Menschen auf der Folie ohnedies unter¬ 
drückend und entmündigend wirkender 
gesellschaftlicher Verhältnisse insbeson¬ 
dere im unteren Drittel der Gesellschaft. 
Und zweitens: Die relativ geschickte ideo¬ 
logisch-propagandistische Ansprache 
eines modernisierten Rcchtscxtrcmis- 
mus.« 

Kontakt: Duisburger Ins tilut fürSprach- 
und Sozialforschung, Realschulstraße 5], 
4100 Duisburg 

* Die Brücke. Zeitschrift für Gleichbe¬ 
rechtigung und Völkerverständigung. 
Nr.57 enthältu.a. einen kritischen Beitrag 
von Christophcr Pollmann zum Thema 
»Herrschaft durch Schrift« im Verhält¬ 
nis der Industrienationen zu anderen 
Völkern. Unter dem Stichwort »Multi¬ 
kulturelle Gesellschaft« kommen 
verschiedene Autoren zu Wort: Axel 
Schulte nennt »Anforderungen an eine 


C ^- uscnai t«; Helcnn 

Sana beschäftigt sich mit »Die F C s “° 

aes«, Lut/. Hoffmann erläutert »Rccht- 
>che Voraussetzungen der multicS 
sehen Gesellschaften« und ein Im«w 

™.M r e IZapata 0 „„ c t n ^ c r 

sklavtc^In C d UtCt ’ dCr Nachfahrc v on ver- 
lavten Indianern zu sein. Kritisch mii 

gebrachten Einwanderungsgesetz sei/, 

£ T?7 aS Schcffcr auseinander. 

Die Brücke erscheint sechs mal im Jahr 
und kostet im Jahresabo 30 -DM R, 

* Bremer Kassiber. Zeitschrift für Poli 
tik, Alltag, Revolution hat ein Diskus 
sionspapicr als Broschüre verlegt- Srli 
zu Ems - Klassenwiderspru h V 
"■» u “ d Sex«., ”s 

Entstanden ist der Text aus n’ : 3 '" DM ‘ 
jährigen Diskussion zwischen^ 8 ' 
Viehmann (ehemals Bewegung 2 J U „T 
derzeit noch immerund schonte“'’ 
lange im Knast Werl) und 1 inken vL 
»nd Männci- Uber die Ä"*““ 
gangspunkl „war die Kritik obres Uber, 
kommenen Klassenbegriffs der m» * 

chalisch vorgeprägt und dominierUsS 

de XMe™™ ^ Dic Bedeutung 
der tnple oppremon (dreifache Unter 

druckung) Klassenwiderspruch, Rassis- 

men und Sexismus und der Zusammen 

hang zwischen allen wird von der BrS 
Linken eher nebenbei abgehandcli Die 
autonome Linke und ihre Theorie Lu in 

ZUS ‘ and dSr Belieb igkeit und 
des Utopiemangels, ihre Praxis oft so voll 
von stillen oderhandßeslen Sexismen von 
Rassismen und weißen Flecken, daß die 
Diskussion der triple oppression nur gut 
sein kann- Der Mangel an Utopien ist der 
Mangel an Vorstellungen von etwas für 
das es sich zu kämpfen lohnt ... Utopien 
auf die Möglichkeiten des unmittelbaren 
Umfeldes zurückzuschrauben, läßt Fra¬ 
gen der Macht und der aufzubauenden 
Gegenmacht zu reinen Tagesaufgaben 
werden. Langfristige Mobilisierung ist 
aber nur möglich mit Zielen von Befreiung 
vor Augen, die über die aktuelle (eigene) 
Lebenssituation hinausreichen. “ 
Bcstclladrcssc: Verein zur Verbreitung 
unterdrückter Nachrichten, St. Pauli 
Str.10, 2800 Bremern, 10 Ex., 25.-DM + 
Porto. 

* Gerhard Senft: Weder Kapitalismus 
noch Kommunismus. Silvio Gesell und 
das libertäre Modell der Frei Wirtschaft. 
Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte, 
Libertad Verlag Berlin, 268S, Hardcover, 


Übersicht über die libertäre Lesart cs 
Frei Wirtschaftsmodells Silvio GcscllS- s 
vcmachläßigt bewußt - und das ist im 
Rahmen einer Dissertation, dic das Thema 
einschränkt, auch legitim -den völkischen 
AspekL. Was unter diesem Gesichtspun t 
allerdings dic rechtslastige FSU unter den 
abgedruckten Dokumenten verloren hat, 
bleibt eine offene Frage. 

Als Dissertation hieß es noch „Syste 
malische Grundlegung der theoretische fl 
und historischen Aspekte der libertär 
sozialistischen Variante des Freiwirt' 
schaftsmodells ".Natürlich ist dieser Titel 
holprig und typisch universitär, aber er 
trifft dic Absicht der Arbeit, was mensch 
vom Titel des Libertad-Verlags nicht mehr 
behaupten kann: Aus der libertär- 
sozialistischen Variante des FreiwirF 
schaftsmodells , die ja bereits impliziert» 
daß cs auch noch andere und fragwürdige 
Varianten desselben Model Is gegeben hat 
and gibt, hat der Verlag flugs das „libertäre 
Modell der Frciwirtschaft“gemacht, was 
ja nichts anderes heißt, als daß die 

Freiwirtschaft libertär sei. 

Inhaltlich muß dem Autor vorgchal- 
ten werden, daß er sich — wenn er auf die 
Anarchisten zu sprechen kommt - nicht 
er neusten Veröffentlichungen bedient 
und deshalb (ausgerechnet) hier falsche 
Angaben liefert. Unverständlich, daß ein 
anarchistischer Verlag hier nicht cingc- 
gnnen hat, zumal der Verleger Jochen 
c muck seit Jahren an der Erforschung 

anarchistischer Presse arbeitet: „Die in 

er reien Arbeiter Union organisierten 

J^r Ch °in?^ ikaliSten hatten in dcn 
u1f?Jol 2biS 1914 160.000 
sTJfr . Mit ^der. Ihr Organ ,, Der 
eine A °n St erreickte ln dieser Periode 

die V o n rUnd 92 000 S “ ick - Für 

Konki X € Sozia }d e mokratie war eine 

ordnun r fZ?£ Sa ! i0n GrÖßCn ' 

sich - in J AU Vereinigung“ befand 

demokrab^ Abgrcnzun S von der Sozial- 

si scSnö aUf dCm Wcg zu syndikaH- 
s uschcn Positionen, konnte aber nach dem 

9 SM??ri ilSbCSChlUßSCiU;nsSPDnur 
v K tgl[, cdcr organisieren (1908) Ihr 

Verbandsorgan hieß „Die Einigkeit“ 
später kam „Der Pionier“ hinzu Senf! 
erweckt also einen völlig falschen Ein¬ 
druck, erst recht wenn mcnsch bedenkt, 
daß dies dic Wirksamkeit Gescllschcr 
Ideen belegen soll. Denn wcdcrdic Freie 
Vereinigung, noch dic FAUD nach 1919 
haben sein Wirtschaftskonzept zu ihrem 
eigenen gemacht. Etwas wirr also, diese 
Passage. 


■ 























Waller G. Krivitsky ( aus: Com diesen) 


Zwei Ja} 

dc r g . lrc nac b dem ersten Erscheinen 
chc n rm ^ Crun ß cn fand ein Zimmermäd- 
Fc^rJ 11 ^^bington am Morgen des 10. 
ZiTftJ** 1941 Krivitsky tot in einem 
^ clcvuc - Einer der 
ansch G - 20118011 S c S cn Stalin hatte sich 
lag c j mcnci ^Ibst gerichtet. Zumindest 
P°ji? c ^l sl olc neben dem Toten. Die 
der F l -^ n ^^ cc Ktcdrei Abschiedsbricfcund 

den Aktc SC * liCn crlccli £ l * wanc l crlc m 

n ^isU Ir p StC ^ tC amerikanische Jour- 
di c> J* lora Lewis Tatsachen entgegen, 
die s»! nC spektakulär zu erscheinen, auf 
f Üh ric PUr Von NKWD-Agcntcn Stalins 
Tag ^ c S c n die Krivitsky am nächsten 
U$ a . l0ui v or einem Scnatskomitec der 

Di a c Ussa 8en sollte. 

Militär' Brinncrur| gcn des ehemaligen 
fiir Eur ^ n Gcheimdicnstchcfs Stalins 
scheine^ Crrc ^ tcn bei Ihrem ersten Er- 
(1940 * n *^ 9 inN ew York und London 
groß c a Amsterdam, Paris und Mailand) 

Cinc auih UfmCrksamkciL Das Buch war 

Siaij ns ^ 1HischcAus einandersctzungmit 

errorregimc, welche nichts an 


; tUa litat, 


au ch nicht heute, 50 Jahre 


Kriv mgCbüßlhat 

[ Crbs ^ ,tsk y brach mit Stalin erst im 
tng Cn dcm Höhepunkt der Säubc- 
mbi c J Cmer wankelmütigen Politik und 

Cr q c Crun g an Hitler, den Hinrichtungen 
c itcr/ nCralc Unc ^ verdienstvollen Mitar- 
Ücl u? 1,lncn der russischen Revolution. 
U ctz t wandte er sich endgültig ab, 


als hunderttausende bolschewistische 
Frauen und Männer als Zwangsarbc.tcr- 

Inncn in den Konzentrationslagern und 
den Gefängnissen der politische.-, i <a- ~ 

die in Moskau begann, seine Freuti c 
hinwegfegte und in einem Au» die 
Hoffnung auf einen Sieg d P 
gegen den Faschismus und erst rec * 1 . 
Revolution in Spanien zunichte machte. 

Sein günstiger Platz im Geheimdienst 
Helene ihm ständig das Material, daszu 

dem unverhüllt »verräterischen Pakt« 

SmlinsmitHiilerführte.KrivitskysR^ 

fertisung, daß eine korrupte alte Gesell 
3 nur unter physischen und more- 

ncue»^^ 

Ennncrung« 

Ausrottung A yb | icb im Gchcim- 

St " inSA SÄsehcnHoffnung, 

dienst tnder selbsuni» Bollwerk 

sei. Seine polnische 
und den Fasen . cr cbcr über 

Rechtfertigung ■ . .^ijtjonzusam- 

d i cl9 34inWicnvondcrR^t.o ^ 

m- gCS ÄS" 8 

den Sozialismus ats uu 


Leichen, das sich in der Geschichte auf 
Stalins und seiner Schergen Konto ver¬ 
bucht findet, wird weiterhin ein Tabu 
bleiben.« 

Ausführlich trägt Haasis im Nachwort 
die Fakten der letzten Tage Krivitskys, 
seiner potentiellen Mörder und Helfer, 
seiner Verfolgung und den Terror durch 
die Geheimpolizei zusammen. 

Haasis versucht den gemordeten Kri¬ 
vitsky nicht rein zu waschen. Im Gegen¬ 
teil. Unablässig konfrontiert er ihn und 
damit die Leserinnen mit brennenden 
Fragen. Offen und zwischen den Zeilen. 
Unerbittlich gibt er die Fragen weiter an 
Lebende, die heute noch blind einen ver¬ 
drängten Stalinismus vor sich her tragen. 

»Der Stalinismus nur ein weißer Fleck? 
Das Bild verharmlost die Dimension, 
keineswegs ungewollt . Denn der Slainis- 
mus ruiniert die Linke volle 65 Jahre 
lang. Erließso viele Leichen und Krüppel 
hinter sich, wie man es nur vom Faschis¬ 
mus kannte.« 

Quergedacht setzt Haasis voll gegen 
die widerwärtige Harmonie, die in einem 
vereinigten Deutschland weder den gera¬ 
de gestürzten SED-Sozial ismus noch den 
Faschismus jemals politisch aufarbeiten 
wird. Dabei gab es immer kräftige Stim¬ 
men und Widerstand gegen beide Re¬ 
gime. 

Der schleichenden Auslöschung kriti¬ 
scher Haltung, dem ständigen Rechtfcrti- 
gungszwang und einem vor sich im trü¬ 



sich spannend, 

DlC ^lffl^t wie ein fiktiver, politischer 

manchmalfas dcr Gcschichtcdcr 

Namen,d Vinrnn«; hC- 

aSmm^ icdc t schcnlnSlallnSM ° rd 

°- H “ is 

siroika und ■„. eine nennens- 

dürfie das eir * s,c fMet nic ht statt, 

werte En ^ a ff gyjie die neue Linke 

Damit konnendiea ^ ^ immer 

des Westens aufa «w und 

unüberschaubare jgf 


ben Licht hindämmemden, schlechten 
Gewissen setzt dieses Buch den Versuch, 
schonungslos Offenheit ans Tageslicht zu 
zerren. 

Herby Sachs 

Hcllmut G. Haasis (Hg.): Walter 
G. Krivitsky - Ich war Stalins 
Agent, mit einem Anhang von 
Zcitdokumenten über Krivitsky 
und einem Personenregister, 372 
S„ 34.-DM. Bezug: Trotzdem- 
Verlag,PF 1159,7043 Grafenau- 
Döffingen 







Eine Aktion, 
die Chile in Atem hielt 
Ein Tatsachenbericht 


fom y,° r f f te: Nach ^ Putsch 
nTscho. Mn? 1973 ging die chilc- 

2 : ZUnächst auf Tauchstation. 

Niemand hatte mit einer derart brutalen 

prcssion und den tausenden Toten 
gerechnet. lcn 

* bl97g rÜhrlc sich dcr Widerstand 

Bc d^r' ro? Wicdcraufdcr St ra ßcstatt! 
ci der Rekonstruktion der Gcwcrk- 

schaften spielten die von der chi Ionischen 
KP umworbenen Christdemokraten die 
entscheidende Rolle. Statt auf den be¬ 
waffneten Kampf hatte die KP auf eine 
»antifaschistische Front« gesetzt - ge¬ 
meinsam mit der christdemokratischen 

hafSn VnT,^ WCdCf mil dcn m asscn- 

haften Verletzungen der Menschenrechte 
noch mit der ncoliberalcn Wirtschafts- 

Klcl C ,' n H CrSLan . dCn,diCihrClradition ^'c 

Klientel, die einheimische Bourgeoisie 
bedrohte. Von den 1973 florierenden 

ie 8tr i t n,ChmCn mddCtCn bis End ^ 

der 80 er Jahre vierzig Prozent Konkurs 

an. 

Mit dieser »antifaschistischen Ein- 

Srn. r K haUC diC KP jcdoch keinen 
Erfolg. Ihr begann die Basis wcgzulau- 

Icn, denn der einzig sichtbare Widerstand 

kam vom MIR, der »Bewegung der 

Revolutionären Linken«. 1980 verkündete 

d v m P ’ d3ß >>a " C Ka mpfformcn« in der 
»Volksrcbellion« zulässig seien. Nach 
langen Diskussionen und Streitigkeiten 
innerhalb der KP, entstand 1983 die 

Patriotico Manucl Rodrigucz« 
(FPMR), die den bewaffneten Kampf 
aufnahm. p 

Die ersten Aktionen der Frcntc waren 

Sabotageakten gcgcnSlromvcrsorgung 

und Transportwege. In den Poblacioncs 
den Armen und Elendsvierteln Chiles wo 
Hunger und Unterdrückung - aber auch 
der Widerstand - am stärksten sind, ent¬ 
standen die rodrigistischcn Milizen die 
die Selbstverteidigung der Viertel orga¬ 
nisierten, kleinere Sabotageakten 
durchführten und Lebensmittel requi¬ 
rierten, um sic an die Bevölkerung zu 
verteilen. Dadurch gewann die Fronte 
geradem den ärmsten Vierteln Sympathie 
und Unterstützung der Bevölkerung. 

1983 löst der Kampfgeist der Bewoh¬ 
ner der Poblacioncs während der Protest- 
tagc bei den Parteien und Gruppen Erstau¬ 
nen aus. Soziale Bewegungen - und nicht 
die Politiker — haben die Führung über¬ 
nommen. Die Friedhofsruhe ist vorbei. 

(m Februar 1984 schließt sich die Linke 
einschließlich der KP und des MIR zur 
MDP zusammen, der »Demokratischen 
Volksbewegung«. Repression und der 
Ausbl ick auf Demokratisierung lassen das 



Bündnis 1986 wieder zerbrechen: die 

der Mm* S ° 7 - laldcmokrad siercn sich und 
der MIR spaltet sich. Die KP versucht den 

Kampf einzustellen, worauf 

Sehen abSPaUCt ’ Und ihrc militä¬ 

rischen Aküoncn weiter rortsetzt 

h.ir I d T ZUm ei 8 ent l'chen Buchin- 

SÄ---: 

dS ,? ntC u U , WCnig Informa tion, aber cs 
Lt sich der Eindruck auf h 

soziale und politische Widerstand gegen 

cm System, das sich gezwungenermaßen 
.mmtemationalenwi^h^marrgm 

integriert hat, auch hier zu mrinnof 
Forderungen geführt hat. Ein Beispid 
mehr für die fragwürdige Vcrquickn™ 
von sozialem und naüonalem Widerstand 
Wir erfahren weiter, wie cs in einem 
sogenannten »Volksgcfängnis« zugeht 
wie sich das Verhältnis des Entführten zu 
seinen Kidnappern gestaltet und denken 
unwillkürlich ein wenig an Peter Lorenz 
Warum hat eigentlich niemand diese 
Geschichte zum Buch gemacht? 

Wir lesen sattsam Bekanntes über 
Staatsräson, nämlich, daß sich der chile¬ 
nische Staat genauso aufrecht weigert 
»mitTerroristen«zu verhandeln, wicdics 
W bundesdeutsch mC ' St £CUm hal > a UCh 
wenn damit den Interessen des Opfers 

csc^Br BiSZUdicscmPu nktwäre 
öffcmlh' UntCf Wclcn - dcr ™ar ver¬ 
te , f !, Ülchcnswcrt weil solche Bcrich- 

SmiW nUrSChWCrZUgängIic hundmcisi 
kriminalisiert sind, der aber auch ab- 



schreckt, weil um die Frcntc doch der 
übliche kommunistische Hcldcn-Mythos 
aufgebaul wird. Das war vermutlich der 
Kompromiß, den die drei Journalistinnen 
für ihre Exclusivinterviews eingegangen 
sind. 

Was das Buch trotzdem lesenswert 

rnacht, sind die Unterschiede zu hiesigen 
Verhältnissen: denn bis auf den Staat und 

d | c Poli7ci agieren alle Beteiligten anders 
als wires aufgrund unserer Informationen 
hlcr cr wartcn würden: die Kirche orga- 
nisicrt die geforderte Verteilung der Le~ 
bcnsmittel in den Poblacioncs, die von 
en irchen beeinflußte Presse veröffenb 
!. C ^ Kommuniques, Teile des Mih- 
tars sammeln Geld für die Lebensmittel, 
c amilie des Betroffenen organisiert 

EntffihI!> ml !J" g Und n ' c bt zuletzt auch die 
aber • u dlC den Ent führtcn frcilasscn, 
passic'rP n " ChUe ’ *m nichis 

und so k ^ brauc,1 tcn sie Journal isten 
und so kam cs zu diesem Insider-Bericht- 

Fleuron 

Roberto Bardini/Miqucl Bo- 
nasso/Laura Restrepo- 
Operaciön Principe, 

dierhU h ‘ e Ciner Entf ührung, 
^ hlle *n Atem hielt 

übersetzt aus dem Mwikani- 

schen, Grafenau 1990,20 -DM 

ISBN: 3-922209-11-4. 

7n4^ em * Verla 8. PF 1159, 

7 Ö43 Grafenau -1 






Wider den 
libertären 
Nationalgedanken 


- : 


vo/i J. Achos und Co! 
Stirner Bund Berlin 


Qn au ^‘ c Bi-öSGhürc „Denkich 
Uircn PosV Qn ^ * Beiträge zu einer libcr- 
J - D Cgc lü °" sb cstimmung. Texte von H.- 
fcl Und v ■ Schmück > R * Raasch, F. Sci- 

u *■ Bougarcl. 

^ c scr Aniv 

Erschein C cntstan d spontan kurz nach 
^cl SU ri Cn dcr ^Broschüre und ist ein Sam- 
Mire r a i s m , VOn Gedanken zum Thema. Es 
hali Cn a] ° ’ Wcnn die Kritik an den In- 
^ürd c $ S pcrsön üchcr Angriff gewertet 
hcii Cn 7 u C ^ n ^aJbwahrheitcn, Halbhcrzig- 
^* c hncn d ClnC VCrRibIlc Thematik kenn- 

im Guhl w npublizi stischcnSchnc11schuß 
ni ~Vcr]ag. 

Wo * 

c * n Cr ij^ St . Cns skl d cs nur eiträge zu 
^ Cnn Wen^ 00 ^skionsbeslimmung* 4 , 
Worden ” dcr Anspruch höher gehängt 
V °rPcinj- a / C ’ könnten sich die Autoren 
w tigc n ^ c 't nicht mehr auf die Straße 

(| ctin aur \ ZV/ - nicf H mehr in die Szene, 

kcincr mes rSlraßcIcünimcrtsichjalä,lgst 
S '° n cn!) ' rum unsere isolierten Diskus- 

Sic 

W ab <* sich ein undankbares Thc- 
^ Gs ha]p ) nornrnc n. Undankbar vor allem 
ISt ‘ CS kc * n Thema für Libertäre 

c bv a der daß sich kein Mitglied 

^ ar hbcr m r * c d cns bcwegung Gedanken 
^ 0r hrak aCht ’ W0 am wirkungsvollsten 

Sq . ctCn aufgcstcIlt werden könnten. 
S Sm Un nn e * ne kbertäre Positionsbe- 
® auc h nicht darauf hinauslau- 


fen sich mit dem Problem der deutschen 
Nation positiv zu beschäftigen. Die Na¬ 
tion als Volksstamm mit gemeinsamer 

äk»-»"-:, 1 "“ 

apolitischen Zeitalter überholt. 

Bevor wir auf die einzelnen Artikel 
cingehen wollen, erstmal zu den grund¬ 
sätzlichen Wirrnissen dieser Broschu . 
Die Linke“. Immer wieder wird von 

Der Linken 

Y Monate geben. Natürlich werden 
letz en Monawgc» istcn U nd nahestehen- 

»“ff »d, sic geh»» in 
ein nnkcsSP c,1 l™ m > s0 manche Trüne in 
Z! Kissen geheult haben, wenn sie an 

Deutschland dachten in der Nacht. Aber 

7 , „ Sch windel Meten und nach 

anzugehen. Soweit mal zu „den Linken . 

Wenn sie nun eine libertäre Position 

bestimmen wollen, sollten sie auch von 
uücr«cn reden „nd niete über Mcver 

vornherein „nrzn sehwanrmigen Rnnd- 

Umschlägen. 


Eine andere Wirrnis wäre der Begriff 
„Nation“. Ursprünglich wurde der Be¬ 
griff von den Römern für die verschiede¬ 
nen germanischen Stämme benutzt. Auf 
dem mitteleuropäischen Gebiet gab cs 
viele Nationen; Nationen, die sich gegen¬ 
seitig nicht „riechen“ konnten und durch 
das künstliche Hochdeutsch zu einem Volk 
in ein deutsches Reich gepreßt wurden. 
Wenn daher die Franken endlich das 
bayerische Joch abschüttcln und in eine 
Föderation von gleichberechtigten euro¬ 
päischen Nationen ein treten, wäre das 
gebongt. 

Es ist nur zu befürchten, daß cs das 
nicht ist, was diese Libertären meinen. 
Vielmehr wird ein klcingcistigcr Oppor¬ 
tunem us gepflegt. Nach der Devise, wenn 
genügend Leute schwarz-rot-goldene 
Fahnen schwenken, dann muß ja was 
Gutes dran sein, und wenn die Libertären 
schon keine Massenbewegung sind,dann 
müssen sic sich halt mit den Massen 
bewegen, oder wie? 

Bereits im Vorwort kommt der Vor¬ 
wurf der Herausgeber, die Linken hätten 
nichts unternommen um die „ gesell¬ 
schaftlich fortschrittlichen basisdemo¬ 
kratischen Ansätze in der DDR t{ (S.5) 
praktisch zu unterstützen. Das stimmt in 
dieser Vereinfachung nicht. Es gab die 
Schwierigkeit, welche Gruppe mensch 
unterstützen sollte, denn selbst die 
„DDRler“ blickten doch nicht mehr 







durch, was sich daaufcinmal an Gruppen 

Neuern C " * l f U ‘ S ° Warz ' B - auch das 
„Neue Forum keine homogene Gruppe 

ic GRÜNEN (West) haben über 10 Jahre 

kruk U h’^ m SiCh V °" Cincr ^'sdemo- 
.en M K u PPiCrUngzu cincr etablier¬ 
en i Mchr hcU-sbcschaffcrpanci zu ent¬ 
wickeln“. Das „Neue Forum“ brauchte 
nur wcmge W 0chcn , um sich von einer 
basisdcmokratischcn Gruppe mit ent¬ 
sprechendem Sclbstbcwußtscin, zu cincr 
opportunistischen Klcinpartei zu ent- 

Und selbst fürdic„Wirsind ein Volk“- 

Demonstranten war das „nationale“ doch 

v. UrdCr i V ° rWand ’ um aus dcm Status Quo 
P ^"deommen, sich den Traum vom 
..Golf zu erfüllen, ohne erst in einem 

wcstdeuischenAufnahmelagerzulanden. 

verhaßte, ” Sozialismus “ im Rücken 
,!'bcr die Bezeichnung der DDR als soz.ia- 
istisch konnten wir ja auch streiten!), 
kein Sclbstbcwußtscin in die eigene Kraft 
kcincZukunftspcrspckiivc, blicbcbcn nur 
dcrB, / ck - fdic BRD > was ja seit Jahren 
via (Wcrbc-)Fcmschcn bereits Praxis war. 

Und der Westen? Wo waren denn die 

Demonstrationen für „wir sind ein Volk“? 

Außer Lippenbekenntnissen, nichts. Das 
Kapital sicht doch nur die 16 Millionen 
neue Konsumenten. Die „alten Besitzer“ 
sehen ihre Chance, endlich wieder ihre 
alten Herrenhäuser zu beziehen; neue 
Besitzer die Möglichkeit, Betriebe für 
einen ,Appel und ein Ei‘ zu übernehmen. 
Dazu ist ein bißchen „Nation“ (um nicht 
gleich Nationalismus zu sagen) schon 
angebracht. 

Im Klartext: die Frage der Nation ist 
dochnurdcr Hebel für alles mögliche: für 
die DDR-Mcnschcn, die Möglichkeit die 
bundesdeutschen Asylgcsclzc zu unter¬ 
laufen, mit denen der Wohlstand sich 
cingcigclt hat und auf einen Logenplatz 
zu kommen, um an der Ausplünderung 
der Welt leilzuhabcn. Für das Kapital ist 
cs ein Anfang, den Osten Europas durch- 
zukapitalisicrcn und ein paar historische 
Korrekturen vorzunchmcn. Für die Par¬ 
teien war cs die Chance, die nächsten 
Wahlen klarzu machen, fürdic Politiker, 
in die Geschichte cinzugchcn. Für die 
Journalistinnen, die geschenkte Idee, die 
Auflagen zu steigern - mit Dauerbren¬ 
nern wie Stasi, Exbonzen, Seilschaften, 

Millioncnschicbcrcicn, Schicksale... Für 
die BRD-Bevölkerung isl’s eine senti¬ 
mentale Angelegenheit wieder Tierschutz 
(solangccsnichtzuvicl kostet). Weraußer 
ein paar Faschisten meint cs also wirklich 
ernst milder Nation? 

Was wollen denn ausgcrcchnctLibcr- 
täre mit der nationalen Frage?? 


Doch zurück zum Vorwort. „ Was die 
Linke in beiden Teilen Deutschlands seit 
Beginn der Aussiedlerwelle in der DDR 
im Spätsommer 1989an Gehässigkeit und 
Arroganz gegenüber dem eigenen Volk 
an den Tag gelegt hat, ist wohl beispiellos 
in der europäischen Geschichte. "(S.6) 
Die Linken Hind ihr eigenes Volk. 
Weich ein Nonsens. Denn prinzipiell kann 
gesagt werden, daß die DDR genauso 
wenig zur BRD gehörte, wie Österreich, 
Siebenbürgen, Ostpreussen, Schlesien 
usw. Oder sind wir jetzt schon wieder 
arrogant? Vielleicht gcgcnübcrdcnÖslcr- 
rcichcrlnncn, weil wir sic nicht „heim- 

Dritten 'i? 0dC |? ? Dicsc Teilungen aus dem 
... p " Rcich warcn u nd sind ja gerade 
wC Folge von Nationalismus und Größen- 


tären befinden sich in einem Ghetto - 
alles andere ist Illusion. 

„... be harrte auf dem Status Quo der 
^ wc Staatlichkeit, überden die Geschichte 
bereits ihr vernichtendes Urteil gefällt 
hatte." 

Die neusten Urteile über die „deut¬ 
sche Frage“ wurden eben nicht von der 
..Geschichte“ gefallt, sondern von wirt¬ 
schaftlichen und politischen Interessen, 
die ganz deutlich an Expansionsgeliisten 
orientiert waren. Ganzähnlich gilt dies im 
Übrigen für die europäische Frage. Die 
anarchistische Position zu den Entwick¬ 
lungen der letzten Zeit dürfte klar sein: 
Ein vereinigtes Deutschland mit dem 
dazugehörigen Nationalismus wird alle 
Linken in die Existcnzkrisc treiben und 
dem Chauvinismus den Weg ebnen. Das 



„ Stimmen, die dem Streben der DD R- 
Bcvölkerung nach nationaler Einheit eine 
historisch begründete politische und so¬ 
ziale Legitimität zusprachen, waren in 
der deutschen Linken die Ausnahme 
Einige dieser Stimmen gelangten gar nicht 
erst an die Öffentlichkeit. Einfach aus 
dem Grund, weil sich linke Medien wei¬ 
gerten, diesen Stimmen ein Forum zu 
verleihen. So auch im Fall... Schmück! 
Raasch.. .der Schwarze Faden ..."(S.6) 

Fällt den Autoren nicht auf, daß cs für 
uns gar nichts zu diskutieren gab? Wenn 
behauptet wird, daß verschiedene „Alter¬ 
nativen der deutschen Frage nur an der 
politischen Phantasie bzw. deren nicht 
Vorhandensein gescheitert seien, so über¬ 
schätzen diese Autoren den libertären 
EinRuß und auch den aller Linken in 
erschreckendem Maße. Es gibt und gab 
niceincn politischen EinHuß von Linken, 
hüben und drüben, auf d icGrcnzzichungcn 
dci DDR oder der BRD. Dies anzunch- 
mon zeugt von politischer Schwärmerei 
der gefährlichsten Art. Gerade die Liber- 


' c ‘ nc a Hgcmcine Rcchts- 

• a -T Ung ’ ' n C ' ncm Ausmaß, wie 
crlohii lü K Cn ,CLztcn 4 5 Jahren nicht mehr 
libcriäre p Cn " ° IC ClgcrUlich notwendige 
» h T SbCSlinlmun g muß sich 

dcmnachd'cFragcstcHen^ichabensich 

veränH !/ 8UngCn fÜr libcr dirc Politik 

Ws ? VC H ChICthtCrl? WaS iSt lun ? 
Was st au s dcm zcrbrökc|ndcn rea , cn 

SuuLoziah.smus'-zu lernen? Wie istdics 
nutzbar zu machen Tür unsere Sozialis¬ 
mus Vorstellung? al,s 


I 

Durchaus richtig beginnt Hans-Jürgen 
Degen seinen Artikel mit „ bei der 
gesamtdeutschen Linken gehl die Angst 
um " und „Panik ist bei den Linken Pro¬ 
gramm". (S.9) Es gibt z um Glück noch 
Menschen, die bei Massenaufmärschen 
von Schwarz-rot-gold und „Deutschland 
einig Vaterland“- blökenden Massen 
ngst bekommen. Derartige Aufmärsche 
wurden schon mal verharmlost. 


UUV.VVUT>\-\ 






staii dT ^^penst« von gestern in Ge - 
Oriite^n rea ^ en Nazismus in Form des 
fiktive* \r C ^ eS Wlr ^ tra nsportiert in ein 
>y Gcsnc l€rtes “ (S.9) Hier von 
^rhk nStCrn<< /M r(xicn > bedeutet eine 
^cherh 11 ' 111 ^ Millionen Toten. Mit 
seiner C * n ” v ‘ crtcs Reich“ in 

Martiniv 1 fCn Erscheinungsform und 
ändern U dCm ^ raicn Nicht ähnlich, 
den (in r Cnt,ich su ^ l ' Icr * Heule wer- 
sicrtcni ; . Cn ^° ncn ^ cr hochindustriali- 
gc mehr an £ Cr ^ Beispiels weise keine Kric- 
pr °üuzien Uhrl,SOndcrn Abhängigkeiten 

die Hin ^. 0p ^ sc büUcln will nicht enden: 
k^tcnM 1dLZUn S ( i cr Ereignisse in den 
„£>/ c ,C a / Cn dCr vcr bccrcnd. 

Reai SOz - '^°lksrnassen verpaßten dem 
tritt* sip° l * mus endlich den verdienten 
die !la n T ! mCn ihre beschichte selbst in 
hic r die p Welche Blindheit! Ohne 
cI °ch fesi CWakfra ^ aufzuwerfen, muß 
ßcir cicn ? CSlcIlL wcr d cn , daß da niemand 
,lRcv olut ,lal ‘. * SL blasphcmisch von 
aller m« K)n zu rcdcn ; eine Mißachtung 
gegen Si; nnCr Und Fraucn » die im Kampf 
Ein inaci' 11 Un ^ ^ apaUd ihr Leben ließen. 
Elender A Crl ' C ^ lCr und mcns chcnvcr- 
Nicht in C K war aus Überalterung 

ßarri r un ktionsfahig und die Un- 
^Vclt. o nC - Cn d * c ^ orc zur wcsl bchcn 
^ 0r nc Tr ib>1 doc ^ die ganze Wahrheit. 
Ünt Cn v ^rc-DDR-Jubelfcicm und 
’^ c ien‘ w rüc *‘ ctcn sich die Leute in den 
ÜDr u esten. Diejenigen, die in der 
etwas c ^ Cns bcdrohliehen Aktionen 
Fehden dndcrn versuchten, sind heute 
c inc p’n C * Cn Wahlen“ nichLs anderes 
r 'g dic s is r° tC dcr Gc schichtc, so trau- 

n ati 0n d^ U w 0rcn unlc rlicgcn der Faszi- 
a bc r c r °^smasscn! Dieselben sind 
n ° r (incl ,° S ^ alsc ht, als die alten Män- 
^ Cr ung j Ic eine alte Frau) die Umklain- 
°inzig C ]y. Cr ^ ac ht lösen mußten. Der 
ücw a j t c 0rnc nt einer Art revolutionärer 
^ Su ls j r p^ nctc sich mit dem Eintritt in 
^°r Vc ebäude - und was passierte? 
^^dcrum ^° sscncn ^üren drehten sic 
Hü Ucnsi -ci. keiner den Schlüssel fand! 

W°hl ni , ^hetrtwß/gebeten! War aber 

Di c | ) SOwichti g > 

S °Hial is m Kreditierung des deutschen 
* a dcr D D r UrCh dcn Staatssozialismus 
lGn Wir i 1St . riclni g erkannt, nur könn- 
[ Uri £c n ü * cr Degens Schlußfolge- 
°lk der Dn Cn ' Sicherheit hat das 
0z iaIi Srn ^ d ^ c Ghance gehabt jenen 
p 0 Ulend ,US * ZU cnLsLa aüichcn, aber sic 
r XpCr ia 1( ! CSjaoPPcns i c htIich nicht. Keine 
^ SoMi ntC ‘ G°ca-Cola jetzt und sofort! 
^ Cr Uig Cn , a w b\ die wir im Supermarkt 
Hichi 003 G°la vorfinden, anderer- 
Kor h^ Cn m * 1 moralischen Vorwürfen 
enn die westdeutsche Linke 



dentenrc volle vu k ° mm , c V qqr 

TL rÄfi“- 

T Ton«, «m w * ““ T f- 

JTLbc, nichl die Sache der 
Ubcrtärcn, — 

iS . LWa bcmm wo dic Standpunkte zur 
tarcn b ' ctaat über Intemationahs- 

Nat '° ndTserrvörstellungen vom So- 
Ssmus sdt über 100 Jahren in den 

Grundzügen formuliert stnd. 

^jssssrJSEi:»; 

WCit ° I frZ kommt immer dann ins 

nationale Fra T. wirtschaftliche und 

SpH«"“*'dlcL«onge„ver- 
politische Fr g DjcNationa i s über- 
tuschtwerdens* • ^ Masscn (von 
geordnetes y Banditen ange- 

P0 |itikCm H n e Orferi den Staat-für 
heizt) für ^rc P c C htcchte Woh- 

^£J 5 *»r 

X'i“^- ll iÄ imi,,sReicru 


wir müssen dagcgcnhaltcn: Wir wollen 
heim uns rcichts! 

Am Schluß kommt dann Landaucr’s 
»Vereinigte Republiken Deutschlands« 
(Übrigens einer der wenigen Libertären, 
die auch in der Broschüre - von S .49-54 - 
zum Thema zitiert wurden. Ich wußte gar 
nicht, daß Wolfgang Abcndroth oder 
Günther Grass Libertäre sind, aber man/ 
frau kann ja dazu lernen...): „Eine solche 
deutsche Föderation , das ist dann die 
wirkliche deutsche Vereinigung “(SJ5) 
Warum, verdammt noch mal sollte eine 
Föderation denn deutsch sein, und wer 
vereinigt sich denn da mit wem? 


Die Angst des Nationaltorwarts 
beim Elfmeter! 


Bei Jochen Schmück’s „Libertärer Posi- 
üonsbestimmung“gchtdicOricnticrungs- 
losigkeit weiter: „ Die Politik insgesamt 
hechelte einer sozialen Bewegung hinter¬ 
her ; die ein Veto einlegte gegen vier Jahr¬ 
zehnte Geschichte und damit schlichtweg 
zwei ausgewachsene Staaten in Frage 
stellte“ (S.17) Die Naivität ist kaum zu 
übcrbicten, und das von einem Verleger, 
der seit über 10 Jahren einen anarchisti- 









sehen Verlag führt. Weder das DDR-V olk, 
noch die zehntausende Leipziger stellen 
hier die „nationale Frage“. Hier wurde 
eingefordert, was als Machtanspruch der 
BRD über das DDR-Territorium und sei¬ 
ner Bevölkerung im Grundgesetz seitEnde 
des 2.Weltkriegs festgeschrieben ist. 

Ein vereinigtes Deutschland auch als 
Ziel aller Antifaschisten und der Arbeiter¬ 
bewegung bis in die 60er Jahre? - Deut¬ 
schland, Deutschland über alles. Wieso 
machtsich der Kampf gegen Diktatur und 
Kapital an Grenzen fest? 

Auch die libertären Positionen im 
Nachkricgsdcutschland sind doch nicht 
als Liebe zu Deutschland zu interpretie¬ 
ren, denn so, wie sich heute einige mit der 
Wiedervereinigung nicht abfinden kön¬ 
nen, so haben sich damalseinige nicht mit 
der Spaltung abgefunden, wobei dieRolle 
der Fremdbestimmung in beiden Staaten 
nicht akzeptabel ist und war. Und dann 
kam die „nationale Entfcmdung“ der 
Linken. Wir wissen bis heute nicht, womit 
wir uns rein „national“ identifizieren soll¬ 
ten. Ein Deutschland ohne den türkischen 
Gemüseladen oder die italienische Piz¬ 
zeria etc. wäre trostlos. 

Die Frage „Ein- oder Zweistaatlich¬ 
keit“ kann doch für Libertäre keine Frage 
sein. Die Null-Staatlichkeit ist und bleibt 
das Ziel! 

Die weitere Folgerung Schmücks 
besteht dann in der Entmilitarisierung 
Deutschlands und Europas. Bis auf den 
Konflikt Gricchcnland/Türkci sowie 
Separatistenkriege gab es in Europa seit 
dem 2.Wcltkricg keine kriegerischen 
Auseinandersetzungen mehr und wirdes 
wahrscheinlich auch nicht mehr geben, 
weil Stcllvcrirctcrkricge in der 2. und 
3.Wclt staitfindcn. Schmücks „curopäi- 
schcFricdcnsordnungexisticrtalso schon 
seit über 40 Jahren, - auf Kosten der 
Armen dieser Welt! Auch daß die Ver¬ 
änderung Osteuropas Westeuropa verän¬ 
dert ist klar, aber inwiefern und welche 
Rolle wir in diesem Prozeß Libertären 
spielen könnten, wäre eigentlich die Fra¬ 
ge, die zu erörtern wäre. 

III 

Und weiter gcht’s mit Rolf Raasch’s 
Beitrag für die mißverstandene Vereini¬ 
gungsforderung. Schon Landauer ... 
(Freiheit und Selbstbestimmung 
die Freiheit von Marlboro und die Selbst¬ 
bestimmung des internationalisierten 
Kapitals ist bei Landauer nicht gemeint). 
Hier kommt nun die „nationale Frage“ als 
die Frage der Kultur-Zugehörigkeit. Aber 
wclche/r Friese/in versteht oder spricht 
sächsisch? 

Es wird behauptet, daß „die Linken“ 
keine Konzepte anbictcn. Der Ruf nach 


einer neuen Kader-Funktion? Die Anar¬ 
chistinnen haben doch einen Standpunkt 
- nämlich die Beseitigung des Staates 
(»Hurra! Hurra! Ein Staat weniger!« So 
hätte doch eine Schlagzeile lauten kön¬ 
nen.) Und auch hier wieder „die Linke“ 
contra „das Volk“. Was ist daran „liber¬ 
tär“? Oder ist hier Diffammicrung im 
Spiel? Vom Deutschenhaß zum Linken¬ 
haß? 

Jedenfalls wird zum Schluß zur Ver¬ 
söhnung Gustav Landauer zitiert, womit 
wenigstens der Untertitel der Broschüre 
gerechtfertigt wird. 



IV 


Und dann noch ein Kommcnatr des Ex- 
DDR’lcrs Friedemann Seidel, der in den 
Ereignissen des Herbstes 89 gleich die 
„Weltgeschichte ein gutes Stück 
weiter gerückt“ (S.37) sicht. Die Bitter¬ 
keit, mit der Seidel die „Internationali¬ 
sten“ an prangert: „ Irgendein kämpfendes 
Bergvolk wird sich schon auflreiben las¬ 
sen - je weiter weg, desto besser“ (S.39) 
ist nicht nur Ausdruck von sich-allcin- 
gclassen fühlen, sondern auch der 
Deutschtümelei mitDDR-Prägung. „Die- 
Vierte-Reich-Linken“ sind an der DDR- 
Miscre schuldig, weil sic „kein 
Problembewußtsein in bezug auf die na¬ 
tionale Frage entwickelt " (S.39) haben. 
Und trotz dieser Liebe zur „nationalen 


Frage“ geht der Genosse nur von der 
deutschen Zweiteilung aus. Warum? Oder 
stinkt der National-Kadaver dann doch zu 
sehr nach rechts, wenn auch Ostprcusscn, 
Moldaudeutsche usw. miteinbezogen 
werden. Wo sind die Grenzen? 

Ein an „Massenbewegungen“ gewöhn ■- 
tcr Ex-DDR’lcr schimpft auf „ staats¬ 
gläubige Linke“, die das Volk nicht ver¬ 
stehen. Daß sein Abgesang auf die DDR 
am Schluß vor dem Datum mit „Haupt¬ 
stadt“ abschlicßt, zeigt doch wohl auch, 
daß sich Seidel mit der „nationalen Fra¬ 
ge“ incl. Wiedervereinigung noch nicht 
angefreundet hat oder ist der Berliner 
Hauptstadtwahn auch eine libertäre Posi¬ 
tion? 

V 

Gegen Schluß holen sich die Autoren dann 
noch die Absegnung ihrer Thesen von 
einem französischen Libertären und das 
Durcheinander endet mit Statements 
„regierungsunabhängiger linker Stimmen 
zur deutschen Frage “ (darunter die schon 
erwähnten Wolfgang Abendroth, Gün¬ 
ther Grass oder Rudolf Bahro). Demge¬ 
genüber wird auf demagogische Art und 
Weise „Eine »linke« Blütenlese zu den 
deutsch-deutschen Wirklichkeiten vom 
Oktober 1989 bis April 1990“ (S.55) 
gestellt. Die Zitate stammen von der RZ 
über Daniel Goldmund bis Klaus Bitter¬ 
mann. 

Freund und Feind wurden sondiert, 
und an der „nationalen Frage“ gemessen 
und nach gut und böse getrennt. Diesen 
Fehler sollten wir mit den Autoren nicht 
begehen. Genossen, die bei Hans-Jürgen 
Degen anrufen, um ihn als Faschist zu 
beschimpfen, gehen mit Sicherheit den 
falschen Weg. 

Uns hilft weder Gott noch Staat und 
auch nicht die Ersatzdroge „Einig Vater¬ 
land“. Jetzt gilt es praktische Arbeit zu 
leisten. 

Wo sind beispielsweise die schwarz- 
roten Fahnen auf den Streik Versamm¬ 
lungen? 

Die Broschüre und die Diskussion ist 
ärgerlich, weil schlichtweg überflüssig. 
Die Grenzen verlaufen nicht zwischen 
den Staaten, sondern zwischen Arm und 
Reich und in diesem Kampf ist unser 
Platz. 

Bei manchen dauern die Wehen des 
Besoffenseins halt länger. Deutschland 
einig Katerland! 


Kontaktadresse: Stirner-Bund, 
clo AurorA, Knobelsdorffslr.8 , 
1000Berlin-19 





SP-36: SF an die Kioske!!! 

Zu Eurem Editorial in SF-36: Es müßte 
* )C ’ 0 ^cr vielmehr cs muß doch möglich 
I m j lächcrlichc 1 00.000 Kröten aufzu- 
Cl hcn. Bei einer Auflage von 3000Exem- 
^. arcn un d etwa genau soviel Lesern macht 
pr ° ^ser ca. 30.-DM. Geht mcnsch 
l c j VOn aus > daß es sich die meisten nicht 
: LStcn können und zieht 2/3 ab, bleiben 
ist mC p no^ 1000 Leute a 100.-DM. Das 
de zuv i e l verlangt. Jemand, der 

hall • liCS1, Solte docb c ^ n öderes Ver- 
nis za »seiner« Zeitung haben, als 
^ der die BILD-Zcitung genießt. 
au IT , lst jedenfalls einen »Huni«, oder 

Sn° odcr drc * ” a ^ s “sachgebundene 

Puhru C,, " WCrt ’ daß dcr SF cin breiteres 
. ' um bekommt. Und sci’s auch nur 

Vl ellcicht. 

p rank, Erkralh 

vve)/ 0 ^ }V ^ r ' samme ln> wollen wir erst noch 
( f- 1 €re Resonanz Eurerseits. Wenn uns 
trä CKSten 2e hn Zusagen über Geldbe - 
stcnhj° r ^ C ^ Cr1, wer(ien ™ ir a b ^ er weh' 
ein j mmer ein Konzept vorlegen und 
n c ^ n ^ eLtraum fä r die Sammlung benen- 
* vE-Red. 


o., h blr -SF-36: Todor 
.j-jjabolowsky: „Die TAZ lügt, 
vv,r müssen dran glauben“ 

Sach*** 0 rriM hätte die Aufgabe, die 
Wut- 6 Qn dcr ^ une l zu fassen. »Die 
^2e/ für d en Menschen ist aber der 

Mc ^h selbst.« (Marx) 

f rc j.. ar Schabolowsky scheint die Wurzel 

2 us 1CJl C ' n ^ or, 8l° m crat »linksradikalcr 

a i] c ‘|I nrncn häng c « zu sein, und so werden 
t j v rsc b c inungen nur aus der Perspek- 
hccl } F V ° n ^ crfo lß un S ur| d Ausmerzung 
no i^o Ucn Sozialrevolutionäre in Para- 
p ln wa h r genommcn. Überall sind 
die K rC Spicß S esc,lcn am Werke, welche 
f Crc dp le beherrschen; »in den hochdif- 
Pilir 7iCrlCn S° z ialprozcssen der spätka- 
}^i" lsds( ;be n Gesellschaft« werden die 
kon C glcic bgcschaltet. Glücklicherweise 
Slch Ca Piain Schabolowsky recht- 
kcrn^ aUS dcm tota btären Schaltkreis 
s cin US ^ atapu lderen und ist so in der Lage, 
Trc . C b ^ Cnos sinnen vor dem teuflischen 
j cn der „mind managers“ zu warnen. 
n dcr Vorstellung des wackeren 
ihre h- Cn die medialen Spinnen 

l ass dflosen wie naiven Opfer ein und 
* n *^ rcn Netzen elendig veren- 
- ‘ Doc h besteht kein Grund zur Ver¬ 




Z-b 0 ^ 


Z Wcifl 


Un £> denn schon naht Hilfe: Unge¬ 


achtet aller Schrecknisse ist der furcht- 

SsSSSEÄ£ 

ÄÄä 

Für den Recken Md m 

WCl ^ r he ^ n a ncm entschlossener Held als 

Bewegungsmensch 

immerhin den lP if für Lust 

Untertitel »Vicrtcljahressch ^ 

^ MKÜsehS» ehsaeessebwarn- 

d “T M ru das weniger mir pol«- 
weißes Bild z » Western, Seien- 

scher Analyse d &Dcgcn-Filmcn 

diEl h'Siche Rückblick reicht nicht J 

geschichtliche l968 zur ück, das 

wc f r ? die Sequenz »Rudi Dutschke - 
S ' Ch 2U 4 nacke'« zu reduzieren scheint. 

Springer-AUac^- d* hätte erst 

Erweckt wird der Emarn omc 

“ jcnCm Ä2als* der 

Histonogr P begonnen, was in 

Zäsur« bezeichnet,das ^ ffcn[ljchkcit<< 
Unken Zirkeln al yQr jcncm »Ein- 

ctiketticrt wiri sition ellc Bewc- 
schnitt«habcna PP ycrsuchc un[cr . 
gungen undI , ichC nÖffentlichkeit 

nommen, derburgeri ion dcr 

ihrelnterpretationundRcp^ ^ ^ 

Realität entgege - in ^ ^ Vcrbrcitung 

bestanden nicht a dika]cn zirkeln, 

von Information nba[ als dic u lti- 

was Schabolow y öffcnl ij C hkcit« 

™ ÜV f7CgeSw“'”< licFra - 

betrachtet. Ihm g >>Gcg cnöffcnt- 

^rÄwiewei, die»» 


■^^Ö^CTUchcn Öffentlichkeit sich 
scheiden müßte. Sein Konzept von 
»Gcgcnöffcntlichkcit« reduziert sich auf 
dic Produktion von »Info-Blättcm« und 
reproduziert das Schema des herrschen¬ 
den Systems, das seinen Zwangsmitglic- 
dem unablässig Informationshäppchcn 
verabreicht, wodurch dic Erkenntnis von 
Zusammenhängen verhindert wird. Dic 
Information ist zum Fetisch geworden. 

Nicht aufs Gewußte kommt cs an, »son¬ 
dern darauf, daß man cs weiß, au fs Haben, 
die Erkenntnis als Besitz« (Adorno & 
Horkhcimcr). Die Informierten werden 
zu Eingeweihten, welche auf dem Markt 
sich auskennen, wissen, wo cs etwas zu 
holen gibt, wie sie zu reden, wofür und 
wogegen sic zu sein haben, um nicht als 
Fremdlinge oder Außenseiter unange¬ 
nehm aufzufallcn. in ihrer regressiven 
Verwandlung crcignctsich »Gegcnörfcnt- 
lichkcit« nur noch als sportsmännischcs I 
Spektakel: Wer dic meisten Informalio- gäh¬ 
nen gesammelt und gehortet hat, ist der 
Champdcrlinksradikalcn »Kommunika¬ 
tion«. 

So ist denn die Tageszeitung auch 
nicht cin bedauerlicher Betriebsunfall der 
»undogmatischen Linken«, sondern nur 
das folgerichtige Resultat der publizisti¬ 
schen Praxis jener »Info-& Szene-Blät¬ 
ter«, welche einen neuen Markt erschlos¬ 
sen und den Boden bereiteten, auf dem dic 
taz heute wirtschaftet. Sic kultivierte dic 
Mischung aus halbstarker Patzigkeit und 
senilcr Unterwürfigkeit, welche schon dic 
Jugend- & Straßcnfilmc der Weimarer 
Rcpubl ik kennzeichnet, und versicherte 
sich so der beständigen Zugcnciglhcit des 
liberalen Flügels der bürgerlichen Me¬ 
dien. Captain Schabolowsky geht cs je¬ 
doch nicht um Form und Sprache, son¬ 
dern einzig wird sein linksradikalcs Gemüt 
davon beschwert, daß diese Zeitung nicht 
dic korrekte pol itische Linie verfolgt. Täte 
sie cs, würde er ihr alles andere schon 
verzeihen. Im Grunde grämt cs ihn nur, 
daß dic linksradikalc Avantgarde in der 
täglichen Mediatisierung nicht die angc- 






















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mcsscnc Beachtung erfahrt. »Was der taz- flB 
Leser wie der Konsument jedes Tendenz- H 
blaues sucht«, bemerkte Wolfgang Pohrt, B 
»ist die eigene Meinung in der durch den ■ 
Apparat autorisierten Version oder das I 
halbamtliche Zertifikat, das den Einklang B 
zwischen ihm und dem Kollektiv ver- I 
bürgt.« Da aber das »konterrevolutionäre ■ 
Schwcincblatt« nicht die erwünschte I 
Scclcnmassage erteilt, die Relevanz der I;.' 
revolutionären Avantgarde Morgen für B 
Morgen bestätigt, sondern stattdessensie flfl| 
verleumdet und denunziert, wird ihm der B 
Kampf angesagt. Offenbar ist cs die vor- B W 
nchmlichc Aufgabe eines Organs der fl. 
»Gegenöffentlichkeit«, die »soziale Rea- Bl 
lität pol i tisch aktiver Gruppen« zu rcflck- Wm 
ticrcn. Es soll Reklame für die Praxis der 
VanguardistAs machen. Die Kundschaft B 
will einzig zu ihrer gänzlichen Zufrieden-1' 
heit bedient werden. Nicht um eine »radi- flK 
kalc« Öffentlichkeit geht cs, sondern B| 
einzig um die Etablierung eines »revolu- 
tionär« gestylten Generalanzeigers. 

In Umrissen existiere eine linksradi- ’ 
kalc Zcitschriftenkullur, welche als Teil 
einer radikal-oppositionellen Bewegung 
sich begreife und auch so verstanden 
werden sollte, schallt es aus den Kom¬ 
mandohöhen, und sogleich brüllt der zum 
Polit-KomissarmutiertcCaptainSchabo- 
lowsky: »Konsumverhalten ist konter¬ 
revolutionär!«, um anschließend seine 
Direktiven ans linke Fußvolk auszuge¬ 
ben. Zwar faselt er von Witz, Kreativität 
& Ausdrucksstarke, doch all dies ist in 
seinem Text nicht einmal ansatzweisc 
vorhanden! Die Phantasie ist »in den 
hochdifferenzierten Sozialprozcsscn der 
spätkapitalistischcn Gesellschaft« wohl 
vollends verkümmert. Über den eigenen 
Tcllcrrand vermag er nicht hinauszu¬ 
blicken, stilisiert in einer hysterischen 
Projektion sich und seinesgleichen zu 
Opfern einer diabolischen Renegaten¬ 
mafia und vergißt darüber, daß jenseits 


solcher Fiktionen Tag für Tag unzählige 
Menschen real terrorisiert, gefoltert und 
ermordet werden. Paranoia City ist nicht 
der Nabel der Welt, und cs gibt weitaus 
dringlichere Probleme als die taz. 

Jörg Auberg, Berlin 

btr. Nationalismus. 

»... Im Prozess der Rchabil itierung spannt 
sich nicht nur auf vexatorische Weise der 
Ring von rechts nach links, sondern auch 
vom Überscharfsinnigen zum schlichten 
Blöden. Geist und Gesittung sind die 
Waisen. Und niemand wundere sich, wenn 
eine deutscher Nationalismus, dem nie¬ 
mals zuvor so wohl war wie damals, als er 
die morschen Knochen der Zivilisation 
erbeben ließ, keck sein widerwärtiges 
Haupt erhebt. Er hat nichts zu befürchten, 
seit die intellektuelle Linke sich ihrer 
Waffen entäußerte, in einem mißverstan- 
| denen Rousseauismus und Nietzschca- 
i nismus schwelgt, die sie auf selbst- 
täuschcnd-taschcnspielerischc Weise zu 
vereinigen wußtemiteinem Marx, dessen 
ethisch-prophetischer Elan vital verleug¬ 
net wird - um der Heiligkeit des Textes 
willen. 

Was mich angcht, so mache ich mir 
nicht die geringsten Illusionen. Die Re¬ 
habilitierung, einmal begonnen, wider 
Moral und Geschichte, wird ihren Lauf 
nehmen. Man wird in England entdecken, 
daß Oswald Moslcy am Ende so ein Narr 
nicht war. In Frankreich, wo zur Stunde 
schon die schlimmsten Mörder amnestiert, 

sich ruhiger Lebensabende erfreuen, wird 

eine verirrte offizielle Meinung Pdtain 
und Laval einwägen in ein vermittels fal¬ 
sches Gewichts hergestelltcs, pscudoge- 
schichtliches Äquilibrium. Und Deut¬ 
schland? Nun, cs ist klar: es wird, nach¬ 
dem schon alle klassifizierenden Vorbe¬ 
reitungen getroffen sind, dem Hitler se¬ 
inen Platz in der Feldhcrrenhalle nicht 
länger vorcnthaltcn wollen. Nur mit dem 


Invalidendom wird es hapern: das Corpus 
delicti ist nicht auffindbar. 

Man steht allerorten, so meint man, in 
geschichtlicher Objektivität jenseits von 
Gut und Böse und legt indifferent das 
Böse zu den Akten, womit auch das Gute 
von der Tagesordnung verschwindet. Die 
Dialektik hat wacker mitgcholfcn bei 
einem Unternehmen, das man als „Ent¬ 
mystifizierung“ selbstgerecht h ins tcl 11, wo 
cs doch in Wahrheit nur einer neuen und 
gefährlicheren Mystifizierung auf die 
Beine hilft. zurecht verwarf man die bür¬ 
gerliche Moral als Ideologie: nur ging 
dabei so nebenhin die Moral schlechthin, 
die auch im bürgerlichen Gewände stak, 
vor die Hunde. Niemand scheint der Ein¬ 
sicht fähig, daß in gewissen historischen 
Konstellationen die subjektive Empörung 
haargenau der humanen Realität ent¬ 
spricht. Man müsse, so sagte Emst B loch, 
gar keinen präzisen Begriff des Humanen 
besitzen, um mit voll iger Gewißhei t Nero 
als Unmenschen zu erkennen. Die Aus¬ 
sage läßt sich umformulicrcn in unserem 
Zusammenhang und meint dann: Der 
Mythos vom Bösen, den das dritte Reich 
verkörperte, hat objektiveren Charakter 
als die dialektische Entmystifizicrung. Die 
biblischen Verfluchungen durch Thomas 
Mann („Wie kommst du eigentlich dazu, 
noch zu leben?“) haben höheren Rang, 
nicht nur moralisch, sondern auch poli¬ 
tisch, als die im Namen falsch verstande¬ 
ner Objektivität auf Rehabilitierung hin- 
auslaufendcn historischen Konstruktionen 

einer selbstentfrcmdetcn Intel ligenzia. 

Wie aber die Dinge liegen, besteht 
wenig Ausssicht, daß dies begriffen wird. 
Altbraun hat alle möglichen Chancen, den 
letzten paar Sühnetempcln noch eins über 
den Schädel zu geben. Und Ncurot wird 
nicht protestieren können.« 

(Eingesandt, anstatt eines Leser¬ 
briefs; Jean Amery: Die Zeit der 
Rehabilitation, FR, 1 GA.1976) 









MMir! 


MURR A/S 

NOW 






! *k*§r<>ur,st 8 


nc in ^° clSind P olitische Gefange- 

schcnp 311 ^’-^^ 0 Murra y sit7t inzw i‘ 

al s iro an ® C . r * n einem irischen Knast ein, 
käSsih^^ 110 andCre Frau dort j ernals> 

den m S ^ Wohl für den Süden als auch für 
m ittlcr^ r Cn . Irlarids * Sie befindet sich 
t ern v cde ihrem 15 Jahr hinter Git- 

m ännli T! ^ ntcrschicd zu 17 anderen 
^ a flstr C f Cn mit langjährigen 

nachte i WUrde ihr mVm ' ch Weih- 
Währu 11 ^ ein Rauskommen auf Be- 
^ärtipH^ VCrwe igen. Ihr Fall wird gegen- 
Vcr hand ° r dCm Fewallrun gsgerichtshof 
mini sl Cltl dcr ätzten Winter vom Justiz- 

cin gcrichtet wurde. 

Morde Murrays wurden 1975 wegen 
u rteii t ry 1 dCm FoF7aslen Reynolds ver- 
Ehls; R Vgl : SF ; 18 und 19,1985; Winand 
Urs Prün Cl i SC ^ ir * schc Rnästc). Deswegen 
das Drt ZUrn vcrur teilt, wurde 
dcit^j C * * n lebenslänglich“ umgewan- 
app c n ?. 0cls Fall auf seinen Einspruchs- 
\Vj cd m ’ * n ‘^ ar ^ cs Fal1 aufgrund eines 

Dür chs r t Ufnahmcvcrfahrcns - Die 
für t> ] c u C n * 11 ^sächlich abzusitzendcZeit 
8 JahrY, 0115 ^^* beträgt im Süden Irlands 

y o Und 8 Monate. 

^PorT dCm so S cnan nten Whitaker- 

^ ni ersiTb rdCl ^^^ Cinc ^ cfan ^ issystcm ’ 

gcn Un , C Un 8 sk ommission vorgcschla- 
Zu dem Der Report kommt 

als 7 jjf^ U ^ ,da ßjcde Person, die mehr 
,,u nwid ^ - m ^ cfan S nis sitzen muß, 
Voi h GcT* 11 ^^^ * nsdtudona bsiert“, d ‘ h - 
daß S i ef .. angnissystcm derart geprägt ist, 
Mari^ C * n ^ Kn dr'außcn verloren ist. 
Jus fem ! Ci * dav on überzeugt, daß das 
daß S j e lniSter * um sie vergessen hat, und 
Vcr bri n n ° ch 4 viele Jahre hinter Gittern 
dcr Wcil gCn wenn ihr Fall nicht an- 
^ Cr echt'^ Unlersta tzt wird. Dafür hat sie 
^ 0r ichtlu tC So hat der „hohe 

Sun gskp * n ^abbn 1986 ine Verfas¬ 
sen ^gewiesen, die sie zusam- 
001 angestrengt hatte und mit 


. — - ■ ; ■ chle zu- 

der sie das Recht a durch setzen 

dem sie sich ® leichz 'J ” „‘^tanzier- 

gewaltt^tigenOrgani Organisation 

ten. Obwohl sie g h distan- 

h iniersichhaben,vonder S ^ 

zieren könnten - pol i«°“ j sinn 
fangs mit der ^Anarehi- 

Fein verbunden und spa ,] j 

stlnnen,-schickten sie den Appen 

Bis heute ohne Antwort. um 

Allerdings schaffte* Stud ien und 
ren Monaten nichtmehr- Wcgcn der 

ihrSchreiben *«*^ZS*** 

übien Situation un gelähmt. In 


joy-Knastestems^j J hcn< . Majcl - 
einer anderen .Redens ^ Gcfangc nen, 

laBoland. Alle and ’ . d ; c m ei- 
haben Kurzstrafen abz ^ ^ We . 
sten von ihnen wen g n Fluktuation 

genderinfolgedess ^ eine längere 

hat sie kaum ein a ufzubauen. 

freundschaftliche y ® erick , einem 

N ° elM fSlindembisvorll/ 
Hochsicherheitsff^ ^ sjedannn ach 

2 Jahren auch urde . Die ersten Jahre 

Mountjoy verlegt v. bcrüc htigten 

seiner Haft Curragh 

Militär-Gefange j989 wur de ihm 

einsitzen. J' ; seincn alten El- 


weil die Behörden von ihm verlangten, 
den Besuch in Begleitung und mit Hand¬ 
schellen zu machen. Das ist eine Schi¬ 
kane, die bei den 17 Besuchen, die bisher 
überhaupt bei solchen Gelegenheiten statt¬ 
finden konnten, nie verlangt worden war. 

Nocls Vater ist mittlerweile zu krank, 
um seinen Sohn im Gefängnis zu be¬ 
suchen - was er bislang die ganzen Jahre 
monatlich tat. Als er im November 1988 
einen Herzinfarkt erlitt, wurde Nocl 3 mal 
erlaubt, ihn kurz zu sehen - in Hand¬ 
schellen. Marie durfte ihn einmal im 
Krankenhaus besuchen. 

In Irland und Britannien wurde im 
Januar 1990 die Kampagne „Freiheit für 
die Murrays“ gegründet, mit dem Ziel, 
durch öffentlichen Druck einen 
Entlassungstcrmin für Marie und Nocl 
Murray zu erzwingen. Sic bitten auch um 
internationale Unterstützung und Hilfe. 

Deshalb schreibt an die irische Bot¬ 
schaft in Bonn und/oder direkt an den 
irischen Juslizministcr Burke, schildert 
den Fall und drängt auf einen Entlas- 

sungstermin: 

Ministerat the Department ofJustice, 
72 Stephans Green, Dublin, Irland 

Bei al len Briefen ist es wichtig, darauf 

zu achten, daß ihre Schrciberlnnen eine 
Empfangsbestätigung bzw. Antwort vom 
Justizministerium erhalten, also in den 
Briefen jeweils ausdrücklich darum er¬ 
suchen. Wenn nach einiger Zeit nichts 
kommt, erneut das gleiche schreiben und 
gleichzeitig beschweren. Alle Antworten 
bitte an die Kampagne kopiert weitcrlci- 


ten: _ _ 

Free the Murrays, c/o Tenants Cor- 

ner, 48a Oval Mansions, Vauxhall St., 

London, SE11 

Bei dieser Adresse kann mcnsch auch 
der Kampagne beitreten. Diejenigen, die 
das tun, erhalten regelmäßig Infos über 
den Stand derKampagne. Die Kampagne 
braucht auch Geld. Mensch schickt es am 
besten per Postanweisung (Postal Order). 

Weitere Solidaritätsgruppen sind er¬ 
reichbar: 

Free the Murrays, cto 7 Winelavern St., 
Belfast BT11JQ, North of Ireland 
Free lheMurrays,do3 Belvedere Avenue, 
Dublin 1, EIRE 

Und die Murrays freuen sich über jede 
Post: 

Marie Murray, Mounljoy Prison, North 
Circular Road, Dublin, Ireland 
Noel Murray, Limerick Prison, Limerick, 
Co. Limerick, Ireland. 



















Rudolf Michaelis 

(“Michel”) 
ist in Ostberlin 
verstorben 


Wer sich mit deutschen Anarchisten inj 
Spanischen Bürgerkrieg beschäftigt, wir 
schnell und beinahe allgegenwärtig aU 
den Namen eines Aktivisten tre cn ^ 
Rudolf Michaelis, der nach längere 
Krankheit dieses Jahr in Ostberlin gestor 
ben ist. Wir wollen hier einige wenig 
Daten aus seinem Leben in Erinnerung 
rufen. Anschließend wird einer seine 
Freunde und Mitkämpfer, Helmut 1 
schcy (vgl. SF-36), seinen persönliche 
Eindruck ausdrücken. . 

Rudolf Michaelis wurde am 31.3.19 1 

Leipzig-Gohlis in einem Armenvier 
geboren. Schon als Kind mußte er zu 
Unterhalt der Familie u.a. mit Fabri a 
beit beitragen. Er geht nach Berlin un 

schlägt sich mit Gelegcnhcitsarbcite 

durch. Gleichzeitig besucht er eincKun 
gcwcrbcschule u.a. Bildungscinric 

tungen und wird Mitglied der 
syndikalistischen Jugend und der F 
Er befreundet sich mit Gerhard Wart^ 

berg, Helmut und Dora Rüdiger. Frü i 

als Redner für die FAUD au f und sch fC1 
gelegentlich für “Der Syndikalist u 
die Zeitschrift “Besinnung und Aufbru^ 
der Gilde Freiheitlicher Bücherfrcu n 
Ende der 20er wird er Heizer im Ber 1 
Pergamon-Museum. Ein J ahr später ^ 
im gleichen Museum Modellierer v 
Kunstgegenständen. Anfang der ^ 
Jahre wird er zu mehreren Ausgrabung^ 
reisen in den Orient mitgenommen, 

1932 in den Irak. . j 

1933 Inhaftierung durch Po1iz CI u 
SA; Einlieferung ins Polizeigefänß 
Alcxanderplatz(Berlin). Dort AnsU 
der Mitgefangenen zum Absingen v 
“Brüder zur Sonne zur Freiheit— s 
des geforderten SA-Liedes “Die F 
hoch...” Im Gefängnis trifft er u.a. 
Anarchisten Bertold Calm ( FKAD), . ctlt 
die Gefängnisse des Nazi-Regina nl 
mehr lebend verlassen soll te. Nach.sei ^ 
Entlassung Anfang 1934 entschlich 
sich mit seiner Frau zur Emigration n 
Spanien. t 

In Spanien unternimmt er ^unäc 

eine halbjährige Spanienrundrei sc mä 7Ü 

Fahrrad und knüpft viele Kontakte ^ 
spanischen Anarchisten. Arbeit findet s* 
in einem Museum in Barcelona. ^ 
Ausbruch des Bürgerkrieges beteilig 
sich an den Straßenkämpfen in Barc^*'* 
gegen die Putschisten. Besetzt mit an ^ 
ren deutschen und spanischen Anat ^ 
sten das deutsche Generalkonsulat u 

-u-j__ ArheitCtn* 1 


68 





deren Auswertung, woraus dann das 
der Gruppe DAS 
“Gru ° Chl dann ^ s Mitglied der 
Coln PPC EHch Mühsam ” 311 die Front zur 

den M naDurUlli mc ^ ^ nade ^ F ^ ro • N ach 
auc h aiausc inandcrscizungen 1937 wird 

c hos W ‘ C Viele deutsche Anar- 

den pH , lkaIlstcn verhaftet, verhört und in 
A n , Sc lc kagcfangnisscn der Puerta dcl 
fecta u V ° n Ursula und Segorbe 
auff T UCn<ErSlani 29 *3.1938 wird er 
Scn ^ ruclc dc r CNT wieder freigclas- 
Artill C PC ^ 1 S * ch dcr Agrupacion de 
in Malaro ^ ( Juni 1938). 
Vc u ßust 1939 erreicht er Paris. Dort 
neu z 1 Cr dic Ortsgruppe DAS in Paris 
der r> U ° r8an * s * crcn - Vordem Einmarsch 
nach o Utsc ^ cn entschließt cr sich illegal 
Span' Pan * Cn zur ückzuk ehren. E wird in 
VCr haf n WC ^ Cn sc ^ ncr falschen Papiere 
Wcr(i c lC b abcr n ^ c ^ 1 identifiziert 
dahre 7 rotzdcm lautet das Urteil auf 25 
in c ; Ucblb aus.ImZuchihaus arbeitet er 
POWiderstandszelle mit CNT-, 

19^ UndUGT ‘ Lcutcn * 
die US a k° mrrit er aufgrund einer durch 
g Cnc A crw irktcn Amnestie für gefan- 
drid “ Us ^ an dcr frei und wird nach Ma- 
Öcmo V u^ annl,,, N°eh 1946 wird cr nach 

,a 4 h ' and ( Bcr 'i n ) ausgewiesen. 

v erw i /48 11111 Cr dcr SED bci und wird 

Sc um s a W 8SlCitCr eincs Bcrlincr Mu ' 
v on i - obl irn Rahmen der Säuberung 

‘Wect 011011 ^ 11 Pos idoncn, die durch 
Cr die Crn ^ ranten> ’ besetzt sind, verliert 
c i n e Postcn * Stattdessen wird er auf 
V Crwa l C ^ dCr Gründung befindende 
dci Cfii tUn 2 sa kadcmie zur Ausbildung 
dcmi c Cr ^^ Urzfrisl i8 leitet cr diese Aka- 
arbci ls ’i * S ZU se i ncr Absetzung. Dann 
Sc hun ^ S *^ palcr Ausbildung zum Grund- 
biszu° rCr ‘ ^ d i cscm Beruf arbeitet cr 
Komi» SClnCr Pcnsion i crun g* Mitglied des 
stanrio| CCS dcr ^^faschistischen Wider- 
^dskämpfer der DDR. 


entsta lo ^ ra P^chen Informationen 
%er ^. men ( ^ em M anuskriptfür ein Buch 
^ e Hes l GrUPPe ^S, das von Dieter 
zus a J °^ an S Haug und Ulrich Linse 
der fy Cn 8 es tellt wird . Für einen Teil 
Hudolf\A ap ^' lSc ^ en Informationen zu 
gen £) lc ^ ae Hs danken wir Hans-Jür - 
^°ntal^ en ' ^ er ln den letzten Jahren 
1 mit Michaleis gehalten hatte.) 



Helmut Kirschey: 
In Memoriam 
„Michel“ 


“erreichte mich die Nachrich^ daß 

RudolfMichaclissemLebenbec ^ 

Die Nachricht weckte inmir, au ’ 

den man me vergißt. Wir JuU 

ersten Mal P° rsönI ' ch ’ (Deutsche 

1936 zum Büro der DA ^ 

Ä-.ir 

nischeRegierungs * un( j nahm 

CNT-F AI den K^^Snahm Michel 

übrige Spanien zu befreie • dcul _ 

dic iniüaüve zur G^u g^ >Grup0 
sehen Einheit, die de haIte . Nur 

International Erich M dcr j^dm- 

wenige Tage nach 1 ing Michel an 

pfc um und in B * cc . fJ T Befreiung 
dicF '“"S d ”M S 1 Aragonicn- B 

SÄ«« ***•- 

Gruppe. xj'rvnate später an die 

A1S . iCh r s e^Kompanie, wurden 
Front ging zu seine r Charakter, 

wir Freunde fürs c j bUeb au ch 

S cinMutundseineE^hc^e> [unbekannl 

den spanischen Genos^ - n die 

und man hatte die Divjs j on Durruti 

militärische Leitung d D ^ da 

zu nehmen. Dazu w j C htige Aufgabe 
unsere Kompanie eineiw h g w 

^ dCrFr ° ntb b C cSwir1bt die Hälfte 
bei Tardientc, bei de kam der Rest 

unsererKompamev ^ vor dem 

nach Barcelona. Wen ge Bar g )onaam3 

Ausbruch dcrKamp digun g dieser 

bis7. Mai 1937. Nac d ^ auch 

Kämpfe wurde sow^ gcnomrnC n, 

ich von der GPÜ g „ Valcnc ia in einem 

und wir trafen un Kommunisten 

geheimen Gcfangn' _ ^ bcRam ich in 
(Santa Ursula) wiede., Gefangenschaft 

den 10 Monaten uns untcr 

Gelegenheit, mu ^ isscn zusam- 

diesen grausamen V e rn cheGröße 

mCnZUSC d n em Wir kamen nach unserer 
zu bewundern. . Paris, ich 

Freilassung «-»- * Quarlict in 
fuhr zurück in mein ■•■^“ G jck nach 
Holland, aber M ‘f “ f^genen genom- 


Nach Ende des 2 .Wcltkriegs kam er 
wieder frei und kam nach einiger Zeit 
zurück nach Deutschland und wurde m 

der DDR Schullehrer. 

Selbst erfuhr ich über dic Forschun¬ 
gen zum DAS-Buch von seiner Existenz 
zum ersten Mal Anfang 1989 und im 
April gab es ein Wiedersehen mit ihm ,n 
Ost-Berlin. Er war schon vom Tode ge¬ 
zeichnet, aber das Wiedersehen wurde für 

uns beide, das weiß ich auch von seiner 

Frau ein großes Erlebnis. Michel ist tot, 

aber 'er lebt in uns, dic dic Ehre hatten, ihn 

gekannt zu haben. 

Helmut Kirschey, Stockholm 





















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die GcIcgcnh° nCnn ^ nnCn °^ cr ^ nlCTCSS i c rtcn 
Einblick i n ?, U ZU gcbcn * einen besseren 
bekommen m n f erc bisherige Arbeit zu 
bür 3allcA U sJlk Cn Wir fol 8 cnclcs Angebot: 
c ‘ nc n 10 nu nnac h Wahl schickt ihr uns 


einen 10 .-DM o 1 ! 11 , Wahl schickt ihr uns 
Briefmarke« w ? h , Cln ’ Überweisung oder 
vv ollt, schrakt C -l C Hummern ihr haben 
^nticrunnhi ^ dabei. Zur besseren 
beferbaren M Cr 1C n haltsangabcn der noch 

j^ferbar 0- 1 5 U ^ mcrn - Einzeln nicht mehr 

Dic Aufla gcn des SF 
deshalb 30 not .i' Vlr n' 3 ! 7 benötigen, wir bieten 
SF 16-24 fii r ?n V S x s ^ n ^^ vor b a ndeneSätze 
Auch an den q ^(in Scheinen senden) an. 

dcn dummem n m u mclbandmit Arti kcln aus 
c rinncrt. p r • * f. ^ sc * an dieser Stelle 
beferbar. " 1S UM nach wie vor 

über Pcmini^^ g ^ Cric b tc * Barbara Köster 
Clark über r.™ 11 .? Und Anarchism us * .lohn 
^F-Kritik * ^ Ur Wendepol ilik * 

At °mmüllnr^ , C b f l .Y Cnva ltung bei Indios * 
Fritz 

Nach rufaufOuo R ci ^ C rs “ BakuninhÜUC ” * 

Kritik » o*?f B , arlmann über Industrialismus- 
Murray p.* 0c ^ cr Marktanarchic * 
J :v °lmi 0ns ° Ch . in über Natur- und 

1C -* asirn Vorfclddcs span. Bürgerkriegs 

^ienwerkstot, Ul>Cr Thcalcr * 

W '<lerdicVol Brcibur g über Vidcofronl 
+ Kede Uber n nahmung * Über Carl Einstein 
an dercAmon*i! ln ‘ Ut C.^ CS B c Fi s bbcin überdas 
Scheiße zu TP. a lm * Jean Vigo: Ich sage 

Irische Knästc (I) 11 ’ * CNT-Nachlaßstreit * 

I1 °okchri j n Qh^ Cr : . in Griechenland * Murray 
Anarchismus / 1 Kommunalismus * 

J ^19 * Ulrich Ri * bracher Kommune 

Fisehe Knäsm (H) UbCr FraUCn in dcrrAUD 

^ r, 20:Anii-NATn v 

dcr UdSSR imi T j| 5 0ngrcg * Militarisierung 
jFuchmitdenrufiM^ * Uorst Blume über 
Frühen in s ÜNEN * Lutz Bred low über 
^ ha Wn n nw :IC JI * 9 tcrvicw mit Clara 
putschen K^i ■ , 9 0lt fried Mergner über 
Anihr «pologi c ^ns a t 1 7 SmUS * an Harclays 

Glot z ^ ß ka : GRÜNEN und Selbstkritik * 
?. Ia atskritikM ° n,cm °üeH * VOBO * 
* Martha AH^Vu^ mit Clara Thalmann 
Stammheim r n C sbcrgü bcrMujcrcsLibrcs 
Lib ^ans?A UCh ’ Pilm > * Franz Jung - 
N Anll scmiti sm us in der Linken 

d F A syl am <fn * g J! aUg bber Tschernobyl und 
P^A^sländcmpti* 9 fgajl S Pohrt über Linke 
* 7 ° Ul ^ * Umbauprogramm der 
r Uc byübcrK.n P ? Scha " Trcffcn * A ugustin 

M Ülc * Gar c ^I CktlV T UnginAragon * CNT 
U Cxi ^nis c heU ? rCa Vicrfarbmittcldruck 
?° lf Cn as Y al ^ Cicnvon Georg Janthur* 
»p Ve i-Storicftp U ^ r Unb ckannte Marut- 
.. L :ric h Mühsam ■ Xl , lle raturreihcbei Fischer 

Cr Anarchien, ln dcr ^DR * Ulrich Klemm 
c hismus und Anlipädagogik 


Nr 24- Clara Thalmann (Nachruf, Text) 

*AnarchoseminarAmoldshain * Wupperta er 

Häuserkampf * Knast (I ExU/ 

"Asylantcnbchandlung” m Berlin 
Schütz über Künstler und Gesellschaft I^s 
Litten in der DDR * über Karl Ot en Libertarc 

in Ungarn * US-Basen in Grönland 
Nr.25: Libertäre 1b 

Bewegung 2. Juni * Klaus Bit.crmannitber 

Gedenkfeiern der Linken zum • * 

Männer und A f bcil * Frauenknast^ 
Französische Streiks * Wolfgang 
Emesto Sabato 

Nr.26: Grüne New AgePolidk * 

Klasse - Strukturen schallen * 

Beschlagnahmeaktion * KullUr , k "‘ kr itik * 

Rosclla di Leo über P am ^ ha f^rnay 
Ökofeminismus? * Inlcrvic , ww (]) * 
Bookehin (I) * Geschichte der 1WW l; 
Zukunft Osteuropas 

Nr.27: Slartbahn-danach * ^^Herbst 

(B^chcrschwcmmc) * ^^^^Klassc'* 

Kulturkritik (II) über Jacob van 
Schriftstcllerkongreß in Valcnc 

Nr.28: Panik und Politik (Kedienem A.^ t 
Aktion) * Nationalrevolutionares + Lucian0 
(Autonomes?) Sclbstvcrs n . * Gcsc hichtc 

Lanz^überUtopiederOkonomic Gcs^ djc 

Arbeitsdiskussion u.v.a. 

N,.29 : A..t.wr.KW«"Y S S 8 2“ 

* Putsch in Birma Strobl S (CNT 

Gcgcnöffcnllichkeit nDR-Anarchos 

Themroc) * Kubat-Dreieck * D»A^ mft 
Michel Foucault Mythos Kibbuzim 

Ökonomie und Herrschaft y Gucr in, 

* WRI-Treffen * Nachrufe (B»8^ 
Bonner, Binder) * Diskussion- Verg 

Antifa-Kongreß Berlin * Mcdicn und 

Spanien *Knipselkrant - 

Europa von Herby S ktioN 

frontline m( . r und Kritik 

VergewaUigungssondernumme crv . cw mi , 

ehemaliger Mitarbeiter nn j nler vicw mit 

INTER1H • m-B»* . Smp „ b]il 

. & k,T,c S c,-iu,lo™=n.« h “ r ) 1 " Aml ,. 

von Jörg Auberg D f cr ? e “ Schu i cr * u.a. 
Nachruf* Über Else Lasker-Schulc 

Nr.31: EG-Binnenmarkt: ^^“ßTsffobl- 

WolfgangHaug* Startbahn freicr 

Prozeß * Zur Voxitr ung ^ Knast * 

medizinischer Versorg Sch * 

Lciharbeit in der BKU * MediaPark 

Häuserkampf m Köln 


Anarchismus und Intellektuelle von Jorg 
Auberg Rudi Dutschkc * Left Green Network 

* Interview mit Rainer Trampen (Wahl- 
Parteien machen RcalCoJpol.uk Wm / 
Cimex * Interview mit Paco Cabcllo/CN 
AIT * Diskussion: Isracl/Paläsnna u.a. 

Mr 32- China: Gesellschaft contra Staat * 
StfobiUrteiVEMMA * Fraucnhandel von 
x W lmes und Monika Aulcnncb * 
Amta Wuppertal * 1-Mai in 

Autonomes 7-enmi^^ VP^ | jnkcn von 

CNT-1 kö * Esoterik ändert nichts! 

Schulvcrmcidung C ^ Jcn Graphikcr 

SSÄT- w„„ 

Semer * u.a. 

... t | inkc von Michael Wilk 
Nr-33: Rad !, ka Kriük von Gerhard Linner * 
IIungcrstrcik-Kn 'r c ;] j von Janct 

Sozialer Okofemmisrnus Te.l ^ ^ * 

Bichl * Situa "°" , KAS tnU der RADIKAL. 
Interview mit dcrKAS^ i _ hsa m. Gcse ii sch aft 
mit Rio Reiser^ L ialisjcrt V on Karola 

* Namibia wir .. . k i( * Friedrich Wolf 
Fings * GegcnoffenghkcU n? wn Wo , fgang 

bei den Kappu Frank Harns: »Dic 

Fcy * Romanausz g Bonn0 ,. lian dc, Der 

5%£&«»• GATT: Bc " ch " ! - 

Meldungen etc. 

N r .34: Wi(e)dcrvcreinigungsdiskussion-I ^ 

Entstehungsbedingung sj gfric dJäger 

Rochtsexirem.smushemcvon^ Nazis , 

* Fantifa-Bcncht Tci) 2 von Janct 

Sozialer G kofe T‘ Ccn ^ Sociali Autogesti, 

Bichl * Italienische Gim amhisten 

vorgestel l t von Egon Gunter ^ Jcm 

in Klul cim An(Jrcas Müller 

Sozialistengesetz Klabcr . »Passagiere 

Romanauszug aus s Äslhclik n 

dcr3.Klassc« des Sonderhefts 

SSSMCÄ-äi 

- 

Nie wieder Deutschland ! * 
Nr.35: Demorede. INI + Was koslcl dcr 

Ansch uß? _ Aus iändcrgcsetz *500 

Flüchtlingspolütk ^ g ubsislcnzansa iz, Teil 1 

Jahre Kolo ." ls ä’°" ho |dt-Thomsen * Brief aus 

von Veronika Bennto _ Gcrmina | * A- 

Argentinicn * Märzrevolution 1920 

K^ferenz in Tncs ^ _ Marut von 

von Erhar h * Interview mH Lai 
Augustin S ° u3hy h f au f Georg Usmger 
Thenardicr Nac r Rczcnsl0 ncn, 

Nr ^6" ’^^'okralie^ Radikale Lüikc-Kongrcß 
Häuserkampf tnG 2 yon Veronika 

Subsistenzansau, # TAZ 1Ugl ! * 

Bennholdt-Thomaen Mexiko/USA * 

FüchtlingspoB l ' K * de Antonios 

Nationalismus ts “ Auberg * Kölner 

Dokumentarfilm ^ Gcron imo), 


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